Viele Racing-Simulationen oder Weltkriegs-Shooter mögen halbwegs realistisch wirken, aber im Vergleich mit dem neuesten Musikspiel aus dem Hause Harmonix sind sie nur Pixelschieberei. In einen virtuellen Mercedes kann man nämlich nicht einsteigen, aber mit einer MIDI-Gitarre und einem verkürzten Keyboard kann man durchaus Musik machen – oder es lernen. Rock Band 3 durchpflügt ein ganzes Genre.

Vier erfolgreiche Rockmusiker laufen in Zeitlupe einen von Reklametafeln erleuchteten Boulevard entlang, während der Rest der Welt im Zeitraffer an ihnen vorbeizieht. Sie sind so cool, dass nichts auf der Welt sie tangiert. Sogar die Autos auf der Straße rasen so schnell vorbei, dass nur noch rote Steifen von ihren Rückleuchten die Nachtluft zieren, als wären es Neonleuchten. Eine unheimlich stimmungsvolle Szene für ein Titelmenü eines Musikspiels, die jedem Kenner der Rock-Band-Serie vermittelt, dass nichts mehr so ist wie früher. Rock Band 3 ist kein Update, keine einfache Fortsetzung. Es geht um ein komplett neues Spiel.

Rock Band 3 - So funktionieren die neuen Pro-Instrumente

Den Grund für die Frischzellenkur findet man in den neuen Instrumenten sowie den zugehörigen „Pro“-Spielmodi, die sich erstmals von blanker Imitation verabschieden und dem Spieler handfesten musikalischen Einsatz abverlangen. Komplett ausgestatte Drums, ein Zwei-Oktaven-Keyboard wie auch eine sechssaitige (MIDI-)Gitarre warten auf fingerfertige Herausforderer, blutige Anfänger mit dem Willen, sich neues Wissen anzueignen, und gestandene Musiker. Die grundsätzlichen Spielregeln sind zwar ähnlich – man folgt einem Noten-Highway mit vorgegebener Notation und versucht, sie rhythmisch korrekt auszulösen, um das hintergründige Playback einer Studioaufnahme erklingen zu lassen –, doch diesmal ist es mit bunten Symbolen nicht getan.

Entwickler Harmonix Music Systems verabschiedet sich nicht völlig von den Spielzeuggitarren und den bisher üblichen Mini-Drums, schließlich will man eine möglichst breite Zielgruppe erreichen. Auch dürfte nicht jeder Konsolero gewillt sein, sich so tief in musikalische Materie zu knien, wie Harmonix es der Kundschaft mit Rock Band 3 ermöglicht. So mancher mag nicht einmal gewillt sein, die dazu nötige Hardware zu kaufen. Der altbekannte Partyspaß mit ungezwungenem Knöpfchendrücken bleibt also erhalten und alle Pseudo-Instrumente dank separater Spielmodi kompatibel.

Rock Band 3 - Besser als jeder Traktor: Harmonix pflügt ein ganzes Genre durch

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Die maximale Teilnehmerzahl wurde auf sieben erhöht.
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Mit der Erhöhung der maximalen Teilnehmerzahl auf sieben wird das Vergnügen sogar noch gesteigert. Dennoch es ist nicht mehr der Dreh- und Angelpunkt der Rock-Band-Serie, sondern nur noch der kleinste gemeinsame Nenner. Abgesehen einer Handvoll neuer Notationsformen gibt es in diesem Bereich nicht mal einen nennenswerten Fortschritt. Karrierehengste können sich höchstens an über 600 spielinternen Zielen festbeißen, die alle heruntergeladenen und exportierten Songs aus den Vorgängerspielen einbinden.

Stattdessen steht authentische Notengebung auf dem Programm, die Gitarristen und Bassisten mit einer abgewandelten Tabulaturschrift vermittelt wird. So mancher Saitenprofi vergleicht das System sogar mit dem PC-Notationsprogramm „Power Tab“, nur mit umgekehrtem Zweck. Keyboarder folgen dagegen einem grafischen Tastenrastern in Klaviaturform, auf denen Halb- und Ganztontasten angezoomt kommen. Zwar eine Lösung, die man auch ohne musikalisches Vorwissen problemlos interpretieren kann, aber ein optional zuschaltbares Notensystem wäre willkommen gewesen. Das Lesen der Notenschrift kann man Anfängern wahrscheinlich nicht haftend in einem Videospiel beibringen, aber all jene , die sie schon lesen können, hätten sich bedankt.

Packshot zu Rock Band 3Rock Band 3Erschienen für DS, PS3, Wii und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Es bleibt in der Grundkonfiguration also ein Spiel, bei dem man Playbacks auslöst, und ist nicht als Performance-Werkzeug oder kompletter Gitarren- und Keyboard-Trainer zu verstehen. Aber es kommt verblüffend nahe heran und offeriert mit der Unbekümmertheit eines typischen Videospiels eine Lawine an Optionen für fundiertes selbständiges Lernen - sofern man seine Erfahrungen regelmäßig auf eine echte Gitarre überträgt, wohlgemerkt.

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Die Squier Stratocaster ist die Kür, alle anderen grabschen auf der alten Spielzeugklampfe herum.
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Tatsächlich bedient sich Harmonix sogar bei den Regeln des Arcade-Spielablaufs, um Einsteigern überhaupt erst das realistische Gitarren- und Bassspiel sowie die Nutzung des Keyboards beizubringen. Das lernt man keinesfalls im Handumdrehen, daher bleibt die Staffelung der vier Schwierigkeitsgrade im Pro-Modus präsent. Einfach, Mittel, Schwer und Experte heißen sie - und sie waren nie nötiger.

Warum? Ganz klar: Wer zum ersten Mal die von MadCatz gefertigte MIDI-Gitarre „Mustang“ oder die ab März erhältliche Fender „Squier Stratocaster“ umschnallt und vom Instrument keinen Schimmer hat, ist mit dem Anschlagen komplexer Soli oder fingerverknotender Akkorde völlig überfordert. Ja, selbst einige Profis dürften sich schwertun, wenn ihnen erst mal das Zahlengewitter des Solos aus Lynyrd Skynyrds „Free Bird“ um die Ohren saust. Umso erfreulicher ist es, dass Harmonix in jedem Schwierigkeitsgrad behutsam vorgeht und dem Spieler keinen Unsinn vermittelt.

Für Partyspieler, Einsteiger und Profis

Bevor es dazu kommt, steht den meisten jedoch das harte Brot des Lernens bevor. Es ist noch kein Gitarrist vom Himmel gefallen, und auch Harmonix erwartet von niemandem den Einstieg von null auf hundert. Stattdessen stehen für die unteren Schwierigkeitsgrade vereinfachte Regeln und regelmäßige Besuche in den vielfältigen Trainingsoptionen auf dem Plan. So spielt man auf Medium statt voller Akkorde nur eine geringere Anzahl vereinfachter „Powerchords“.

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Einsteiger freuen sich über einen umfangreichen Trainer zu allen Instrumenten.
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Doch egal ob Akkorde, Tonleitern oder Fingersatz, von der ersten Lektion an könnt ihr alles Nötige über fundierte Übungen lernen und trainieren, bevor ihr euch an die Songs heranwagt. Außerdem gewöhnt ihr euch so an komplexe Tab-Form, die unheimlich viele Feinheiten mitbringt. Sie verrät bei einzelnen Saiten zum Beispiel, ob die nächste Note höher oder tiefer liegt, in welche Richtung Akkorde angeschlagen werden, wann in welche Richtung geslidet oder gedämpft wird und noch viel mehr. Alles untermauert durch handfeste Akkordbezeichnungen und Begleittexte.

Rock Band 3 schlägt die einzig richtige Richtung für dieses Genre ein und bringt Partyspaß mit echten musikalischen Grundlagen unter einen Hut. Noch ausbaufähig, aber schon jetzt genial.Fazit lesen

Ähnlich verhält es sich beim Keyboard, dessen Trainer aber nicht ganz so umfangreich ausgefallen ist. Abgesehen davon, dass ein Notensystem fehlt, das Könnern den Einstieg erleichtert hätte, fehlen auch die passenden Akkordbezeichnungen zu den unzähligen Dreiklängen und Arpeggios, die euch nach und nach beigebracht werden. Ein unnötiger Lapsus, denn zumindest die Namen der Akkorde könnten das Verinnerlichen all dieser Lektionen vereinfachen. Nichtsdestotrotz erweisen sich die Trainer als didaktisch wertvoll und brennen mit Übungen und Begleittexten Unmengen an Wissen ins Spielehirn. Ein kühner Zug, der Musikspielkundschaft so viel zuzutrauen, aber es funktioniert hervorragend, sofern man mit Geduld und Fleiß an die Sache herangeht.

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Rock Band 3 wurde vor allem auch technisch verbessert - und ist bunt.
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Wer sich den ganzen Schmus schenken will, kann aber auch auf dem untersten Schwierigkeitsgrad seinen Spaß haben. Der „Einfach“-Level ist auf allen Pro-Instrumenten so einsteigerfreundlich angelegt, dass jeder damit klarkommt, der auf der Fünfknopfklampfe auf „Medium“ rocken kann. Der Rest hängt nur von ein wenig Übung und Hand-Augen-Koordination ab. Und selbst hier zieht das alte Spielzeugmusikantentum in Sachen Spielspaß klar den Kürzeren.

Konsolenschlagzeuger brauchen nicht ganz so viel Eingewöhnungszeit. Im Vergleich mit den Vorgängerspielen wird ihnen lediglich zugemutet, zwischen den üblichen Pads für Snare und Toms sowie den drei Becken zu unterscheiden. Die Verwendung von Hi-Hat, Ride und Crash wird im Drum-Pro-Modus nämlich vorgegeben, sofern man nicht die klassische Variante mit den vier Standardpads bevorzugt. Drums klöppeln kann man also auch weiterhin mit dem alten Drumkit, zumal man für den Pro-Modus erst mal passende Becken braucht, die man anschlagen kann.

Besitzer eines Ion-Drum-Rocker-Premium-Schlagzeugs brauchen sich keine Sorgen zu machen. Sie sind bereits voll ausgerüstet und können gleich im Pro-Modus loslegen. Fehlt euch ein Becken, schaltet ihr es im Optionsmenü einfach ab. Auch handelsübliche E-Drums machen den Spaß mit, sofern ihr sie über den von MadCatz vertriebenen MIDI-Adapter dazwischenklemmt. Diese 39 Euro sollte euch das Vergnügen wert sein.

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Ein MIDI-Adapter ermöglicht das Anschließen eines sauteuren Keyboards an die Konsole.
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Rhythmusspezis mit kleinem Geldbeutel bleibt hingegen nur die Erweiterung ihres Beatles-Drumsets über separat erhältliche MadCatz-Zimbeln – da passt übrigens auch ein zweites Pedal dran, das in Freestyle-Sitzungen oder in Drumfills die Hi-Hat öffnet – oder die Anschaffung der neuen Rock-Band-3-Drums, die von vornherein voll ausgestattet sind. Veteranen des Rock-Band-1-Schlagzeugs schauen hingegen in die Röhre, denn diesem fehlt die nötige Erweiterungsbuchse. Auch das Guitar-Hero-Gegenstück lässt sich mangels ausreichender Schlagelemente nur im Standard-Modus bedienen.

Bliebe noch der dreistimmige Gesang zu erwähnen, der ebenso viele Mikrofone voraussetzt, aber mit all seinen Eigenheiten bereits seit dem Beatles-Spin-off bekannt ist.

Wie viel lässt sich für das echte Musizieren lernen?

Solange ihr nicht mit der im März erscheinenden Squier Stratocaster spielt, die als echte E-Gitarre richtige Musik aus dem Verstärker wirft – und das ist der Clou, denn das kann sie auch, während sie an der Konsole klemmt, sodass man nur die zugehörige Playback-Spur in den Optionen herunterdrehen muss -, löst ihr mit den Instrumenten noch immer Playbacks aus. Allein dadurch kann Rock Band 3 kein vollwertiger Musiktrainer sein, denn wenn ihr etwas falsch macht, wird euch nur optisch vermittelt, was schiefgelaufen ist.

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Wunderbar, wie die Finger übers Elfenb... die Tasten rutschen.
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Akustisch folgt der übliche (aber abschaltbare) „Klöng“-Soundeffekt und die Verstummung der Originalmusikspur. Ein Aspekt, bei dem ein zuschaltbarer Modifikator den letzten Schritt zum vollwertigen Übungsprogramm geebnet hätte. Zudem bestraft Rock Band 3 Powershredder auch nicht, wenn sie zu viele Saiten für einen Akkord anstreichen. Ein spielspaßfreundlicher Kompromiss, der ebenfalls nach einem optionalen Modifikator schreit. Aber zumindest kann man auf dem Tabulatur-Highway schon jetzt ganz genau erkennen, welche Saiten angeschlagen wurden und bei eigenem Anspruch genauer spielen. Dennoch bleiben weiterhin Steigerungsmöglichkeiten in diesem System offen.

Mit der Lawine an Trainern, die euch von chromatischen und diatonischen Tonleiterübungen über Blues-Skalen bis zur richtigen Fingerhaltung beinahe alles an grundsätzlicher Theorie vermitteln, bleibt die Verantwortung bei euch hängen, was ihr daraus macht. Rock Band 3 lehrt handfestes Gitarrenspiel auf der Basis eines Videospielvergnügens, ihr müsst das neue Wissen lediglich eigenständig auf eine andere Gitarre übertragen, um an eurer Technik zu arbeiten. Und das ist ohne nennenswerte Abstriche möglich. Nutzt ihr an der Konsole die MIDI-Gitarre „Mustang“, müsst ihr lediglich darauf achten, dass hohe Soli oberhalb des siebzehnten Bundes um eine Oktave nach unten versetzt wurden. Harmonisch ist das völlig korrekt, nur die gegriffene Tonlage ist ein Kompromiss. Mit den 22 Bünden der Squier Stratocaster passiert das selbstverständlich nicht.

Doch das sind alles nur Nebensächlichkeiten. Es geht hier schließlich um ein Videospiel, nicht um staatlich geprüfte Lernsoftware. Wichtig ist, dass es Spaß macht, und dafür, dass es so viel Spaß macht, bleibt ungemein viel Wissen nach einiger Zeit automatisch hängen. Selbst bei Verwendung der MIDI-Gitarre kann man mit der Greifhand nicht mogeln. Die einzelnen Bundknöpfe fühlen sich zwar nicht an wie normale Saiten, da sie weicher und einen Tick dicker sind. Doch sind sie sehr empfindlich und registrieren falsches Fingering sehr früh.

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Schneidet beim didaktischen Wert am schwächsten ab: das Keyboard.
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Für das Lernen von sauber gegriffenen Akkorden kann man sich keine bessere Lernhilfe wünschen. Das gilt auch für die Squier Stratocaster, deren im Hals verbaute Sensoren beim Anspielen auf der gamescom keine Zweifel hinterließen. Die Position der eigenen Finger wird zum Abgleich sogar permanent auf der Zielleiste der Gitarrenspur angezeigt, damit man beim Suchen der Bünde seltener auf das Instrument schielt. Es hilft vor allem, ein Gefühl für das Fretboard zu entwickeln.

Das ist aber gleichzeitig auch der Grund, warum man nur die beiden genannten Gitarren mit Rock Band 3 verwenden kann. Um solche Daten an die Konsole weiterzugeben, braucht es einerseits Sensoren im Gitarrenhals, über die normale E-Gitarren nicht verfügen, und andererseits ein zusätzliches MIDI-Protokoll.

Das Keyboard schneidet beim didaktischen Wert übrigens nicht ganz so gut ab. Mit zwei Oktaven bietet es schlichtweg nicht genug Platz für eine astreine Notation, die auch beide Hände voll beansprucht. Hin und wieder werden sogar Melodie und Begleitung in der Notation vermischt beziehungsweise falsch oktaviert, um in das 25-Tasten-Schema zu passen. Für Videospieler reicht das System allemal aus, wenn es um Authentizität und Herausforderung geht, einen fundierten Trainingsleitfaden für das echte Instrument, wie bei der Gitarre vorzufinden, dürft ihr aber nicht erwarten.

Fame! I wanna live forever...

Egal, für welches Instrument ihr euch entscheidet, der Weg nach ganz oben ist steinig. Es sei denn, ihr schrubbelt weiter auf der Spielzeugaxt herum, deren Herausforderung in Rock Band 3 nicht ganz so hoch ausfällt wie sonst. Die mit 83 ikonischen Rock-Hits geschmückte Songliste schrubbelt man im klassischen Arcade-Spielablauf ohne großen Aufwand durch, weil die Musikauswahl hauptsächlich zugunsten der Pro-Instrumente zusammengestellt wurde. Jeder Song beinhaltet eine kleine Lektion für Gitarre, Bass und Keyboard, mit der Klötzchenklampfer jedoch nichts anfangen können.

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Nicht vom Beckenrand springen.
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Die große Ausnahme tritt nur ein, wenn man sich dazu entscheidet, die vereinfachte Variante des Keyboard-Sytems auszukosten, die ebenfalls auf fünf Farben setzt und sich sehr ähnlich spielt wie auf der Arcade-Gitarre. Perlen vor die Säue, aber immerhin ein noch einfacherer Weg, sich langsam an das Instrument heranzutasten. Zumal alle DLC- und Disc-Export-Songs aus der Zeit vor Rock Band 3 keine Pro-Keyboard-Notation mitbringen. Eine begrenzte Auswahl wird wohl im Laufe des nächsten Jahres aufgewertet, aber bis dahin kann man die Songs von Queen, Boston, Journey und Co. nur dann mit dem Keyboard angehen, wenn man den Bass oder Gitarrenanteil übernimmt.

Auch auf feucht-fröhlichen Partys wird der vereinfachte Keyboard-Modus höchstwahrscheinlich den Vortritt haben. Auf einer launigen Feier bleibt Unbeleckten schlichtweg keine Zeit, sich mit der anspruchsvollen Variante auseinanderzusetzen. Gleiches gilt für die Pro-Gitarre. Auf Partys sollten höchstens fortgeschrittene Saitenkönige an das komplexe Instrument gelassen werden, sonst wird es schnell peinlich.

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Ein- und aussteigen können die anderen Spieler jederzeit.
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Fällt deswegen ein Spieler weg, kann er sich in Rock Band 3 jedoch einfach ausklinken, ohne den Betrieb aufzuhalten. Ein Druck auf den Startknopf öffnet ein persönliches Untermenü, in dem nicht nur diverse Modifikatoren zugeschaltet werden können, sondern auch die Option zum Ein- oder Ausstieg bereitsteht. Diese sogenannte Overshell ist permanent zugänglich, egal ob im Quickplay oder in der ausladend langen Karriere. Nur der Trainer bleibt ein Solovergnügen.

Im Gegensatz zum Vorgänger verschont euch Rock Band 3 jedoch mit einer elendig langen Tournee und vorgeschriebenen Setlisten. Ihr könnt euch die Musik, mit der ihr die über 600 spielinternen Herausforderungen meisten wollt, selbst aussuchen. Das geht so weit, dass ihr keinen einzigen Song von der Disc spielen müsst, sondern gegebenenfalls voll auf DLC und Export-Tracks setzt. Gefällt euch ein Musikstück nicht, könnt ihr es zudem meiden, indem ihr dem Track eine schlechte Bewertung verpasst. In dem Fall wird er aus Zufalls-Setlisten ausgeschlossen.

Wo ihr eure Sporen verdient, ist allerdings völlig egal. Im ungezwungenen „Quickplay“ häuft ihr genauso Fans an wie in den diesmal kurz gehaltenen Tour-Challenges, für die ihr gewisse Sonderaufgaben erledigt. Darunter zum Beispiel das Halten langer Notenserien oder das Sammeln möglichst vieler Punkte mit dem Overdrive-Multiplikator.

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Die Wii-Version schneidet technisch natürlich am schwächsten ab, dafür ist der Import der alten Lieder am einfachsten.
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Weitere Ziele, sei es das Erreichen von 90% und mehr bei einem Song auf vorgegebenem Schwierigkeitsgrad, das Retten von Bandmitgliedern oder das perfekte Singen mit anderen Spielern im dreistimmigen Chor, können zu jeder Zeit erreicht werden, solange das rettende Netz des „Kein-Pfusch-Modus“ abgeschaltet ist. Wie üblich verhindert diese Sonderfunktion, dass ihr bei einer Performance rausfliegt, selbst wenn ihr euren Teil komplett vergeigt. Logischerweise wird dann aber auch nichts gespeichert, weder Highscores noch vermeintlich erreichte spielinterne Errungenschaften.

Ebenfalls positiv vermerkt haben wir die neue Punkteregelung. Von nun an bekommt jeder einzelne Spieler einer Band eine eigene Punktzahl und massenweise aufgeschlüsselte Daten zu seiner Darbietung. Auf diese Weise können Einsteiger den Profis nicht mehr durch mieses Spiel die Highscore versauen.

Party-Power

Ein wahrer Geniestreich ist Harmonix allerdings mit dem All-Instrument-Modus gelungen, mit dem man auf allen drei Konsolen sieben Spieler vor dem Bildschirm versammeln kann, obwohl Wii und Xbox 360 eigentlich nur vier Spieler auf einmal zulassen. Der Trick besteht darin, die drei Mikrofone für Sänger als erstes mit einem Joypad anzumelden, selbiges aber gleich zu deaktivieren und die anderen Instrumente nachrücken zu lassen.

Einziger Nachteil: In dieser Spielvariante können Sänger nicht bewertet werden. Aber immerhin wurde die Spielerzahl bis aufs Äußerste ausgereizt. Pro- und Fake-Instrumente können beliebig gemischt werden, aber jeder Instrumenttrack wird nur einmal belegt, sprich: Nur ein Teilnehmer kann Gitarre schrubbeln, alle anderen müssen Bass, Kebyboard oder Schlagzeug spielen. Ob Fünf-Knopf-Variante oder mit Pro-Notation, das spielt keine Rolle.

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Das Übertragen der Musikbibliothek ist auf allen Systemen einfach.
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In allen anderen Modi rockt ihr maximal zu sechst - drei Sänger, drei Instrumente, wobei nur der Schlagzeuger als Stammgast zählt. Für Gitarre, Bass und Keyboard stehen nur zwei Plätze bereit, wodurch eines für die aktuelle Sitzung den Hut ziehen muss. Bedauerlich, aber aus mehreren Gründen vorerst nicht zu ändern.

Mit einer Bibliothek von über 2000 Songs, die sowohl für Möchtegern-Rocker als auch für Pro-Anwärter wöchentlich erweitert wird, bleiben dennoch keine Wünsche offen, wenn es um den Musikgenuss geht. Selbst die Songs der Vorgängerspiele werden ohne Murren auf die Festplatte geschaufelt und in die Karriere eingebunden. Für den Export von Rock Band 2 geben Xbox-360-Besitzer einfach die ersten 16 Zeichen (ohne Bindestriche) des 25-stelligen Codes RB2-Anleitungsrückseite ein. Playstation-3-Besitzer holen sich hingegen auf der Harmonix-Webseite einen Download-Voucher ab.

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Pro-Bass-Tabulatur spielt man auf den ersten vier Saiten der Gitarre.
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Wii-Spieler haben es am einfachsten: Entdeckt Rock Band 3 einen Spielstand vom Vorgänger auf eurer Nintendo-Kiste, wird das herunterladbare Exportpaket automatisch zum Download freigegeben. Allerdings kostet euch die Verlängerung der Nutzungsrechte auf allen Konsolen einmalig zehn Euro und den Verlust von fünf Songs, die den Sprung nicht schaffen. Alle anderen Discs, die ihr zuvor exportiert habt, werden automatisch von der Festplatte übernommen, wobei auch hier zwei weitere Songs nicht in Rock Band 3 genutzt werden können, nämlich „Dani California“ von den Chili-Peppers und „Hier kommt Alex“ von den Toten Hosen. Beide Titel stammen aus Rock Band 1.