Rise of Nations Beta Report (von Leo Scholz-Liederscheidt)

Wenn Brian Reynolds den Spieler in das erste Level seines neuesten Echtzeit-Strategiespiels führt, fällt einem spontan die Beschreibung »chaotisch-genial« ein.

Je länger sich jedoch der Real-Stratege an die virtuelle Welt auf dem Monitor gewöhnt, umso schneller verliert sich der Begriff Chaos in sprachlos-geniale Aufbaustrukturen.

Beeindruckender BetaStatus
Natürlich hat der Mitarbeiter von Microsofts PR-Agentur auf die vielen Bugs der Beta2-Version verwiesen.

Doch anscheinend müssen diese Fehler in sehr tiefen Bereichen liegen, die in diesem Preview nicht erreicht wurden. Kleine Mängel wie nicht vorhandener Spielsound oder Absturz nach einem abgeschlossenen Level sind problemlos zu verkraften, auch dass nicht alle angewählten Krieger als solche gekennzeichnet sind, kann unter der Rubrik »Letzter Schliff« abgelegt werden. Schon in der Pressekonferenz zeigte sich einer der Grundzüge des Spiels vom Macher von »Civ 2« und »Alpha Centauri«.

Auf einer Weltkarte kann der Spieler wie in einem rundenbasierten Spiel Nachbarländer angreifen, was auch in der Aufmachung unheimlich an das bekannte Brettspiel »Risiko« erinnert.

Die eigentlichen Schlachten verlaufen allerdings wie bei »Age Of Empires« in Echtzeit-Manier, worin auch der Schwerpunkt des Spieles liegt.

Variationen ohne Ende
»Rise of Nations« ist hauptsächlich um das Thema Welteroberung entwickelt worden. Mit einem von 18 Völkern und einem fünffach unterteilten Schwierigkeitsgrad geht es auf die Weltkarte, von wo aus die nächsten Schlachten geplant werden. Wie bei »Risiko« bringt der Sieg über ein Land weitere Armeen, Steuereinnahmen, neue Ressourcen oder Ereigniskarten.

Weiterhin hat jedes sehr individuelle Volk seine Besonderheiten, jedoch in unterschiedlichen Epochen. Letztere werden nicht erarbeitet, sondern kommen automatisch nach jeweils drei Spielrunden zum Zug.

Wer sich jedoch mehr für Echtzeitschlachten interessiert, wählt die »Quick Battles« an. Alleine bei den möglichen Landkarten hat der Spieler schon die Qual der Wahl. Noch differenzierter als bei »Age of Empires« können Feineinstellungen wie Bevölkerung, Kartengröße und Start- und Endzeitalter eingestellt werden.

Liebe zu Details
Im Spiel überzeugen die Animationen der Charaktere. Arbeiter ohne zugewiesene Beschäftigung faulenzen in der Sonne und schlagen lässig im Liegen ihre Beine übereinander, während die Bauern sich so sehr auf dem Feld abrackern, dass man glaubt den Schweiß zu riechen.

Im weiter fortgeschrittenen Spiel zeigen sich die Qualitäten der KI. So erreicht der Scout, der das Land erkundschaften soll, auch über zum Teil verzwickte Umwege das vorgegebene Ziel. Bei Schlachten mit Heeresmassen bringt die KI die Charaktere automatisch in sinnvolle Formationen, das scheinbare Chaos löst sich schnell in taktische Ordnung auf.

Ein Novum ist die Möglichkeit, feindliche Städte einzunehmen und sie so dem eigenen Reich einzuverleiben. Dazu muss das Objekt der Begierde nicht nur geentert, sondern auch drei Minuten lang verteidigt werden.