Und sie lächelt. Ein wenig ungeschminkt zwar, etwas blass, verkommen und abgerissen. Aber als die Stadt Pripyat zum ersten Mal die Zähne zeigt, macht es sich sofort wieder breit, dieses Unbehagen, das die Zone Tschernobyls ausstrahlt. In S.T.A.L.K.E.R: Call of Pripyat kehrt GSC die vergleichsweise freundlichen Facetten des Prequels Clear Sky unter den Tisch und setzt euch wieder mutterseelenallein dort aus, wo der Magen richtig grummelt.

Und zwar als gnadenloser Einzelgänger und Mitglied einer Spezialeinheit, ausgesandt, um (Überraschung!) den nebulösen Schleier mysteriöser Vorkommnisse zu lüften. Dafür knüpft das Add-on nur kurze Zeit nach dem Finale des Hauptspiels an und rückt den Kult um einen seltsamen Monolithen in den Mittelpunkt. Der geht so weit, dass fanatische Stalker das in den Tiefen des Kernkraftwerks schlummernde „Mother Brain“ anbeten und als Belohnung dafür zu geifernden, langsam vor sich hinschlurfenden Zombies werden. Ein zweifelhafter Bonus.

S.T.A.L.K.E.R.: Call of Pripyat - Burer TrailerEin weiteres Video

Zombies ahoi

Diese Kerle sind verdammt harte Hunde, tragen „Exo Skeleton“ genannte Rüstungen, die gestalterisch ein wenig an die Kluft der Brotherhood-Anhänger aus Fallout 3 erinnern, und stecken jede Menge Kugeln mit einem Schulterzucken weg.

S.T.A.L.K.E.R.: Call of Pripyat - Kernschmelze in Köln

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 211/2151/215
Alte Zone, neues Glück. Call of Pripyat verspricht Feinschliff.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wobei „zucken“ nicht das richtige Wort ist, auch das stilechte lethargische Schlurfen fällt ihnen noch schwer. Dafür wirken die Animationen zu abgehackt, zu unbeholfen und lassen bislang den nötigen Feinschliff vermissen – nicht zu vergleichen mit der herrlich animierten Brut des Resident-Evil-Remakes oder Dead Rising.

Akkurate Endzeit

Aber das macht ja nichts, das Ganze kann ja immer noch Spaß machen. Tut es auch, und zwar spätestens dann, wenn die dynamische KI wieder auf Touren kommt. Dann muss man mit Beschuss aus allen Ecken rechnen, mit plötzlich in Deckung gehenden Stalkern, die auf einmal dort hinten wieder auftauchen, mit taktischen Finten und lebendigem Verhalten, das die Kämpfe zur echten Herausforderung macht – auch wenn sich da eine vollautomatische Schrotflinte ins Waffenarsenal geschummelt hat.

S.T.A.L.K.E.R.: Call of Pripyat - Kernschmelze in Köln

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 211/2151/215
Der gruselige Bunker-Vibe soll auch diesmal nicht zu kurz kommen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Aber die benutzt man ja ohnehin am besten in den spärlich beleuchteten Innenräumen, verfallenen Krankenhäusern, Schulen oder Plattenbauten – allesamt Teil des akkurat nachgebauten Ostblocks der namensgebenden Stadt. Im Gegensatz zu Shadow of Chernobyl, für das sich GSC nur lose an geographischen Vorgaben orientiert hat, wurde Pripyat anhand von Fotos und Satellitenaufnahmen so designt, wie es auch heute noch voller Tristesse von der Katatrophe kündet.

Die Duftmarke eines typischen Add-ons kann Call of Pripyat nicht abschütteln, angesichts der geplanten 30 Euro Verkaufspreis braucht es das aber auch nicht.Ausblick lesen

Zudem fallen die Areale wesentlich größer aus: Allein die Straßen der Stadt erstrecken sich über zig Quadratkilometer, die man ohne störende Ladepausen erkunden kann. Neben dem Flussgebiet Pripyats und der rostigen, mittlerweile über 20 Jahre vor Anker liegenden Flotte verschlägt es einen auch in das von der Katastrophe verschüttete Dorf Kopachi.

Die neuen Gesichter des Feindes

Vorsicht ist vor allem dann geboten, wenn plötzlich ein Burer um die Ecke biegt, ein optisch irgendwo zwischen Gnom und Goblin angesiedeltes und von seinem Schöpfer zu finzeligen XS-Körperdimensionen verdammtes Monster. Aber absolut nicht zu unterschätzen, denn seine zackigen Telekinese-Fertigkeiten reißen einem nicht nur die Waffe aus den Händen, auch Objekte wie Gasflaschen oder Kisten werden zu todbringenden Geschossen.

S.T.A.L.K.E.R.: Call of Pripyat - Kernschmelze in Köln

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 211/2151/215
Gegner in Sicht! Jetzt heißt es Deckung nehmen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Nimmt man jetzt noch seinen mentalen Schild und die Hitzewelle hinzu, wird er zu einem genauso gefährlichen Gegner wie die Chimera, die katzenhaft in der Dunkelheit lauern und einen von hinten überraschen. Hoffen wir, dass GSC Letzteres ebenfalls bewältigen kann. Nach zwei S.T.A.L.K.E.R.-Spielen fühlt sich dieses Call of Pripyat merkwürdig vertraut und nicht mehr so frisch an wie der faszinierende Erstkontakt aus dem Jahre 2006; sogar das Piepen beim Erhalten neuer Missionsziele ist das gleiche.

Das muss nicht schlecht sein, immerhin ist die Welt wieder so verkommen, wie man sich ein Endzeitspiel wünscht. Aber hoffentlich finden die Ukrainer nach Clear Sky wieder einen Mittelweg zwischen dem Knistern schummriger Atombunker und den verstrahlten Weiten der Zone.

Bitte ohne Bugs!

Wenigstens haben sie sich Gedanken in Hinblick aufs sperrige Interface gemacht und bieten ab sofort fünf Quick-Slots an, die einem den Weg ins Inventar ersparen, wenn man sich einen deftigen Happen reinpfeifen will. Was nicht nur für einen aus allen Löchern pfeifenden Stalker wichtig ist, sondern auch zum Erfüllen der körperlichen Bedürfnisse zählt, zu denen eben auch der Hunger gehört.

S.T.A.L.K.E.R.: Call of Pripyat - Kernschmelze in Köln

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 211/2151/215
Trostlose Ödnis, ein Paradies für Endzeitfreaks.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ja ja, wer Mutanten jagen will, muss kräftig zulangen. Außerdem wurden Rüstungen und Helme separiert und sind nun als eigenständige Items im Inventar zu finden. Insgesamt sollen es über 70 Missionen ins Spiel schaffen, die in einem von etlichen verschiedenen Enden gipfeln. Hierfür orientiert man sich an den alten Fallout-Teilen, rollt mit Bildern und Texten die Entscheidungen des Spielers auf.

Ob man es überhaupt bis dahin schafft, hängt von den Entwicklern und viel wichtiger: der QA-Abteilung ab. Schließlich will man bestenfalls unter Trümmern, nicht unter einer Lawine aus Bugs begraben werden. Hoffentlich macht GSC richtig klar Schiff. Soll heißen: bevor das Spiel in den Läden steht.