Risen 3: Titan Lords (hier geht es zum Test des Hauptspiels) erhält dieser Tage eine Enhanced Edition für die PS4, und natürlich steht bei solchen Projekten immer die Frage im Raum: Wer braucht sowas? An wen richtet sie sich? Risen 3 ist ja nun ohnehin schon kein Spiel, das durchweg gute Wertungen eingefahren hat. Mir persönlich hatte es damals gefallen. Tatsächlich auch und nicht zuletzt wegen seines Looks.

Risen 3: Titan Lords – Enhanced Edition - PS4 TrailerPS4

Nein, eine Schönheit war es nicht, nicht auf technischer Ebene. Die Grafik war alles andere als Höchstmaß und top notch. Doch der Stil lag mir sehr und die Welt empfand ich als lebendig. Solche Dinge helfen zumindest mir bei der Immersion mehr als alle PhysX-Effekte und Schattenspielereien der Welt. Risen 3 war piratisch und tropisch, andernorts wieder düster und gotisch, eine insgesamt lohnende Erfahrung.

Einen Fehler hatte ich allerdings gemacht: ich hatte es auf dem PC gespielt. Versteht mich nicht falsch, mit der PC-version war alles in Ordnung. Aber das ist genau das Problem: Wer Risen 3 zuvor auf einem starken Rechner gespielt hat, der ist beim Einlegen der neuen Version höchst unterwältigt. Entgegen dem, was der mitgelieferte Werbetext sagt, übertrifft die Grafik auf der PS4, zumindest im Gesamtlook, nicht die höchsten Einstellungen auf dem PC. „Wie auch?“, werden jetzt viele zurecht fragen.

Risen 3: Titan Lords – Enhanced Edition - Hübsch hässlich, hässlich hübsch?

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Ja, Risen 3 sieht besser aus als auf der letzten Konsolengeneration, ist ja klar. Aber reicht das?
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Nun, Piranha Bytes haben sich nicht lumpen lassen und nochmal nachgelegt für die aktuelle Version. Neue Post-Processing-Effekte soll es geben, vor allem habe man am Wetter geschraubt: Wolkendecken mögen einem jetzt den Atem nehmen, Sonnenuntergänge zu Weinkrämpfen oder spontanen Heiratsanträgen führen. Eigentlich sollten aber Veteranen wie Piranha Bytes wissen, dass eine so vereinzelte Komponente im Gesamtaussehen eines Spiels viel mehr eine Nuance als eine Revolutionierung des Looks ist.

Und so stellt sie sich dann auch dar, die neue Version. Um die Wolken wahrzunehmen gibt es natürlich kaum einen besseren Ort als die Donnerinsel Tanaris, an deren Himmel ein gigantischer Nexus aus Stürmen und Blitzen in einen schwarzen Schlund gezogen wird. Wenn man mal darauf achtet, dann sieht das auch wirklich hübsch aus. Aber eben nur, wenn man wirklich drauf achtet, es ist eben Nuance. So auch der Tag-Nachtwechsel. So die wippenden Palmen der Dschungelinsel Kira. So die dämonisch grünen Feuer von Calador Sie tragen zum Gesamtbild bei, und doch sind alle Änderungen zu subtil, um den Gesamteindruck zu früher maßgeblich zu verändern.

Packshot zu Risen 3: Titan Lords – Enhanced EditionRisen 3: Titan Lords – Enhanced EditionErschienen für PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Auch ansonsten muss sich Titan Lords in seiner neuesten Inkarnation nicht verstecken. Auflösung und Anti-Aliasing gehen Hand in Hand, um Gezacke und Kantenflimmern in nahezu allen Fällen auszumerzen, die Lichteffekte sind durchaus sehr tauglich, was man vor allem beim Zaubern gut sieht und das Wasser... nun, das Wasser ist keine Schönheit, nach wie vor. Nicht potthässlich oder so, aber man ist eben im Spielebereich mittlerweile besseres gewohnt. Ist ja insgesamt ein Urteil, das sich Risen 3 in mehr als einer Hinsicht anhören muss.

Risen 3: Titan Lords – Enhanced Edition - Hübsch hässlich, hässlich hübsch?

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Wer Risen 3 noch gar nicht gespielt hat und neugierig ist, sollte spätestens jetzt zuschlagen.
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Denn Risen 3 wirkt ästhetisch nicht durch Technik, auch nicht so sehr durch Stil, sondern vielmehr durch den cleveren Einsatz von beidem, obwohl beides eine Gratwanderung und Kompromisslösung ist. Es ist, jetzt wie vorher, eine Michung und Verwertung aus dem, was man hat, die für manch einen Spieler besser oder schlechter funktioniert. Die Vorstellung, noch eine ganz neue Spielerschaft mit dieser Version wortwörtlich ins Boot zu holen, falls die Illusion bestand, kann man sich weitestgehend abschminken.

Nur diejenigen, die bislang Risen 3 entweder gar nicht oder auf einem saualten PC gespielt haben, haben einen richtigen Mehrwert durch die neue Edition – einer, der im Idealfall noch dadurch gewürzt wird, dass nun die drei großen DLCs des Spiels noch beiliegen. Wer es auf einem guten PC gespielt hat, kann sich die neue Version schenken bzw. eben nicht schenken, denn wozu das Ganze nochmal? Und wer es auf einer älteren Konsole oder einen mittelguten Rechner hatte? Nun, Wunder sollte derjenige nicht erwarten – war er ein großer Fan, dann ist das neue Paket vielleicht einen günstigen Kauf wert, ansonsten aber wie alle Ports nach oben: nicht weiter der Rede wert.