Autor: Matthias Grimm

Gestern Abend war ich eine Pizza essen. Da war Schinken drauf, Salami, Artischocken. Und als i-Tüpfelchen noch ein paar Oliven-Sprenkel. Danach bin ich nach Hause, habe meine Socken auf die Wäscheleine gehängt, die Zähne geputzt und in der Nase gebohrt.

Warum ich mir die Frechheit herausnehme, euch mit dieser Ansammlung an Banalitäten zu langweilen? Weil selbst die noch aufregender sind als eine Partie "Rocket Racer".

Rocket Racer - I11-Ouroboros-EU-720_toDivX.aviEin weiteres Video

Die gute Nachricht zuerst…
Es gibt Spiele, auf die freut man sich monate-, manchmal gar jahrelang. Da wird man schon beim ersten Preview ganz wuschig und kann es kaum abwarten, bis der Postbote mit der fertigen Spielepackung ins Haus trudelt oder man sich beim Elektrohändler seines Vertrauens palettenweise bedienen kann. Ist es endlich soweit, hält man einen Moment lang inne, betrachtet die liebevoll gestaltete Packung und denkt zurück an die Zeit des Wartens, der Entbehrung, und beginnt für den Bruchteil einer Sekunde zu zweifeln, ob sie es jetzt wirklich ist - die Erfüllung.

Rocket Racer - Nordkorea hat sie schon, ihr könnt sie jetzt gern haben: die rasende Rakete!

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Heisenberg hätte seine Freude: So viel Unschärfe für's Geld!
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Aber dann hält man es nicht mehr aus, startet die Installationsroutine, und während der Balken von links nach rechts wandert und immer breiter wird, spürt man, wie der Herzschlag sich verschnellert. Endlich geht es los: ein Intro, das einen sofort in eine andere Welt eintunkt, eine Atmosphäre, die einen aufsaugt, eine Story, die einen fesselt. Und man ist sich ganz sicher: Die nächsten Wochen sind geprägt vom Spielspaß. Ja, in der Tat! Solche Spiele gibt es… Und es gibt "Rocket Racer".

"Rocket Racer" ist wie der Marshmallow Man: Schwupps, einfach da. Keiner hat danach gefragt, keiner hat darum gebeten, aber niemand kann sich seiner erwehren. Na gut, nicht wirklich "niemand" - nur derjenige, dem der dumme Zufall widerfährt, ausgerechnet in dem Moment eine Spielepackung in Händen zu halten, während ihm ein Zehn-Euro-Schein aus dem Geldbeutel flattert, den langen Weg von der Software-Abteilung hinab bis zur Kasse direkt in des Ausschnitt der Kassiererin, wo der Versuch, ihn wieder zu ergattern so dermaßen fehl schlägt, dass ob der peinlichen Situation nur noch die gestammelten Worte "Von mir aus… gekauft" über die Lippen wandern.

Packshot zu Rocket RacerRocket RacerErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Reingefallen: Es gibt keine gute Nachricht.
Zu Hause angekommen hält man dann einen Moment lang inne, betrachtet angewidert die Packung und fragt sich, ob das Teil auf dem Heimweg bloß in eine Pfütze gefallen ist oder der Grafiker beim Anspielen auf die Staffelei gekotzt hat und zu faul war, die Sauerei wieder aufzuwischen. Wie dem auch sei: Während der Ladebalken von links nach rechts wandert, spürt man, wie eine gewisse Übelkeit sich breit macht - und immer breiter wird. Aber zum Glück geht es rechtzeitig los, bevor die Sache eskalieren kann: ein Intro, das nicht vorhanden ist, eine Atmosphäre, die man auch Luft nennt, eine Story, die die Packung (das Handbuch erwähnt sie erst gar nicht) vollständig und folgendermaßen zusammenfasst: "Du bist Pilot einer rasend schnellen Rakete!" Und ab sofort denkt man nur noch an Eines: was man mit den 10 Euro alles hätte anfangen können!

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Für Zwischendurch: Screenshot aus einem guten Spiel!
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Man hätte sich beispielsweise ein Spiel aus der Software-Pyramide kaufen können. Die sind zwar nicht mehr die jüngsten, dafür aber beim Alterungsprozess nicht abgehangen wie ein Schinken. Man könnte sich auch 200 Kaugummis am Automaten ziehen. Oder einmal ins Kino gehen, samt Popcorn. Wenn es mal regnet, könnte man sich aus dem Geldschein auch einen Hut basteln und dafür sorgen, dass immerhin die Nasenspitze trocken bleibt. Man könnte auch einen Quadratmeter Regenwald kaufen und darauf zelten, falls man gerade mal durch Südamerika trampt. Oder man legt das Geld zum gängigen Zinssatz von 2,5% p.a. auf einem Sparbuch an und kann sich nach 131 Jahren und 9 Monaten einen niegelnagelneuen Wii leisten…

Dann eben zu den schlechten Nachrichten: dem Spiel
Wer immer von euch es geschafft haben mag, bis hierhin durchzuhalten, der hat auch verdient, abschließend etwas über das Spiel zu erfahren: In "Rocket Racer" steuert ihr eine Rakete durch ein Asteroidenfeld. Vom Start zum Ziel. Den Asteroiden müsst ihr ausweichen. Durch die Ringe müsst ihr fliegen. Das war's eigentlich schon.

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Pretty in pink: Der fliegende Donut hier schickt euch zur Abkürzung durch's Wurmloch.
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Erwähnt werden sollte noch, dass es ein Zeitlimit gibt, das euch zum waghalsigen Manövrieren zwingt. Glücklicherweise lässt sich durch Passieren der Ringe das Zeitkonto wieder auffüllen. Manche Ringe verleihen euch außerdem einen Geschwindigkeits-Boost. Auch einsammelbare Boni fliegen immer mal wieder rum, die ein Extraleben versprechen oder den Schutzschild wieder herstellen. Obacht heißt es vor den Schwarzen Löchern: Die saugen euch unerbittlich auf.

Nach einer halben Stunde hatten wir übrigens Level 9 von 15 erreicht. Dann hatten wir keine Lust mehr und wendeten uns wieder spaßigeren Dingen zu. Staubsaugen zum Beispiel. Schäfchen zählen. Das Telefonbuch lesen. Zur Wurzelbehandlung gehen. "Gunship: Apocalypse" spielen. Das Telefonbuch auswendig lernen. Das Auto vom Chef putzen. Unter Wasser Hamster lackieren. So lange mit dem Telefonbuch auf den Schädel schlagen, bis dieses Review bei rauskam…