Autor: Tobias Wüst

Auch wenn die glorreichen Zeiten des deutschen Skisprung-Teams schon einige Jahre zurückliegen, erfreut sich der halsbrecherische Sport weiterhin größter Beliebtheit.

Nachdem die ehemaligen Stars, allen voran Sven Hannawald und Martin Schmidt, aus der Tour ausgestiegen oder in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sind, wird es höchste Zeit für einen neuen deutschen Überflieger, der die Massen begeistern kann. Mit der Hilfe von »RTL Skispringen 2007« aus dem Hause 49 Games könnt ihr nun selbst ins Geschehen eingreifen und aus unseren flügellahmen Enten echte Adler machen.

RTL Skispringen 2007 - Trailer

Das Leben eines Skispringers lässt sich schon ein wenig mit dem eines Popstars vergleichen. Genau wie vor den großen Konzerthallen versammeln sich auch an den Skisprung-Schanzen unzählige Teenager, die sich die besten Plätze sichern wollen, um ihren Idolen möglichst nah zu sein. Es spielt dabei keine Rolle, wie kalt es ist, ob es schneit oder regnet. Selbst die Uhrzeit ist egal, denn die Fans harren für ihre Stars gerne zehn oder noch mehr Stunden in der eisigen Kälte aus, noch bevor der Wettkampf beginnt.

RTL Skispringen 2007 - Sprung in die neue Wintersaison: Prachtvoller Adler oder flügellahme Ente?

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Wann wird's mal wieder richtig Winter? Die Schanze harrt ihrem nächsten Einsatz.
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Nachdem sich die Athleten in den einzelnen Durchgängen, begleitet von einem lautstarken "Zieh!", den Hügel heruntergestürzt haben, werden sie im Auslauf von zahlreichen Autogrammjägern, Heiratsanträgen und Beischlafangeboten begrüßt. Groupies gibt es also auch außerhalb des Musikbusiness.

Mit »RTL Skispringen 2007« startet 49 Games einen weiteren Anlauf, diese ganz spezielle Welt auf den heimischen PC zu portieren. Ob ihnen damit ein großer Satz nach vorne gelingt und die Mankos des Vorgängers behoben werden konnten oder ob die Entwickler eine buchstäbliche Bruchlandung hinlegen, möchten wir euch in unserem Review verraten.

Nostalgie statt Innovation
Gleich nach dem ersten Programmstart fällt auf, dass sich die Menüs im Vergleich zur Vorjahresversion nur unwesentlich geändert haben. Der Einstieg fällt daher denkbar leicht. Neben einem Tutorial, einem Übungsmodus und einem Schnellstart ist auch wieder der beliebte Karriere-Modus vorhanden. Werfen wir zunächst einen Blick ins Tutorial und in den Schnellstart-Modus, um einen Überblick vom Spielprinzip und den Änderungen gegenüber »RTL Skispringen 2006« zu bekommen.

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Wir hätten unser Holzbein vor dem Sprung doch besser abnehmen sollen...
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Generell ist »RTL Skispringen 2007« mit der Maus, der Tastatur oder einem Joypad zu spielen. Für welches dieser Eingabegeräte ihr euch entscheidet, spielt im Prinzip keine Rolle. Sie unterscheiden sich nur marginal. Die Kamera befindet sich während des gesamten Sprunges hinter dem Springer, wodurch ihr permanent einen guten Überblick habt.

Nachdem sich unser Athlet vom Donnerbalken abgestoßen hat, rast er die die eisige Anlaufspur hinunter. Um den auftretenden Seitenwind auszugleichen, müsst ihr leicht gegenlenken, damit der Springer in der Spur bleibt und eine höchstmögliche Anlaufgeschwindigkeit erreichen kann. Kleinste Fehler wirken sich direkt auf die spätere Sprungweite aus.

Kurz vor dem Schanzentisch müsst ihr dann den Absprung vorbereiten. Durch einen Hilfsbalken wird euch der optimale Zeitpunkt dargestellt. Dieser ist von Schanze zu Schanze leicht verschieden, wodurch der Absprung nicht zur Routine wird und ihr euch jedes Mal auf ein anderes Timing einstellen müsst.

Habt ihr dies erfolgreich absolviert, müsst ihr den Springer in die V-Stellung bringen und während des gesamten Fluges den teilweise sehr starken Seitenwind ausgleichen. Ein Höhenmesser hilft euch zu erkennen, wann ihr dem Hügel bedrohlich nahe kommt. Spätestens dann solltet ihr handeln, ansonsten kommt es zum Sturz. Kurz vor Ende des Sprunges müsst ihr die Skier wieder in die parallele Ausgangshaltung bringen und eine möglichst saubere Telemark-Landung hinlegen.

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Und unten wartet das Siegertreppchen...
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Wieder auf dem sicheren Boden angekommen, gilt es dann erneut, die Seitenwinde auszugleichen, bis der Springer die rettende Sturzlinie überquert hat. Dies ist auch die einzige Neuerung gegenüber »RTL Skispringen 2006«, konnte man sich doch beim Vorgänger sofort nach der Landung zurücklehnen und auf die knallharte Wertung der Punktrichter warten.

Vom Tellerwäscher zum Millionär
Nach einigen Sprüngen solltet ihr euch an den Ablauf gewöhnt haben und einigermaßen konstante Leistungen abrufen können. Es wird also Zeit, einen eigenen Spieler zu kreieren und in das Herzstück von »RTL Skispringen 2007«, den Karriere-Modus, einzusteigen. Hier könnt ihr euch wahlweise alleine oder mit menschlichen Mitspielern in den harten Alltag eines Skispringprofis stürzen. Bevor ihr aber bei den Profis oder den Amateuren durchstarten könnt, müsst ihr zunächst den Nachwuchs-Weltcup bewältigen.

Neben den einzelnen Wettkämpfen habt ihr im Karriere-Modus noch einige andere Aufgaben. So müsst ihr einen möglichst zahlkräftigen Werbepartner finden und euren Springer mit immer besseren Ausrüstungsgegenständen einkleiden. Nur wer die besten Skier und den aerodynamischsten Anzug hat, kann im Weltcup um den Sieg mitspringen.

Ebenfalls besonders wichtig ist die an die Schanzen- und Wetterverhältnisse angepasste Wachsmischung. Wer seine Skier falsch wachst, verliert in der Anlaufspur wertvolle Geschwindigkeit und wird sich auf den hinteren Plätzen des Klassements wieder finden. Besonders eifrige Spieler können ihr Material selber auf den Sprung vorbereiten, müssen dafür aber einiges an Zeit und Nerven investieren. Der Ottonormalverbraucher dagegen greift auf einen von acht Wachsmeistern zurück.

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Unentbehrlich: der Waxxer. Nicht zu verwechseln mit dem Filmbösewicht ähnlichen Namens.
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Zwischen den Wettbewerben werdet ihr ab und an mit zufälligen Ereignissen konfrontiert. Diese sind meistens erfreulicher und vor allem lukrativer Natur. Die Palette ist bunt gemischt und reicht von einer Einladung in eine Sportsendung über das Mitwirken in einer Soap bis hin zum Vorstellen einer eigenen Sockenkollektion. Nur äußerst selten kommt es zu unerfreulichen Ereignissen, unter denen meistens die Motivation eures Springers zu leiden hat.

Ärgerliche Trainingsaufgaben
Um zwischen den Wettbewerben wertvolle Extrapunkte für eure Eigenschaften (Sprungkraft, Fitness, Motivation und Body-Mass-Index) zu sammeln, könnt ihr spezielle Trainingssprünge absolvieren, bei denen ihr die Aufgaben eures Trainers erfüllen müsst. Gelingt euch dies, könnt ihr insgesamt 40 Bonuspunkte auf eure Eigenschaften verteilen und diese somit schneller steigern.

Verbesserungswürdige Präsentation
In Sachen Präsentation macht »RTL Skispringen 2007« keine großen Sprünge. Wirklich augenfällige Verbesserungen zum Vorgänger sucht man vergebens. Die Grafik ist leider nicht mehr auf der Höhe der Zeit und geizt mit Abwechslung. Ein japanischer Skispringer mit westlichen Gesichtszügen wirkt alles andere als authentisch, und auch das Publikum macht mit gerade einmal fünf oder sechs verschiedenen Figuren gerade in der Nahaufnahme einen trostlosen Eindruck.

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1,2 oder 3, letzte Chance - vorbei!
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Der österreichische Co-Kommentator aus dem Vorjahr musste seinen Sessel zu Gunsten eines französischen Skispringers, der derzeit nicht am Wettkampfgeschehen teilnehmen kann, räumen. Auch nach zwei oder drei Jahren Spielzeit ändert sich daran nichts. Was von den Entwicklern als Running Gag geplant wurde, wird in der Praxis schnell nervig. Nett dagegen sind die permanenten Anspielungen auf die französische Skisprung-Mannschaft und die Spekulationen über die Zukunft von Sven Hannawald.

Ebenfalls sehr störend sind die äußerst langen Wartezeiten. Während einer Saison starrt man länger auf den Ladescreen, als man selbst am Geschehen teilnimmt. Gerade in Hinblick auf die leicht antike Optik fragen wir uns, ob dies wirklich nötig gewesen wäre.

Auf dem Cover wirbt »RTL Skispringen 2007« mit der offiziellen FIS-Lizenz. Im eigentlichen Spiel ist davon, mit Ausnahme der Originalschanzen, leider nichts zu sehen. Im Weltcup tretet ihr gegen Springer mit Fantasienamen an, die nur teilweise Parallelen zu den echten Sportlern aufweisen. Schade, auch hier wäre mit der Lizenz deutlich mehr drin gewesen.