Filmumsetzungen sind in der Theorie eine tolle Sache. Als Spieler darf man das liebgewonnene Kino-Abenteuer seiner Helden in digitaler Form selbst erleben – natürlich 100% vorlagengetreu. Leider weiß jedoch mittlerweile jeder auch nur halbwegs erfahrene Gamer, dass in der Praxis bei derlei Versoftungen meist nicht viel mehr als übler Lizenzschrott herauskommt.

Publisher Vivendi hat es sich jedoch zum Ziel gesetzt, diese Regel zu brechen. Mit einem jungen Entwickler-Team, das nicht durch einen zeitgleichen Kinostart unter Druck gesetzt wird, und jeder Menge NextGen-Power im Rücken soll „Das Bourne Komplott“ die Filmumsetzungen aus der Krise holen. Auf Bourne-Darsteller Matt Damon musste man jedoch verzichten. Der hatte keine Lust, dem Spielcharakter sein Konterfeit zu leihen. Ein böses Omen?

Robert Ludlum's Das Bourne Komplott - Launch Trailer14 weitere Videos

„Vermasseln sie’s nicht, Bourne“, faucht uns eine deutlich verärgerte, aber dennoch sorgenerfüllte Stimme über die winzigen Funk-Kopfhörer im Ohr zu. Dabei ist das leichter gesagt, als es sich tatsächlich umsetzen lässt: Im Halbdunkeln einer nahen Laterne kauern wir, bespitzeln ein Gespräch in der Ferne – umgeben von schwer bewaffneten Wachen und Leuten, die Zeugen oder gar Agenten in geheimer Mission gar nicht ausstehen können.

Robert Ludlum's Das Bourne Komplott - Von der Leinwand auf die Konsolen: Bricht Bourne den Fluch der Filmumsetzungen?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/8Bild 55/621/62
Der Feind naht, Bournes Herzschlag kommt beinahe zum Erliegen - jetzt bloss nicht erwischen lassen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Dann plötzlich ein gellender Schrei. Verdammt, man hat uns entdeckt. Als wäre ein kaum hörbarer Startschuss gefallen, bricht eine Kakophonie aus surrenden Gewehrkugeln, Explosionen und Alarmsirenen über uns herein. Und Bourne mittendrin. Hinter einer einfachen Holzkiste geduckt, schießen wir in kleinen Salven aus der Deckung. Doch auch unsere Gegner sind schlau, ducken sich, verbergen ihren Körper hinter Fässern.

In repetitiver Mission

Wir müssen gezielt schießen. Nichts wäre schlimmer als ein leeres Magazin in dieser schier ausweglosen Situation - außer die Deckung fällt in sich zusammen. Nach mehreren Schrotladungen direkt ins Herz der maroden Holzkiste liegen dort, wo einst der solide Kasten stand, plötzlich nur noch Splitter. Das war’s dann wohl. Doch wir haben noch eine schlagkräftige Alternative in der sprichwörtlichen Handkante, die uns das Leben retten kann.

Robert Ludlum's Das Bourne Komplott - Von der Leinwand auf die Konsolen: Bricht Bourne den Fluch der Filmumsetzungen?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden7 Bilder
Derbe auf's Gesicht: Wenn Bournes Waffen nicht mehr helfen, lässt er die Fäuste oder Füße sprechen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Derart entblößt bleibt uns nur eines: frontaler Angriff. Wutentbrannt stürmt Jason Bourne auf den nächstgelegenen Gegner zu, reißt ihm die Waffe aus der Hand und schlägt ihm mit dem Gewehrkolben blutig ins Gesicht. Der bullige Riese geht mit einem lauten Krachen zu Boden, doch Zeit zum Verschnaufen bleibt nicht: Ein Gastank wurde bei unserer wilden Schießerei getroffen und steht kurz vor der Explosion – doch einen beherzten Sprung in die rettende Deckung eines VW-Kombis später hat Bourne seine erste Mission erledigt.

Schade um das Potenzial: Anfangs sehr unterhaltsam ergeht sich die flotte Agentenjagd schnell in generisch- tumben Knöpfchendrückereien.Fazit lesen

Verdammt, man hat uns entdeckt. Als wäre ein kaum hörbarer Startschuss gefallen, bricht eine Kakophonie aus surrenden Gewehrkugeln, Explosionen und Alarmsirenen über uns herein. Und Bourne mittendrin. Hinter einer einfachen Holzkiste geduckt, schießen wir in kleinen Salven aus der Deckung. Doch auch unsere Gegner sind schlau, ducken sich, verbergen ihren Körper hinter Fässern.

Robert Ludlum's Das Bourne Komplott - Von der Leinwand auf die Konsolen: Bricht Bourne den Fluch der Filmumsetzungen?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/8Bild 55/621/62
Huppps...hatten wir das nicht eben schon einmal?
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wir müssen… Moment mal. Hatten wir dieses Thema nicht ungefähr 20 Zeilen früher längst abgehakt? Hatten wir! Aber so ist das eben mit „Das Bourne Komplott“ – ein Deja vu jagt das nächste. Oder anders gesagt: Während zu Beginn der adrenalingetränkten Filmumsetzung noch Begeisterung und Vorfreude ob der rasanten Inszenierung und der mehr als gelungenen Präsentation vorherrschen, macht sich nach gut einer Stunde nur noch Ernüchterung breit.

Schema F statt Triple-X

Denn scheinbar ist den Herren Spieldesignern neben einigen wenigen Ausnahmen schon in der Konzeptionsphase die kreative Puste ausgegangen. Und das, obwohl der spannende Mix zunächst gehörig Spaß macht. Hier ein wenig „Uncharted“ (Schusswechsel), da etwas „God of War“ (Quicktime-Actions) und eine Prise „Rocky“ (Prügelszenen) gibt’s obendrein – fertig ist der schmackhafte Action-Cocktail.

Robert Ludlum's Das Bourne Komplott - Von der Leinwand auf die Konsolen: Bricht Bourne den Fluch der Filmumsetzungen?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden7 Bilder
Und nochmal aus einer anderen Perspektive: Die Spielabläufe bleiben bis zum Schluss immer gleich.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Doch leider kommen die guten Ideen über endlos ausgewalzte Wiederholungen nicht hinaus. Die Abläufe sind stets gleich: Ballern, Prügeln und dazwischen das Knöpfchendrücken nicht vergessen – fertig ist eine Bourne-Mission. Ab dem ersten Level ändert sich an diesem Schema quasi gar nichts mehr. Und mit dem Spieldesign verhält es sich eben ähnlich wie mit einem Weihnachtsgeschenk: Auch wenn’s schön aussieht, der Inhalt muss stimmen.

Willkommene Abwechslung vom immer gleichen Missionseinerlei gibt es nur selten. Richtig spannend wird es z.B. wenn sich Bourne im späteren Spielverlauf ein knallhartes Katz und Maus-Spiel mit einem gegnerischen Treadstone-Agenten liefert oder mit einem Mini durch die Straßen von Paris brettert. Die Fahrphysik weiß hier zwar nicht unbedingt zu gefallen, Spaß macht das kurze Intermezzo aber trotzdem.

Robert Ludlum's Das Bourne Komplott - Von der Leinwand auf die Konsolen: Bricht Bourne den Fluch der Filmumsetzungen?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/8Bild 55/621/62
Die Ballereien erinnern dank Deckungssystem und flotter Inszenierung an Uncharted.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Für gewöhnlich sehen Bournes Aufträge nämlich so aus: Jemand war böse und ihr beseitigt ihn! Mit gezogener Waffe stürmt der Spieler also in ein Lagerhaus, Gerichtsgebäude oder den nächstgelegenen U-Bahnhof und mäht dann alles nieder. Eingeleitet werden die Missionen durch kurze Cut Scenes, die nur lose an den ersten Film angelegt sind. Leider wirken diese (ähnlich wie die Kinovorlage) arg gehetzt und stiften eher Verwirrung, statt für Klarheit zu sorgen.

Fachgerechte Zertrümmerung

Gerät Bourne in die Fänge der Schergen, lässt der gedankenverlorene Top-Agent lieber die Fäuste statt der Waffen sprechen. Wirklich anspruchsvoll ist das Gerangel allerdings nicht: Mit lediglich zwei Schlag- und einer Blocktaste fällt das Angriffsrepertoire recht gering aus, echte Kombos sucht man ebenfalls vergebens. Angesichts der schieren Fülle dieser Box-Sequenzen kommt so natürlich relativ schnell Monotonie auf.

Robert Ludlum's Das Bourne Komplott - Von der Leinwand auf die Konsolen: Bricht Bourne den Fluch der Filmumsetzungen?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden7 Bilder
Während der Nahkampf-Takedowns schmettert Bourne seine Gegner durch das komplette Mobiliar.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Dafür sind die Faustkämpfe optisch erstklassig inszeniert: Die Kamera zoomt dann direkt an die Schläger heran. Besonders spektakulär sind aber die Nahkampf-Takedowns. Aktiviert man bei genügend gefülltem Adrenalinbalken diesen Finishing Move, legt Bourne richtig los, wirft den Gegner gegen Wände, schlägt deren Köpfe auf umstehende Tische oder zertrümmert das Mobiliar fachgerecht auf dem Rücken des Opponenten.

Damit das Spielprinzip nicht allzu schnell in die Beliebigkeit abdriftet, haben die Entwickler die derzeit sehr beliebten Quicktime-Actions eingebaut. Will heißen: Erledigt Bourne mehrere Gegner gleichzeitig, will einer Kugel ausweichen oder aus einem brennenden Fester springen, läuft die dazugehörige Animation selbstständig ab. Der Spieler muss nun lediglich die passende Taste im richtigen Augenblick drücken. Leider verkommen aber auch diese Aktionen mit der Zeit zur stumpfen Routine.

Kaum Zeit zum Luftholen

Was bleibt, ist also ein im Grunde gut erdachter, letztlich aber zu schludrig ausgeführter Action-Thriller. Schnell zeigt sich: Was im Kino für knappe zwei Stunden funktioniert, lässt sich nur schwer auf das Spiel transportieren. Das extrem hohe Tempo mit seinen erbarmungslosen Dampfhammer-Actionmomenten lässt kaum Raum zum Luftholen und übersättigt so bereits nach kurzer Zeit.

Robert Ludlum's Das Bourne Komplott - Von der Leinwand auf die Konsolen: Bricht Bourne den Fluch der Filmumsetzungen?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/8Bild 55/621/62
Witzig: Die spaßige Fahrt im Mini sorgt für kurzweilige Abwechslung.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Sehr gut gelungen ist die technische Umsetzung: Der Originalsoundtrack hämmert ebenso treibend und rockig aus den Boxen wie im Kino, die Synchronsprecher (inklusive der deutschen Stimme von Matt Damon) machen ihren Job durchweg gut und die optische Präsentation weiß – abgesehen von einigen verbuggten Animationsstufen und manch trister Textur - meist zu gefallen.

Erwähnen sollte man zudem die „Besonderheiten“ der deutschen Fassung: Da die FSK der ungeschnittenen Fassung die Freigabe verweigerte, liegt „Das Bourne Komplott“ nun notgedrungen in einer gekürzten Version in den Läden. Neben den Ragdoll-Effekten der Leichen und einigen Litern Pixelblut fehlen beim deutschen Bourne auch explizitere Takedown-Sequenzen und das Knacken beim Genickbruch.