RTL Skispringen 2006 (PC Review)
von Thomas Bayer

Vierschanzen-Tournee, letztes Springen, letzter Durchgang. Unser Athlet liegt in Gesamt- und Tageswertung vorne - allerdings nur hauchdünn. Plötzlich dreht der Wind, denkbar ungünstige Bedingungen für Skispringer. Die Uhr tickt unerbittlich, wir müssen von der Schanze.

Nichts wie los also, jetzt gilts! Schwung holen, den kräftigen Seitenwind ausgleichen und im richtigen Sekundenbruchteil den Absprung einleiten. Perfekt getroffen - Yeah! Wie ein Adler segelt der Springer ins Tal - weit, weit hinunter geht der Flug. Doch bei der Landung dann der Schock: Das Risiko war wohl doch etwas zu groß.

Die Ski überkreuzen sich, ein Sturz ist nicht mehr zu verhindern. Langsam gerät der Springer ins Wanken, versucht die Balance zu halten - und stürzt. Aus, vorbei! Denken alle. Doch die Sturzlinie war bereits überquert, die Jury vergibt hohe Haltungsnoten. Sieg! Der Vierschanzen-Pott ist unser!

Nachdem Schmitt, Hannawald & Co entweder ihre Karriere beendet haben oder in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht sind, dürfte ein solches Szenario in Deutschland noch unwahrscheinlicher sein als der Gewinn des WM-Potts der Fußballer im nächsten Jahr. Wer trotzdem erfolgreiches Skispringen erleben möchte, hat in diesem Winter zwei Möglichkeiten. Entweder er greift zu RTL Skispringen 2006 oder zum Konkurrenzprodukt Skispringen Winter 2006 aus dem Hause CDV. Wir haben uns für euch beide Titel angeschaut und berichten euch zunächst von unserem Springerleben als RTL-Anhänger.

Aller Anfang ist schwer
Nach dem ersten Start fällt zunächst das spartanische Interface ins Auge. Funktionalität ist angesagt. Die Übersicht ist durch den Verzicht auf jeglichen Schnickschnack jedenfalls gewährleistet. Anfänger sollten vor dem ersten Wettkampf unbedingt das Tutorial absolvieren. Eine Stimme aus dem Off erklärt euch Schritt für Schritt die Steuerung und macht euch mit den verschiedenen Phasen des Sprung vertraut. RTL Skispringen lässt sich wahlweise mit der Maus, der Tastatur oder einem Joypad spielen. Im Prinzip ist alles ganz einfach: Ein Klick oder Tastendruck, und der Springer stürzt sich die Schanze hinunter.

Für eine optimale Geschwindigkeit muss bereits während der Anfahrt evtl. auftretender Seitenwind durch rechts/links-Bewegungen ausgeglichen werden. Ein Diagramm hilft dabei, die Neigung des Athleten einzuschätzen. Ein Stück vor dem Tisch müsst ihr den Springer auf den Absprung vorbereiten.

RTL Skispringen 2006 - Sackhüpfen oder fliegen wie ein Adler? Die Skispringer sind zurück!

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Einfach die Maustaste (bzw. die Leertaste oder den entsprechenden Knopf des Joypads) gedrückt halten und im richtigen Moment wieder loslassen. Damit das Ganze nicht zum Blindflug gerät, zeigt euch ein Balken den (theoretisch) optimalen Zeitpunkt an. Im Sprung muss erneut der Wind ausgeglichen und im richtigen Moment die Landung eingeleitet werden. Klingt einfach, ist es auch. Jedenfalls in der Theorie. Konstant auf hohem Niveau zu springen erfordert jedoch einige Übung.

Damit während des Tutorials nicht ständig der gesamte (verunglückte) Sprung wiederholt werden muss, dürft ihr nach einem Fehler euren Sprung zu einem früheren Zeitpunkt wieder aufnehmen.

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Dadurch werden gezielt die Phasen des Sprungs trainiert, mit denen der Spieler Probleme hat. Ein sinnvolles System, das Schule machen sollte!

Eine steile Karriere
Sind die ersten Übungssprünge absolviert, kann es richtig losgehen. Wahlweise alleine oder mit menschlichen Mitspielern können einzelne Springen oder Cups ausgetragen werden.

Herzstück des Spiels ist jedoch der Karrieremodus, bei dem ebenfalls mehrere Mitspieler erlaubt sind. Mit einem neu erstellten oder vorgefertigten Springen startet ihr zunächst bei den Nachwuchsspringern. Wer sich bewährt und im Weltcup ausreichende Leistungen zeigt, darf bei den Amateuren und später auch bei den Profis starten.Zusätzlich steht noch die Bundestrainer-Karriere zur Verfügung. Hier müsst ihr vier Springer coachen und die Jungs zum Erfolg führen. De facto ist der einzige Unterschied zur "normalen" Karriere allerdings nur, dass ihr vier statt nur einem Springer betreut und die Sprünge nicht zwingend selber absolvieren müsst. Irgendwie etwas mager, hier wäre mehr drin gewesen.

Von Trainern und Wachsern
Im Karrieremodus stehen pro Saison stets mehrere Wettbewerbe an, die jeweils aus mehreren Springen bestehen. Damit euer Athlet in Topform kommt, müsst ihr die vier Eigenschaften Sprungkraft, Fitness, Motivation und BMI (Body-Mass-Index) trainieren.

Um die Trainingsergebnisse zu verbessern, kann ein Trainer verpflichtet werden. Je besser dessen Fähigkeiten, desto höher die Auswirkungen im Training. Dass Top-Trainer auch Top-Gehälter beziehen, versteht sich dabei von selbst.

Zu den vier Eigenschaften kommen noch die "Power Punkte" in den Kategorien Popularität und Verhandlungsgeschick. Ersteres verbessert die Chance auf lukrative Sponsorenverträge, ein hohes Verhandlungsgeschick senkt die Kosten für Trainer, Wachsmeister und Equipment. Die beste Form nützt euch allerdings wenig, wenn beim Springen die Wachsmischung nicht stimmt.

Ohne einen schnellen Anlauf wird eine gute Weite bereits im Keim erstickt. Und ohne die richtige Wachsmischung macht ihr bei der Anfahrt höchstens einer Schildkröte Konkurrenz. Wer viel Zeit mitbringt, kann seine Skier selber wachsen. Dabei müssen Schneeverhältnisse, Temperatur und Feuchtigkeit berücksichtig werden. Vielen Spielern wird diese Prozedur aber wohl zu langwierig sein.

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Die Alternative: Entweder ihr engagiert einen Wachsmeister, oder ihr springt immer mit der Standard-Wachsmischung. Wachsmeister gibt es wie Trainer in verschiedensten "Güteklassen".

Auch hier gilt: Je teurer der Wachsmeister, desto besser seine Leistungen. Die Spar-Variante der Standardmischung ist nur empfehlenswert, wenn ein wirklich großes Loch in eurem Geldbeutel klafft. Bereits ein günstiger Wachsmeister erzielt Ergebnisse, die für den Anfang vollauf genügen. Am Anfang eurer Karriere verfügt ihr lediglich über eine Anfänger-Ausrüstung. Im Shop kann das Equipment Stück für Stück verbessert werden.Neue Skier, ein aerodynamisch besserer Anzug, eine windschnittige Brille und vieles mehr können erworben werden. Neue Ausrüstungsgegenstände machen sich beim Springen deutlich bemerkbar, regelmäßige Besuche im Shop sind also Pflicht.

Abhängig von der Liga in der ihr startet, erhält der Springer ein Grundgehalt. Sponsorenverträge können das Einkommen kräftig aufbessern. Wer sich jetzt auf spannende Verhandlungen freut, wird jedoch enttäuscht sein. Sponsorenangebote flattern mehr oder weniger zufällig ins Haus, aktives Suchen ist nicht möglich. Bei guten Leistungen könnt ihr die Höhe der Gage nachverhandeln. Zeigt euer Springer dauerhaft schlechte Leistungen, entlässt euch der Sponsor auch durchaus mal aus dem Vertrag.Ab und an unterbrechen zufällige Ereignisse den Springer-Alltag. Das Spektrum reicht dabei von Einladungen zu einem Fernseh-Quiz bis zum Besuch bei der Oma, nach dem das Gewicht kräftig gelitten hat. Nervig und unverständlich: Es kann stets nur eine Karriere gespeichert werden. Wer beispielsweise mit Freunden eine Saison bestreiten möchte, muss dafür sein laufendes Spiel aufgeben.

Wenigstens die Springer werden karriereübergreifend gespeichert und stehen für einen späteren Neustart mitsamt allen Fortschritten zur Verfügung. Bei den Wettbewerben ist wieder das Kommentatoren-Duo des Vorgängers mit dabei, das mit unterhaltsamen und bissigen Sprüchen aufwartet. Außerdem geben die beiden Sprecher teilweise wertvolle Informationen preis, die bei den Quizfragen hilfreich sein können. Leider wiederholen sich einige der Sprüche relativ oft. Bei der Anzahl der Sprünge dürfte es sich allerdings auch schwerlich vermeiden lassen, mit der Zeit die meisten Kommentare auswendig zu kennen.

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Nicht nur Skisprung-Fans werden bei den Wettbewerben allerdings etwas Dynamik vermissen. Dramatische Wetterumsprünge nach denen ein Springen abgebrochen werden muss fehlen ebenso wie Veränderungen beim Anlauf oder ähnliches. Hier hätten die Entwickler mit einfachen Mitteln mehr Realitätsnähe vermitteln können.