Runaway-Held Brian Basco wird im Finale der Trilogie sterben, erfuhren wir geschockt von den Entwicklern auf der gamescom und rätselten im Fazit unseres Previews, welcher Story-Twist of Fate den Pendulo Studios wohl einfallen würde, um doch noch die Kehrtwende in Richtung Happy-End einzuschlagen.

Und tatsächlich erfahren wir gleich zu Beginn von Runaway 3: Alles halb so wild, der Tod war nur vorgetäuscht. Haben sich die Entwickler mit dieser Auflösung gleich am Anfang bereits das zentrale Spannungsmoment genommen? Mitnichten. Denn A Twist of Fate ist das mit Abstand beste Spiel der Reihe geworden…

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Brian Basco ist tot. Als einsamer Gast auf seiner Beerdigung wirft ihm Ex-Freundin Gina zum Abschied eine Rose auf den Sarg und sieht zu, wie sich langsam die Erde in dem Loch auftürmt, als sie eine SMS erhält. Von Brian. Die Charade sei vorbei. Sie solle ihn doch endlich aus der Holzkiste befreien…

Runaway: A Twist of Fate - Nicht weglaufen! Der beste Teil der Serie

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Gina Timmins: In den Vorgängern nur wandelndes Dekolletee, nun selbst Akteurin.
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Das Spiel beginnt nach der ungewöhnlichen Einführung relativ klassisch: Erstmals in der Serie spielen wir Gina Timmins, die in den vorigen Episoden allenfalls Stichworte und ihr Dekolletee zum Besten gab. Nun müssen wir mit ihr einen Weg finden, den Freund zurück ans Tageslicht zu holen, stoßen dabei auf gewohnt skurrile Charaktere und lösen abstrus erscheinende Aufgaben.

Um uns Werkzeug zu beschaffen, müssen wir beispielsweise der Friedhofstischlerin dabei helfen, die schwedische Anleitung für die Ikea-Särge zu übersetzen. Dumm nur, dass Schweden auf einem Friedhof nur in beerdigter Form anzutreffen sind. Doch glücklicherweise treffen wir auf eine medial begabte Irre, die mit den Toten kommunizieren kann…

Packshot zu Runaway: A Twist of FateRunaway: A Twist of FateErschienen für DS und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Alter Schwede

Die Spiele der Runaway-Serie zeichneten sich noch nie durch sonderlich komplexe Verästelungen ihrer Storylines aus. Ein ungleiches Pärchen auf der Flucht vor der Mafia – diese Konstellation reichte dem ersten Teil als Aufhänger für seine mal mehr, meist weniger ausgefuchsten Knobeleien.

Clever erzählt und hübsch präsentiert: der beste Teil der Serie!Fazit lesen

Umso überraschender ist es, wie ungewöhnlich clever die Entwickler die Handlungsfäden in Teil 3 zu einem bunten Story-Teppich verweben und diesen genüsslich vor dem Spieler ausbreiten, wie sie zwischen mehreren Zeitebenen hin und her springen und sogar die Geschichten der Vorgänger nicht nur aufgreifen, sondern in ein komplett neues Licht rücken. Dass dabei die hanebüchene UFO-Story aus Teil 2 am Ende gar eine völlig andere Lesart erhält, ist einem Geniestreich schon gar nicht mehr weit entfernt.

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Trick 17: Brian täuscht seinen eigenen Tod vor.
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Jedoch erst mit dem zweiten Kapitel nimmt Runaway: A Twist of Fate langsam Fahrt auf, um dann zum Ende hin durchzustarten. Ein Rückblick verschlägt uns als Brian in die Psychiatrie. Des Mordes an einem hohen Militär für schuldig befunden, finden wir uns zwischen durchgeknallten Elvis-Imitatoren, sadistischen Krankenschwestern und anderen Verrückten wieder. Einer von vielen hübschen Einfällen: Ein Pantomime schenkt Brian eine eingebildete Blume, die dieser tatsächlich für den Rest des Spiels in seinem Inventar mit herumschleppt.

Ist Brian wirklich ein Mörder? Welche Verschwörung zieht im Hintergrund die Fäden? Und wie zum Teufel kommen wir bloß wieder aus der Irrenanstalt raus? Während Brian an letzterem Problem in der Vergangenheit arbeitet, spürt Gina ein Kapitel später in der Gegenwart den anderen beiden Fragen nach. Die Zeitsprünge und wechselnden Hauptfiguren, glücklicherweise nicht ganz, aber beinahe ähnlich verwirrend wie in Call of Duty, führen uns sogar zurück in den zweiten Teil, The Dream of the Turtle, um dort lose Story-Enden aufzudröseln.

Raus aus der Klapse: Runaway-Syndrom geheilt!

Gerieten die Vorgänger für die als „Runaway-Syndrom“ bekannt gewordene Unsitte in Verruf, bestimmte Aktionen erst zu ermöglichen, wenn teilweise ganz woanders irgendetwas passiert ist, so muss sich in Teil 3 kein Spieler mehr die Haare ausraufen, auch wenn manches Rätsel, wie obiges Beispiel zeigt, an selbigen herbeigezogen ist. Wenngleich ihnen das Prädikat „logisch“ nicht unbedingt gerecht wird, so sind sie dennoch meistens lösbar.

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Die zahlreichen Zwischensequenzen unterstützen die filmhafte Atmosphäre.
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Und wenn nicht, dann steht die eingebaute Lösungshilfe mit Rat und Tat zur Seite, die bemerkenswert originell ausgefallen ist: Per Mausklick werdet ihr direkt ins fiktive Büro der Entwickler verbunden, in dem euch der leicht verplante Hausmeister (eingeschränkt) nützliche Hinweise zur nächsten Aufgabe gibt, ohne die Lösung vollends auszuplaudern. Auf die müsst ihr schon selber kommen.

Ob mit oder ohne Lösungshilfe: Die Spieldauer pendelt sich mit ca. sechs bis acht Stunden im soliden Genremittelfeld ein. In der Regel sind die Rätsel, bis auf wenige fiese Ausnahmen, aber ohnehin eher zu leicht als zu schwer geraten. Am längsten hing ich gar an einer Stelle fest, bei der ich nicht kapierte, dass die Kamera automatisch und ohne Vorwarnung umschwenkt, sobald man eine bestimmte Ecke des Raums betritt.

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Sadomaso-Schwester: In der Klapse verwischen Grenzen zwischen Personal und Patient.
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Ein Beispiel, das gleichzeitig den Daumen in die Wunde der nicht hundertprozentig optimalen Steuerung legt: Runaway 3 orientiert sich zwar am Genrestandard mit seinem Links-Recht-Klick, Warp-Antrieb per Doppelklick (nicht nur zum Ausgang, sondern überall hin auf dem Bildschirm) und – nebensächlich, aber umso löblicher: Der Charakter gibt sofort seinen Kommentar zu einer Aktion ab, ohne erst zum bearbeiteten Gegenstand latschen zu müssen, nur um dort festzustellen: „Das klappt so nicht.“

Um ins Inventar zu gelangen, muss der Spieler jedoch zunächst ein Menü am oberen Bildschirmrand öffnen, bevor er per weiterem Klick einen Blick in seine Taschen werfen darf – den Hotkey auf der Tastatur lassen wir aus Unbequemlichkeitsgründen nicht als Alternative gelten.