Ich schwöre bei allem, was mir heilig ist. Wenn ich in einen Laden gehe und mir eine Packung Milch kaufen will, auf der in fetten Buchstaben „Milch“ draufsteht und die mit ihren knackigen Werbetexten, die beste und frischeste Milch in der ganzen Region verspricht... Und der dümmlich grinsende Kassierer bei seiner Mutter schwört, dass in der Packung wirklich Milch ist... Und dann muss ich plötzlich Orangensaft trinken... Ich schmeiße ihm das Teil direkt in seine blöde F****...

Sacred 3 - Launch Trailer PS42 weitere Videos

Verzeiht meinen recht bildlichen Straßenjargon. Aber es muss Grenzen geben. Und die sind für mich überschritten, wenn man auf ein Spiel „Sacred“ draufschreibt, sich aber nicht Sacred drin befindet. Sondern... Irgendwas. Was, weiß ich noch nicht so recht. Sieht aus wie ein Hack&Slay. Spielt sich wie ein Hack&Slay. Ist aber größtenteils Grütze. Wer unsere Vorschau zu dem Spiel gelesen hat, braucht sich eigentlich gar nicht mehr die Mühe machen. Denn viel mehr gibt es über – nennen wir es einfach mal so; weil es die Entwickler ja auch tun – „Sacred 3“ gar nicht zu berichten.

Sacred 3 - Schlagt ihm den Kopf ab! Ich brauch nen neuen Aschenbecher!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 23/281/28
Sacred 3 erscheint bei uns am 1.8.2014 auf PC, PS3 und XBox 360.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Akt I: Oh, ihr Götter...

Um die Sache für alle abzukürzen, die die eben erwähnte Vorschau tatsächlich schon „genießen“ durften, hier kurz die Details, die sich in diesem Text nicht befanden. Zum Beispiel haben wir noch nicht darüber gesprochen, dass es die fünfte Klasse nur für Vorbesteller gibt oder solche, die bereit sind nochmal drei weitere Euro für den Blutmagier/Dolchkämpfer zu bezahlen.

Außerdem blieb unerwähnt, dass sich das ganze Game auf circa 8-9 Stunden Spielzeit beschränkt und kaum mehr zu bieten hat, als bereits nach einer Stunde klar war. Die Story ist ziemlicher Mist, was vor allem daran liegt, dass versucht wird eine bedrohliche, groteske Stimmung aufzubauen und beim Erzählen dann der kindische/unterirdische Humor genutzt wird, der sich am besten eignet, um jegliches Gefühl für echte Bedrohung in einen Zustand nahe am Nervenzusammenbruch zu verwandeln.

Zusätzlich ist das Spiel viel zu leicht. Im Alleingang schnetzele ich mich ab dem Moment durch die Gegnermassen, wo mir klar wird, wie das Kampfsystem funktioniert... Also circa nach einer Minute. Aber das Spiel ist ja nicht dafür ausgelegt, alleine bewältigt zu werden. Nein, es soll im Koop gespielt werden, um seine maximale Spielfreude entfalten zu können. Schade nur, dass sich das Spiel der Spielerzahl nicht oder nur kaum merklich anpasst und es schlagartig noch einfacher wird. Die Stichwörter sind hier „Heiß“, „Messer“ und „Butter“.

Sacred 3 - Schlagt ihm den Kopf ab! Ich brauch nen neuen Aschenbecher!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder
Lootlos und lustlos in Ancaria.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Akt II: Wer macht denn sowas?!

„Sacred 3“ hat in erster Linie so viel mit Sacred zu tun, wie WWE-Wresling mit Mixed Martial Arts. Die offene Spielwelt wurde gestrichen und macht Schlauchleveln Platz, zu deren Anfang ihr stets „gebeamt“ werdet, sobald ihr das Ende des letzten Levels erreicht habt. Ihr könnt nicht wirklich frei leveln. Stattdessen erhöht sich nach und nach einfach euer Charakterlevel und ihr könnt – für Gold – Fähigkeiten freikaufen.

Wir konnten uns nicht vertragen, drum lieg ich hier begraben.Fazit lesen

Ähnlich verhält es sich mit dem Loot. Ja, dem Loot. Dem vielleicht wichtigsten Aspekt in einem Hack&Slay-Spiel. Der heilige Gral des Spielspaßes. Das eine Ding, was euch bis in die tiefste Nacht vor dem Rechner sitzen lässt, weil ihr unbedingt euer Rüstungsset komplett haben wollt, obwohl morgen eine wichtige Arbeit geschrieben werden muss. Dieses System... gibt es nicht mehr.

Sacred 3 - Schlagt ihm den Kopf ab! Ich brauch nen neuen Aschenbecher!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 23/281/28
Wer freut sich schon über Kisten, in denen nie etwas anderes ist, als Gold und Heilkugeln?
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Nein, kein Scherz. Es. Gibt. Keinen. Loot. Ich meine... Wessen Idee war das denn? Wer macht sowas? Wer tut einem armen kleinen Spieler so etwas an? Da öffnet man voll freudiger Erwartung eine Kiste und darin befindet sich nur sche** Gold und Heilkugeln? Was soll der Mist?

Im Ausgleich kann ich im Menü Waffen und komplette Rüstungssets (Vier!) freikaufen, für die ich bereits das entsprechende Level erreicht habe. Na toll.

Akt III: Es ist nicht alles Dreck, was stinkt

Ähnlich enttäuschend – wenn auch nicht annähernd so schlimm – verhielt es sich mit dem Kampfsystem. Sagen wir es mal freundlich: es ist etwas mau ausgefallen. Die zwei von insgesamt vier Fähigkeiten, die ich während des Kampfes nutzen kann, lassen das erste Sacred wie einen Riesen erscheinen. Und die Kombination aus „Angreifen“, „Fähigkeit“, „Ausweichen/Blocken“ und „Schildbrecher“ nutzen sich sehr schnell ab.

Das liegt aber nicht am Kampfsystem an sich; andere Hack&Slay sind da ja kaum besser. Es liegt an der Gegnervielfalt, die mehr als übersichtlich ist. Selbst wenn mal neue Gegnertypen dazu kommen, sind sie doch nur leichte Abwandlungen derer, die man schon vorher bekämpft hat und Kombinationen aus den verschiedenen Gegnertypen. Abwechslung und taktische Möglichkeiten halten sich so arg in Grenzen und zehren am Spielspaß.

Sacred 3 - Schlagt ihm den Kopf ab! Ich brauch nen neuen Aschenbecher!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder
Die Level sehen - in ihrer schlauchartigkeit - schon recht schick aus.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Dafür sehen die Level – so schlauchig sie auch sein mögen – wirklich nett aus und unterscheiden sich stark voneinander. Lichtsetzung, Effekte und die allgemeine Grafik können sich sehen lassen. Zumindest kann man sich kaum beschweren, wenn man nicht „Motzen auf hohem Niveau“ praktiziert.

Die Musikuntermalung ist mehr als okay und wenn man mal ganz ehrlich ist, ist die Kombination aus all diesen Dingen unterm Strich nicht das schlechteste Hack&Slay aller Zeiten – wie man bei dem vorangegangenen Wutausbruch ja fast meinen könnte -, es ist halt nur kein Sacred und lediglich ein mittelmäßiges Spiel. Gegen den Titan „Diablo“ und dem Kampfmagier „Torchlight“ kann man damit nicht anstinken. Und dem namensgewaltigen Vorgänger macht man erst Recht keine Ehre. „Schande“ wäre ein passenderes Wort.

Akt IV: Schlagt ihm den Kopf ab! Ich brauch nen neuen Aschenbecher!

Das wahrhaftig Grausamste, was man einem Spieler antun kann, ist von ihm erwarten, dass er den gleichen Humor teilt wie die Programmierer und ihn damit über Stunden zuzubomben. 8 Stunden lang musste ich mir die geistesgestörten Sprüche von Idioten, Nervensägen und Mistkerlen anhören. Die Witze beschränken sich dabei leider nicht auf wenige Ausnahmen. Sie sind nichtmal nur ein Teil der Unterhaltungen. Nein. Sie sind (!) die Unterhaltungen.

Sacred 3 - Schlagt ihm den Kopf ab! Ich brauch nen neuen Aschenbecher!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 23/281/28
"Sacred" steht drauf. Aber "Sacred" ist nicht drin.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Kein Satz, kein Dialog und kein Monolog findet in diesem Spiel statt, ohne das irgendwer einen saudummen Spruch reißt. Seien es die Charaktere selbst, unsere nervige Telepathin, die direkt in unseren Köpfen rumjault oder die Schutzgeister, die ich in meine Waffe bannen kann und die mir dadurch einen Buff geben. Sexistische Sprüche, kindische Musikeinlagen und andere Feindseligkeiten für meine geschundene Seele geben sich hier die Klinke in die Hand und befinden sich dabei durchgehend auf Vorschulniveau.

So prügelt ihr euch von einem absolut linearen Schlauchlevel zum anderen und prügelt gegen wechselnde Kombinationen aus den immergleichen Gegnern. Dann kommt mal ein Zwischenboss, der später als regulärer Gegner in die Horden mit aufgenommen wird und der seine Zahl in späteren Leveln erhöht. Am Ende wartet ein Bossgegner und die – zu völligen Blödelbarden und Clowns denunzierten – Bösewichter bestätigen euch mit ihren geistlosen Kommentaren immer wieder aufs Neue, dass ihr der klügste Mensch im ganzen Sacred-Universum seid. Kunststück.