Rogue Trooper (PS2 Review)
von Patrick Streppel

Wer genug von Fortsetzungen und einfallslosen Kopien hat, der sollte einen Blick auf Rogue Trooper werfen: Entwickler Rebellion kombiniert die Atmosphäre des Zweiten Weltkriegs mit einem düsteren Science Fiction Szenario.

Dazu brachiale 3rd Person Action mit pfiffigen Gadgets und ein spannendes Comic-Abenteuer mit makabrer Anti-Kriegs-Stimmung. Aufgrund von KI-Mängeln und mittelmäßiger Technik ist Rogue Trooper zwar kein Hit, aber dennoch eine positive Überraschung.

Vor gut fünf Jahren übernahm der britische Entwickler Rebellion (Aliens vs. Predator 1) den Comic-Verlag 2000AD, bekannt durch seine zahlreichen SF-Serien wie Judge Dredd oder Rogue Trooper. Mit einer Umsetzung von Ersterem fingen die Mannen um Jason Kingsley an, doch der mehrmals verschobene Ego-Shooter konnte bei seinem Erscheinen vor drei Jahren kaum noch Begeisterung auslösen.

Zwischenzeitlich verdiente sich das Studio mit Auftragsproduktionen und Portierungen seine Brötchen - Sniper Elite, die Konsolenversionen von Black Hawk Down, das PS2-Remake von Iron Storm, Dead to Rights: Reckoning und Liebesgrüße aus Moskau auf der PSP. Erst jetzt melden sich die Briten zurück: Mit Rogue Trooper stellt Eidos nun die zweite 2000AD-Versoftung in die Läden, die in mancher Hinsicht durchaus an den inoffiziellen Vorgänger erinnert, glücklicherweise aber um Längen besser ist.

Düstere Zukunftsvision
Wir befinden uns in einer fernen Zukunft. Nordland und die Südstaaten kämpfen in einem erbitterten Krieg gegeneinander, der den Planeten Nu Earth bereits verwüstet und verseucht hat. Während die Nordländer von Gasmasken geschützt werden, ziehen aus dem Süden genetisch manipulierte Supersoldaten (GIs) in die Schlacht. Besonderheit: Jeder GI hat einen Chip implantiert bekommen, der das Bewusstsein auch nach dem Tod für kurze Zeit speichert. Einer dieser Klonkrieger ist Rogue, in dessen blaue Haut der Spieler schlüpft, um die neueste Invasion in die Quartz Zone voranzutreiben.

Rogue Trooper - Intelligente Comic-Action zwischen Dark Sci-Fi und zweitem Weltkrieg. Geht das Konzept auf?

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Doch der Angriffsplan wird verraten und so finden sich Rogue und sein Trupp schnell in einer heißen Landezone wieder. Ein Teil der Landekapseln wurde bereits vom Himmel geholt, die Überlebenden stehen einer feindlichen Übermacht gegenüber. Rogues Kumpel fallen einer nach dem anderen, doch der blaue Soldat ist rechtzeitig zur Stelle: Er schraubt Bagman's Chip in seinen Rucksack, lädt Gunnar in seine Waffe und installiert Helm eben auf genau diesem - das Quartett ist wieder komplett, wenn auch in einer Person. Können Sie gemeinsam aus der Kampfzone flüchten und die Verschwörung aufdecken?Rogue Trooper verbindet die packende Kriegsatmosphäre eines Call of Duty mit der düsteren SF-Welt der 2000AD-Comics. Obwohl die Story relativ dünn ist, wird sie durch nett inszenierte Zwischensequenzen stimmig erzählt.

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Ähnlich wie bei Starship Troopers werden makabrer Humor und ausufernde Gewalt zu einem kriegskritischen Ganzen verbunden, wobei zahlreiche Scripts und ein abwechselungsreiches Missionsdesign für Spannung sorgen. Zwar ist das Hauptziel meist die Vernichtung aller Feinde, die eingestreuten Ereignisse und unterschiedlichen Lösungswege sorgen jedoch für Laune.

Action mit Pfiff
Rogue Trooper ist ein 3rd Person Actionspiel, das auf den ersten Blick relativ simpel anmutet. Mit dem Fadenkreuz nieten wir die relativ dummen Gegner um, wobei je nach Waffe eine Zielhilfe zur Verfügung steht. Ähnlich wie bei Kill.Switch kann unser GI hinter Kisten und Wänden in Deckung gehen, dabei jedoch aus der Deckung feuern - wahllos zur Ablenkung oder präzise gezielt, wobei dann der eigene Körper für kurze Zeit in die Schussbahn lehnt. Apropos präzise: Mit dem Sniper-Gewehr landen wir Kopfschüsse oder treffen die Gastanks der feindlichen Soldaten - die daraufhin wie ein Feuerwerkskörper in die Luft gehen. Wer's leise mag, der darf sich anschleichen und von hinten den Silent Kill anwenden - was von einer schicken Animation begleitet wird. Neben Maschinengewehr, Shotgun und zahlreichen anderen Schießprügeln dürfen auch Splitter- oder Störgranaten nicht fehlen.

Damit lassen sich auch massive Kampfroboter bezwingen: Zuerst mit Sperrfeuer ablenken, dann die Elektronik mit einer Granate ausschalten und schließlich zum Silent Kill von hinten auf das Ungetüm springen. Ebenfalls nett sind Haftminen, die sowohl Schalter als auch im Rücken auftauchende Verstärkungen ausschalten.

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Und wenn es mal heftige Gegner wie Kampfjets oder Panzer zu beseitigen gibt, stehen meist ein stationäres Flugabwehrgeschütz oder ein schlagkräftiger Raketenwerfer bereit. Bei einer Übermacht helfen fest installierte Maschinengewehre oder die Unterstützung durch weitere KI-Soldaten.

Quartett mit zwei Fäusten
Strategische Tiefe und Abwechselung im Gameplay werden aber vor allem durch zwei Komponenten hervorgerufen. Da wären zum einen Rogues Kameraden, welche mit Biochips in die Ausrüstung des blauen Helden integriert wurden!

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Gunnar entpuppt sich als intelligente Waffe, die verschiedene Munitionstypen und nützliche Zusatzfunktionen wie Zielhilfe, Sniper-Zoom oder den Geschütz-Modus bietet. Bei letzterem stellen wir Gunnar einfach irgendwo ab und er feuert automatisch auf hereinkommende Gegner - perfekt für einen Hinterhalt oder als Ablenkung für garstige Kampfroboter.

Zudem können wir Gunnar mit zahlreichen Waffenupgrades aufrüsten, die höhere Genauigkeit, geringeren Verbrauch oder gar neue Feuermodi bieten und von Kollege Bagman erforscht werden.Der praktische Rucksack kann nämlich Altmetall, dass wir aus Schrotthaufen oder von verstorbenen Soldaten bergen, in neue, praktische Gegenstände verwandeln. So wählen wir aus einem Menü, ob es ein Waffenupgrade für Gunnar, ein Medipack, neue Granaten oder ein bestimmter Munitionstyp sein darf. Auch kann er ein Hologramm von Rogue projizieren, um Feinde abzulenken. Der dritte im Bunde ist Helm: Der "Kopf" der Truppe knackt Sicherheitsschlösser und hackt sich in fremde Computer, zudem stellt er einen Lageplan bereit.

Technik von Gestern
So modern Rogues Ausrüstung, so futuristisch das Szenario - die Grafikengine des Spiels wirkt wie eine leicht aktualisierte Version der Judge Dredd-Technologie. Während die PS2-Version durchaus in Ordnung geht, rufen die Xbox- und PC-Fassungen alles andere als Begeisterungsstürme hervor. Zu trist sind die Texturen, zu undetailliert die Charaktermodelle - selbst in den ansonsten schick inszenierten Render-Videos.Dabei haben die Entwickler durchaus Detailliebe in die Ausgestaltung der Level gesteckt, die abwechselungsreich und sehr authentisch daher kommen. Gelungen ist auch die Musikuntermalung, die sich passend dem Geschehen anpasst. Dagegen unpassend kommt die deutsche Sprachausgabe daher, deren Stimmen eher wie die Augsburger Puppenkiste als genmanipulierte Supersoldaten klingen. Ein nettes Feature, das alle Rebellion-Titel quasi ab Werk bieten, ist der 2 Spieler Cooperative Modus via Splitscreen - ein dickes Lob dafür! Bis zu vier Spieler treten hingegen online gegeneinander an.