„Sacrebleu“ entfährt es unseren Nachbarn aus Frankreich des Öfteren, wenn sie ihrem Ärger mittels eines Kraftausdrucks freien Lauf lassen wollen. Erweitert um den Buchstaben „d“, also „Sacredbleu“, passt der Ausruf auch wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge zur traurigen Geschichte des einstigen Rollenspiel-Heilsbringers „Sacred 2“.

Als eben dieser verschrien, zog er die deutsche Traditionsschmiede Ascaron endgültig ins Grab. Zu viele fragwürdige Gamedesign-Entscheidungen wie die riesige, aber mitunter öde erscheinende Spielwelt rechtfertigten die immensen Kosten nicht. Der kommerzielle Erfolg blieb unter den (überzogenen) Erwartungen des Publishers, die Konsolenumsetzung verzögerte sich zusätzlich. Als Konsequenz blieb nur der Gang zum Insolvenzverwalter.

Sacred 2: Ice & Blood - Mount Trailer2 weitere Videos

Funkelndes Ende

Das jüngst veröffentlichte Addon „Ice & Blood“ markiert somit offiziell das Ende Ascarons. Die Marke „Sacred“ hingegen überlebt den Schöpfer und geht in die Hände von Koch Media. Ein strategisch neu ausgerichteter dritter Teil ist also nur eine Frage der Zeit, die sich wahre Fans wiederum mit „Ice & Blood“ vertreiben können.

Sacred 2: Ice & Blood - Das letzte Kapitel einer Legende

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 24/271/27
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Drachenmagier mit seinem… monströsen Pferd.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das Expansion Pack schlägt erwartungsgemäß voll in die Kerbe des Hauptprogramms und erweitert die sowieso schon riesige Welt um zwei große neue Gebiete. Die Kristallebenen und der verfluchte Wald fügen sich nahtlos in das „Sacred“-Universum ein, bleiben erzählerisch aber genauso schwach wie die alten Gebiete. Weder spannende Scriptsequenzen noch packende Story-Twists sorgen für dringend notwendige Abwechslung. Auch die allseits bekannten Sammel- und Totschlag-Quests bleiben in ihrer Monotonie bestehen.

Zumindest optisch hauen die Entwickler noch einmal auf die Pauke. In den schroffen und zugleich wunderschönen Kristallfeldern funkelt es wie beim Juwelier um die Ecke. Und auch der unwirkliche Blutwald macht seinem Namen alle Ehre. Aus jeder Ecke kriecht der Tod in Form von Schimären und Untoten, Friedhofatmosphäre macht sich breit.

Packshot zu Sacred 2: Ice & BloodSacred 2: Ice & BloodErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Unerfahrener Held gesucht

Beiden Gebieten gemein ist der geringe Anspruch für erfahrene Charaktere. Gestandene „Sacred 2“-Helden (Stufe 30 und höher) werden mit „Blood & Ice“ maßlos unterfordert, richten sich die frischen Umgebungen doch eher an Heroen ab Level 5 – 10. So bleibt nichts anderes übrig, als das Spiel mit einem neuen Charakter zu beginnen – eine fragwürdige Spieldesign-Entscheidung…

Sacred 2: Ice & Blood - Das letzte Kapitel einer Legende

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 24/271/27
Die glitzernden Kristallebenen tragen ungemein zur stimmigen Atmosphäre bei.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Immerhin bereitet der Griff zum Helden-Generator Laune, dem neu implementierten Drachenmagier sei Dank. Vor allem in der Massenabfertigung großer Feindeshorden ist der Bursche ein wahrer Experte. Alternativ konzentriert er sich auf die Erschaffung von Verbündeten wie Golems, die sich für ihn die Hände schmutzig machen. Oder aber er nimmt gar selbst die Form eines mächtigen Drachen an und fegt über die Köpfe der Gegner hinweg.

Wie von „Sacred 2“ gewohnt, wackelt die Balance bei der Vielzahl an Charakterausrichtungen ein ums andere mal. Während etwa die Drachenform selbst vergleichsweise schwach erscheint, ist den Flächenzaubern des Drachenmagiers kein Kraut gewachsen. Sprichwörtlich im Vorbeigehen reißt der Held zig Widersachern zeitgleich den Lebenssaft aus den Knochen – spektakulär, auf Dauer aber auch leicht eintönig.

Helden von heute: lauffaul und gepäckarm

Neben den offensichtlichen Neuerungen wie der neuen Charakterklasse und den frischen Gebieten bringt „Ice & Blood“ kleinere Verfeinerungen mit sich, die das Spielgefühl leicht aufwerten. So sind die aus dem Hauptprogramm bekannten langen Laufwege endgültig tabu, da Ascaron ab sofort allen Helden erlaubt, sich von jedem Punkt der Karte zu bereits erkundeten Portalen oder Seelensteinen zu teleportieren.

Sacred 2: Ice & Blood - Das letzte Kapitel einer Legende

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 24/271/27
Schuppige Lindwürmer spielen die Hauptrolle im Spiel, ob als Gegner, Verbündete oder gar als Spieler selbst.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ebenfalls komfortabel: Das Expansion Pack gibt jedem Spieler einen Kistenträger in Form eines Kobolds mit auf den Weg. Der bisher Käufern der „Sacred 2“-Collector`s Edition vorbehaltene Winzling sorgt für fast dreimal so viel Inventar-Platz und wartet nur darauf, als persönlicher Arbeitssklave eingesetzt zu werden und Gegenstände zu verstauen. Ein niedliches kleines Kerlchen, das vor allem von unseren Praktikanten sofort ins Herz geschlossen wurde...

Sacredbleu! „Ice & Blood“ weckt erneut den Sammeltrieb, macht aber auch die gleichen Fehler wie das Hauptprogramm.Fazit lesen

Als netter Kniff entpuppt sich der vor Abenteuerbeginn aktivierbare Spielmodus „Meisterhand“. Damit regenerieren Kampfkünste zwar deutlich schneller als gewohnt. Allerdings werden automatisch alle Künste dem Aufladevorgang unterworfen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Wer sich primär auf eine Kampfkunst spezialisiert, etwa die Elementarzauber des Drachenmagiers, der darf Fähigkeiten häufiger als noch in „Sacred 2“ einsetzen. Wer allerdings munter zwischen allen Künsten wechselt, der muss aufgrund der Cooldown-Effekte aller Fähigkeiten insgesamt länger warten als zuvor.