Sacred: Underworld (PC-Review)
(von Andreas Spies)

Dass Fantasy-Rollenspiele rund um die Heldentaten furchtloser Zwerge, Paladine, Magier und anderem Gesocks gegen das Böse voll im Trend liegen, hat spätestens die Veröffentlichung von »Diablo 2« im Jahre 2000 gezeigt:

Innerhalb kürzester Zeit stürmte der von Blizzard Entertainment entwickelte Blockbuster sämtliche Charts auf der ganzen Welt und beansprucht auch heute noch den Thron des allseits beliebten Genres. Nach rund vierjähriger Herrschaft rüttelten die Mannen der in Gütersloh ansässigen Spieleschmiede Ascaron

Sacred: Underworld - Sacred Underworld German TrailerEin weiteres Video

erstmals gefährlich stark am heiligen Stuhl des Referenztitels, konnten den Kampf mit dem vorab hoch gehandelten »Sacred« aber dennoch nicht für sich entscheiden. In Form von »Sacred: Underworld« befindet sich nun seit kurzem das erste Add-on des erfolgreichen PC-Spiels in den Regalen unserer Händler, in dem es Fans wieder einmal nach Ancaria verschlägt - diesmal allerdings in die Unterwelt.

Die Story von »Sacred: Underworld« beginnt ohne große Umschweife und knüpft nahtlos an das Ende des Hauptprogramms an, in dem Prinz Valor auf tragische Weise verstorben ist. Was Fans des Action-Rollenspiels vor mehr als einem Jahr noch nicht ahnen konnten, führt am Anfang der Erweiterung zu einem wahren Debakel:

Der tot geglaubte Thronfolger segnete nämlich nur in der bekannten Welt von Ancaria das Zeitliche und fristet seitdem sein Dasein in einem bisher unbekannten Paralleluniversum. Von einer nächtlichen Vision aus dem

Schlaf gerissen, beschließt Baroness Vilya ihrem Geliebten schließlich einen Besuch abzustatten und beauftragt einen Magier mit dem Öffnen eines Portals zur Unterwelt. Soweit, so gut, wäre das Tor in die düsteren Gefilde nur nicht so lange geöffnet!

Plötzlich taucht nämlich ein finsterer Dämon vor den verdutzten Charakteren auf und entführt die schöne Vilya kurzerhand in die schier endlosen Weiten der Unterwelt. Ein tapferer Held muss also her, der die Entführte aus den Klauen des Bösen befreit und der grausamen Höllenbrut den Garaus macht.

Teuflischer Neuzugang
Bereits vor dem eigentlichen Spielbeginn präsentieren die Entwickler von Ascaron eine der zahlreichen Neuerungen, die das Add-on mit sich bringt. Im Auswahlmenü des Charakters habt ihr die Möglichkeit, euren alten Helden aus »Sacred« zu importieren oder in Gestallt einer Dämonin

Sacred: Underworld - Lohnt sich ein Besuch in der Unterwelt wirklich?

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beziehungsweise eines Zwerges den Kampf gegen das Böse aufzunehmen. Da die Kampagne von »Sacred: Underworld« erst ab Level 25 in Angriff genommen werden kann, stehen euch zu Spielbeginn zwei Standard-Protagonisten der beiden neuen Klassen zur Verfügung, die bereits mit der entsprechenden Erfahrung und dem nötigen Equipment ausgestattet sind. Echte Rollenspieler werden die beiden neuen Rassen aber ohnehin von Grund auf trainieren, um auch einen engen Bezug zu ihrem neuen Schützling aufzubauen.

Packshot zu Sacred: UnderworldSacred: UnderworldErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Für die Implementierung der beiden Darsteller haben sich die Entwickler besonders viel Zeit genommen. Vor allem der Zwerg kann durch seine liebevolle Gestaltung beeindrucken und erinnert im ersten Moment an seine Kameraden aus »World of Warcraft«. Mit "liebevoll" haben die Kampftaktiken des laufenden Meters aber weniger gemein: So ist er in der Lage, statt Pfeil und Bogen Feuerwaffen und Pistolen als Fernwaffen zu benutzen.

Dabei sorgt vor allem der Flammenwerfer bei seinen Kontrahenten für schwerste Verbrennungen. Cool wie das Volk der kleinen Krieger ist, setzt unser Protagonist bei all seinen Grillpartys eine Schutzbrille auf, um die eigenen Augen nicht zu schädigen. Wer allerdings auf dem Rücken eines Pferdes in die Schlacht ziehen möchte, wird vor ein unüberwindbares Problem gestellt: Keiner der kleinwüchsigen Zeitgenossen schafft es auf das Tier, so dass längere Distanzen immer zu Fuß bewältigt werden müssen.

Solltet ihr euch hingegen mit der Dämonin auf die Jagd nach der blutrünstigen Höllenbrut machen, dürft ihr euch ebenfalls auf interessante neue Features freuen. Ihre Ausrüstung orientiert sich eher an den klassischen Gegenständen wie Schwertern, Schildern und Panzerrüstungen, während ihre Wandlungsfähigkeit etwas ganz besonderes darstellt: So erlauben es einige der Fähigkeiten, dass sich die Dämonin verschiedene Elemente zu Eigen macht und kurzfristig zu einem Elementdämon wird, um ihre Gegner auszuschalten oder per Tentakel ein Blutbad anzurichten. Hauptsächlich werdet ihr dem Monstern aber mit verschiedenen Feuer- und Giftzaubern das Fürchten lehren. Sollte eine Situation schließlich zu gefährlich werden, kann die furchtlose Höllenbraut mit ihren Flügeln auf dem Rücken das Weite suchen.

Obwohl sich die Dämonin in den Dienst des Guten gestellt hat, sorgt ihre Anwesenheit in den Städten und Dörfern der Fantasy-Welt aber immer noch für Angst und Schrecken bei den Bewohnern. Schlechtere Preise bei Händlern sind deshalb vorprogrammiert und bereiten dem Charakter ein nicht zu verbesserndes Handicap.

Frische Quests, neue Monster, heiße Items
Nachdem die Entwickler mit »Sacred: Underworld« die Spielwelt von Ancaria um satte 40 Prozent vergrößert haben, erfordert dies natürlich auch weitere Quests, zahlreiche neue Monster und frische Gegenstände. So findet ihr in den feuchten Sumpfgebieten sowie

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den tropisch anmutenden Regionen der Erweiterung zahlreiche neue Dungeons und mehr als 40 Nebenquests, die allesamt mit einer kleinen Ministory ausgestattet wurden. Somit rückt die Hauptstory ab und zu in den Hintergrund und macht den teilweise spannenden Sekundärzielen den Weg frei. Darüber hinaus wurden aber auch zahlreiche andere Quests verändert, um Spielern der ersten Stunde neues Material zu bieten.

Natürlich dürfen in dem Add-on auch neue Items nicht fehlen, deren Suche schon beim Hauptprogramm für Tausende Spieler zu einer wahren Sucht ausartete. Neben neuen Schwertern und Waffen dürft ihr euch ebenfalls auf frische Rüstungsgegenstände freuen, die in allen erdenklichen Variationen auftauche.

Darüber hinaus fanden mehr als 20 neue Gegnertypen den Weg in das Spielgeschehen, die nicht nur extrem abgedreht aussehen, sondern auch mit einem entsprechend verrückten Namen ausgestattet wurden: Bei einem sogenannten "Glorb" handelt es sich zum Beispiel um eine menschenähnliche Gestallt mit Schweinekopf, die von Geschwüren übersäht ist.Veraltete Technik! Oder ...
Nachdem die wenig innovative Story von »Sacred: Underworld« noch zu verkraften ist, hätten sich die Entwickler von Ascaron deutlich mehr dem grafischen Sektor zuwenden müssen. Hier hat sich bei der Erweiterung im Grunde nichts getan, so dass ihr die Unterwelt auf Basis einer nicht mehr zeitgemäßen 2D-Optik bewältigen müsst.

Moderne Shader und eine verbesserte Texturvielfalt hätten hier einiges zur Atmosphäre beigetragen. Die soundtechnische Untermalung präsentiert sich hingegen wieder auf hohem Niveau.

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Dafür sind vor allem die professionellen Synchronsprecher verantwortlich, die von Ascaron engagiert wurden. Die deutsche Stimme von Bud Spencer ist ebenso vertreten wie die von Gimli aus den "Der Herr der Ringe"-Filmen - Wolfgang Hess sei dank. Der bombastische Soundtrack kann sich ebenfalls hören lassen.Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ zwei neue Charaktere + vergrößerte Spielwelt + viele neue Gegenstände + atmosphärische Musik + geniale Sprachausgabe

Contra:
- extrem lange Installation - Technik bleibt unverändert - teilweise Balancing-ProblemePro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ zwei neue Charaktere + vergrößerte Spielwelt + viele neue Gegenstände + atmosphärische Musik + geniale Sprachausgabe

Contra:
- extrem lange Installation - Technik bleibt unverändert - teilweise Balancing-Probleme