Donnerstag, Nachmittag bei Studio2
Ich arbeite gerade am Interface als Buddy hereinstürmt:

Buddy: "Simon! Sonntag! Motion Capture! Schweden! Direktion! Du!"
Ich: "Ähh...."

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Sonntag, 11 Uhr morgens, Aachen
Ich stehe auf dem Bahnhof von Aachen, habe eine Liste mit 253 Animationen, die abgearbeitet werden müssen, und keine Ahnung was mich erwartet. In meinem Rucksack ein Studio2-Laptop, meine Animationsliste und ein paar Klamotten. Erstmal auf nach Weeze, von dort nach Skavsta, Stockholm und dann Uppsala. Denn in Uppsala ist Norhern Light Studios ansässig - das Studio hat unter anderem das Motion Capturing für das Spiel "Riddick" betrieben.

Sacred 2 - Fallen Angel - Motion Capturing auf schwedisch: Simon Trümpler lässt in Stockholm die Orks tanzen.

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Gestatten: So sieht eine Liste mit Animations-Details aus.
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Die Vorbereitungen für diese Aufnahmen liefen schon lange bevor ich involviert war, doch dann kam etwas dazwischen und wir brauchten jemanden, der einspringen konnte - das nur, damit keiner denkt, dass wir so wichtige Dinge wie MoCap fünf Minuten bevor es losgeht planen ;)

Im Zug lese ich mir die Liste nochmal durch, notiere mir weitere Ideen und Details für die Animationen. Eine gute Vorbereitung hat sich als äußerst wertvoll herausgestellt - aber dazu später mehr.

Es dreht sich alles um Orks. Wir capturen Animationen für ein ganzes Orkdorf - 149 für die Ork-Männer, 104 für die Ork-Frauen. Die ganze Zeit mache ich mir Gedanken darüber, wie ein Ork z.B. Nähen würde. Gibt ein Ork jemals auf? Wie tanzt eine Orkfrau? ...

Sonntag, 22:00 Uhr, Uppsala
Ich komme an, war 'ne lange Reise, aber das Hotel ist sehr schön. In Stockholm hat mich Peter abgeholt - er ist unser Projektmanager und echter Schwede ;)

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Auch gut betuchte Starprogrammierer müssen sich manchmal in kleine Busse setzen.
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Zusammen sind wir zum Hotel gereist und haben dort John getroffen - den Besitzer der Northern Light Studios. Um die Ecke in einem Pub gab's dann erstmal ein Kennenlern-Bier. Wir haben uns ein bisschen unterhalten, sind aber bald darauf wieder aufgebrochen - Montag sollten alle gut ausgeschlafen sein.

Auf dem Hotelzimmer schieb ich die Multimediatastatur (mit der kann man den Multimedia-TV bedienen, der kann Internet etc.) weg, plaziere den Laptop auf dem Schreibtisch und tippe meine Notizen in die digitale Version der Animationsliste. Dann schlafen - nervös war ich bis zu diesem Punkt nicht.

Montag, 8:30 Uhr, Glarion Hotel
Das Frühstück im Hotel war immer sehr gut und lecker. Es gab viel Obst, Brötchen, Müsli und und und - ich konzentrierte mich allerdings fast ausschließlich auf Obst (Melone!) und Croissants. Während ich so aß und las (meine Lieblingsliste), kam John runter - er wohnte nämlich im selben Hotel. Zusammen gingen wir dann zum Studio.

Montag, 9 Uhr, The Church
In Schweden gibt es viele kleine Kirchen und Kapellen - zu viele, um sie für Gottesdienste zu nutzen. Daher wurden manche davon umgebaut. So gibt es z.B. einen Buchladen mit enorm hohen Regalen in einer umgearbeiteten Kirche, eine Discothek und unter anderem ein Motion Capture Studio. Ja richtig, Northern Light Studios befinden sich in einer Kirche. Das Einzige, was auf die Existenz eines solchen hindeutet, ist ein kleines Türschild.

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Lecker Happa-Happa in Stockholm!
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Meine Nervösität begann langsam zu wachsen. Ich hatte immer noch keine Idee, was mich erwarten würde - aber es rückte immer näher. Zuerst aber lernte ich mal zwei weitere Leute aus dem Team kennen: Christian und Johan. Mit ihnen würde ich unter anderem die nächsten Tage sehr intensiv zusammen arbeiten. Während John und die anderen die letzten Vorbeitungen trafen, ging ich nochmal die Liste durch.

Kleine Annekdote zwischendurch: Ich hatte den Laptop und habe die aktuelle Liste glücklicherweise vorher noch an Johan per USB-Stick gegeben, denn kurze Zeit später ging der Lappi aus - Batterie alle - ich stecke ihn also ans Netzteil und .... es tut sich nix. Irgendwie ist das Netzteil über Nacht kaputt gegangen, also: Immer gut vorbereitet sein und Daten auf mehreren Medien bereit halten!

OK, die erste Aufgabe: Von vier Schauspielern soll ich einen raussuchen, der für uns den Ork spielt. In Vorbereitung habe ich mir ein paar vielfältige Animationen (walk, run, attack, impatient, ...) ausgesucht und lasse sie mir von jedem Schauspieler zeigen. Zuvor habe ich ihnen noch Konzepte von unseren Orks gezeigt, damit sie sich besser in ihre Rolle einfühlen konnten. Am Ende entschied ich mich für Johan (ja, nun sind zwei Johans im Studio :) ).

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Tatsache: Hier drinnen befindet sich ein Motion Capturing-Studio.
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Meine Nervosität lies nach, aber ich war sehr schüchtern, musste mich erstmal daran gewöhnen, dass es diese Leute gewohnt sind, dauernd neue Anweisungen zu bekommen. Das Härteste war dann die Entscheidung zu übermitteln - ich war sehr froh, als John anbot, es für mich zu machen. Es heißt ja nicht, dass die Anderen schlechte Schauspieler sind, nur für diese eine Rolle sind sie eben nicht 100%ig geeignet - dennoch war es für mich keine angenehme Situation.

Nach dieser Audition ging es auch schon los, Johan wurde in einen schwarzen Mocap-Anzug gesteckt und an seinen Gelenken mit weißen "Bubbles" bestückt. Diese unscheinbaren, fast erbsengroßen Kugeln haften per Klettverschluss am Anzug und reflektieren Licht extrem gut - dies kann man auf den Fotos sehr gut erkennen. Sie dienen dazu, das Licht der 26 kreisförmig angeordneten Mocap-Kameras möglichst gut zu reflektieren, damit diese die Bewegung des Schauspielers gut verfolgen können. Die Bewegungen werden dann 1:1 und in Echtzeit auf einen Computercharakter übertragen - in unserem Fall den Ork aus Sacred 2. So konnte ich sofort prüfen, ob die Bewegungen auch zu unserem Charakter passen.

In der nächsten Ausgabe des exklusiven Sacred 2-Entwickler-Blogs erzählt Simon Trümpler weiter von den Schwierigkeiten haarige Orks auf Video zu bannen und was eigentlich eine T-Pose ist.