Ich kann mich noch gut an die erste Pressekonferenz zu Risen auf der Games Convention 2008 in Leipzig erinnern. Piranha Bytes hatte zuvor heftige Kritik wegen Gothic 3 einstecken müssen, gelobte jedoch Besserung: "Die Spieler haben sich völlig zu Recht beschwert: So etwas darf unter keinen Umständen mehr passieren", gab Mastermind Kai Rosenkranz zu Protokoll. Da wir immer zuerst an das Gute im Menschen glauben, nahmen wir dem deutschen Entwicklerteam dieses Versprechen natürlich ab. Doch Worten müssen Taten folgen.

Seitdem haben wir Risen bereits mehrmals in verschiedenen Entwicklungsstadien gesehen und regelmäßig darüber berichtet, doch nun durften wir erstmals selbst ausführlich mit einer Preview-Version herumhantieren und geben unsere Erfahrungen direkt an euch weiter.

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Ein guter, alter Bekannter

Risen vermittelt von Beginn an das vertraute Gefühl, einem alten Bekannten gegenüberzustehen. Es ist so, als nehme man eines seiner Lieblingsbücher aus dem Regal. Es hat zwar schon ein wenig Staub angesetzt, der Inhalt fesselt einen aber nach wie vor. So wie damals, als man zum ersten Mal damit in Berührung kam.

Risen - Ausführlich angespielt: das Rollenspiel der Gothic-Macher

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Die hemdsärmligen, rauen Dialoge machen das Rollenspiel liebenswert.
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Wie schon in den Gothic-Episoden schlüpft man auch bei Risen in die Haut eines namenlosen Abenteurers, der ohne Kenntnis seiner Vergangenheit als Schiffbrüchiger an einen Strand gespült wird. Als einer der wenigen Überlebenden ist es euch überlassen, ein von verschiedenen Mächten kontrolliertes Eiland eingehend zu erkunden, die Bewohner kennen zu lernen, Quests anzunehmen und damit die Geschichte voranzutreiben.

Auch in Risen ist die erschaffene Spielwelt frei erkundbar und gespickt mit non-linearen Questabläufen, die euch viele Freiheiten lassen. Die mysteriöse Hintergrundgeschichte wird dabei in erster Linie durch die vielen Dialoge vorangetrieben, in denen man fast immer mehrere - ganz wichtig: unterschiedliche - Antwortmöglichkeiten hat. Offiziell nennt man dieses System "multiple Linearität". Damit soll ausgedrückt werden, dass Antworten und Entscheidungen des Spielers eine große Auswirkung auf den Spielablauf haben.

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Bei Ausbildern baut man die Fertigkeiten seines Helden aus, sofern man über die nötigen Punkte und Geldmittel verfügt.
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Außerdem nehmen sie Einfluss auf die Beziehung zu den unterschiedlichen Fraktionen der Insel. So gestalten sich Spielerlebnis und –ablauf in auffallendem Maße anders, je nachdem ob wir uns anfangs der Inquisition, den Räubern oder den Magiern anschließen. Konversationen sind auch in Risen geprägt von Piranha Bytes´ Trademarks wie rauer Sprache und Sarkasmus. Sprüche wie "Alter, jetzt guck dich doch mal um hier! Sieht das hier wie das Paradies aus, oder was?", sind typisch für die hemdsärmlige, aber sehr liebenswerte Art der Kommunikation.

"Schuster, bleib bei deinen Leisten"

Nach dem "Schuster, bleib bei deinen Leisten"-Prinzip verfahren die Piranhas auch im Bereich Kampfsystem, wo sich im Vergleich zu Gothic 3 scheinbar nur wenig geändert hat. Allerdings handelt es sich in der Preview-Version wohl noch nicht um die endgültige Fassung des Kampfsystems.

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Die Verteilung der Lernpunkte beeinflusst das Kampfsystem direkt und damit auch die Waffenwahl.
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Wie bereits in Gothic 3 wird man immer wieder von plötzlich aus dem Hinterhalt angreifenden Feinden getriezt (Wildschweine!), deren Gefährlichkeit sich an keinerlei Anzeigen ablesen lassen. Wenn man Glück hat, ist man stark genug und haut den Widersacher aus den Latschen. Andernfalls beißt man ins Gras und zwar schneller, als man wegrennen kann.

Nach wie vor initiiert man einfache Attacken mit der linken Maustaste, während man mit der rechten Taste blockt oder ausgefeiltere (Konter-)Hiebe startet. Damit diese speziellen Fertigkeiten tatsächlich effektiv eingesetzt werden können, benötigt man jedoch nicht nur einiges an Geschicklichkeit, sondern auch viel Glück. So soll man für eine effektive Kampfführung die "Körpersprache" seiner Feinde lesen. In der Praxis fällt es jedoch zum jetzigen Zeitpunkt auch nach einigen Stunden Spielzeit sehr schwer, hier ein ideales Timing zu entwickeln.

Risen ist wie ein guter, alter Bekannter, dem die Piranha-Abstammung sofort anzumerken ist.Ausblick lesen

Je mehr Fertigkeitspunkte man in eine Disziplin steckt, desto mehr Einfluss hat dies auf die zur Verfügung stehenden Kampftechniken und die Waffenwahl - bis hin zu spektakulären Spezialmanövern und deren Animation.

Aufgeräumtes Inventar

Einen sehr aufgeräumten und übersichtlichen Eindruck hinterlässt nicht nur das Interface, sondern auch das Inventar, das erneut ein schier unendliches Fassungsvermögen aufweist. Und das ist höchst willkommen, schließlich gibt es nichts Ärgerlicheres, als mitten in der Wildnis mit einem prall gefüllten Rucksack auf eine Schatztruhe zu stoßen, deren Inhalt sich nicht mehr verstauen lässt.

Ein wenig antiquiert wirkt hingegen das Einsammeln all der größeren und kleineren Kostbarkeiten. Dass man nicht jede sichtbare (Heil-)Pflanze auf dem Screen per simplem Knopfdruck aufheben kann, macht für ein Rollenspiel durchaus Sinn. Wenn man jedoch nach jedem Kampf erst diverse Klicks auf dem Bildschirm verrichten muss, um auch noch den letzten Gegenstand einzusacken, verweist man lieber auf Konkurrenten wie Divinity 2, die das deutlich intuitiver und moderner hinbekommen.

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Dank großem Inventar lassen sich auch größere Schatzkisten jederzeit plündern.
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Unsere Vorabversion lief jedoch bereits zum jetzigen Zeitpunkt sehr stabil, Abstürze hatten wir während der gesamten Spielzeit keine zu verzeichnen. Optisch lehnt sich Risen an den Stil von Gothic 3 an und erinnert an die Genome 3-Engine, von der das Rollenspiel damals angetrieben wurde.

Allerdings wurde Risen in vielen Details aufgehübscht, vor allem sorgen Licht- und Schattenspiele sowie Partikeleffekte nun für noch mehr Atmosphäre und bereiten viele idyllische Impressionen. Einen sehr guten Eindruck hinterlässt bereits jetzt die Vertonung, die das grobschlächtige Ambiente glaubhaft rüberbringt.