Wenn Skifahrer plötzlich die Knarre vom Rücken nehmen und wild in der Gegend umher ballern, dann macht entweder James Bond Urlaub in den Alpen oder aber es ist Biathlon angesagt. Der Powersport hat sich in den vergangenen Jahren zur Lieblingswinterdisziplin der Deutschen gemausert und damit sogar die Adler von der Schanze stürzen lassen. Da gamona-Mitarbeiter per Definition gestählt und überfit sind, haben wir uns für euch mit Leichtigkeit in die Loipen dieser Welt gestürzt.

RTL Biathlon 2008 - Trailer

Was genau macht den Wintersport um Loipe und Schießstand eigentlich aus? Woher ist dieser enorme Popularitätsgewinn der vergangenen Jahre entstanden? Um diese Frage zu beantworten, muss man nicht einmal live vor Ort bei einem Wettkampf gewesen sein, denn die packende Spannung dieser Disziplin kommt sogar im TV gelungen herüber: Athleten, die in der Bahn bis an die absolute Erschöpfungsgrenze gehen, Minuten später aber am Schießstand genau dies vergessen machen und ihren Körper beherrschen müssen, um mit ruhiger Hand fünf Treffer zu landen.

RTL Biathlon 2008 - Feuer, Eis und Dosenbier: Wir sind für euch mit der Knarre durch den Schnee gestapft.

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Der größte Pluspunkt des Titels ist seine Lizenz mit bekannten Athleten wie dem Superstar Sven Fischer.
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Dazu wirkt die Sportart ob der vielfach aus dem Amateurlager stammenden Teilnehmer noch weitaus authentischer und glaubhafter - wenngleich es auch in dieser Disziplin schon Dopingsünder zu Genüge gab. Auf jeden Fall – so verrät schon dieser kleine Überblick -, hat man als Spieleentwickler eine ganze Menge Elemente des Sports, die man in einem Biathlonspiel unterbringen kann.

Stimmung bitte!

Im Vorgänger „RTL Biathlon 2007“ hat man dies bei 49 Games leider kaum berücksichtigt, und so bestanden die Wettkämpfe allein aus dem von Zeit zu Zeit notwendigen Beschleunigen des Athleten und aus den Momenten am Schießstand. Und auch im diesjährigen Biathlontitel - soviel wollen wir vorwegnehmen – hat sich daran kaum etwas geändert.

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In erster Linie geht es darum, den Athleten nicht zu früh auszupowern. Spezialfähigkeiten, wie hier der 'Fitnessspezialist', helfen dabei.
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Doch neben dem Gameplay soll der Titel, wenn es nach RTL geht, auch über die Atmosphäre punkten. So leihen Topstars wie Sven Fischer oder Kati Wilhelm dem Spiel ihr Konterfei, im Wettbewerb darf man die Ausnahmesportler selbst lenken. Von den Annehmlichkeiten, die eine Originallizenz mit sich bringt einmal abgesehen, kann „RTL Biathlon 2008“ jedoch nur selten echte Stimmung aufkommen lassen.

Wie bei der Verwandtschaft „RTL Winter Sports 2008“ macht man aus dem ganzen Drumherum, aus der Stimmung an den Schauplätzen und aus der Dramatik, die während einer Saison entsteht, viel zu wenig. Doch während die Zusammenfassung der verschiedenen Sportarten in „RTL Winter Sports 2008“ zumindest ein wenig Abwechslung mit sich bringt, verkommt die Saison in „RTL Biathlon 2008“ schnell zum langweiligen Durchlaufen der Einzelwettbewerbe.

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Ist der Läufer körperlich am Ende, wird dies, neben nervigen Geräuschen, durch ein zunehmend verschwommenes Bild dargestellt.
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So beginnt man im Karrieremodus seine Laufbahn in der untersten Liga, mit guten Resultaten arbeitet man sich nach oben. Bevor es aber losgeht, kreiert man sich seinen eigenen Supersportler. Dazu wählt man Nation, Geschlecht, eines von neun vorgegebenen Gesichtern sowie einen von elf Anzügen. Schließlich werden noch ein paar Punkte auf die Fähigkeiten des Athleten verteilt und fertig ist der neue Stern am Biathlonhimmel.

Nach erfolgreichen Rennen erhält man weitere Punkte, die man auf die eigenen Werte verteilen kann. Dazu gesellen sich später noch Spezialfähigkeiten. So kann man etwa zum Fitnesswunder werden, so dass man auf Knopfdruck mehrmals während eines Rennens die Ausdauer des Sportlers wieder herstellen kann.

Bremsen, beschleunigen, aufwachen!

Was nun noch nach einer Fülle an Möglichkeiten und Optionen klingt, gestaltet sich im Rennalltag überaus langweilig. Denn der Verlauf eines typischen Wettkampfs sieht wie folgt aus: Beim Start muss möglichst passend zum Ende des Countdowns eine Taste zum Starten gedrückt werden, danach drückt man hin und wieder einen Knopf zum Beschleunigen und an Steilhängen geht man in die Hocke. Daneben hält man mit dem Analogstick oder den Richtungstasten den Sportler in der Spur. Verlässt man diese, büßt man deutlich an Geschwindigkeit ein.

Am Schießstand visiert man dann mit dem durch die Atmung wackelnden Fadenkreuz die Zielscheiben an, hält per Knopfdruck die Luft an und feuert. Danach wird nachgeladen und das Spiel wiederholt sich. Dabei pumpt der Sportler meist so stark, dass ein vernünftiges Zielen fast nur im Liegen möglich ist, beim stehenden Schießen kommt eine gehörige Portion Glück dazu.

Müdes Gameplay, fehlende Spieltiefe und eine mittelmäßige Präsentation - RTL Biathlon 2008 erfriert auf halber Strecke.Fazit lesen

Der wahre Gähnfaktor ist jedoch das erwähnte Laufen. Denn dieses übernimmt der Computer automatisch. Da die Runden immer mehrere Minuten dauern, wünscht man sich so schon beim zweiten oder dritten Rennen das klassische Buttongehämmere aus alten „Winter Games“-Tagen herbei, denn außer sich die Strecke anzuschauen, hat man nicht viel zu tun.

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Die Streckengrafik ist auf den ersten Blick sehr ordentlich. Leider fehlt es mit der Zeit an Details.
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Und auch das ist nicht immer eine Freude. Zwar ist die Darstellung des Titels insgesamt ordentlich, doch gerade die Strecken kranken immer wieder an mangelndem Detailreichtum. Zwar sind die 17 Kurse an 13 Schauplätzen jeweils landestypisch gestaltet, so dass man etwa in Korea oder neben den skandinavischen Strecken jeweils entsprechende Bauten bewundern darf, doch gerade weil man, ob des Mangels an Aufgaben beim Rennen Zeit hat sich umzuschauen, fehlt einem abseits der Tribünen die Abwechslung.

Nichtsdestotrotz: Die Animationen, die Wettereffekte, wie etwa Schneegestöber oder Schneeregen, und andere kleine Bonbons, wie das verschwimmende Bild bei Erschöpfung oder Wassertropfen auf der Skibrille, wissen zu gefallen. Lediglich die Gesichter und Köpfe der Sportler sehen mit Seitenscheitel und rasiertem Nacken etwas seltsam aus.

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Die Anfahrt an den Schießstand übernimmt der Sportler automatisch, erst beim Zielen ist der Spieler an der Reihe.
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Dabei könnte der geschorene Kopf allerdings auch Selbstschutz sein, da den Sportlern so bei Ertönen des Kommentators keine Haare zu Berge stehen können. Dabei ist die Idee, keinen TV-Sprecher erklingen zu lassen, sondern das Geschehen von einem Stadionsprecher zu begleiten, eigentlich in Ordnung, da die andauernd plappernden Stimmungskanonen am Mikrofon bei Wintersportveranstaltungen durchaus üblich sind.

Wenig Sinn ergibt es hingegen, den Stadionsprecher mit der nüchternen Stimme eines gelangweilten TV-Kommentators hin und wieder einen müden Satz über blecherne Lautsprecher raunen zu lassen. Die Soundeffekte gehen dafür in Ordnung, wenngleich auch hier kaum echte Stimmung vom Publikum herüber kommt. Der langweilige Hintergrundsong dudelt irgendwo zwischen Gut und Böse.

Ein langweiliges Gameplay, schwacher Sound und eine ordentliche, jedoch nicht begeisternde Grafik – bügelt „RTL Biathlon 2008“ seine Schwächen nun vielleicht zumindest durch die Spielmodi aus? Leider nein, denn im Grunde sind alle Varianten bereits genannt worden: Der Karrieremodus bildet den Kern des Spiels, daneben gibt es noch schnelle Einzelrennen und den Übungsmodus, der jedoch auch nichts anderes als ein einzelner Wettkampf ist.

RTL Biathlon 2008 - Feuer, Eis und Dosenbier: Wir sind für euch mit der Knarre durch den Schnee gestapft.

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Die Massenwettbewerbe könnten eigentlich sehr spannend sein. Leider verlieren sie aufgrund der fehlenden Kollisionsabfrage viel von ihrer Dramatik.
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Jedes Event darf wahlweise als Massenstart, als Sprint, als Verfolgungsrennen oder als Einzelrennen gestartet werden. Gerade bei den Rennen mit vielen Sportlern auf der Strecke stört die fehlende Kollisionsabfrage. Stürze bekommt man deshalb nie zu sehen. Gerade im Mehrspielermodus, der entweder mit bis zu vier Spielern im abwechselnden Hotseatmodus oder aber mit zwei Spielern in der Splitscreenvariante gespielt wird, ist das besonders schade.