„Now or never – we will stand together – one by one - this world is Sacred“, schmettert uns ein gewisser Hansi inbrünstig entgegen, nachdem wir während einer langen Questreihe die Instrumente seiner Musikband gefunden haben. Dass die Powermetal-Kombo Blind Guardian ihren denkwürdigen Gastauftritt in „Sacred 2“ bekommen würde, war bereits lange im Vorfeld bekannt. Trotzdem sorgt dieses Konzert als Lohn für unsere Mühen kurz für andächtiges Schweigen in der gamona-Redaktion.

Dabei ist dies nur ein Beispiel für die Detailversessenheit und Liebe mit der die Welt Ancaria vom deutschen Entwicklerteam Ascaron geschaffen wurde. Nach über fünf Jahren Produktionszeit steht deren Meisterwerk nun endlich in den Läden und soll zwei Jahre vor „Diablo 3“ den Kampf um die Hack & Slay-Krone für die Teutonen entscheiden. Die gamona-Schiedsrichter zählen schon einmal die Punkte.

Nicht verpassen: Nach dem Lesen das gamona Video Review zu Sacred 2 - Fallen Angel anschauen!

Sacred 2 - Fallen Angel - PS3 Trailer44 weitere Videos

Besiege sie alle

„Du bist der Held – alle anderen nicht. Töte den Rest!“ So oder zumindest so ähnlich könnte man - überspitzt ausgedrückt – die Handlung des 2004er Verkaufserfolges „Sacred“ zusammenfassen. Die Geschichte des mächtigen Sakkara-Dämonen, der die Pforten der Hölle öffnet und die Welt der Lebenden terrorisiert, war nur wenig mehr als ein loses Gerüst für den satten Actionüberbau.

Sacred 2 - Fallen Angel - Diablo auf den Pelz gerückt: Das Edel-Hack & Slay erobert die Genrespitze

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/12Bild 535/5461/546
Mysteriös: Überall in Ancaria laufen solche T-Energie- Leitungen aus dem Boden. Was steckt dahinter?
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Für „Sacred 2“ gilt im Grunde genau dasselbe: Mit der Story des Erstlings hat Teil zwei zwar keinerlei Gemeinsamkeiten (spielt sie doch 2000 Jahre zuvor), erzählt aber auch darüber hinaus nur wenig Neues. Mal entlarvt hier eine Intrige, an anderer Stelle gilt es, einen Verräter auszuschalten - im Großen und Ganzen bleibt das Geschehen aber spannungsfrei. Was zum Teil der Präsentation geschuldet ist: Die kurzen Storyfetzen werden allesamt in schnöden Textboxen erzählt – das animiert nach kurzer Zeit zum Weiterklicken.

Auch wenn unter Fans des Genres die einstimmige Meinung besteht, ein echtes Hack & Slay bräuchte keine Story, stimmt dieser Umstand trotzdem traurig: Ascaron verpasst hier die Chance, endlich etwas Tiefe in dieses Genre zu bringen. Statt wirklich zu bewegen oder mit Dramatik zu schocken, nutzen die Entwickler die Geschichte um mystische T-Energien und Völkerfeindschaften lediglich als Leitfaden, um euch durch die hübsche Spielwelt zu führen.

Packshot zu Sacred 2 - Fallen AngelSacred 2 - Fallen AngelErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Schöne heile Welt

Zum Glück beweist „Sacred 2“ in eben diesem Punkt seine größte Stärke: Ascaron hat bewusst auf zufallsgenerierte Umgebungen verzichten und Ancaria in liebevoller Kleinstarbeit per Hand gestaltet. Das Ergebnis dürfte ohne Zweifel zu den prächtigsten und eindrucksvollsten Spielwelten der Games-Historie zählen. Kein Stein gleicht dem anderen, jede Region hat ihre charakteristischen Wiedererkennungsmerkmale.

Sacred 2 - Fallen Angel - Diablo auf den Pelz gerückt: Das Edel-Hack & Slay erobert die Genrespitze

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/12Bild 535/5461/546
In einem der späteren Akte verschlägt es euch in eine karge Wüstenregion.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und das ist auch gut so: Ancaria ist nämlich nicht nur verdammt hübsch anzusehen, sondern auch sagenhaft groß. Beinahe zu groß, um tatsächlich jede Ecke per Pedes zu erkunden. Da gibt es saftige Wiesenlandschaften, ausgetrocknete Wüsten, feuchte Sumpfgebiete oder karges Lavagestein. Jeder Landschaftstyp ist einem Spielakt zugewiesen, für dessen Bewältigung ihr jeweils rund fünf Stunden benötigt.

Neugierige Naturen werden also eine ganze Weile mit der Erkundung Ancarias beschäftigt sein. Schon allein, weil die Entwickler selbst abgeschlagene Areale, weit abseits der zentralen Questgebiete, mit viel Leben und versteckten Aufgaben gefüllt haben. Doch so schön die geografische Gigantomanie im ersten Moment auch klingen mag, den entscheidensten Nachteil teilt sich „Sacred 2“ mit seinem Vorgänger: die immensen Laufwege.

Sacred 2 - Fallen Angel - Diablo auf den Pelz gerückt: Das Edel-Hack & Slay erobert die Genrespitze

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/12Bild 535/5461/546
Wunderschön: Die Spielwelt ist großartig gestaltet und hochgradig detailliert.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das große Problem: Anders als in verwandten Genrevertretern verzichtet „Sacred 2“ auf die beliebten Stadtportale. Mit diesen Zaubersprüchen darf man sich z.B. in Diablo oder Titan Quest jederzeit in die nächstgelegene Dorfgemeinde teleportieren. Zwar gibt es hier und da Portale, mit denen ihr besonders weite Strecken überbrücken könnt, doch die sind viel zu rar gesät und damit im Grunde nutzlos.

Ohne Wanderstiefel geht es nicht

Zum Teil ist dies der unpräzisen Questführung geschuldet. Als Beispiel nur eine Situation, die uns besonders viel Nerven gekostet hat: In den weit verzweigten Höhlensystemen unter der Insel der Seraphim sollen wir einen legendären Drachen finden, verlaufen uns aufgrund der ungenauen Wegbeschreibung aber heillos. Eineinhalb Stunden dauert die Suche nach dem rechten Weg – mit Spielspaß hat das nichts zu tun.

Sacred 2 - Fallen Angel - Diablo auf den Pelz gerückt: Das Edel-Hack & Slay erobert die Genrespitze

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/12Bild 535/5461/546
Das farbige Gebiet (Kartenmitte) stellt allein den ersten Akt dar, die grünen Ringe sind die unzähligen Nebenquests.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das ganze Ausmaß des Ärgers ergibt sich jedoch in Kombination mit der Questsituation: Ganze 400 Aufträge kündigt Ascaron stolz auf der Rückseite der Sacred 2-Verpackung an. Das klingt zunächst nach jeder Menge Spielzeit. Zeit, die ihr aber zu großen Teilen in die Überwindung gigantischer Laufwege investiert. Denn die weniger amüsanten Quests scheinen eher mit dem Ziel designt worden zu sein, die Spielinhalte künstlich zu strecken.

Prächtig, episch und doch reichlich zickig: Sacred 2 vereint Lust und Frust auf höchstem Niveau.Fazit lesen

Im zweiten Akt möchte ein verzweifelter Bürger etwa, dass wir in einer nahen Höhle nach dem Grund für die Spinnenplage suchen, die sein kleines Dorf befallen hat. Nach rund zwölfminütiger Schnetzelei durch die giftigen Achtbeiner und der gewonnenen Erkenntnis, dass die „nahe Höhle“ eigentlich ein „weit entfernter Dungeon“ ist - stehen wir vor verschlossener Tür. So ein Ärger.

Sacred 2 - Fallen Angel - Diablo auf den Pelz gerückt: Das Edel-Hack & Slay erobert die Genrespitze

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/12Bild 535/5461/546
Eure Hauptaufgabe während des Spielverlaufs und gleichzeitig die wohl schwierigste Quest: Laufen, laufen und nochmals laufen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Also zurück, vorbei an einer ganzen Brutstätte biestiger Spinnen, die scheinbar noch sauer sind, dass wir ihren ekligen Freunden vor fünf Minuten die Stehparty versaut haben. Im Dorf erinnert sich der gute Mann, der uns zuvor ins Ungewisse geschickt hat, dann plötzlich, dass er im Besitz eines glänzenden Schlüssels ist. Mühsame zehn Minuten später, stehen wir wieder vor dem Eingang – zehn Minuten, die wir lieber für schönere Dinge genutzt hätten.

Schwerstarbeit in Ancaria

Schöne Dinge wie etwa diejenigen Quests, die erfreulicherweise vom genreüblichen Schema „Töte X, finde Z“ abweichen. Da dürfen wir dann zum Beispiel die Herkunft seltsamer Kornkreise auf Bauer Brunos Kornfeld klären, vermitteln zwischen einem zerstrittenen Ehepaar, beweisen in einer Orkarena unseren Heldenmut oder finden die bereits erwähnten Musikinstrumente der Schwermetaller Blind Guardian. So macht arbeiten Spaß!

Sacred 2 - Fallen Angel - Diablo auf den Pelz gerückt: Das Edel-Hack & Slay erobert die Genrespitze

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/12Bild 535/5461/546
Vorbildlich: Die Menüs sind übersichtlich und ansprechend gestaltet - nur das Inventar wirkt überladen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wer nur der stringent erzählten Hauptquest folgt, ist allein gut 20 Stunden beschäftigt. Mit sämtlichen Nebenaufträgen im Gepäck lässt sich diese Zeitangabe noch mal locker verdoppeln. Deren Erfüllung mutet jedoch zeitweilig wie Schwerstarbeit an: Viele Aufträge führen euch weitab der normalen Pfade, oft warten auf dem Weg zum Zielort noch andere NPCs, die ihre Probleme erfüllt sehen wollen.

Das Questlog quittiert dies schon nach kurzer Zeit mit einem wahren Schwall an Mini-Aufträgen und Hauptmissionen, die in einer endlosen Liste aufgereiht werden. Punktgenaues Suchen nach speziellen Quests wird da zur Tortour. Wer den ersten Patch installiert, den Ascaron am vergangenen Donnerstag veröffentlicht hat, bekommt immerhin eine deutlich aufgeräumtere Variante präsentiert.

Sacred 2 - Fallen Angel - Diablo auf den Pelz gerückt: Das Edel-Hack & Slay erobert die Genrespitze

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/12Bild 535/5461/546
Im Laufe der Hauptquest gilt es auch gegen spektakuläre Bossgegner anzutreten.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zickig gibt sich auch der Questpfeil, der euch auf der Minikarte im oberen rechten Eck eigentlich das Ziel der aktiven Haupt- und Nebenquests zeigen soll. Das funktioniert zwar über weite Strecken recht problemlos, da euch aber lediglich die absolute Himmelsrichtung eures Ziels angezeigt wird, leitet euch das hinterhältige Ding gerne auch in Sackgassen oder verweigert in seltenen Fällen gleich ganz die Tätigkeit.

Sechs Klassen-Gesellschaft

Allen Strapazen zum Trotz, kann man sich der Faszination Ancarias dennoch nicht entziehen: Der gewohnte Suchteffekt, den ein gut gemachtes Hack & Slay optimalerweise gleich ab Werk mitbringt, greift auch hier ab der ersten Minute. Die Monsterprügeleien sind durchweg schnörkellos inszeniert, motivierend sind vor allem die unzähligen Gegenstände, die Ascaron eurem Charakter vor die Füße wirft.

Sacred 2 - Fallen Angel - Diablo auf den Pelz gerückt: Das Edel-Hack & Slay erobert die Genrespitze

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/12Bild 535/5461/546
Der Inquisitor in Aktion: Seine Flächenzauber gehören zu den stärksten im Spiel.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Waffen und Rüstungen verschiedenster Güteklassen, Reliquien, die euch Boni für die Abwehr spezieller Schadensklassen geben, Schmiedeitems, die ihr in gesockelte Gegenstände einsetzt, magische Runen, die eure Fähigkeiten aufwerten – es gibt viel zu finden in Ancaria. Und in eurem Inventar: Manche der winzig kleinen Ringe oder Schmiedeperlen lassen sich erst auf den zweiten oder dritten Blick ausmachen.

Vorbildlich auch das Kampfsystem: 15 Skills bringt jeder der sechs Charaktere mit, jeder davon ist in drei Talentbäume unterteilt, die wiederum einer speziellen Spielweise entsprechen. Hochelfen etwa spezialisieren sich auf Feuer oder Frostmagie, Inquisitoren wählen, ob sie lieber Flächenschaden austeilen oder Gegner kontrollieren. Wie im Ur-Sacred könnt ihr mehrere Zauber auch in mächtigen Kombos zusammenfassen.

Sacred 2 - Fallen Angel - Diablo auf den Pelz gerückt: Das Edel-Hack & Slay erobert die Genrespitze

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/12Bild 535/5461/546
Die tollen Kombos vereinen mehrere mächtige Zauber in einem.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Klassen selbst (also Dryade, Schattenkrieger, Seraphim, Hochelfe, Inquisitor und Tempelwächter) spielen sich allesamt erstklassig. Möchte man wirklich jeden Charakter ausprobieren und die Haupt- plus Nebenaufgaben erledigen, ist man locker für mehrere Wochen beschäftigt. Zudem ergibt sich die Möglichkeit, die Kampagne auf zwei Varianten zu spielen: „Licht“ und „Schatten“ ergeben zum Teil völlig unterschiedliche Sichtweisen und Questabläufe.

Technik die entgeistert

Obwohl wir vor dem Spiel den 480 MB schweren Day One-Patch installiert haben, wird „Sacred 2“ von vielen kleinen Fehlern geplagt. Abstürze sind leider an der Tagesordnung, auf unserem schwächeren Testrechner war etwa nach 20 Minuten regelmäßig Schluss mit lustig. Die KI reagiert in manchen Fällen sehr behäbig auf eure Anwesenheit, sehr selten ignoriert sie euch sogar völlig und lässt sich bereitwillig aus den Latschen kloppen.

Sacred 2 - Fallen Angel - Diablo auf den Pelz gerückt: Das Edel-Hack & Slay erobert die Genrespitze

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/12Bild 535/5461/546
Die exotischen Reittiere sind klasse - wenn sie sich nicht gerade gegen eure Befehle streuben..
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Über die Reittiere etwa könnte man eigentlich einen eigenen kleinen Artikel verfassen: Ob man sich nun ein normales Pferd kauft oder eines der schicken „exotischen Reittiere“ – ihren Dienst verrichten beide Varianten nur in den seltensten Fällen. Bisweilen verschwinden die Reittiere einfach, reagieren nicht auf Rufbefehle oder verkeilen sich in Objekten der Umgebung – dann hilft nur Neuladen des Spielstandes.

Dumm auch, dass man auf die Klepper nur von einer bestimmten Seite aufsteigen kann (bei Pferden z.B. von links). Steht euer Reittier mit eben dieser Seite zu einer Wand gerichtet, verweigert euer Charakter das Aufsatteln. Nervig und ohrenbetäubend: Die ohnehin schon sehr gewöhnungsbedürftigen Sprach-Kommentare der NPC-Charaktere geraten hin und wieder in eine Endlosschleife.

Sacred 2 - Fallen Angel - Diablo auf den Pelz gerückt: Das Edel-Hack & Slay erobert die Genrespitze

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/12Bild 535/5461/546
Für das ganze grafische Prachtpaket bedarf es eines leistungsstarken Rechners.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Grafisch überzeugt Sacred 2 allemal, verlangt dafür jedoch einen hohen Tribut: Die Systemanforderungen sind zum Teil horrend. Wer die optimalen Grafikeinstellungen genießen möchte, braucht mindestens eine 8800 GT und 2 Gigabyte RAM unter der Motorhaube. Allerdings sieht das Programm auch auf niedrigen Einstellungen noch überdurchschnittlich gut aus.