Im Vergleich zu anderen Open-World-Titeln wie Grand Theft Auto IV ist The Saboteur deutlich actionlastiger. Das ist jedoch Fluch und Segen zugleich. Positiv sticht beispielsweise heraus, dass es an Spannung nicht mangelt und ihr ständig dabei seid, den Nazis irgendwie die Suppe zu versalzen. Sei es durch ein Attentat auf einen hochrangigen Offizier, die Sabotage wichtiger Einrichtungen oder die Zerstörung von Nebenzielen. Häufig steht euch sogar offen, ob ihr eure Ziele aggressiv angehen wollt und in John-Wayne-Manier mit gezogener Wumme das Feld betretet oder schleichend und subversiv aktiv werdet.
Unterhaltsame Dialoge zählen zu den Stärken des Open-World-Abenteuers.Erfüllt ihr bei euren Aktionen auch noch die eine oder andere Zusatzaufgabe, schaltet ihr weitere "Vergünstigungen" (Fertigkeiten) für eure Spielfigur frei. Bei euren Aufträgen ist euch übrigens Seans Klettervermögen behilflich, der ähnlich der Helden von Assassin's Creed alle Gebäude erklettern kann und auf diese Weise viele Bestimmungsorte erreicht, ohne Aufsehen zu erregen. Erst für die anschließende Flucht vor den Nazi-Schergen klaut ihr euch GTA-mäßig eine der herumfahrenden stilechten Karossen und versucht eure zornigen Verfolger abzuhängen.
Die bis dahin aufgebaute Atmosphäre wird jedoch durch einige Mängel deutlich gestört. Ein absoluter Atmokiller sind beispielsweise die viel zu hölzernen Animationen der Figuren. Vergleicht man Sean mit Altair oder Ezio, dann liegen dazwischen Welten. Seans Bewegungen sehen teilweise gar lächerlich schlecht aus, aber auch die pappkameradigen, starren Animationen der Wehrmachtssoldaten, erscheinen unglaublich unfertig. Die Figuren laufen teilweise seitlich, nur um irgendwie eine Sichtlinie beizubehalten und wirken dabei hüftsteifer als ein komplettes Altersheim.
Es geht oft heiß her in Saboteur!Im Übrigen ist auch die KI der Soldaten ziemlich vermurkst, häufig lassen sich Feinde abknallen wie Zielscheiben und stürmen auf unseren Protagonisten zu, ohne Deckung zu suchen. Wie oberflächlich die Animation der Figuren geraten ist, beweist auch die Sängerin in einem Nachtklub, die ihre Lippen beim Trällern der Chansons nicht bewegt. Eine Bauchsängerin, juhu! Immerhin: Der hörenswerte zeitgenössische Soundtrack und die Synchronisation geben keinen Anlass zum Meckern.
Ein grobes Handicap im Zusammenhang mit den genannten Negativpunkten ist auch die Steuerung. Während das Fahrzeughandling zwar etwas schwammig daherkommt, aber für diese Art Spiel akzeptabel ist, stolpern wir mit unserem Spielcharakter herum wie auf Eiern. Sogar das Geradeauslaufen fällt so schwer, dass in engen Gebäuden bisweilen simple Aufgaben schwerfallen. Wie sich das auf das vorsichtige Schleichen in dunklen Schatten, auf actionhaltige Scharmützel oder sogar einige Kletter- und Hindernisparcours auswirkt, kann sich wohl jeder selbst ausmalen.
Ähnlich Ärgerliches lässt sich übrigens über das Deckungsfeature berichten: Immer wieder steckt der Held seine Nase hinter Objekten hervor, obwohl wir das gar nicht wollen, und fängt sich damit die eine oder andere Bleikugel ein. Glücklicherweise hat Pandemic zumindest das Gesundheitssystem nicht vergurkt - Sean regeneriert nicht nur atemberaubend schnell, er steckt auch massig Treffer ein, bevor es euch an die (auch in Missionen!) meist spielerfreundlichen Kontrollpunkte zurückversetzt.
von Electronic Arts, Pandemic StudiosGenre: ActionPC, PS3, XBox 360: 3.12.2009Offizielle WebseiteFreigegeben ab 18 Jahren
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