Fußball und Autos - wer dachte, dass nur Stefan Raab diese beiden grundverschiedenen Dinge unterhaltsam kombinieren könnte, der hat noch nicht Rocket League gespielt. Das kleine Spiel aus dem Hause Psyonix sollte man keinesfalls unterschätzen, zeigt es doch, wie man mit einfachsten Mitteln den E-Sport erobert.

Es ist fast ein wenig verwunderlich, dass jene automobile Ballsportart, die der Rennfahrer Karl Kappler 1933 erstmals auf dem Fußballplatz des FC Frankonia Karlsruhe präsentierte, beinahe wieder in Vergessenheit geraten wäre. Immerhin enthält sie gleich zwei Elemente, die nicht unbedingt nur Männerherzen höherschlagen lassen: Fußball und Autos.

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Autos + Fußball = unwiderstehlich

Umso erfolgreicher war dann die Neuinszenierung durch Stefan Raab, 75 Jahre später in Form einer Autoball-Europameisterschaft, in der sich verschiedene B-Prominente für ihr jeweiliges Herkunftsland hinters Steuer eines Kleinwagens klemmten, um den gigantischen Wasserball mehr oder weniger gezielt ins gegnerische Tor zu kicken.

Nun gehört Autoball aufgrund der Größe und Behäbigkeit der Fahrzeuge nicht gerade zu den rasantesten Sportarten. Die Fahrzeuge sind im Original auf jeden Fall zu langsam und behäbig, um die Sache auch für ein Videospiel interessant zu machen - zudem war die Arena in Köln etwas klein und erlaubte kaum waghalsige Manöver.

Griff in die Trickkiste

Die Entwickler von Psyonix allerdings störten sich daran nicht. Sie erlaubten sich für ihr Projekt ein paar kleine Änderungen, ersetzten die tonnenschweren Kleinwagen kurzerhand durch ferngesteuerte Spielzeugautos, reduzierten die Schwerkraft, bauten einen Sprungmechanismus ein und die Möglichkeit, Energiepunkte zu sammeln, die den Fahrzeugen einen kurzen Geschwindigkeitsschub verleihen. Geboren waren die Supersonic Acrobatic Rocket-Powered Battle-Cars - und zwar im Jahre 2008 auf der PlayStation 3.

Richtig erfolgreich allerdings war das Spiel nicht, denn es fehlte ein entscheidendes Element: die PC-Version. Die erschien dann im vergangenen Juli auf Steam und seither bricht die Neuauflage unter dem Namen Rocket League alle jemals mit Autoball aufgestellten Rekorde, zählt auf Steam zeitweise durchaus auch mal mehr Spieler als große Titel wie GTA V und sorgt zudem auf Twitch für erstaunlich hohe Einschaltquoten.

Über alle Grenzen hinweg

Erstaunlich ist das vor allem deswegen, weil Rocket League spielerisch recht minimalistisch daherkommt. Es gibt keine Skills, außer dem Sprung, den jedes Fahrzeug hat. Es gibt auch keine unterschiedlichen Fahrzeugwerte oder Tuning-Möglichkeiten jenseits der auf dem Spielfeld sammelbaren Boosts. Ein Ball, zwei Tore und im Idealfall vier oder sechs ferngesteuerte Autos in der Arena - mehr braucht es nicht, um irrsinnig viel Spaß zu generieren.

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Ach ja - und einen Controller sollte man haben, wenn man mit den PlayStation-Besitzern mithalten will, die übrigens auf den gleichen Spielservern zocken. Zwar kann man derzeit keine Teams systemübergreifend formieren - gegeneinander spielen kann man hingegen schon. Auch das ist ein Grund für die stolzen Spielerzahlen.

Rocket League - Die Steilvorlage

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Gegen die Vehikel aus Rocket League sehen Raabs Boliden alt aus. Mit ein paar kleinen Kniffen schafft es Psyonix, Autoball zu einem ganz neuen Erlebnis zu machen.
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Und die scheinen derzeit eher noch zu wachsen, denn mittlerweile hat auch der E-Sport Rocket League für sich entdeckt. Das zeigt, dass sich leichtgängiges Spielvergnügen und spielerischer Anspruch nicht unbedingt ausschließen müssen. Wer sich mal die Spiele von Profis anschaut, wird schnell merken, dass spielerisch bei jedem von uns noch immer Luft nach oben ist.

“Easy to learn, hard to master”

Das scheint das Mantra der Entwickler gewesen zu sein, als sie die Arena konzipierten. Keine spielerischen Hürden, kein tiefgreifendes Regelwerk - dafür jede Menge rasante Action und schier unbegrenzte Möglichkeiten, das Teamplay derart zu optimieren, dass der Gegner keinen Freiraum mehr bekommt. Eben das Beste aus Fußball und Autorennen.

Packshot zu Rocket LeagueRocket LeagueErschienen für PC, PS4 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Rocket League ist auf jeden Fall eine ordentliche Steilvorlage für alle Entwicklerteams, die mit vergleichsweise wenig Aufwand einen garantiert erfolgreichen Titel produzieren wollen. Und es ist obendrein eine echte Auszeichnung für das kleine Team von Psyonix, das übrigens auch an Unreal Tournament 2004 mitgearbeitet hat und das aktuell an Nosgoth arbeitet, einem Arena-Game nach der Formel von “Legacy of Kain”.

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Ach ja - und dann wäre da noch der Preis. Für unter 20 Euro bekommt man den Titel auf Steam - der erste DLC wird für unter vier Euro angeboten und ist komplett optional, enthält ausschließlich Kosmetisches. Das ist ein ausgesprochen fairer Preis für ein Spiel mit solch großem Suchtpotential, von dem wir mit Sicherheit in Zukunft noch öfter hören werden.