Lara Croft ist eine Ikone unserer Videospielzeitrechnung. Durch das 1996 veröffentlichte Tomb Raider hat sie das Action-Adventure-Genre revolutioniert und sich mit ihren polygonalen Kurven nicht nur in das Gedächtnis von (damals) pubertierenden Kids gebrannt, sondern auch die Popkultur geprägt. Wir haben Schatzgräber gespielt und einige interessante Fakten rund um die taffe Grabräuberin ausgegraben.

Was taugt Laras neues Abenteuer? Lest es in unserem "Rise of the Tomb Raider"-Test.

Lara existiert!

Kein Scherz, Lara Croft existiert wirklich. Allerdings nicht als draufgängerische Archäologin, sondern als Bewohnerin der britischen Stadt Derby. Wieso? Weshalb? Warum? Ganz einfach: Nachdem das Konzept zum ersten Tomb Raider bei Entwickler Core Design stand, brauchte ihre weibliche Protagonistin noch einen passenden britischen Namen. Aus Ermangelung zündender Ideen wurde kurzerhand das örtliche Telefonbuch zu Rate gezogen. Nach ein wenig Blättern und Diskutieren fiel die Wahl auf Lara Croft, die im gleichen Ort wie Entwicklerstudio Core Design ansässig war.

Mythen, Musik und Polygone - 10 unfassbar fassbare Fakten zu Tomb Raider

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Eine erste Skizze des ursprünglichen Protagonisten von Tomb Raider. (Quelle: Core Design / Gametap)
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Lars Croft und das Königreich des mexikanischen Mädels

Lara Croft ist Popkultur. Deshalb ist es schwer vorstellbar, dass Tomb Raider nicht sofort mit der taffen Schatzsucherin als Frontfrau konzipiert wurde. Trotzdem sollten die ägyptischen Pyramiden und aztekischen Tempelanlangen anfänglich von einem muskulösen Herrn mit Schnauzbart, Schlapphut und Peitsche erforscht werden. Da vielen Core-Mitarbeitern die Ähnlichkeiten zu einem anderen berühmten Archäologen zu stark wahren (wahrscheinlich habt auch ihr schon einmal von Indiana Jones gehört), wurde der Protagonist kurzerhand einer Geschlechtsumwandlung unterzogen. Aber auch ohne Schnauzbart und Adamsapfel war Lara Croft noch nicht Lara Croft. Während der weiteren Entwicklung war der Star des Spiels eine rassige Mexikanerin namens Lara Cruz. Vor der Veröffentlichung bestand die Geschäftsführung allerdings auf einen Charakter britischer Herkunft.

538 und zwei besonders große Polygone

Das damals so revolutionäre Action-Adventure Tomb Raider stammt aus einer anderen Ära: Nicht nur das verantwortliche Team ist für heutige Verhältnisse mit sechs Mann unscheinbar klein gewesen, auch der technische Spielraum war stark eingeschränkt. Protagonistin Lara Croft bestand bei ihrem ersten Auftritt aus gerade einmal 540 Polygonen. Eine Anzahl von Vielecken, die heute nicht einmal für Laras linken Zeh reichen würde. Zum Vergleich: Die aktuellen Charaktermodelle bestehen aus mehr als 40.000 Polygonen.

Mythen, Musik und Polygone - 10 unfassbar fassbare Fakten zu Tomb Raider

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Damals eine technische Errungenschaft, heute (mit viel gutem Willen) ein abstraktes Kunstwerk: das erste Tomb Raider
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Kein Platz für Pazifismus

Die ursprüngliche Grundidee des Action-Adventures, ist das Erkunden mysteriöser Grabstätten und Tempel. Die Action war dabei zumeist nur Beiwerk. Das zeigt sich auch im Bodycount des ersten Tomb-Raider-Abenteuers: Gerade einmal sechs Menschen mussten im Verlauf des Geschehens ausgeschaltet werden. Schon im nächsten Teil wuchs diese Zahl auf das Zwanzigfache an. Von den aktuellen Reboot-Teilen wollen wir da gar nicht erst zu reden anfangen, ansonsten wirkt Neu-Lara wie eine soziopathische Massenmörderin mit Hang zum Sadismus.

Dieser Fan wischt mit anderen Fans den Boden auf

Der siebenundzwanzigjährige Spanier Rodrigo Martin Santos ist stolzer Besitzer der weltweit größten Sammlung an Tomb-Raider-Memorabilien. Unglaubliche 2.383 Artikel führte er zum Zeitpunkt der Bestandsaufnahme in seiner Kollektion, die ihm einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde einbrachte. Die wertvollsten Stücke in seinem Besitz: ein Originalkostüm von Tomb-Raider-Marketing-Double Rona Mitra und eine lebensgroße „Lara Croft and Roses“-Statue, von der nur 50 Stück weltweit existieren.

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Weltrekord!

Wo wir schon bei Rekorden sind: Derzeit hält Tomb Raider den Guinness-geprüften Weltrekord als meistverkauftes Videospielfranchise mit einer Heldin in der Hauptrolle. Am 16. April 2015 hielt die Prüfstelle 36.880.000 verkaufte Tomb-Raider-Spiele fest, womit sich Lara Croft deutlich vor der Zweitplatzierten Samus Aran aus Metroid mit „nur“ 17 Millionen Einheiten platziert. Aber dem noch nicht genug, hält Lara Croft doch außerdem noch den Weltrekord für einen Videospielcharakter mit den meisten Real-Doubles.

Lara Croft als Popstar

In der Woge des Erfolgs und durch den Appetit auf noch mehr Profit wurde Lara Croft tatsächlich ein Pop-Album auf das polygonale Figürchen geschneidert. Dave Stewart, eine Hälfte der britischen Pop-Rock-Band Eurythmics, produzierte zusammen mit Lara-Croft-Model Rona Mitra als Sängerin zwei Alben. Sowohl das Debüt „Come Alive“ als auch das zweite Album „Female Icon“ sind heute echte Raritäten. Wer YouTube bemüht und sich eines der Stücke anhört, dürfte auch verstehen, warum die CDs so selten sind – und ist dafür anschließend sehr, sehr dankbar.

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Mythen, nichts als Mythen!

Mit dem 2013 erschienenen Tomb Raider kappte Entwickler Crystal Dynamics die lange Historie der Serie und begann einen Neuanfang. Das symbolisiert auch die Handlung des Reboots, das einen witzigen Seitenhieb auf den ersten Teil beinhaltet. In einem Punkt im Spiel vergleicht Laras ehemaliger Mentor Dr. Whitman ihre Entdeckungen mit dem Fund von Atlantis, woraufhin Lara ihn korrigiert, das Atlantis nur ein Mythos sei. Eine Aussage, die ihr die 96er Lara wohl ziemlich krumm genommen hätte, mündet doch die Geschichte des ersten Teils in der Entdeckung von Atlantis.

DIY-Grabräuber

Wenig bekannt ist, dass es einen separat erhältlichen Tomb Raider Level Editor gibt. Ursprünglich wurde das Tool zusammen mit der PC-Version von Tomb Raider Chronicles veröffentlich. Später bot Entwickler Core Design das Programm einzeln als kostenlosen Download an. Den Level Editor könnt ihr euch auch heute noch herunterladen. Weit erstaunlicher ist allerdings, dass es noch immer eine halbwegs rege Community gibt, die sich ausgiebig mit den Tools beschäftigt und sogar kleine Wettbewerbe organisiert.

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Einige eifrige Bastler zimmern sich noch heute mit dem Tomb Raider Level Editor eigene Spielwelten zusammen.
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Echte Archäologen mögen Tomb Raider nicht

Der französische Archäologe Jean-Yves Empereur ist kein großer Freund von Tomb Raider. Empereur ist vor allen Dingen dafür bekannt, die Überreste des Leuchtturms von Pharos (eines der sieben Weltwunder) entdeckt zu haben. Entwickler Core Design ließ sich offenkundig durch seine Persönlichkeit zu dem Charakter Jean-Yves in Tomb Raider 4: The Last Revelation inspirieren. Doch der Echtwelt-Archäologe fühlte sich durch diese Verbeugung alles andere als geehrt und erhob lautstark Einspruch gegen die Verwendung seines digitalen Ebenbilds. Das Ganze führte soweit, dass sich die Produzenten des Spiels öffentlich entschuldigten.