Rome - Total War (PC-Test)
(von Manfred Duy)

Mittelalterliche Massenschlachten geben sich ja seit Neuestem im Kino die Klinke in die Hand: Ob beim "Gladiator" in "Troja" oder beim Herrn der Ringe - all diese visuellen Großereignisse bezogen einen Großteil ihres Zaubers aus der

phantastischen Darstellung epischer Massenschlachten. Sollten Sie das ganz genauso sehen, dann dürfte dieses bombastische strategische Schwergewicht exakt Ihre Kragenweite haben. In diesem Fall hoffe ich zudem, dass Sie auch jede Menge Zeit zur Verfügung haben,

Rome: Total War - Rome: Total War E3 Trailer

denn alleine die riesige Kampagne dürfte Sie für mehrere Wochen in Ihren Bann ziehen. Und dabei rede ich noch gar nicht von den zehn zusätzlichen historischen Einzelschlachten, den freien Missionen oder gar dem Mehrspielerbetrieb. Aber gemach, zäumen wir doch das Schlachtross mal von vorne auf:

Aufbauen und Abschlachten
Getreu dem Spieltitel entführt Sie Rome - Total War in die Zeit der alten Römer, um genauer zu sein in die Epoche zwischen den Jahren 270 vor Chr. und 14 n. Christi Geburt. Dort kämpfen Sie in Personalunion aus Heerführer, Staatschef und Familienoberhaupt um die Oberherrschaft über das eigene Land und den topographisch korrekt wiedergegebenen Mittelmeerraum.

Zu Beginn ergreifen Sie die Herrschaft einer der drei zur Wahl stehenden römischen Sippen, die jeweils eine etwas andere strategische Aufgabenstellung haben. Wenn Sie es als Oberrömer schaffen sollten, ganz Italien nebst

einigen Nachbarn unter Ihre Knute zu zwingen, dürfen Sie nach und nach auch etliche andere Parteien wie etwa die Griechischen Städte, die Karthager, die Germanen, Gallier oder Briten betreuen. Andere Völkerscharen wie etwa die Iberer, Numibier oder Armenier bereiten zwar ebenfalls viel Ärger, dürfen aber leider nicht übernommen werden. Alleine bis Sie es zum Römerboss bringen, sind Sie schon mal gute 500 Runden schwer beschäftigt. Wem es daher zu langwierig erscheint, die schier endlose Kampagnen- Karriereleiter empor zu kraxeln, kann sich auch mit einer der Pilum bei Fuß stehenden historischen Schlachten vergnügen, etwa um sich im Teutoburger Wald oder vor den Toren Spartas herumzubalgen.

Das wäre aber wirklich schade, denn nur in der Kampagne kommen Sie in den Genuss der beiden Spielelemente Aufbau und Abschlachten, die Soloeinsätze bestehen dagegen nur aus einer Massenschlacht.

Rom wurde nicht an einem Tag gebaut
Der besagte Aufbaupart erinnert ein wenig an "Civilization" und wird im Rundentakt vorangetrieben, wobei eine Runde einem halben Jahr inklusive unterschiedlicher Witterungsverhältnisse entspricht. Zu Beginn besitzen Sie eine oder mehrere kleine Ansiedlungen.

Rome: Total War - Bombastische und spektakuläre Massenschlachten gefällig? Dann seid ihr hier genau richtig!

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Diese können Gebäude und Einheiten produzieren und erwirtschaften in jeder Runde Steuereinnahmen, damit Sie dies alles auch bezahlen können. Knapp sechzig Gebäude vom Markt über einen Aquädukt bis hin zur Kaserne oder dem Circus Maximus sorgen dafür, dass die Bevölkerung wächst, die Steuereinnahmen sprudeln und immer kampfkräftigere Einheiten gebaut werden können. Das alles erinnert an Civilization und ähnlich wie dort müssen Sie auch hier stets ein Auge auf die Moral jeder einzelnen Stadt werfen.

Packshot zu Rome: Total WarRome: Total WarErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Wenn diese zu sehr absinkt, drohen Steuer- und Produktionsausfälle bis hin zu offenen Rebellionen. Verhindern lässt sich so was von diplomatischen Naturen durch Steuersenkungen und Handelsbündnisse mit den anderen Nationen. Gottesfürchtige Herrscher erwägen vielleicht den Kauf einiger sündteurer Bet-Tempel, während Möchtegern-Tyrannen ihre Untertanen mit einer gesteigerten Militärpräsenz zur Ordnung rufen. Besonders fruchtbare Herrscher haben es etwas einfacher, die setzen einfach Verwandte oder gleich den eigenen familiären Nachwuchs als moralsteigernden Statthalter ein.

Besagte Verwandte stellen sich alle paar Runden von ganz alleine ein, was immer ein freudiges Ereignis ist. Denn sämtliche Schwippschwäger, Söhne und angeheirateten Cousins steigern mit zunehmender Erfahrung ihre Charakterwerte und sind damit nicht nur als Statthalter sondern auch als Kommandeure Ihrer Truppen geradezu unverzichtbar. Allzu sehr sollten Sie sich allerdings auf die Blutsbande nicht verlassen, denn genauso unvermutet wie sie auftauchen, geben sie auch denLöffel wieder ab, sei es durch eine Seuche, einen frühen Tod oder gar ein Attentat. Was sehr schade ist, denn durch das ständige Kommen und Gehen nutzen einem auch die besten Kommandeure nicht allzu viel - geschweige denn, dass sie einem ans Herz wachsen.

Traue niemandem
Ob Diplomat, Warmduscher oder Dorftyrann, Ziel allen Werkelns ist letztlich immer der Aufbau mächtiger Armeen. Denn nur mit diesen können Sie sich gegen die vielen aggressiven Nachbarn zur Wehr setzen. Aber nicht nur die wollen Ihnen ans Leder, auch im Innern Ihrer Länder und Städte existieren Feinde: Nur allzu leicht erhebt sich die Bevölkerung oder tauchen unversehens Rebellentruppen aus Ihren Wäldern auf. Am Besten, Sie behalten nicht nur Ihre Städte, Ländereien und Nachbarn, sondern gleich die gesamte Weltlage im Auge. Selbst ferne, verbündete Länder können Knall auf Fall sämtliche Vereinbarungen aufkündigen und nur wenig später mit einer Flotte vor Ihren Häfen auftauchen oder gar innerhalb

weniger Runden unbehelligt durch mehrere Länder bis vor die Tore Ihrer Hauptstadt marschieren. "Traue niemandem" ist also das Gebot der Stunde, kluge Strategen sorgen daher vor und befestigen Ihre sämtlichen Städte so gut es eben geht. Klingt einfach, aber der Pferdefuß dabei ist, dass halt alles seine Zeit braucht: Wer beispielsweise über mehrere Runden hinweg an einem moralsteigernden Gottestempel bastelt, kann eben in dieser Zeit keine Stadtmauer errichten.

Schlag auf Schlag
Aber Befestigungsanlagen nützen ohnehin nicht allzu viel, gewinnen kann hier nur, wer sich rechtzeitig mit möglichst vielen Kampfverbänden eindeckt. Insgesamt stehen rund zweihundert verschiedene Truppentypen zur Verfügung, die sich grob in die vier Kategorien Fußtruppen, Kavallerie, Fernkämpfer und Belagerungsgerät unterteilen lassen. Welche dieser Burschen Sie wo produzieren dürfen, hängt von Ihrem gewählten Volk ab und davon, welchen technischen Wissensstand die einzelne Stadt besitzt:Die Römer sind bekannt für Ihre disziplinierten Fußtruppen - insbesondere wenn sie in einer geschlossenen Phalanx aufmarschieren und es bereits bis zu den Prätorianern gebracht haben- und als Karthager haben Sie mit den Kriegselefanten die vielleicht mächtigsten Einheiten überhaupt zur Verfügung.

Die schlagkräftigste Armee aber besteht fast immer aus einer Mixtur sämtlicher vier Truppengattungen, denn getreu dem "Stein-Schere-Papier"-Prinzip weist jede Einheit eine bestimmte Schwäche auf, die von einer anderen ausgenutzt werden kann: Reiter überrennen problemlos Bogenschützen, erscheinen aber gegen eine Speerträger-Phalanx ziemlich hilflos, während letztere wiederum keine allzu gute Figur gegen die Bogenschützen machen.

10.000 Polygonkrieger
Eine Einheit besteht aus circa zwei bis drei Dutzend Einzelkämpfern und bis zu zwanzig solcher Einheiten lassen sich zu einer Armee zusammenfassen. Die zieht dann gemeinsam über

Land oder schippert per Schiff zu den nächsten Kriegsschauplätzen. Stoßen zwei verfeindete Armeen zusammen, kommt es zur Schlacht unter Anteilnahme sämtlicher Verbände, die sich ebenfalls am selben Schauplatz befinden. Verbündete Zusatztruppen werden dabei stets vom CPU-General betreut.

Solche Massenaufläufe führen denn auch dazu, dass sich manchmal bis zu 10.000 Polygonkrieger auf einer stufenlos zoom- und drehbaren 3D-Karte tummeln. Vor der Keilerei befindet sich das Spiel im Pause-Modus und sie können in aller Ruhe die Aufstellung des Feindes in Augenschein nehmen und Ihre Truppen entsprechend postieren: Etwa als Verteidiger die Fußtruppen nach vorne, die Bogenschützen dahinter, den Kommandeur ganz nach hinten und die Kavallerie an die Flanken. Als Angreifer hat man eine bestimmte Menge Zeit, innerhalb dieser muss der Gegner zur Flucht gezwungen werden. Schafft man dies nicht, muss sich der Aggressor wieder zurückziehen und der Tag

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gehört den Verteidigern, was sich in geringeren Verlusten in der Kampfstatistik bemerkbar macht.

Wildes Schlachtgetümmel
Wenn jeder Kämpfer am richtigen Platz ist, starten Sie das Geschehen und genießen für ein Weilchen, wie Ihre Jungs den Befehlen nachkommen. Das tun sie in aller Regel sehr gut und sehr schnell.

Ruckzuck schwenkt die Infanterie um und fällt dem Gegner in die Seite, währenddessen überrennt unsere Kavallerie mit doppelter Geschwindigkeit die gegnerischen Bogenschützen derweil der wilde Ansturm des Gegners im Brandgeschosshagel unserer Fernkämpfer zusammenbricht.

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Nach kürzester Zeit lösen sich die Formationen auf und es entsteht ein ziemlich wildes Getümmel, zumal der Gegner natürlich ebenfalls sehr schnell reagiert. Gott sei Dank können Sie das Geschehen jederzeit pausieren, um neue Anordnungen zu geben und die Moral von Freund und Feind zu überprüfen.

Fällt diese nämlich in den Keller - beispielsweise bei zu hohen Verlusten oder wenn Ihr Kommandeur stirbt - dann könnte dies zu einer Massenflucht und damit zu einem Debakel führen. Anders als in vielen anderen Strategiespielen wird hier nur höchst selten eine komplette Armee mit all ihren Einheiten niedergemacht, zumeist schaffen es einige Reste zu entkommen. Angeschlagene Armeen können in den Städten wieder aufgefüllt werden - vorausgesetzt die Siedlung besitzt die entsprechenden Gebäude. Wem das alles zu viel Arbeit ist, kann sich auch das Ergebnis des Gemetzels gleich anzeigen lassen. Die errechneten Verluste entsprechen dabei durchaus denen einer vollzogenen Schlacht. Ein begabter Feldherr kann es aber sicherlich noch besser machen, zudem würden Sie sich damit um den Höhepunkt des gesamten Spiels bringen.

Aushungern oder Ausradieren
Ähnliches gilt auch für die Erstürmung von Siedlungen: Wahlweise können Sie diese

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erstürmen oder belagern. Die Erstürmung entspricht einer offenen Feldschlacht, nur dass hier natürlich allerlei Belagerungsgerät zum Einsatz kommt, etwa Rammböcke oder Belagerungstürme. Wer genug Zeit hat und seine Männer schonen möchte, kann es auch mit einer Belagerung versuchen.

Die dauert einige Runden an, nämlich solange, bis dem Verteidiger die Nahrungsmittel ausgehen, woraufhin er Ihnen die Stadt übergibt. Allerdings kann in dieser Zeit vieles passieren. Etwa eine Entsatzarmee, die Ihre Truppen von hinten anfällt, der plötzliche Tod Ihres Kommandanten oder ein Ausbruchsversuch des Belagerten. Nach der Einnahme der Siedlung können Sie diese - sofern Sie sie nicht völlig platt machen wollen - wie Ihre eigenen Städte bewirtschaften. Seeschlachten dagegen werden stets automatisch per schnöde eingeblendetem Statistikmenü ausgefochten. Wobei die Schiffe ohnehin eher dazu geeignet erscheinen, Truppen zu transportieren oder Hafenblockaden durchzuführen um so den gegnerischen Handel zu blockieren.

Nach dem Patch ist vor dem Patch
Leider hat es der jüngst erschienene Patch 1.1 noch nicht geschafft, einige kleine Fehlerchens auszumerzen, die den Spielverlauf ein wenig behindern. Abgesehen von der etwas gedrosselten Kampfstärke der Kriegselefanten kommen praktisch

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sämtliche Patch-Verbesserungen nur der Mehrspielerstabilität zugute. Nach wie vor bleibt man daher mit seiner Flotte fast immer vom Gegner unbehelligt.

Dies gilt selbst dann, wenn Sie mit einer kleinen Schaluppe seinen wichtigsten Hafen blockieren. Kleine Wegfindeschwierigkeiten insbesondere Ihrer verbündeten CPU-Truppen wurden ebenfalls nicht eliminiert, und immer noch verhält sich der Rechenknecht bei Stadtbelagerungen taktisch ziemlich ungeschickt. Mal schauen, ob Assembly das ähnlich sieht und noch einen Patch hinterher schiebt.

Es gäbe noch so vieles zu berichten, etwa über die Verbesserungen gegenüber den beiden Vorgängern, die nicht nur optischer sondern auch spieltechnischer Natur sind. Erwähnenswert sind diesbezüglich die gesteigerte Bewegungsfreiheit der Armeen im Rundenmodus, die erweiterten diplomatischen Möglichkeiten sowie der gestiegene Einfluss Ihrer Kommandanten und Statthalter. Noch nicht erwähnt habe ich zudem die karrierefördernden Senatsmissionen, frei aufstellbaren Wachtürme und Forts zur Lüftung des Kriegsnebels, die Attentäter, Diplomaten, Spione - ich könnte jetzt ewig so weiter erzählen, aber ich muss jetzt unbedingt Schluss machen und den Karthagern endlich beweisen, dass man sich mit dem Ewigen Rom besser nicht anlegt.Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:
+ Tolle Massenschlachten á la Troja + Viele geschickt verwobene Spielelemente + Langanhaltender Spielspaß + Prima Tutorial erspart die Handbuchlektüre + Super-Akustik, stets an die Situation angepasst

Cons:
- Nach wie vor keine Seeschlacht in Sicht - Kommandeure sterben viel zu häufigPro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:
+ Tolle Massenschlachten á la Troja + Viele geschickt verwobene Spielelemente + Langanhaltender Spielspaß + Prima Tutorial erspart die Handbuchlektüre + Super-Akustik, stets an die Situation angepasst

Cons:
- Nach wie vor keine Seeschlacht in Sicht - Kommandeure sterben viel zu häufig