Normalerweise setzen die Jungs und Mädels bei Harmonix auf ein breites Musikangebot, um Fans des zünftigen Konsolenschrubbelns bei Laune zu halten. Da Rock Band 4 bei Erstveröffentlichung noch einige Macken und Lücken hatte, war es mit Musikdownloads aber nicht getan. Nach etlichen kostenlosen Verbesserungen im vergangenen Jahr erschien jüngst ein Add-On namens Rock Band Rivals, welches das Gesamtpaket wieder zu alten Qualitäten zurückführt.

Diese Konstellation ist man von Harmonix nicht gewohnt. Nie zuvor kam eine inhaltliche Verbesserung ganz ohne neue Musik daher. Bei einem Preis von rund 30 Euro könnte man immerhin eine kleine Handvoll zusätzlicher Rock-Hits erwarten, doch die sucht man vergeblich, denn Rivals ist ein reines Gameplay-Add-On mit etlichen Detailverbesserungen und einem brandneuen Story-Modus.

Zugegeben, das ist nicht ganz richtig. Vorbesteller bekamen einen Stoß Musik als Bonus, und inzwischen wurden ein paar kostenlose Tracks für Späterwerber per Download nachgereicht. Wer bei den kostenlosen Tracks große Namen erwartet, wird jedoch enttäuscht. Nicht, dass es der Rock Band-Bibliothek an Berühmtheiten fehlte. Die gigantische Songauswahl umfasst mehr als 2000 Musikstücke aller erdenklichen Künstler, nur sollte man zur Befriedigung des eigenen Geschmacks ein paar Euros für den Downloadstore einplanen.

Lacher inklusive

Sei es drum: Das Rivals Add-On kommt ohne nennenswerte Musik daher, doch was den Spielablauf angeht, weiß es durchaus zu gefallen. Vor allem Einzelspieler kommen dank des zentralen Storymodus endlich wieder auf ihre Kosten. Der „Rockudrama“ genannte Spielkern persifliert nämlich eine typische TV-Dokumentation einer Rockband, von den Anfängen über miese Zeiten bis hin zum Höhepunkt der Karriere.

Eine köstliche Angelegenheit, denn die Aussagen vermeintlicher früherer Weggefährten der Bandmitglieder sind irre komisch und völlig überspitzt. Interviewpartner sind frühere Lehrer, Musiker, die bei Auditions waren, aber nie in die Band auf genommen wurden und Fans der ersten Stunde, die mal mehr und mal weniger sinnvolle Aussagen treffen.

Solo-Musikanten kommen mit dem Rivals-Add-On endlich wieder auf ihre Kosten und finden trotzdem Anschluss bei Gleichgesinnten! Da bebt das Wohnzimmer!Fazit lesen

Stationen der Bandkarriere darf man hingegen selbst füllen – durch Auftritte in unterschiedlichen Clubs und auf größeren Bühnen. Wobei auch hier gut gelacht werden darf. Zum Beispiel beim ersten Auftritt der Band, bei dem nur ein einziger Kerl im Publikum steht. Genau dieser eine Typ schreit und jubelt, als ob er gerade die geilste Performance der Welt vernommen hätte, was schon nach wenigen Sekunden zum Prusten und Schenkelklopfen verleitet. Herrlich!

Im Gegensatz zu früheren Story-Ansätzen (siehe Rock Band 2 und 3) wird die Geschichte aber nicht an einem linearen Strang erzählt. Man müht sich also nicht von Club zu Club. Im Gegenteil, nach dem ersten Kapitel, das die Anfänge in den 1990ern beschreibt, springt man gleich zehn Jahre in die Zukunft.

Spielerisch ändert sich trotzdem nicht all zu viel. Wie in der Serie üblich, besteht das höchste Ziel im Verdienen von bis zu fünf Sternen je Song, was durch korrektes Spielen der vorgegebenen Noten bewerkstelligt wird. Welche Songs gespielt werden, hängt vom aktuellen Spielstand ab. Manchmal wird ein Zufallsgenerator bemüht, den man beliebig oft neu auswürfeln lassen kann. Manchmal steht die Auswahl der Songs auch völlig frei.

Ein Risiko-System bringt ein wenig Würze in die Geschichte: Wer vor Start eines Sets eine Wette betreffend der verdienten Sterne abgibt, kann die Fame-Ausbeute erhöhen, verliert aber auch einiges, wenn der Wert der Wette unterschritten wurde.
Das „Rockudrama“ ist eine unterhaltsame, wenn auch schnell durchgespielte Angelegenheit. Ob in einer Combo von mehreren Leuten oder im Alleingang spielt keine Rolle. Je mehr Sterne ihr verdient, desto mehr Fame-Punkte kassiert ihr für das Freispielen neuer Features – inklusive besonderer Instrumente und schön gestalteter Bühnen, die auch in Quick-Play-Sessions bereitstehen.

Inhaltsverzeichnis:

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