Alle Jahre wieder überkommt mich zur Winterzeit ein Deja vú. Bereits bei der letzten Auflage von RTL Wintersports hatte ich dieses merkwürdige Gefühl, alles schon einmal erlebt zu haben, wie im Film "Und ewig grüßt das Murmeltier". Die Versuchung ist groß, ganze Textblöcke aus dem Artikel vom letzten Jahr zu kopieren, denn vieles passt tatsächlich auch diesmal immer noch.

Doch fairerweise soll nicht verschwiegen werden, dass der Hamburger Entwickler 49Games tatsächlich versucht hat, das mittelmäßige Produkt früherer Jahre mit RTL Wintersports 2010: The Great Tournament zu verbessern. Also nix mit Copy & Paste auf beiden Seiten?

In der Tat bietet die Miniwinterolympiade mehr als "einen lauen Aufguss der Vorjahresversion", wie wir zuletzt noch gemosert hatten. Das Bemühen, eine zusammenhängende und kompaktere Spielerfahrung anzubieten und das Spiel insgesamt zugänglicher zu machen, ist deutlich bemerkbar. Allerdings dürfte den meisten auch bekannt sein, was es heißt, wenn in einem Zeugnis steht, dass jemand sich "bemüht" hat ...

RTL Wintersport 2010 - Jedes Jahr die gleiche Grütze?

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Eiskunstlauf in dieser Form ist eigentlich nur langweilig.
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Zum einen gibt es leider immer noch eine Reihe von störenden, den Spielspaß hemmenden Macken. Und zum anderen ist die Optik (in der von uns getesteten Xbox-360-Version) immer noch hart an der Grenze dessen, was auf den aktuellen Konsolen akzeptabel ist. Knackpunkt ist jedoch nach wie vor die Steuerung und das teilweise kaum nachvollziehbare Geschehen auf dem Bildschirm.

Verbesserte Steuerung

So hat man das Handling der sportlichen Protagonisten zwar einer Generalüberholung unterzogen und viele verworrene Handlungsmuster einfach eliminiert. Das Grundschema wurde so weit vereinheitlicht, dass viele der acht Sportarten eine ähnliche Controller-Steuerung besitzen. Beispielsweise beschleunigt ihr eure virtuellen Athleten nun beim Eisschnelllauf auf dieselbe Weise, wie es auch beim Ski Alpin, Bobfahren, Snowboard Cross oder Biathlon der Fall ist: per simplem Druck auf die rechte Triggertaste.

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Die Freeride-Modi bieten ein zu geringes Trick-Spektrum.
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Vieles daran ähnelt an ein Rennspiel, allzu viel Geschick ist dafür zunächst nicht erforderlich. Und doch spielt euch das Handling immer wieder einen bösen Streich, entpuppt sich in entscheidenden Momenten als hakelig und unpräzise. Die mangelnde Rückmeldung auf das Geschehen erweist sich in einigen Disziplinen als Stolperstein, wenn etwa beim Biathlon die Figur bei Anstiegen aus nicht nachvollziehbaren Gründen einfach deutlich langsamer wird als die KI-Konkurrenten und selbst der Einsatz des Adrenalin-Turbos, der euch in den meisten Sportarten zeitweilig einen Speed-Boost verpasst, nur geringfügig Abhilfe bringt.

Weiter gesprungen als im Vorjahr, aber immer noch zu kurz für die Weltklasse.Fazit lesen

Der Drang, es allen Spielern recht zu machen, wird dann wieder beim Eiskunstlauf auf die Spitze getrieben, wo ihr lediglich im Rhythmus der immergleichen Billigmelodie einige Tasten drückt, dann aber wieder über eine Kreiselbewegung stolpert, die so weder im Tutorial noch im Handbuch erklärt wird. An solchen Widersprüchlichkeiten mangelt es nicht - so wird etwa das Einsteigen beim Bobfahren genau so wenig erklärt, wie auch ständig schlechte Startphasen beim Eisschnelllauf unerklärlich bleiben, obwohl subjektiv alles richtig gemacht wurde.

Im Vergleich zu früheren Jahren ist jedoch trotz dieser Probleme ein deutlicher Schritt nach vorne gemacht worden, zumal die Vereinheitlichung der Steuerung ein ständiges Umdenken unnötig macht. Zumindest die Zielgruppe "Familie" dürfte sich über diesen Punkt freuen.

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Immer wieder weiß man nicht genau, warum etwas passiert - oder auch nicht.
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Neben der Möglichkeit, die acht Disziplinen (Snowboard Cross, Ski Freeride, Ski Alpin, Skifliegen, Shorttrack, Biathlon, Vierer-Bob und Eiskunstlaufen) einzeln oder in speziellen "Cups" in einer bestimmten Zusammenstellung zu absolvieren, gibt es auch einen Karrieremodus. Hier tretet ihr in 16 aufeinander folgenden Wettbewerben gleich mit einem ganzen Team unterschiedlicher Sportler an und müsst das jeweils nächste Klassement durch den ersten Platz im vorherigen "Cup" freischalten. Doch leider bleiben euch die Spielfiguren fremd, da Personalisierungsmaßnahmen praktisch völlig fehlen. Ihr dürft zwar gewonnene Erfahrungspunkte in neue Ausrüstungsgegenstände investieren, die eure Fertigkeiten verbessern und eure Chancen auf einen Sieg erhöhen, doch die Charaktere bleiben distanzierte Bildschirmpixel, weil lediglich eine sehr geringe Anzahl Nationen überhaupt zur Auswahl bereitstehen.

Schade, hier wurde eine große Chance verpasst, die Spieler mit eigenen Charakteren an den Wettbewerben teilnehmen zu lassen und damit die Identifikation und Motivation deutlich anzuheben. So ist es mir am Ende herzlich egal, ob das eigene Team gegen Japan oder Norwegen den Kürzeren zieht.

Endlich mit Onlinemodus

RTL Wintersports 2010 verfügt - endlich - auch über einen Online-Modus, an dem sich bis zu vier Spieler beteiligen können. Wie in den Offline-Partien gibt es einige Disziplinen, in denen ihr direkt gegeneinander antretet (z.B. Ski Alpin/Freeride, Snowboard Cross). Bei anderen (Bobfahren) seht ihr sofort, welche Position ihr aktuell im Vergleich zur Konkurrenz einnehmt oder alternativ erhaltet ihr am Ende eine Abschlusswertung mit einer Ranking-Übersicht.

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Donnie Darko ist jetzt Skispringer.
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Interessant ist, dass ihr im Modus "Taff" eure Karriere-Spielfiguren mit allen freigeschalteten Talenten und Ausrüstungsgegenständen einsetzen dürft, was sicherlich für einige Wettbewerbsverzerrung sorgen dürfte. Allerdings ist das auch abschaltbar, denn im Fairplay-Modus sind alle Erweiterungen deaktiviert.

Apropos Fair Play: Um das Spielgeschehen etwas aufzulockern, ist es sogar möglich, seine Widersacher anzurempeln und sich damit einen kleinen Vorteil zu verschaffen. Doch das rüpelhafte Verhalten bleibt in den darauf folgenden Wettbewerben nicht ohne Folgen und ihr werdet mit einer langsameren Aufladung des Adrenalin-Boosts bestraft. Verhaltet ihr euch dagegen vorbildlich, lädt sich der Turbo-Beschleuniger schneller auf.

Leider ist das neben einem überflüssigen "Herausforderungsmodus" die einzig nennenswerte Gameplay-Auflockerung, die den mickrig wenigen acht Disziplinen ein wenig Abwechslung einhauchen. Die eher rudimentären Trickeinlagen in den beiden Freeride-Modi sind schon nach wenigen Durchgängen aufgebraucht. Ähnliches gilt für den locker-flockig agierenden Moderator, der zwar - glücklicherweise - nicht mehr ganz so grenzdebil agiert wie das Duo im vergangenen Jahr. Trotzdem ist man dankbar, dass sich die meisten Intro- und Outro-Sequenzen überspringen bzw. ganz deaktivieren lassen.