Autor: Christopher Link

Frauen bringen uns Männer immer wieder in gefährliche Situationen: Das kennt man hinlänglich aus Filmen, aber auch die Geschichte lehrt uns, dass um das weibliche Geschlecht ganze Kriege geführt wurden. Im Alltag ist es kaum anders - Hahnenkämpfe mit Vertretern des eigenen Geschlechts sind in jeder Disco an der Tagesordnung. Und selbst bis in die Spielehistorie ist dieser älteste aller Konflikte zurückzuverfolgen…

Zuletzt stürzten sich barbarische Seelen mit Sareth aus »Dark Messiah of Might & Magic« in ein blutiges Gemetzel, um ein holdes Weib zu beeindrucken und so ganz nebenbei noch die ganze Welt zu retten. Auch Brian Basco, der Held aus dem Adventure »Runaway«, kennt dieses Problem: Er riskierte sein eigenes Leben im ersten Teil, um einer attraktiven Frau zu helfen, die von der Mafia verfolgt wurde.

Nun steht das Sequel des Knobelabenteuers in den Läden, und die Probleme könnten größer nicht sein. Eben diese Frau bringt uns wieder in Situationen, die wir uns nicht hätten träumen lassen. Was »Runaway 2« außer einem ausgeprägten Kampf der Geschlechter noch zu bieten hat, erfahrt ihr in unserem Review.

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Das Leben des Brian...
Tja, so schnell kann ein Urlaub zur Hölle werden: Unsere beiden Helden aus »Runaway«, Brian Basco und Gina Timmins, sind sich seit den Erlebnissen des ersten Teils näher gekommen und nun ein Paar. Quasi als Flitterwochen - bloß ohne Heirat - gönnen sich die beiden einen Urlaub auf Hawaii. Krönender Abschluss des Ganzen soll ein Trip mit einem Privatflugzeug werden. Dumm nur, dass Pilot Otto und die Maschine alles andere als frisch aussehen.

Runaway 2: The Dream of the Turtle - Ein Mann, eine Frau, tausend Probleme: Brian und Gina rätseln sich die Schildkröte.

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Hier ist noch alles in Ordnung: Pilot Otto hat seine besten Jahre aber schon hinter sich.
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Dabei wäre es in der Situation ausnahmsweise mal angemessen gewesen, auf den männlichen Instinkt zu hören. Denn Brian ahnt schon die Schwierigkeiten, während sich die sturköpfige Gina einfach nicht beirren lässt. Bevor wieder die nur allzu vertrauten Beziehungsprobleme anfangen, gibt Mann also nach... Die Frage ist nur, ob Brian auch zugestimmt hätte, wenn er vorher vom Herzinfarkt des Piloten, der anschließenden Bruchlandung und einer erneuten schweißtreibenden Suche nach Gina gewusst hätte. Wohl nicht. Frauen, ihr seid so schlimm!

Packshot zu Runaway 2: The Dream of the TurtleRunaway 2: The Dream of the TurtleErschienen für PC, DS und Wii kaufen: Jetzt kaufen:

So viel zur Story von »Runaway 2«: Wie schon in Teil eins wird die Geschichte von Brian als Rückblende erzählt. Erschöpft von den Erlebnissen, sitzt er am Computer und chattet mit Sushi, der hilfsbereiten Hackerin aus dem Vorgänger. Und diese geschilderten Ereignisse spielen wir nun nach.

Wie sich schon aus den letzten Zeilen entnehmen lässt, fängt unser Abenteuer im Dschungel an. Hier bekommen wir es nicht nur mit streitsüchtigen Lemuren zu tun, auch Höhenängste - bedingt durch eine modrige Hängebrücke - müssen überwunden werden. Aber was soll's, da müssen wir durch… beziehungsweise drüber.

Neues aus dem Kuriositätenkabinett...
Nur schade, dass sich gerade der Anfang hinzieht wie ein Kaugummi. Erst mit Ende des zweiten Kapitels - »Runaway 2« umfasst derer sechs - gewinnt die Story langsam an Fahrt. Wie schon im Vorgänger tauchen mehr und mehr neue Figuren auf, wodurch das Spiel an Stärke gewinnt, weil sich die Charaktere sehr voneinander unterscheiden und vor allem Brian immer für einen sarkastischen Spruch gut ist. Überhaupt ist »Runaway 2« mindestens genauso witzig wie sein Vorgänger. Da bekommen selbst wir arme Spieleredakteure unser Fett weg. Wie fies!

Runaway 2: The Dream of the Turtle - Ein Mann, eine Frau, tausend Probleme: Brian und Gina rätseln sich die Schildkröte.

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Gefahr im Verzug: Erneut wollen wieder böse Buben Brian und Gina an den Kragen.
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Einfacher als einfach steuert sich unser guter Brian auch im zweiten Teil - wie in einem typischen Point'n'Click-Adventure eben. Die linke Maustaste dirigiert unser Alter Ego an bestimmte Stellen und lässt ihn möglicherweise interessante Gegenstände analysieren. Mit der rechten Maustaste versucht Brian mit den Objekten zu interagieren. Das klappt ohne Probleme auf Anhieb, Einsteiger werden also gleich warm. Bequem ist auch die Möglichkeit, per Doppelklick einzelne Schauplätze mit einem Zug zu verlassen.

Etwas umständlich gelöst ist lediglich das Inventar. Hierbei müssen wir den Mauszeiger an den oberen Bildschirmrand bewegen, woraufhin wir in ein separates und bildschirmfüllendes Inventarfenster gelangen. Erst dort können relevante Gegenstände eingesehen werden. Eine klassische Anordnung der mitgenommenen Objekte wie in »Geheimakte Tunguska« wäre uns lieber gewesen.

Die Schwierigkeit der Rätsel variiert zu Beginn recht stark. Manche sind mit gesundem Menschenverstand einfach zu bewältigen, bei anderen weiß man oft gar nicht, was eigentlich zu tun ist. Mehr als eine Handvoll davon sind derart harte Kopfnüsse, dass für ihre Lösung nur noch das Experimentieren bleibt. Nach gut 20 Stunden sollten aber selbst blutige Anfänger das Abenteuer überstanden haben. Dann ist man um viele Erfahrungen schlauer und dank der überzeugenden Präsentation auch noch um ein breites Grinsen reicher.

Technische Glanzleistung
Grafisch ist »Runaway 2« sicherlich eine Glanzleistung und ein Maßstab für künftige Comic-Adventures. Das fängt schon bei den detailliert gezeichneten und in 3D gehaltenen Charakteren an. Hier können vor allem die Animationen überzeugen, was in gegenwärtigen Adventures immer ein Problemfall war, man denke da nur an Spiele wie »Baphomets Fluch 4« oder »Undercover«. Brian & Co. bewegen sich flüssig animiert durch die liebevoll gestalteten, zweidimensionalen Hintergründe, und wenn man nicht genau wüsste, dass die Figuren dreidimensional modelliert sind, würde man es vermutlich nicht merken. Die Symbiose ist den Entwicklern wirklich geglückt.

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Welcher Mann kann bei solch einer Frau schon nein sagen?!
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Glaubt nach all den Lobeshymnen irgendjemand ernsthaft, dass am Sound auch nur ein bisschen was auszusetzen sei? Pah, ganz und gar nicht! Schon der erste Teil war ein Paradebeispiel für eine exzellente und wegweisende Synchronisation, da macht auch »The Dream of the Turtle« keine Ausnahme. Fans werden sofort dieselben Stimmen erkennen, die Brian und Gina auch im Vorgänger so sympathisch machten. Auch der Soundtrack lässt keinen Raum für Kritik: Mit einem eigens entworfenen Song wird das Abenteuer eingeleitet, dazwischen gibt es immer wieder abwechslungsreiche und qualitativ hochwertige Stücke zu hören, die sich aber dezent im Hintergrund halten. Am konzentrierten Rätseln wird man also nicht gehindert.