Add-on, Stand-Alone, DLC, Fortsetzung – kaum mit Worten zu beschreiben, wie egal es mir ist, in welcher Form die nächste Saints-Row-Idee das Licht dieser vergnüglichen Welt erblickt. Letztendlich wird ein Spiel für das bewertet, was es sein will, und vor niemand anderem als vor den Fans muss es sich rechtfertigen. Daher meine ich... *argh* Was? Ich soll die Klappe halten und einem Alien die Rektalsonde in den Rachen schieben!? Oooookay!

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Noch ein Glas Schwachsinn zu Ihrer Suppe, Sir?

Ich habe einen großen Fehler gemacht. Nicht die Sorte von Fehler, die man sein ganzes Leben bereut, bei der man in der Nacht schweißgebadet aufwacht und sich fragt, wann man wohl jemals seine Würde wiederfindet, sondern eher einer dieser Fehler, bei denen man nur den Kopf schütteln kann, leicht dümmlich grinst und weitermacht.

Zu Zeiten von 'Saints Row: The Third' habe ich doch tatsächlich angenommen, dass es Gleichgesinnte geben muss, die sich wünschen, die Abenteuer der Saints etwas ernsthafter umgesetzt zu wissen. Solche, die zwar der einen oder auch anderen Albernheit stets etwas Positives abgewinnen können, jedoch auch die ernsten Seiten des Videospiels zu schätzen gelernt haben. Jene, die sich zumindest nach der Chance sehnen, Saints Row einen Hauch Realismus einzuflößen.

Als ich den gefühlt tausendsten Alien mit einem Hentai-Tentakel verdresche, einen Kollegen, als Toilette verkleidet, durch die Luft gleiten sehe und direkt neben mir ein Schwarzes Loch einige meiner Widersacher einsaugt, läuft die Zeit nicht nur so langsam wie zähflüssiger Teer, nein, ich frage mich auch, wo meine Einstellung zu mehr Ernsthaftigkeit hin ist. Sie müsste hier noch irgendwo liegen. Ein kleines grünes Ding, leicht schleimig. Das letzte Mal lief sie Hand in Hand mit meinem Verstand auf eine Klippe zu.

Saints Row 4 - So irre und so geistgestört, der Uhu schreit, der Hirsch, der röhrt

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Willkommen im Wahnsinn!
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„Sind Videospiele auch Kunst?“. „Was kann ich aus diesem Level lernen und welche Weisheiten gibt mir der Protagonist für meinen weiteren Lebensweg mit?“. „Ist Zocken Zeitverschwendung?“ und vor allem „Warum ist es so hypnotisch, die Köpfe von Passanten mit einer Alienwaffe platzen zu lassen?“. Fragen über Fragen, doch in 'Saints Row 4' werdet ihr bestimmt keine Antworten finden.

Wie ein großes Finale mit Feuerwerk, Blaskapelle und viel Konfetti explodiert dieses Spiel von der ersten Minute an und wird mit jeder verstrichenen Stunde schneller, imposanter und vor allem bekloppter. Was im dritten Teil noch leicht bis mittelschwer merkwürdig wirkte und sich nicht immer mit der Hintergrundgeschichte vertrug, ist nun zu einem essenziellen Eckpfeiler geworden.

Packshot zu Saints Row 4Saints Row 4Erschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Und es war so einfach, die klare Linie zwischen „Machen wir das?“ und „Wollen die Fans das überhaupt?“ zu ziehen. Man verabschiede sich gänzlich von einer ernst gemeinten Geschichte, stecke die Hauptfiguren in eine virtuelle Welt und erkläre ganz nebenbei, dass hier absolut alles möglich ist. Hinzu kommt der typische Saints-Row-Humor mit jeder Menge Anspielungen auf die Kino- und Videospielwelt.

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Die Anspielungen auf 'Matrix' sind elementar. Aber die Aliens sind neu.
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Erzählerisch orientierte man sich wohl grob am Ende von 'Saints Row: The Third', übersprang dann einfach etwas Zeit, schlug einen irrwitzigen Kurs ein, machte den Anführer der Saints zum Präsidenten der Vereinigten Staaten und dann... ließ man wieder etwas Zeit verstreichen. Bis endlich die Aliens kamen, alle in die Matrix steckten und damit den Startschuss für unkontrollierte Blödeleien gab.

Das gilt nicht nur für die Geschichte an sich, die schon so bekloppt ist, dass man sie mit Worten gar nicht richtig beschreiben kann (doch, kann man: völlig irre!), sondern vor allem um den spielerischen Inhalt. Steelport wurde durch viele neue Spielereien erweitert und ist nun das Mekka für alle Anbeter des großen Schwachsinns.

Des Wahnsinns fette Beute: Saints Row 4 ist ein Garant für eine abgedrehte, spaßige Zeit.Fazit lesen

Eine Dubstep-Kanone, die ihre Opfer sich zu Tode tanzen lässt, Alien-Technologie, mit der man so ziemlich alles anstellen kann, noch mehr Kostüme, eines verrückter als das andere, und, und, und. Die Kombination aus diesen Inhalten und der Tatsache, dass ihr euch ja eh nur in einer virtuellen Welt innerhalb einer virtuellen Welt befindet, entriegelt im Gehirn die letzten Mechanismen zum Schutz eures kostbaren Verstands und öffnet euch die Tür zum absoluten Wahnsinn.

Völlig losgelöst kann man tun und lassen, was man will, und ist damit immer noch im Einklang mit dem Spielgeschehen. Lange Rede, gar kein Sinn: 'Saints Row 4' ist die Spiel gewordene Manifestation von Lewis Carrolls Wunderland. Ein Ort, an dem alle dem Wahnsinn verfallen sind und selbst der verrückteste Gedanke normal anmutet.

Kotzend durch den Kaninchenbau

War die blumige Bildsprache ausreichend, um euch einen Eindruck davon zu geben, wie absolut beknackt dieses Spiel ist? Ja? Nein? Schön. Ist mir nämlich sehr wichtig, dass nichts in diesem Text am Ende mehr Aussagekraft hat als das Spiel selbst. Ähnlich hielten es wohl auch die Entwickler: Abschließend muss nichts an den Fans haften bleiben als das völlig verschrobene Grinsen eines glücklichen Spielers, der viele Stunden Spaß hatte.

Dafür bediente man sich einer einfachen Rezeptur, die schon so manch einem Medium Tür und Tor zum Herzen der Spielerwelt geöffnet hat: süß wie Zucker, scharf wie Pfeffer und bunt wie lauter schöne Sachen... Nee, Moment. Das war anderer Schwachsinn. Dieser hier hat aber auch Superheldenniveau. Denn wo lägen die Vorteile einer allmächtigen Matrix, wenn man sie nicht nach seinen Bedürfnissen formen könnte?

Also macht ihr euch in gewohnt psychopathischer Natur daran, Miniaufgaben zu erfüllen, Stadtteile einzunehmen und den Einfluss der Saints zu stärken. Nur dass ihr diesmal nicht gegen andere Straßenbanden antretet, sondern versucht, das Programm der Aliens durcheinander zu bringen und deren Einfluss zu schwächen. Belohnt werdet ihr mit den gewohnten Erfahrungspunkten, Geld und neuen Fähigkeiten, aber auch mit etwas viel Coolerem: Superkräften.

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Wer wollte denn nicht schon immer mal Superkräfte haben?
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Es ist, als hätte Saints Row einen schrecklichen Unfall gehabt und jemand schrie: Wir können es besser machen. Schneller. Stärker. Aber wir wollen, dass es nach der Operation komplett blöde ist. Ka-Ching! Wunsch erfüllt. Als Belohnung für euren unermüdlichen Einsatz, in der Entwicklung Chaos zu stiften, gibt es jetzt, was sich jedes Kind gewünscht hat: die Fähigkeit, schneller zu laufen als ein Auto. Höher zu springen, als irgendwas auf unserem Planeten springen können sollte, Feuerbälle zu verschießen, Gegner einzufrieren, eure Munition zu buffen und, natürlich, mit einem kleinen Stampfer eine halbe Atomexplosion auszulösen.

Warum auch nicht? Ihr sollt euch austoben und Spaß haben, und soweit ich das beurteilen konnte, hat es ganz gut geklappt. Grinse ich immer noch? Nein? Schade.

Die Missionen, die ihr erfüllen sollt und müsst, um eure Kräfte zu mehren, ähneln dabei recht stark denen aus dem dritten Teil der Reihe. Hier und dort wurden sie den neuen Fähigkeiten des Saints-Anführers angepasst und noch ein bisschen verrückter gemacht.

Aus dem Panzervandalismus wurde natürlich die entsprechende Alien-Panzer-Adaption, plus eine Mech-Variante und eine Ufo-Version. Wettrennen bestreitet ihr nun zu Fuß, Wellen abwehren ist ein epischer Kampf gegen Tausende Professor Genkis, Rocker, Polizisten und Glitches, und wenn ihr eine Gruppe Gegner seht, sind das meist ebenfalls Aliens. Auch solche, die wie Menschen aussehen, machen euch schnell den Agent Smith und verwandeln sich in die außerirdische Brut. Will sagen: Manche der optionalen Aufgaben sind recht bekannt, jedoch wurden die Gegner schlicht durch E.T. in noch hässlicher ersetzt.

Dafür wurden was-weiß-ich-wie-viele neue Spiele eingeführt, die die Möglichkeit, Zeit in 'Saints Row 4' zu investieren, höllisch in die Höhe treiben. Eine Grundidee, die sich durch das ganze Spiel zieht: Behalte alles drin, was im dritten Teil schon drin war, und ergänze es durch eine breite Palette an verrückten Ideen aus den tiefsten Regionen des Gehirns.

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'Saints Row 4' wirft mit verrückten Ideen nur so um sich.
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Egal ob Missionen, Klamotten, Waffen oder Fahrzeuge. Was ihr aus 'Saints Row: The Third' kennt, ist immer noch fester Bestandteil des Universums, nur dass es nun zusätzlich jede Menge mehr davon gibt.

Doch bleibt ihr nicht die gesamte Zeit über in diesem einen Programm: Oft machen es die Hauptmissionen erforderlich, andere Matrix-Versionen zu besuchen, wo sich die Regeln der Naturgesetze und eurer eigenen Kräfte ändern. Sowohl die handlungsrelevanten Aufträge als auch die Loyalitätsmissionen, durch die eure Begleiter ebenfalls Superkräfte erhalten, gehören zur absoluten Speerspitze. So eine geniale Anhäufung an Witz, Schwachsinn, Einfallsreichtum und Nerd-Manie gab es vorher selten und bestimmt noch nicht in diesem Ausmaß.

Ob ihr euch als Geheimagent unter einer Kiste versteckt und in guter alter Metal-Gear-Manier euren Gegnern nähert, sie abstecht und diese dabei „Berühmtes Filmzitat!“ schreien oder ob ihr im klassischen Arcade-Stil von links nach rechts lauft und 8-Bit-Gegner verprügelt... Diese Aufträge sind so humorvoll, so nähteplatzend gefüllt mit Film- und Videospielreferenzen, dass einem Nerd das Herz warm werden könnte.

Die optionalen Nebenmission leben dafür leider nur vom ersten Lacher, verlieren sehr schnell ihren Reiz und werden zu reinen Zeitfressern. Das ist zwar schade, aber nicht weiter schlimm, denn schließlich kann euch niemand zwingen, diese Aufgaben zu übernehmen. Auch wenn euch dadurch Erfahrungspunkte flöten gehen, ihr Probleme bekommt, eure Kräfte zu verbessern, und letztendlich eine Menge verpasst.

Hier sieht es ja scheiße aus!

So, steinigt mich oder bestrahlt mich mit dem Alien-Laser dafür, dass ich dieses alte leidige Thema anschneiden muss, aber was getan werden muss, muss halt getan werden. Und wenn es da draußen noch eine Phrase gibt, die sich mit dem Thema Grafik verwurschteln lässt, dann lasst uns stolz erhobenen Hauptes aufstehen und in die Welt rufen: Ich hab hier noch eine Meinung zum Besten zu geben!

Nein, jetzt mal Butter bei die Fische und Klartext geschwafelt. Dass dem vierten Teil so viele neue Extras hinzugefügt wurden, ist ja sehr löblich, und sogar über die Tatsache, dass sich die Spielmechanik nicht einen leisen Mäusepups vom Vorgänger unterscheidet, kann man noch verkraften, schließlich gab es ja genug Fans, die es genauso liebten und gar nicht anders haben wollen.

Doch grafisch hätte sich doch wenigstens irgendwas tun können. Nichts Gewaltiges, keine neuen Dimensionen, kein Sprung über die Schlucht und großes „Ohoo“. Aber zumindest mehr Mühe hätte man sich geben können. Wie kann das lästige Thema „Ist das ein waschechter vierter Teil, oder 'nur' ein Ableger/Add-on?“ vermieden werden, wenn man wirklich gar nichts verbessert hat?

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Trotz cooler Aliens: Grafisch hat sich absolut nichts geändert.
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Nicht nur, dass das Spiel eins zu eins wie sein Vorgänger aussieht, nein, es wurden auch keine versteckten oder schwer erkennbaren Einzelheiten überarbeitet. Von der ersten Minute bis zu den Credits konnten viele Augen trotz angestrengter Suche nur erkennen, dass die Brüste der weiblichen Hauptfigur nun wackeln. Nicht gerade ein Meilenstein der Entwicklung in den Jahren nach Dead or Alive.

Die gleiche Stadt mit den gleichen Inhalten und den gleichen Fehlern. Es ist ja ganz lustig und im Zusammenhang mit dem endbekloppten Humor des Gesamtwerks durchaus vereinbar, dass sich über Grafik, Pixelmatsch und Bugs in der 'Matrix' lustig gemacht wird, dass Figuren mit schlimmen Glitches absichtlich den Bürgersteig bewohnen und man das gesamte Thema breit grinsend durch den Kakao zieht, aber dann sollte wenigstens alles außerhalb dieser Programmierung weniger vom Fehlerteufel verfolgt sein, um die Möglichkeit zu geben, den Gag als Teil eines Gesamtwerks zu verstehen und ebenso zu beurteilen.

Es sind die gleichen Animationen, die zu den gleichen Clipping-Fehlern führen. Es sind die gleichen Grafikfehler, mit denen schon Teil 3 zu kämpfen hatte, und es sind die gleichen Glitches, über die man sich bereits so unzählige Male aufgeregt hat. War es bei der Entwicklung von 'Saints Row: The Third' zu 'Saints Row 4' wirklich nicht möglich, auch nur ein klitzekleines Bisschen zu verbessern?

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Aber wer braucht schon 'ne schicke Grafik, wenn er mit diesem Ding ballern darf?
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So wirkt das ganze Spiel wie eine bloße Erweiterung. Wie eine wirklich umfangreiche, grenzdebile und wahrhaft verrückte Erweiterung, ja, aber leider nicht mehr. Einen wirklichen Nachfolger kann und will ich darin nicht erkennen und daher heißt das Spiel für mich noch immer: „Saints Row: The Third – Enter The Dominatrix“.

Wie? Was? Hat er zu Beginn des Textes nicht geschrieben, dass es völlig Banane ist, in welcher Form dieses Spiel auf den Markt kommt? Dass der Inhalt zählt und nicht der Titel? Tja, da könnt ihr mal sehen, wie absolut schrecklich und unverschämt diese Grafikpampe ist.

Gesichtsanimationen fehlen fast zur Gänze, andauernd bleibt meine Figur in irgendwelchen Wänden stecken, viele Male bin ich durch den Boden ins endlose Nichts gefallen und einige Male hat sich die Konsole komplett aufgegeben und gute Nacht gesagt.

Denn zusätzlich zu den ganzen Fehlern aus Teil 3 kam noch ein großer Batzen neu hinzu, als die speziellen Fähigkeiten der neuen Waffen und natürlich die heißgeliebten Superkräfte eingeführt wurden. Bei solch einer Effektexplosion kam es immer wieder vor, dass der Bildschirm einfror und das Gerät den Dienst verweigerte.

Künstlich konnte man dieses Dilemma herbeiführen, wenn man sich drei Begleiter schnappte, die alle über gleichsam magische Kräfte verfügten, so lange sinnlos gegen Aliens kämpfte, bis diese in großer Zahl und verschiedensten Ausführungen auf den Plan gerufen wurden, und dann, mitten in dieser Apokalypse aus Attacken, Kräften, Effekten und Explosionen, schoss man dann ein Schwarzes Loch, genau in die Mitte der Gegnermassen. Eine todsichere Methode, zumindest eure Xbox 360 k.o. zu schlagen.