Sich heutzutage noch über die lange Entwicklungszeit von S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chernobyl zu echauffieren, hieße nicht nur, einen Treppenwitz auf die Leiter zu stellen, es unterschlüge auch im Rausch der Häme, wie gut das Spiel letztendlich war.

Darüber hinaus strafen die Entwickler ihre Spötter endgültig dadurch Lügen, dass ihr Nachfolger Clear Sky nun bereits ein gutes Jahr nach der schweren Erstgeburt des Vorgängers erscheinen wird. In Hamburg trafen wir Oleg Yavorsky von GSC Game World zum Mittagessen und machten mit ihm auf seinem Notebook eine Reise zu einem wohl vertrauten, havarierten Kernkraftwerk…

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Es ist ein drückend heißer Hamburger Sommermittag, als wir uns mit Oleg Yavorsky von GSC Game World treffen. Gegenüber befindet sich das Springer-Verlagsgebäude, in dem Neuigkeiten aus aller Welt gebündelt zusammen laufen und von Boulevard bis seriös in allen erdenklichen Formen aufbereitet werden. Passender Name unseres Treffens: Cafe News.

S.T.A.L.K.E.R.: Clear Sky - Clear Sky erzählt die Vorgeschichte zum gelungenen ersten Teil - und dürfte noch besser werden.

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Clear Sky führt den realistischen Look des Vorgängers fort.
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Wie die Kollegen auf der anderen Straßenseite versucht auch Oleg derzeit die ganze Welt unter einen Hut zu bringen, eben noch war er in Frankreich, morgen reist er weiter nach Italien, zwischendurch hat er sich einen Moment Zeit für uns genommen, denn mit im Gepäck ist die aktuelle Version von S.T.A.L.K.E.R.: Clear Sky.

Besser als Teil 1

„Wir machen derzeit nur noch ein bisschen Bugfixing und Balancing. Das Spiel ist ansonsten fertig. Bereit, um im August auf den Markt zu kommen.“ Gut zu hören. Endlose Verschiebungen wie beim letzten Mal scheinen mit Clear Sky ausgeschlossen. Das Spiel macht bereits einen äußerst flüssigen und beinahe stabilen Eindruck. Die beiden Abstürze während unserer „Probestunde“ schieben wir einfach mal auf die in der Mittagshitze überforderte Kühlung der Grafikkarte.

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So genannte Guides bringen euch in Windeseile an einen anderen Ort.
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Dass Clear Sky die qualvolle Geburt seines Vorgängers nicht zu wiederholen scheint, hat seinen Grund: Denn im Gegensatz zum diesem muss das Spielkonzept nicht durch mehrfaches Ummodeln erst mühsam in eine spielbare Form geschlagen werden – das Spiel orientiert sich in groben Zügen am Erstling. Doch möchte Clear Sky mehr sein als ein bloßes Aufguss des Alten: „Wir haben uns die Kritikpunkte an Teil 1 ganz genau angeschaut und überlegt, wie wir es besser machen können“, bekräftigt Oleg den eigenen Anspruch.

Clear Sky könnte das Spiel werden, das S.T.A.L.K.E.R. von Anfang an hätte sein sollen.Ausblick lesen

Kritikpunkt 1: die langen Laufwege. „Da passierte ewig lange gar nichts. Das war vielleicht öde“, gibt Oleg zu. Löblich. Lösung: „Im Spiel gibt es an allen möglichen Stellen so genannte Führer, die einen an weit entfernte Orte der Gegend bringen.“ Auf diese Weise werden stundenlange Märsche auf wenige Sekunden reduziert.

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Ein Männlein steht im Walde... Stalker sind eben einsame Wölfe.
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Kritikpunkt 2: Die verschiedenen Fraktionen, bei denen sich der Spieler je nach Spielweise Liebkind oder Erzfeinde machen konnte, waren zwar ein äußerst vielschichtiges Gameplay-Konzept, doch erwies es sich in der Praxis für zu komplex und wenig transparent. Für Teil 2 gibt es daher eine eigene Statistik, auf der der Spieler stets einsehen kann, wie es um seine Sympathien bei den einzelnen Gruppierungen bestellt ist. Es soll weit mehr Interaktionsmöglichkeiten mit den verschiedenen Fraktionen geben. „Seine Entscheidungen sollen sich beim Spieler noch deutlicher und nachhaltiger bemerkbar machen“, erklärt Oleg. „Er soll sich wahrlich als Zünglein an der Waage in diesem riesigen Krieg zwischen den Stalkern fühlen.“

Die Vorgeschichte zum Vorgänger

Clear Sky wird neudeutsch gesprochen ein „Prequel“, d.h. eine Fortsetzung, die jedoch vor den Ereignissen des ersten Teils spielt. Der Spieler übernimmt die Rolle von Scar, einem Söldner, der eine Gruppe von Wissenschaftlern in die radioaktive „Zone“ um das havarierte Kernkraftwerk von Tschernobyl bringen möchte, als dort ein Unglück geschieht und eine gewaltige Druckwelle das Land verwüstet und seine Begleiter bis auf den letzten Mann auslöscht.

Seit diesem Vorfall gehen merkwürdige Dinge in der Zone vor sich. Der Spieler schließt sich einer Gruppierung namens „Clear Sky“ an, eine Organisation von Wissenschaftlern, die mit ihren geheimen Experimenten maßgeblich für den GAU und die Entstehung der Zone verantwortlich waren. Mit ihnen wird der Spieler später im Team erneut bis in das berühmte Kernkraftwerk vordringen, um die Ursache für die Vorfälle zu erkunden.

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Der Anführer der Clear Sky rettet uns vor der Explosion.
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Zu dieser Gruppe gehört auch der mysteriöse Strelok, bekanntermaßen Gegenspieler im ersten Teil. Auch der Protagonist des Vorgängers wird eine wichtige Rolle in der Geschichte spielen, sollen doch die rätselhaften Ereignisse um dessen Gedächtnisverlust und seine Beziehung zu Strelok enthüllt werden. Das Ende von Clear Sky wird dann auch fließend in den Anfang von „Shadow of Chernobyl“ münden. „Aus diesem Grund wird es dieses Mal nur eine einzige mögliche Endsequenz geben und nicht sieben wie beim letzten Spiel.“ Klingt logisch.

Neue Features: Upgrades und Taubenschießen

Neben dem zum festen Genre-Repertoire gehörenden Barmann, der neben Drinks vor allem Missionen verteilt, dürfen Stalker-Veteranen den „Mechaniker“ als Neuzugang im Ensemble willkommen heißen. Hier kann der Spieler seine Waffen und Rüstungen gegen Bares aufrüsten lassen, beispielsweise mit einem Zielfernrohr auf seiner Pistole dessen Schussgenauigkeit erhöhen oder schwerem Geschütz per technischem Gadget mehr Durchschlagskraft verabreichen.

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Mit dem Detektor spürt der Spieler Artefakte auf.
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Clear Sky bringt durch diese „sockelbaren“ Gegenstände mit ihrer eigenen Art von Techtree nicht nur eine gehörige Portion Rollenspiel ins S.T.A.L.K.E.R.-Universum, sondern vermeidet damit auch das Problem des Vorgängers, in dem sich das Konto des Spielers mit der Zeit bis zum Zerbersten gefüllt hatte, da es kaum eine sinnvolle Verwendung für das erkämpfte Geld gab. Mit der Wahl seiner Upgrades legt der Spieler zudem – wie in einer Light-Version von Deus Ex – seine eigene Spielweise fest: Wer das Sniper-Upgrade wählt, wird seine Taktiken eher auf ein Agieren in respektvoller Distanz abstimmen, während große Kaliber grobschlächtigere Vorgehensweisen nahe legen.

Auch das Konzept der Artefakte, mit denen der Spieler seine Fähigkeiten verbessert, hat eine Überarbeitung erfahren. So wird es nun sehr viel schwieriger sein, in den Besitz wirklich mächtiger Artefakte zu kommen. Solche werden sich ausschließlich im Zentrum miteinander verwobener Anomalien befinden, die der Spieler zunächst wie ein Minenfeld mit viel Geschick und Können durchqueren muss. Glücklicherweise geben euch die Entwickler mit dem Anomaliendetektor einen neuen Ausrüstungsgegenstand an die Hand, der das Vorhaben erheblich erleichtert.

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Stimmungsvolle Landschaften: Oben schweben Vögel, die es abzuschießen gilt.
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„Kannst du dich noch an die Arena im ersten Teil erinnern, in der du an diesen Gladiatoren-Kämpfen teilnehmen konntest?“, schweift Oleg auf einmal ab. „Dieses ‚Spiel im Spiel’ kam damals so gut an, dass wir in Clear Sky unbedingt mehr davon haben wollten.“ Neben der erwähnten Artefaktsuche befindet sich noch eine Shooting Range - ähnlich der Arena aus Teil 1 – und eine Vogeljagd als Minigame in Clear Sky. Bei Letzterem müsst ihr mit eurer Schrotflinte ähnlich dem Tontaubenschießen mehr Federvieh vom Himmel holen als eure Mitstreiter.

Im Gegensatz zum berüchtigten Moorhuhn wird dies allerdings in zeitgemäßer Grafik geschehen. „Die Engine basiert zwar auf dem Vorgänger-Spiel, doch haben wir sie für Clear Sky auf die Versionsnummer 1.5 gebracht.“ Besonders die Charaktere glänzen durch sehr viel mehr Detailreichtum. Auch der Tag-Nachtwechsel ist noch eine Spur beeindruckender und die Lichteffekte können sich sehen lassen: Wenn die wolkenverhangene Sonne ihre Strahlen durch die verfluchte Luft und zwischen den Zweigen eines knorrigen Baumes hindurch schickt, bekommt man eine Vorstellung davon, warum die Entwickler ihr Spiel „Clear Sky“ genannt haben…