Eines muss man den Spieleherstellern lassen: Wenn die Namensvergabe für eines ihrer Babys ansteht, beweisen sie jede Menge Einfallsreichtum. Vor allem dann, wenn es um „punktierte“ Wortungetüme wie R.U.S.E. geht. Nicht ganz so kreativ zeigt sich der französische Entwickler Eugen Systems bei der Hintergrundgeschichte seines Echtzeitstrategiespiels, die uns mal wieder als Nazi-Schreck in den Zweiten Weltkrieg verfrachtet.

RUSE - Launch Trailer13 weitere Videos

Davon sollten sich Genre-Fans jedoch keinesfalls abschrecken lassen, wenn sie nicht gerade eine fordernde Strategieperle verpassen möchten. Vom ersten Moment an versprüht R.U.S.E., ungeachtet der ausgelutschten und vorhersehbaren Handlung, eine enorme Anziehungskraft, einen hohen Motivationsfaktor.

Verantwortlich dafür ist die tadellose Zugänglichkeit, die trotz enormer Spieltiefe ein hohes Maß an Übersichtlich- und Spielbarkeit gewährleistet. Arten Mehrfrontengefechte bei ähnlichen Strategiespielen häufig in ein unübersichtliches Tohuwabohu aus, genügt hier ein kurzer Dreh am Mausrad, um das Geschehen hervorragend überblicken und entsprechend schnelle strategische Entscheidungen treffen zu können.

RUSE - Ritzeratze! Voller Tücke, in die Brücke eine Lücke

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 74/791/79
In den Zwischensequenzen wird die vorhersehbare Geschichte solide, aber ohne Höhepunkte erzählt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Der in beide Richtungen hohe Zoomfaktor erlaubt euch nicht nur, alle Einheiten aus nächster Nähe mit vielen Details zu bewundern. Umgekehrt lässt sich die Perspektive auch dermaßen weit herausziehen, dass das Schlachtfeld als grandiose Panorama-Taktikkarte auf einem überdimensionalen Tisch erscheint. Mitsamt der Anzeige strategisch wichtiger Punkte und natürlich aller Einheiten, deren Anhäufungen den Chips beim Pokern ähneln: Je mehr Panzer- oder Infanterieeinheiten an einem Ort versammelt sind oder durch die Gegend fahren beziehungsweise laufen, desto höher die farbigen Stapel.

Doch es genügt bei weitem nicht, einfach nur die meisten Panzer, Jagdbomber oder Fallschirmjäger zu rekrutieren und diese gegen die feindlichen Stellungen rushen zu lassen. Wer auf diese althergebrachte Weise seine Truppen in die Schlacht schickt, wird ein Waterloo von napoleonischen Ausmaßen erleben. R.U.S.E. baut zwar auf das Stein-Schere-Papier-Prinzip beim Kampf der diversen Einheitentypen, doch vielerlei geschickte Spielfeatures sorgen für entscheidende Eingriffe in das Spielsystem, die taktische Überlegungen beim Einsatz der militärischen Einheiten unabdingbar machen.

Packshot zu RUSERUSEErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Hinterhalt & List!

Eine simple, aber sehr mächtige strategische Waffe stellen beispielsweise Hinterhaltangriffe dar, die man durch Platzierung von geeigneten Fußtruppen, aber auch Abwehrstellungen in Wald- oder Stadtgebieten ermöglicht. Nähern sich gegnerische Einheiten diesen Positionen, erhalten die verborgenen Soldaten dicke Boni bei einer Überraschungsattacke auf arglose Widersacher.

RUSE - Ritzeratze! Voller Tücke, in die Brücke eine Lücke

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 74/791/79
Störende Einblendungen wie diese unterbrechen immer wieder das Spielgeschehen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Im Spielverlauf zeigt sich, dass versteckten Truppen eine ungemein hohe Bedeutung zukommt, gerade wenn es darum geht, effiziente Verteidigungsstellungen aufzubauen, die überlegene Gegner aufhalten sollen. Und das ist auch bitter nötig, denn die hartnäckigen und cleveren KI-Feinde nutzen Schwachstellen gnadenlos aus und greifen ihrerseits immer wieder zu gefährlichen Hinterhalttaktiken, die unsere Freunde in Windeseile dezimieren.

Außerdem wichtig: listiges Vorgehen, raffinierte Täuschungsmanöver, mit denen eigene Truppen auf den teils riesigen Maps verborgen bleiben. Wir können zum Beispiel Spione aussenden und decken damit feindliche Stellungen auf, verschaffen unseren Kompanien erhöhtes Bewegungs- und Produktionstempo, täuschen Attacken mit Pappkameraden vor oder sorgen dafür, dass der Feind die für ihn ungeeigneten Einheitentypen attackiert. Mit diesen speziellen Winkelzügen werden völlig neue Herangehensweisen an Gefechte erreicht, die ohne Tarnnetz nicht möglich wären. Auch hier arbeitet die KI mit ähnlichen Mitteln, setzt sie jedoch bei normaler Schwierigkeit nicht so häufig ein wie wir.

RUSE - Ritzeratze! Voller Tücke, in die Brücke eine Lücke

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 74/791/79
Die grandiose Panorama-Map gleicht ein wenig einem Pokertisch, sorgt aber für sehr guten Überblick.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Der computergesteuerte Feind setzt seine Mittel und Truppen bisweilen so gut ein, dass man auch als erfahrener Strategiespieler mehrere Versuche auf einer Map benötigt, um eine optimale Taktik auszuklügeln. Enorme Bedeutung fällt der richtigen Kombination von verschiedenen Einheitentypen zu: Aufklärer erhöhen etwa die Reichweite eigener Artillerie- und Panzerabwehrstellungen. Zugleich ist ihre taktische Positionierung auf dem Schlachtfeld nicht nur hinsichtlich strategischer Hinterhalte bedeutsam, denn landschaftliche Merkmale wie Städte, Wälder oder Brücken beeinflussen die Schusswinkel und helfen beziehungsweise erschweren den Aufbau immens wichtiger Verteidigungsketten.

Ein forderndes Strategiespiel voller taktischer Winkelzüge und Listigkeiten, das sich keiner entgehen lassen sollte.Fazit lesen

Kompliziert wird die Aufgabe auch oft, weil wir einmal gebaute Stellungen und rekrutierte Truppenteile nicht oder nicht vollständig bei nachfolgenden Schlachten auf der gleichen Map weiterverwenden dürfen. Greifen wir in einem Moment noch auf eine schlagkräftige Armee zurück, müssen wir uns nach einem Kontrollpunkt plötzlich mit einer Rumpftruppe der feindlichen Angriffe erwehren. Das erhöht zwar die Spannung, frustriert fleißige Baulöwen allerdings.

Viel Makroökonomie

Apropos Herstellungsprozess: Auch hier zeigt sich, wie gut R.U.S.E. bis ins kleinste Detail durchdacht wurde. Mit nur wenigen Klicks werbt ihr neue Einheiten an, die über ein interaktives Interface ausgewählt werden. Mikromanagement ist zwar durchaus vorhanden, wird aber auf das Nötigste reduziert oder technisch so übersichtlich und ergonomisch dargestellt, dass es nicht in Stress ausartet. Ressourcen für neue Einheiten erhaltet ihr jedoch nicht im Überfluss, oft sind Nachschubeinheiten sogar begrenzt, sodass ihr klug abwägen müsst, welche Truppenteile ihr zum Erreichen der vorgegebenen Ziele benötigt.

RUSE - Ritzeratze! Voller Tücke, in die Brücke eine Lücke

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 74/791/79
Listigkeiten versorgen euch mit einer Vielzahl taktischer Optionen, die eure Truppen beispielsweise vor dem Feind verbergen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Clevere Generäle profitieren zudem davon, dass sich angeschlagene Einheiten vor ihrer kompletten Zerstörung zunächst zurückziehen und ihre Trefferpunkte sogar vollständig regenerieren, falls sie das Gefecht überleben. So spart man nicht nur wertvolle Produktionsmittel, sondern kann diese Finessen auch für taktische Scharmützel nutzen, ohne viele Einheiten zu verlieren.

Im späteren Spielverlauf erhalten einige Truppenteile sogar Upgrade-Möglichkeiten, die ihre Fähigkeiten erweitern und sie beispielsweise mit mehr Feuerkraft oder Reichweite versorgen. Etwas ärgerlich sind hingegen störende Handlungseinblendungen während der Gefechte, die zwar inszenatorisch gut gemeint sind und am Bildschirmrand erscheinen, aber trotzdem das aktive Weiterspielen verhindern und somit wichtige Sekunden kosten können.

Eher gemächlich statt hektisch

Glücklicherweise weist R.U.S.E. in Sachen Spielgeschwindigkeit meist ein eher gemächliches Tempo auf, nur eher selten sorgen knappe Zeitlimits für hektische Abläufe. Das kommt übrigens den Konsolenumsetzungen zugute, denn trotz sehr guten und intuitiven Handlings per Controller dauert der Zugriff auf die eigenen Armeeteile ohne Shortcuts und Gruppierungen erheblich länger.

RUSE - Ritzeratze! Voller Tücke, in die Brücke eine Lücke

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 74/791/79
Wenn's kracht, dann richtig. R.U.S.E. geizt nicht mit heftigen Effekten.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das gilt vor allem für die Move-Erweiterung auf der PS3. Die Bewegungssteuerung ist zwar technisch sauber umgesetzt, für ein Strategiespiel allerdings viel zu behäbig und somit nur wirklich experimentierfreudigen Hobby-Generälen zu empfehlen. Optisch bleiben - das ist sicherlich keine Überraschung - die Konsolenversionen deutlich hinter dem PC-Pendant zurück, was sich vor allem in recht vermatschten Texturen und geringeren Details sowie weniger Zoom bemerkbar macht.

Wer sich durch die Singleplayer-Kampagne gekämpft hat, darf sich außerdem auf einige recht herausfordernde Zusatzgefechte gegen die KI freuen und eine Reihe von Aufgaben im Koop-Modus absolvieren. Sehr ausgewogene Schlachten haben wir im Multiplayer-Modus für bis zu acht Teilnehmer (Konsole: vier) erlebt, in dem die unterschiedlichen Nationen mit ihren ganz speziellen Stärken und Schwächen sehr gut ausbalanciert sind. Neben dem überzeugenden Matchmaking zeigte sich, dass der Spielverlauf nicht auf den „schnellen Klicker“ ausgelegt ist, sondern taktische Winkelzüge entscheidenden Einfluss auf die Partien haben können.