Gewalt-Grütze aus der Quicktime-Hölle mit Grafikblendwerk – so mein erster Eindruck von Ryse: Son of Rome nach den ersten gezeigten Szenen auf der E3-Pressekonferenz von Microsoft. Ein Eindruck, den ich bald darauf revidieren musste, nachdem mir Crytek-Chef Cevat Yerli persönlich das Spiel hinter geschlossenen Türen vorgeführt hatte. Ryse dürfte anspruchsvoller und fordernder werden, als es der erste Blick nahelegt.

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Next-Gen ist, wenn es kracht

Welt retten oder Rache üben? Werfen wir doch einfach eine Münze. Hm, OK, „Rache üben“ ist wohl an der Reihe. Nachdem der Römer Marius Titus mit ansehen musste, wie seine Familie auf grausame Weise abgeschlachtet wurde, schwört er Rache an den barbarischen Widersachern und wird im Verlauf der Geschichte herausfinden, dass der eigentliche Feind womöglich in und hinter den eigenen Reihen bei seinen Vorgesetzten in Rom sitzt.

Ryse - Son of Rome - Besser als sein Ruf: Mehr als ein Quicktime-Gewalt-Porn

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Die Eröffnungsschlacht im Stile von "Der Soldat James Ryan" ist eine inszenatorische Wucht.
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Eines gilt schon jetzt als wahrscheinlich: Seine Geschichte nach dem Setzkastenprinzip dürfte nicht das Aushängeschild von Ryse: Son of Rome werden. Die Grafik schon eher. Hier lässt Crytek die Muskeln der Xbox One spielen wie ein Gladiator in der Arena. Die Eröffnungssequenz, in der die Römer an der Küste von Dover landen und den Strand mit seinen Befestigungsanlagen erstürmen, ist offensichtlich als antike Version der Anfangsszene aus „Der Soldat James Ryan“ inszeniert.

Brennende Katapultgeschosse schlagen in die majestätischen Schiffe, zerfetzen ihre Segel, die realistisch im Wind flattern und im Funkenstaub in Flammen aufgehen, links und rechts fallen die Kameraden dutzendfach in wildem Gemetzel. Überall brennt, raucht, blutet etwas. Beeindruckende Gesichtsanimationen per Performance-Capture. Next-Gen ist, wenn es am lautesten kracht.

Dann Ernüchterung: Das Kampfsystem sieht aus wie eine Light-Version von Assassin’s Creed – falls das überhaupt noch möglich ist. Quicktime hier, Knöpfchen-drücken dort, Finisher allerort. Doch nein, beschwichtigt Cevat Yerli, das sähe nur von außen so aus. In Wirklichkeit gestalte sich das Gemetzel durchaus anspruchsvoll.

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Quicktime-Unfug oder taktisches Gemetzel? Wir werden es herausfinden.
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So spiele die Position zu den Gegnern und präzises Timing eine entscheidende Rolle, müsse man ihn und seine Bewegungen genau beobachten, um die passende Aktion einzuleiten: parieren, angreifen, mit dem Schild abwehren und dieses im Konter verwenden, um die Abwehr des Gegners zu durchbrechen und ihn ins Straucheln zu bringen. Die Quicktime-Symbole erscheinen erst zum Einleiten des Finishers, wenn man seinen Feind erfolgreich an die Grenze getrieben hat. Sehr schön: Im schweren Modus fehlen die Symbole gänzlich. Hier muss der Spieler anhand der Bewegungen des Feindes, seiner Haltung und Laute erahnen, welches Knöpfchen den finalen Stich versetzt.

Entwarnung: Ryse könnte besser werden, als es der erste Blick vermuten lässt.Ausblick lesen

Gelingt einem dabei eine besonders spektakuläre Aktion, erkennt das Spiel dies und lädt auf Wunsch ein Video davon in die Cloud hoch, das anschließend von den eigenen Freunden bewundert werden kann – oder an besonders schwierigen Stellen als Hilfestellung anstelle einer Komplettlösung dient.