Zickenkriege, fliegende Adler und auf Eis gelegte bayrische Naturburschen – der Wintersport hat fraglos eine Menge zu bieten. Nicht zuletzt auch für die TV-Sender, die von den Quotenhits an der Schanze nun zu den Ausdauermonstern in der Loipe und am Schießstand gewechselt sind. Da die Biathleten 2007 gleich ein eigenes Spiel verabreicht bekommen, muss der Rest vom Wintersport ins Disziplinensammelbecken „Winter Sports 2008“ steigen. Dass das eigentlich gar nicht schlecht ist und allein einige Details dem Titel den Sprung aufs oberste Treppchen verwehren, zeigt unser eiskalter Test.

RTL Winter Sports 2008 - The ultimate Challenge - Trailer

„Tausende standen an den Hängen und Pisten“ - damit das nicht wieder passiert, schlüpft man bei „RTL Winter Sports 2008“ in die Anzüge von gleich neun verschiedenen Athleten. So vereint der Titel die Disziplinen Ski Alpin, Skispringen, Bobrennen, Rodeln, Skeleton, Eisschnelllauf, Curling, Langlauf und Eiskunstlaufen in einem kühlen Paket.

Vor dem Start steht jedoch die Einführung. Und die dürfte wohl so manchem Kenner des Vorgängers „RTL Winter Games 2007“ ein Gesicht in Schneefarbe bescheren. Nicht die Farbe des Schnees an den Hängen, wohlgemerkt ... Denn erwähnte Einführung und auch die einer Olympiaeröffnungsfeier nachempfundene Startsequenz der Spielerkarriere präsentieren sich als erschreckend hässliche Filmchen.

RTL Winter Sports 2008 - The ultimate Challenge - Wieder standen wir an den Hängen und Pisten...

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Darf bei keiner Eröffnung einer Olympiade fehlen: das gigantische RTL-Logo. Wer da keine Tränen in den Augen hat, ist aus Stein.
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Mal ganz davon abgesehen, dass wohl selbst die reichlich in das eigene Logo verliebten Mädels und Jungs von EA Sports ihr Emblem in einem solchen Filmchen nicht von den tausenden Fans als Riesenschild in die Höhe strecken lassen würden, wie es im RTL-Spiel geschieht, sind die Einspieler einfach von schlechter Qualität. Und so kommt schon beim Spielstart der Verdacht auf, dass man bei Entwickler 49 Games erneut die Fehler des Vorgängers begangen und einem eigentlich soliden Grundgerüst kein passendes Drumherum verpasst hat.

Nennt mich Sven. Und Svenja.

Auch die Charaktererstellung im Karrieremodus kann Freunden von echtem Tour-Flair nur wenig Hoffnung machen. So darf man weder das Geschlecht des Sportlers noch sein Aussehen bestimmen. Lediglich die Nation und der Name stehen zur Auswahl, wobei letzterer nur für die Ranglistendarstellung da ist; ein Vor- und ein Nachname haben hier zusammen keinen Platz.

Packshot zu RTL Winter Sports 2008 - The ultimate ChallengeRTL Winter Sports 2008 - The ultimate ChallengeErschienen für PC, PS2 und Wii kaufen: Jetzt kaufen:

Lediglich Chinesen, deren kompletter Name vier Zeichen nicht überschreitet, könnten Glück haben und den gesamten Eintrag in das Feld bekommen. Diese Einschränkung ist allerdings im weiteren Verlauf des Spiels gar nicht so verkehrt, denn startet man etwa beim Eiskunstlauf, geht man als Frau an den Start, während beim Skispringen die Männer an der Reihe sind. Hier wird also lediglich Irritationen vorgebeugt ...

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Sehr gelungen sind die Grafikeffekte, wie etwa das Wasser auf dem Visier oder plötzlich auftauchendes Schneegestöber.
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Steht man jedoch erst einmal am Start der Wettbewerbe, ist dieser Mangel an Ambiente vergessen. Denn die Disziplinen machen durch die Bank Spaß und sind dazu noch technisch toll umgesetzt. Gerade die Grafik wurde im Vergleich zum Vorgänger noch einmal deutlich aufpoliert. Da tauchen auf einmal Nebelfelder und Schneeverwehungen beim rasanten Ski Alpin auf der Strecke auf, über die Helmvisiere laufen Wassertropfen und im Hintergrund erstreckt sich eine prächtige Winterkulisse.

Auch die Animationen der Sportler können sich sehen lassen, was gerade bei Sportarten mit schnellen Bewegungsabläufen deutlich wird, wie etwa dem Abfahrtsski, dem Eiskunstlauf oder dem Eisschnelllauf. Lediglich in Sportarten, in denen Details mehr ins Auge fallen, beispielsweise beim Langlauf, stören die etwas detailarmen Zuschauer am Rand der Austragungsorte. Trotzdem: Alles in allem sieht „RTL Winter Sports 2008“ sehr gut aus.

RTL Winter Sports 2008 kommt mit schöner Grafik und gutem Gameplay die Piste hinunter. Leider steckt die Atmosphäre noch im Lift fest.Fazit lesen

X gleich A gleich Stick gleich Gamepad

Ebenfalls sehr gelungen ist das Bedienkonzept des Titels. Zwar stammen sämtliche Eingabemuster von der Konsolenverwandtschaft, schlecht macht sie das allerdings nicht. Allerdings sollte man, um das Spiel vollends genießen zu können, unbedingt ein Gamepad an den PC stöpseln. Denn wo Spiele wie „RTL Skispringen“ vor ein paar Jahren nur wenige stumpfe Mausbewegungen erforderten und sich so deutlich an die nur gelegentlich spielende Zielgruppe richteten, erfordert „RTL Winter Sports“ ein wenig Eingewöhnung.

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Auch beim Eisschnelllauf muss man Fingerspitzengefühl beweisen. So müssen hier abwechselnd die Felder links und rechts gefüllt werden, um Schwung zu holen.
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Dafür bietet der Titel jedoch auch viel Luft nach oben zum Verbessern der eigenen Leistungen. Exemplarisch sei der Eisschnelllauf genannt: Will man hier wirklich schnelle Zeiten erreichen, ist zunächst einiges an Übung nötig. Je nachdem ob man sich in der Kurve oder auf der Geraden befindet, hat man zwei kürzere oder zwei längere Viertelkreise auf dem Bildschirm. Immer im Links-Rechts-Wechsel versucht man nun die Taste für den entsprechenden Viertelkreis im letzten Moment zu drücken, um diesen mit der Poweranzeige auszufüllen und so die maximale Kraft aufs Eis zu bringen.

Der Eiskunstlauf ist hingegen ein typisches Rhythmusspiel, bei dem die zu drückenden Tasten über einen Kreis wandern. Befinden sich die Symbole schließlich in einem hervorgehobenen Bereich des Runds, muss die passende Taste gedrückt werden. Passieren einem hier zu viele Fehler, macht die Eisdiva kurz darauf den Abflug. Auch wenn sich wettkampfübergreifend viele Steuerungselemente wiederholen, gelingt 49 Games der Spagat zwischen der Kontrolle des Athleten und dem Potential zur Verbesserung jederzeit.

In der DDR war nicht alles witzig

Leider nicht genutzt hat man bei 49 Games und insbesondere bei Publisher RTL Sports das Potential zur Verbesserung der Vertonung. Zwar ist die beatlastige Menümusik gelungen und auch die Soundeffekte sind ordentlich. Dafür nervt erneut ein langweiliges Kommentatorenduo, bestehend aus einem uncharismatischen Ansager und einem auffallend unlustigen und frei erfundenen Auswahltrainer aus der ehemaligen DDR.

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Beim Bobrennen gilt es vor allem, das Gefährt sauber in der Bahn zu halten.
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Da die Sprüche der beiden niemals wirklich witzig sind, sondern allenfalls das bisschen Atmosphäre kosten, das der Titel überhaupt zu bieten hat, geht der Schuss erneut nach hinten los. Hier hätte man bei RTL Sports lieber einmal freundlich in der hauseigenen Sportredaktion des TV-Senders angefragt und einen echten Kommentator ein paar sinnvolle Sätzchen aufnehmen lassen.

Letztlich hätte ein besserer Kommentator jedoch aus „RTL Winter Sports 2008“ auch kein atmosphärisches Schwergewicht mehr gemacht. Dass der Titel trotz dieser Schwächen eine Menge Spaß macht, verdankt er schließlich allein dem bereits beschriebenen sehr ordentlichen Gameplay und den netten Spielmodi.

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Beim Abfahrtsstart muss im richtigen Augenblick die Taste gedrückt werden, um den kleinen Punkt im Kreis zu positionieren.
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Denn neben der Karriere, in der man über mehrere Runden sämtliche Wettbewerbe bestreitet und dabei durch Erfolge Erfahrungspunkte auf seinen Sportler verteilen darf, stehen eine Kampagne, die üblichen Einzelwettbewerbe und ein Mehrspielermodus, der allerdings nur eine Hotseatvariante für bis zu vier Spieler und einen Splitscreenmodus für zwei Spieler bietet. In der angesprochenen Kampagne stehen hingegen zahlreiche Aufgaben wie ein perfekter Langlaufstart oder ein sauberer Sprung von der Schanze zur Auswahl. Gerade zum Einstieg, aber auch später zur Verbesserung der eigenen Fähigkeiten ist diese Variante überaus hilfreich.