Lange dauert es nicht mehr, bis Ubisoft mit R.U.S.E. ein Strategiespiel der besonderen Art in die Schlacht schickt. Zwar hat man sich mit dem Zweiten Weltkrieg für ein altbekanntes Szenario entschieden, doch damit sind die Standards auch schon abgehakt.

Vom minimalistisch-eleganten Interface bis zu den extrem strategischen Schlachten und großangelegten Geheimdienstoperationen werden zahlreiche Innovationen in den Kampf um die Echtzeit-Krone geschickt. Grund genug für uns, nach Paris zu fliegen und vor der Veröffentlichung Anfang September einen letzten Blick auf R.U.S.E. zu werfen.

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Egal, ob wir alleine die 23 Missionen umfassende Kampagne oder den Mehrspielermodus spielen, die Karten sind allesamt verhältnismäßig groß und in mehrere Sektoren unterteilt. In diesen gibt es mehrere festgelegte Punkte, an denen wir Produktionsstandorte errichten können. Erteilen wir einen Baubefehl, machen sich LKW-Kolonnen vom Hauptquartier aus auf den Weg, um Arbeitsstätten zu errichten, die Einkommen produzieren, oder Kasernen und Fabriken aus dem Boden zu stampfen.

RUSE - Innovationen fürs Genre! Ein Spiel für alle, denen Starcraft 2 zu altbacken ist

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Erfreulich: RUSE geht neue Wege im Strategie-Genre.
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Vor der finalen Baubestätigung zeigt ein blau gefärbter Weg die Route der Wagen an. Das ist wichtig, da der Feind unsere Transporter jeder Zeit angreifen und somit unsere Vorhaben unterbinden kann, die Nachschubrouten sollten folgerichtig stets gesichert sein. Für die Produktionsstätten als auch für Panzerfabriken, Kasernen und Flugfelder gilt, dass wir sie lediglich direkt an den vorhandenen Straßen errichten können.

An den Lebensadern des Krieges kümmern wir uns auch um die Verteidigung, Panzerabwehrgeschütze, Flugabwehrkanonen und MG-Nester sichern unser Territorium. Doch wesentlich effizienter als offensichtlich erkennbare Abwehrstellungen sind gut platzierte Hinterhalte. Infanterie und leichte motorisierte Einheiten können sich in Städten und Wäldern verstecken. Von hier aus erledigen sie selbst schwere Panzer fast ohne eigene Verluste. Werden sie jedoch von Aufklärern entdeckt, geht es ihnen schnell an den Kragen.

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"Ruse" bedeutet "List": Entsprechend trickreich ist das Spielprinzip.
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Besondere Vorteile verschafft der Einsatz der namensgebenden Tricks, denn „Ruse“ ist das englische Wort für „List“. Jeder Spieler kann auf eine Sammlung von Spezialfähigkeiten zurückgreifen, die sich auf einzelne Sektoren anwenden lassen und nach einem Punktesystem abrufbar sind. So verschleiern wir unsere Basis, spionieren die Befehle des Gegners aus, beschleunigen unsere Einheiten oder starten zur Ablenkung einen Großangriff mit einer Armee aus Attrappen, um nur einige der mannigfaltigen Möglichkeiten zu nennen.

Ubisoft hat mit R.U.S.E. ein ganz heißes Eisen im Feuer, das das Echtzeit-Genre mit zahlreichen Innovationen bereichern wird.Ausblick lesen

Gerade die Option, die Befehle des Gegners zu beobachten, haben wir in Paris gerne genutzt. Nicht nur, dass man sich so der feindlichen Strategie von Mensch und Maschine anpassen kann, es wird auch offensichtlich, dass die KI trotz des hohen Schwierigkeitsgrades fair spielt. Doch auch der Computer nutzt den Geheimdienstkatalog ausgiebig und gezielt, genau wie die jeweiligen Stärken der Nationen.

Steuererklärung der Nationen

Die Deutschen verfügen über besonders starke und kreative Einheiten wie den Panzer Maus, von dem es in der Realität lediglich wenige Prototypen gab. Die USA hingegen sind extrem wirtschaftsstark und ziehen daraus ihre Vorteile. Die Briten beherrschen mit starken Flugzeugen den Luftraum, die Russen sind Spezialisten für Panzer und Artillerie und die Franzosen verstehen sich auf Verteidigungsmaßnahmen. Zu guter Letzt sorgen die Italiener mit billigen Einheiten für Gewimmel auf dem Schlachfeld.

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Die Atombombe lässt nicht viel übrig.
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Obwohl sämtliche Nationen andere Stärken haben, schien das Balancing während der Mehrspielersitzungen gut aufzugehen. Gerade hier ist eine durchdachte Strategie von Vorteil, denn Fehler rächen sich schnell. Neben Kämpfen gegeneinander kann man auch die KI ins Visier nehmen. In dem „Operations“ getauften Modus müssen sich die Spieler alleine oder gemeinsam in fiktiven Szenarien behaupten. Wie wäre es beispielsweise gewesen, als deutsche Armee ohne Luftwaffe in England zu landen und der gewaltigen Flugzeugflotte gegenüberzustehen?

Dank der mächtigen Zoomfunktion behält man zum Glück leicht den Überblick. Aus der Distanz wirkt das Spielfeld wie die Lagekarte im Generalsstab und Truppen werden in Form von gestapelten Pokerchips angezeigt, die die Schlagkraft und Truppenstärke der Armee durch ihre Größe und Höhe wiedergeben.

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Einheitenverbände werden durch "Pokerchips" symbolisiert.
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Dabei werden Einheiten, die nah beieinander stehen, aus der Distanz zusammengefasst. Ganze Verbände lassen sich also problemlos ohne vorherige Gruppierungsbefehle verlegen. Möchte man lediglich bestimmte Einheiten befehligen, zoomt man etwas näher ans Geschehen. Je näher man die Kamera ans Geschehen bringt, desto realistischer wird die Grafik. Gebäude und Landschaft gewinnen an Detail, vor allem aber verwandeln sich die Pokerchips in Soldaten, Jeeps und Panzer.

Der mächtige Zoom mit der Einheitenbündelung ist dabei nicht nur sinnvoll, sondern lässt eine komplett intuitive Bedienung zu. Obwohl das Interface die meiste Zeit nicht angezeigt wird und nur auftaucht, wenn wir es benötigen, gilt das weitestgehend für alle Aspekte des Spieles, die Steuerung ist extrem durchdacht.

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Nahtloses Zoomen erhöht die strategische Übersicht.
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Durch den Bruch essentieller Designkonventionen wie den Verzicht auf die klassischen Lebensbalken über den Einheiten erhöht sich paradoxerweise die Übersichtlichkeit. Haben wir weit rausgezoomt, verkleinert sich schlicht und ergreifend bei Verlusten der Chipsstapel, in der Nahansicht beginnen beschädigte Fahrzeuge zu rauchen und versuchen sich, vorausgesetzt wir haben keinen Kampf bis zum bitteren Ende befohlen, automatisch zurückzuziehen.

Außerhalb der feindlichen Reichweite wird dann ohne Zutun des Spielers repariert - eine von vielen Maßnahmen, das Mikromanagement auf ein Minimum zu reduzieren. Die Kombination aus geschickt vermiedenem Interface, der starken KI, dem bemerkenswerten Spielfluss und Designelementen wie der Menüführung, die an Apples Cover-Flow erinnert, machen R.U.S.E schon jetzt zu einem der interessantesten Strategiespiele des Jahres.

Einzigartig: die Steuerung

Ein weiterer bemerkenswerter Punkt ist die Pionierarbeit in Sachen Steuerung, die Ubisoft mit R.U.S.E. leistet. Neben der Maus und Tastatur am PC stehen natürlich die Gamepads auf den Konsolen als primäre Kontrollmöglichkeit im Vordergrund. Dabei steuern die Analogsticks die Kameraperspektive, und die Aktionstasten regeln die Befehlseingabe. Da der Auswahlrahmen sich automatisch auf Einheiten oder Chips zentriert, funktioniert diese Art der Kommandantur wesentlich besser als bei anderen Strategiespielen auf der Konsole, beispielsweise Alarmstufe Rot 2.

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Auch bei der Steuerung geht RUSE neue Wege.
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Exotischer geht es auf berührungsempfindlichen Monitoren zur Sache, denn auch per Tipps und Multitouch-Aktionen schicken die Spieler die Truppen über das Schlachtfeld. Darüber hinaus durften wir uns in den Ubisoft-Studios Paris von den Qualitäten der Move-Steuerung für die PS3 überzeugen.

Im Prinzip funktioniert diese genau wie die Steuerung über das Gamepad, wobei die Positionierung des Controllers in Kombination mit dem Kamera-Aktionsknopf für die Ausrichtung des Blickwinkels sorgt, der Rest der Eingaben erfolgt klassisch über die Knöpfe auf dem Move-Controller.

Die beiden Exoten unter den Befehlsmöglichkeiten funktionieren beeindruckend gut, können aber in Sachen Bedienkomfort nicht vollständig mit den althergebrachten Lösungen mithalten. Move wird idealer Weise stehend benutzt, was bei einem Strategiespiel mit langer Spieldauer eher ungeeignet erscheint, und auf den Touchscreens fehlen einfach ein paar Tasten, um die Bedienung zu vereinfachen.