Ungewollte Sterbehilfe oder schließlich doch die lang ersehnte Heilung? Die für nicht eingehaltene Releasetermine und bugverseuchte Verkaufsversionen, aber auch für ihr innovatives Setting um die Strahlenzone von Tschernobyl und ihr weitläufiges Gameplay bekannten ukrainischen Entwickler von GSC Gameworld wollen mit der zweiten „S.T.A.L.K.E.R.“- Erweiterung „Call of Pripyat“ endlich zeigen, was in ihnen steckt.

Eine gute Idee, eine tolle neue Technik oder ein interessantes Konzept sind im Bereich der Computerspiele für sich allein genommen nicht allzu viel wert. So sorgte „Crysis“ mit seinen ersten Technikvideos für ungläubiges Staunen bei Fans und Medien und konnte doch im Gesamtpaket ob seiner etwas müden Story und des eintönigen Gameplays nicht bei allen Interessenten punkten. Dabei ist dieses Fallbeispiel nichts im Vergleich zu der Entwicklung, die die „S.T.A.L.K.E.R.“-Reihe seit den ersten Vorführbildern und den berühmt-berüchtigten durch das Internet verbreiteten Technikdemos genommen hat.

S.T.A.L.K.E.R.: Call of Pripyat - Burer TrailerEin weiteres Video

Denn auch der in der Ukraine entwickelte Shooter begeisterte zunächst mit in einer derartigen Qualität nie dagewesenen Landschaftsdarstellung, mit einem völlig neuartigen Setting rund um die Sperrzone im Gebiet des Katastrophenreaktors von Tschernobyl sowie mit einem Gameplay, das dem Spieler viel Freiheit zur Erkundung der weitläufigen Spielgebiete und einen schmackhaften Cocktail gemixt aus Shooter- und Rollenspielanteilen bieten sollte.

S.T.A.L.K.E.R.: Call of Pripyat - Endlich ohne Bugs die Zone erkunden!

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Die veraltete Grafik fängt die düstere Atmosphäre des Settings immer noch gelungen ein.
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Dass daraus nur in Teilen etwas wurde, ist den meisten Spielefans bekannt. Zu lange dauerte letztlich die Entwicklung und dementsprechend zu „normal“ war die Grafik. Gepaart mit zahlreichen Bugs in der Verkaufsversion und einem nicht gänzlich polierten Gameplay wurde der Titel trotz ordentlicher Bewertungen zu einer Enttäuschung für viele Fans des Genres rund um „WASD“ und Maus. Noch schlimmer erwischte es vor rund einem Jahr die erste alleinstehende Erweiterung „Clear Sky“. Diese sollte viele der Fehler aus dem Hauptspiel beseitigen, doch aufgrund zahlreicher Bugs und einem erneut nicht genug polierten Gameplay schnitt das als Prequel fungierende Addon noch schlechter als der Vorgänger ab.

Endlich am Ziel?

Mit der zweiten Erweiterung, die erneut ohne das Hauptspiel funktioniert, will man bei GSC Gameworld nun alles besser machen. Und schon der kleine Einführungsfilm zeigt, dass die Ukrainer wohl am liebsten einen dicken Strich unter das bisher Geschehene machen wollen und ihr liebgewonnenes Setting endlich einmal ohne Kratzer auf die Monitore ihrer Fans zaubern wollen. So werden dem Spieler zunächst noch einmal in kurzen Sequenzen die schrecklichen Ereignisse rund um den Super-GAU von Tschernobyl im Jahre 1986 in Erinnerung gerufen, bevor erklärt wird, was es eigentlich mit den nach wertvollen Artefakten suchenden Stalkern auf sich hat.

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Profillos: Den Figuren und Objekten im Spiel mangelt es in der Regel an Details.
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Man selbst schlüpft nicht direkt in die Rolle eines der rauen Namensgeber des Spiels, sondern zieht sich als Major des ukrainischen Geheimdienstes lediglich die Kluft dieser Gruppierung über, um so an Informationen über das Verschwinden von mehreren Helikoptern im verstrahlten Territorium zu gelangen. Mit einem einfachen Sturmgewehr und einer Pistole bewaffnet macht man sich also zum nächstgelegenen Stützpunkt der Artefaktsucher auf. Eine Einführung zur Bedienung oder zu den verschiedenen Spielelementen gibt es nicht, so dass man sich hier durch Ausprobieren helfen muss.

Hat man die kleine Enklave, die im Innern eines havarierten Schiffs liegt, erreicht, bekommt man sogleich die ersten Aufträge von den zumeist finsteren und grimmigen Gestalten zugewiesen. Da gilt es hier eine zurückgelassene Beutekiste zu bergen, dort soll ein vermisster Jäger gesucht werden und dann sind da ja auch noch die zu untersuchenden Helikopter.

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Wer sich vor tödlichen Emissionswolken nicht in Gebäuden schützt, endet als in den Boden gebrannter Schatten.
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Präsentiert werden die Aufgaben sowie sämtliche Gespräche übrigens durch karge Textboxen. Wie in 15 Jahre alten Adventures und Rollenspielen gilt es sich hier durch die Texthappen zu klicken und zu lesen. Dies ist insofern besonders schade, als die überschaubare Anzahl an Sprachaufnahmen durchaus gelungen ist. Wie in den Vorgängerspielen darf man vielen Gestalten auch wieder in ihrer ukrainischen Muttersprache lauschen, was zur guten Atmosphäre des Spiels jedoch eher noch beiträgt.

Naturbursche

Hat man genügend Aufträge angenommen, kann es endlich losgehen. Ein Blick auf die Karte des PDAs verrät, wo es hingeht, und zu Fuß macht man sich auf den Weg zum Ziel, dessen Richtung zudem jederzeit per Pfeil auf einer Minikarte am Bildschirmrand ersichtlich ist. Später darf man sich zudem von Ortskundigen gegen Gebühr direkt zu diversen Zielen bringen lassen, was bei der sehr weitläufigen Karte viel Zeit spart.

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Als Major des ukrainischen Geheimdienstes sucht man mehrere verschwundene Hubschrauber in der Zone.
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Die Missionen selbst gestalten sich zumeist recht ähnlich. Ist der Weg zum Ziel gesund überstanden, was aufgrund der vielen aggressiven Kreaturen und immer wieder auftretenden Strahlenbedrohungen bereits die erste Prüfung vor der eigentlichen Aufgabe ist, gilt es Gebiete zu erkunden, Gegenstände zu suchen oder Personen zu treffen. Das Spiel gibt sich in diesen Momenten wie ein reinrassiger Shooter. Rundenbasierte Angriffe oder Erfahrungspunkte, wie man sie aus RPG-lastigeren Hybriden, wie zum Beispiel „Fallout 3“, kennt, sucht man in „Call of Pripyat“ vergeblich. Lediglich die Ausrüstung verbessert sich mit der Zeit. Über neue Gegenstände hinaus, lassen sich viele Items zudem durch andere Objekte, wie etwa Zielfernrohre oder Schalldämpfer, optimieren.

Deutlich besser als in den Vorgängern sind die Hintergründe der Missionen gelungen. So bauen viele Missionen stärker aufeinander auf und transportieren so interessante Geschichten, anstatt lediglich einen neuen 08/15-Job zu generieren. Häufig gilt es neben der eigentlichen Missionshandlung zudem die Auswirkungen auf das Ansehen bei den verschiedenen Fraktionen im Spiel zu beachten. Denn schlägt man sich im Zuge eines Auftrags auf die Seite einer Fraktion, kann dies zugleich bedeuten, dass eine andere Gruppierung einen von nun an mit Salven aus dem Sturmgewehr begrüßt.

Gestern war heute hübscher

Wenig überraschend zeigt sich „Call of Pripyat“ wie schon seine Vorgänger in einer tristen Suppe aus Grau- und Brauntönen. Dass die zweite „S.T.A.L.K.E.R.“- Erweiterung optisch kein Hingucker ist, hat jedoch weniger mit dem Design der Spielwelt zu tun, das erneut sehr passend gelungen ist, sondern mit der ziemlich angestaubten X-Ray-Engine.

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Legt man sich einmal mit einer Fraktion an, sollte man dort nicht mehr blicken lassen.
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Da kann auch die DirectX-11-Integration nicht mehr viel retten, denn beinahe sämtliche Objekt- und Charaktermodelle kommen derart profillos daher, wie der DSDS-Moderator, dessen Name dem Autor dieser Zeilen eben aufgrund dieses Attributs gerade nicht einfällt. Um „Call of Pripyat“ genießen zu können, sollte man zudem einen halbwegs brauchbaren Spielerechner sein eigen nennen, denn regelt man die Grafikeinstellungen auf die mittlere Stufe herunter, verliert der Titel rasch sein letztes Bisschen Premiumoptik.

Wer sich schließlich durch die satte Anzahl an Missionen gekämpft hat und so einem neuen Geheimnis um die düstere Zone im Gebiet von Tschernobyl auf die Spur gekommen ist, darf sich mit Freunden im Mehrspielermodus tummeln. Dieser bietet vier Modi an: Jeder-gegen-Jeden, das Teamspiel, die Artefaktjagd und die Artefakteroberung.