Ein Spiel, dessen Name viele Zocker gar nicht erst aussprechen können - ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Im Falle von "Robert D. Anderson & Das Erbe Cthulhus" ein ganz und gar schlechtes, so viel sei an dieser Stelle verraten. Was der "Fan-made" Ego-Shooter auf den Bildschirm "zaubert", haben wir schon vor zehn Jahren in besserer Optik gesehen.

Damit ist der Titel fast so schlimm wie Blind-Dates mit dubiosen Online-Bekanntschaften. Deren Aussehen hat gemeinhin so viel Ähnlichkeit mit im Vorfeld gezeigten Bildern, wie Heidi Klum mit Angela Merkel. Aber gut, man lernt dazu! Da wir bereits zu Beginn des Artikels abschweifen und unserem Bildungsauftrag nichtsdestotrotz nachkommen wollen, verraten wir euch erst einmal die Hintergründe Cthulhus. Unser Dank gilt Wikipedia!

"Beim Cthulhu-Mythos handelt es sich um einen auf den amerikanischen Horrorautor H. P. Lovecraft zurückgehenden fiktiven Mythos, dessen wichtigster Bestandteil von im fiktiven Buch Necronomicon beschriebenen interdimensionalen Wesen mit übernatürlichen Kräften gebildet wird. Diese Wesen werden von Lovecraft als die "Alten" oder die "Großen Alten" bezeichnet.

Robert D. Anderson & Das Erbe Cthulhus - Die Story ist zum Gruseln, das Spiel leider auch.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 4/81/8
Ein Blick in den mystischen Himmel: Da wären wir lieber als im Spiel selbst.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Sie stammen aus weit entfernten Teilen der Galaxie oder sogar des Universums und unterliegen Naturgesetzen, die sich der menschlichen Vorstellungskraft entziehen. Nach menschlichen Maßstäben verfügen sie über eine gottgleiche Macht und scheinen unsterblich zu sein." (Quelle: Wikipedia)

Klingt abgedreht? Ist es auch! Horror-Fans und Liebhaber mystisch angehauchter Geschichten mit einer dicken Prise Übersinnlichem schwören aber seit Jahrzehnten auf den Mythos mit dem unaussprechlichem Namen. Also muss "Robert D. Anderson & Das Erbe Cthulhus" irgendwie toll sein. Oder doch nicht?

Öde Vergangenheitsbewältigung
Da ihr jetzt unendlich viel schlauer seid, verwöhnen wir euch gleich noch mit der Hintergrundgeschichte zum Spiel, die dem eingangs erwähnten Cthulhu-Mythos zugrunde liegt. In Gestalt des New Yorker Privatdetektivs Robert D. Anderson - "Alone in the Dark" lässt grüßen - reist ihr in den Kriegswirren der 1940er Jahre nach Bayern auf eine Burg.

Dort erhofft ihr euch, Hinweise auf eure nebulöse Vergangenheit zu finden. Statt der Infos findet ihr allerdings in erster Linie Horden wild gewordener, okkulter Nazis. Die gehen euch direkt an die amerikanische Gurgel, was wiederum in deftigen Schießereien endet.

Robert D. Anderson & Das Erbe Cthulhus - Die Story ist zum Gruseln, das Spiel leider auch.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 4/81/8
Eine Frau in einem Energiefeld. Spannend? Definitiv nicht!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zu allem Überfluss entdeckt ihr Geheimnisse über die Herbeirufung der "Alten". Das sind nicht etwa senile alte Säcke mit Hang zum Größenwahn, sondern die in der Einleitung beschriebenen interdimensionalen Wesen mit göttergleichen Kräften. So bleibt euch in 15 spielerisch langweiligen Kapiteln nichts anderes übrig, als dem Treiben ein Ende zu bereiten und herauszufinden, wie ihr in die Sache verstrickt seid. Zugegeben, so richtig langweilig klingt das nicht. "Robert D. Anderson & Das Erbe Cthulhus" zeigt aber in bestechender Weise, wie Anspruch und Realität oder Theorie und Praxis auseinander gehen können.

Auf der Suche nach Spielspaß…
"Robert D. Anderson & Das Erbe Cthulhus" ist ein Ego-Shooter aus dem Lehrbuch. Und zwar meinen wir den Schmöker, in dem steht, welche Fehler Spieldesigner unbedingt vermeiden sollten. Die grottige Optik und die schrecklichen Animationen lassen wir dabei sogar außen vor. Schließlich ist das Spiel ein Fanprojekt und kann deshalb per se nicht mit Grafikfeuerwerken mithalten.

Sehr wohl sollte man als Spieler aber ein ordentliches Leveldesign erwarten dürfen. Hier nicht. Sämtliche Karten bestehen aus detailarmen Räumen mit Minimalmöblierung, in denen Gegner zuhauf darauf warten, von euch abgeballert zu werden. Deren Künstliche Intelligenz rangiert auf dem Niveau verhaltensgestörter Weinbergschnecken.

Robert D. Anderson & Das Erbe Cthulhus - Die Story ist zum Gruseln, das Spiel leider auch.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 4/81/8
Vor Trauer gestorben. Das Skelett hat wohl zu viel Robert D. Anderson & Das Erbe Cthulhus gespielt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Mit diesem Tempo bewegen sich die Widersacher übrigens auch zur Seite, in Deckung oder eben direkt in eure Schusslinie. Spannende Scriptereignisse, spektakuläre Physikeffekte oder sonstige Eyecatcher, die für Motivation sorgen könnten, sind ebenfalls Fehlanzeige. Damit habt ihr nach dem bisher Geschilderten wohl aber sowieso nicht gerechnet.

…nicht fündig geworden
Was gibt es sonst noch zu sagen? Das Waffenarsenal erfüllt den Genrestandard. Ihr zersiebt Nazischergen und Monster mit Revolver, Pumpgun oder säbelt euch mit einer Axt durch die Meute. Im Verlauf der 15 frei wählbaren Kapitel lernt ihr gar das Zaubern und feuert beispielsweise vernichtende, schwarze Energiebälle aus euren Händen.

Die übernatürlichen Fähigkeiten erleichtern euch den Überlebenskampf leider nur bedingt. Denn trotz Schmalspur-KI ist "Robert D. Anderson & Das Erbe Cthulhus" höllisch schwer. Die Gegner treffen euch aus zig Metern Entfernung pixelgenau, Lebensenergie-Kanister finden sich viel zu selten in den Levels.

Robert D. Anderson & Das Erbe Cthulhus - Die Story ist zum Gruseln, das Spiel leider auch.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 4/81/8
Traute Einsamkeit vor einem sündhaft teuren Kamin. Das Schicksal des gemeinen, in Reichtum schwelgenden gamona-Redakteurs.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Erschwerend hinzukommt, dass ihr euch in einer permanenten Munitionsarmut befindet. Vier, fünf Fehlschüsse und euch bleibt oft nichts anderes übrig, als den Spielstand neu zu laden und die Feinde diesmal direkt zu erwischen. Die heilige Fibel der "1000 eklatanten Gameplay-Fehler" nennt das "miserables Balancing", wir auch! Zuletzt noch der Hinweis, dass ihr während der Ladepausen zwischen den Kapiteln gerne einen Kaffee trinken gehen könnt. In diesem leidigen Thema zieht "Das Erbe Cthulhus" durchaus gleich mit Genre-Knallern der Marken "Doom 3" und "Far Cry". Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten.