




Seht ihr den Schriftzug über dem Rock-Smith-Cover? Da steht in goldenen Lettern „Wir üben noch“. In manchen Momenten beschleicht mich das Gefühl, die Programmierer hätten noch nie ein ausgereiftes Musikspiel gesehen, an dem sie sich orientieren könnten. Das fängt bei den unnötig verschachtelten Menüs an und hört beim Vollplayback der Hintergrundmusik auf. Und doch bestehe ich auf einen überarbeiteten Nachfolger.
Dieses Programm hat so viel Potenzial und so viele tolle Ansätze, dass mich jeder Schnitzer tief im Herzen trifft. In den ersten Stunden hätte ich dem Programm gerne eine Lobpreisung verpasst, doch je weiter ich in das Spiel eintauchte, desto mehr Minuspunkte kamen zutage. Und das ärgert mich, weil ich die Idee hinter RockSmith liebe.
Ich werde mir trotz aller Unzulänglichkeiten die Finger an dieser Software wundspielen. Das Notensystem hat seine Macken, vermittelt Picking aber so wunderbar einfach, dass ich mir den Lernerfolg nicht verweigern möchte. Die Guitarcade halte ich obendrein für eine der besten Ideen seit langem, wenn es um Musikspiele geht. Bitte, liebe Leute von Ubisoft, nehmt euch die Kritik zu Herzen.
Mit Halb-Playback, einer besseren Kameraführung, geschickterer Akkorddarstellung (inklusive Arpeggien und zweifingerigen Powerchords), übersichtlicheren Menüs und mehr Ausführungen in der Musiktheorie könnte ein mögliches RockSmith 2 der Stern am Musikspielhimmel werden. Bisher reicht es nur zu einem netten, aber unausgereiften Gitarrentrainer.
Rocksmith - Inside Look TrailerEin weiteres Video
Die spartanische Hintergrundgrafik fließt nicht in unsere Wertung ein, wohl aber die kleinen Probleme, die durch die dreidimensionale Darstellung und das Zoomen der Kamera entstehen. Klingt schlimmer, als es sich in der Praxis herausstellt. Insgesamt schneidet die Vermittlung der Noten sehr gut ab, auch wenn man eines bedenken sollte. Man lernt lediglich Rock-Smith-Noten zu lesen, die man in der „echten Welt“ nicht gebrauchen kann.
Für ein Musikspiel schneidet die Soundabteilung ziemlich schlecht ab. Die Klänge der eigenen Gitarre sind nett, vor allem, wenn die frei zuschaltbaren Klangfilter zum Einsatz kommen. Leider verwendet RockSmith lediglich unangepasste CD-Tracks, deren Downmix mit eurem Gitarrenklang sehr dumpf ausfällt. Der Klang eurer Gitarre sticht erst heraus, wenn ihr das komplette Playback leiser dreht. Für so was auch noch drei Euro je DLC-Song zu verlangen, ist eine bodenlose Frechheit angesichts der letzten sieben Jahre Musikspielentwicklung.
RockSmith macht viele Dinge richtige und bringt selbst blutigen Anfängern in Windeseile brauchbare Kniffe für die Gitarre und den Bass bei. Prima! Leider ist nicht alles Gold, was glänzt, denn das Programm zeigt ebenso viele Schattenseiten, die Anfängern auch Blödsinn vermitteln – siehe das Thema Arpeggien. Man muss schon viele Hühneraugen zudrücken, um diese Schnitzer zu ignorieren. Wer sich kompromissfreudig gibt, wird jedoch viele Stunden Spaß mit RockSmith haben.
Mangels eines zweiten Real-Tone-Kabels fließt der Multiplayer-Aspekt nicht in die Wertung ein – wir konnten ihn nicht ausprobieren. Lediglich der Karaoke-Part war uns zugänglich, da er mit jedem USB-Mikrofon funktioniert. Mit der permanent laut singenden Originalstimme im Hintergrund tendiert der Spaß dabei gen null. Eine handfeste Gesangsbewertung fehlt obendrein.
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