Rise of Nations Test (PC)
(von Leo Scholz R. Liederscheidt)

Nachdem wir in der letzten Ausgabe die Beta-Version von »Rise of Nations« aus verschiedenen Blickwinkeln besprochen hatten, konnten wir jetzt auch die fertige Fassung im Hause begrüßen und eingehend testen.

Um es gleich vorwegzunehmen: Größere Überraschungen gab es nicht mehr, der erste sehr gute Eindruck von Brian Reynolds' neuestem Werk hat sich im Großen und Ganzen bestätigt!

Vielfältige Einstellmöglichkeiten Perfekt ausgestattet, wie es ein Spiel dieser Klasse sein soll, bietet »RoN« neben der ausführlichen gedruckten Anleitung noch eine Übersicht über die einzelnen Besonderheiten der 18 zur Verfügung stehenden Kulturen.

Nachlesen kann man nun auch die Vorteile der Forschungen in den unterschiedlichen Zeitaltern sowie eine Zusammenfassung der wichtigsten Kommandos. So ist es für einen geübten Spieler recht einfach, sich mit den Befehlen anzufreunden und die ersten Runden zu meistern. Anfänger werden zu Beginn allerdings Schwierigkeiten haben, sich einen Überblick über die vielfältigen Einstellmöglichkeiten und den weitverzweigten Technologiebaum zu verschaffen.

Packshot zu Rise of NationsRise of NationsErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Intelligentes Tutorial
Das Hauptmenü bietet als ersten Auswahlpunkt ein sehr umfassendes und intelligent aufgebautes Tutorial an, welches sich auch Fortgeschrittene zu Herzen nehmen sollten. Hier erhält der Spieler durch sechs aufeinander aufgebaute Walkthroughs einen guten Einblick in das Handling und über die Möglichkeiten der Spielstrategien.

In den Solospielen kann zwischen actiongeladenem »Schnellen Spiel« und »18+1 Welteroberungsvariationen« gewählt werden - für Abwechslung ist also gesorgt.
Wer es nicht glauben mag, sollte einfach zwei bis drei Feldzüge mit unterschiedlichen Kulturen à la »Risiko« durchspielen und sich selbst davon überzeugen.

Der Reiz von »Rise of Nations« liegt gerade hier verborgen: Auf einer Weltkarte werden die nächsten strategischen Züge Runde für Runde geplant, um dann für jeden Zug - das entspricht dem Würfeln beim bekannten Brettspiel - in den Echtzeit-Modus umzuschalten. Und wer nicht innerhalb eines vorgegebenen Zeitlimits sein Ziel erreicht hat, verliert diesen Zug.

Brian Reynolds Genialität zeigt sich hier in voller Größe, zumal schon auf der leichtesten von sechsSchwierigkeitsstufen von Anfang an nicht zu spaßen ist.

Wo Licht ist...
Wie in jedem guten Spiel können natürlich eigene Szenarien mit einem Editor erstellt und gespeichert werden. Nicht nur hier zeigt sich das Spiel im grafischen Bereich von seiner besten Seite. Wie die Screenshots zeigen, wurde mit sehr viel Liebe an den Details gearbeitet. Doch gab es von Beginn an unerwartete Probleme, wo sie überhaupt nicht erwartet wurden. Während sich das Intro mit mächtigem Getöse bemerkbar machte, wurde es im Menü und während des Spiels merkwürdig ruhig: Die Membranen und Kalotten des Lautsprechersystems produzierten kein einziger Ton mehr!

Wo vorher jedes andere Spiel oder simple Multimedia-Programm sich auch von seiner akustischen Seite zeigen konnte, erreichte kein Strompuls die Spulen der Lautsprecher.

Gespenstische Stille
Der Austausch der renommierten Terratec-Karte gegen ein Creative-Pendant, die Installation der allerneuesten Treiber inklusive DirectX 9, der Wechsel des kompletten PC-Systems - es half nichts, die Boxen blieben still und selbst der Support war fast ratlos.

»Fast« heißt, dass dieser auf die Read-Me-Datei hinwies, und dort beleidigte eine wahre Flut von erkannten Problemen die Augen des Lesers.

Denn neben einer erklecklichen Reihe von Soundkarten sind dort auch ebenso viele Grafikkartenprobleme aufgelistet, für die das Entwicklerteam zum Produktionszeitpunkt keine Lösung parat hatte.

Damit sind die nächsten Bugfixes schon fest vorprogrammiert.

Geniale KI
Es ist schon etwas merkwürdig ohne Sound zu spielen, doch die schon in den Vorversionen aufgefallenen Animationen der Charaktere machen wieder einiges wett, ebenso die nahezu als genial zu bezeichnende KI.

Selbstständige Landschaftserkundung, effektive Gefechtsformationen und sinnvolle Angriffstaktiken übernimmt der PC, so dass der Spieler sich um andere strategische Probleme kümmern kann. Um sein Volk beherrschen zu können, gibt es eine große Anzahl von Tools.

Mit dem Mausrad kann in die Szene gezoomt werden, diverse Formationen und Aggressionslevel helfen bei der Kontrolle der Kampfeinheiten, eine Option ermöglicht die selbstständige Suche nach neuen Ressourcen.Für Einsteiger bedingt tauglich »Rise of Nations« ist enorm komplex - sowohl in seinen Spielvariationen als auch in den Einstellungsmöglichkeiten und der Ressourcennutzung - aufgebaut.

Doch Reynolds wäre nicht einer der genialsten Spieleerfinder, wenn er nicht auch ein variables Online-Hilfesystem eingebaut hätte, dass den Spieler immer rechtzeitig auf wichtige Ereignisse oder Mängel hinweist. Ohne diese Hilfe hätten Einsteiger schnell die Lust am Spiel verloren.