Es gibt Spiele, die euch einfangen und euch so lange in ihren Fängen halten, bis ihr vergesst, dass ihr ein Spiel spielt. Es gibt nur wenige Spiele dieser Art, aber es gibt sie. RiME ist eines von ihnen. Nach einem heiklen Unwetter wacht ihr in Person eines kleinen Jungen an einem verlassenen Sandstrand wieder auf. Es gibt keine Tutorials, keine Textboxen, keine Lebens- oder Ausdauer-Anzeige. Hier beginnt eure Reise durch die Welt von RiME, eine Reise, die sich wie ein Traum anfühlt.

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Auf dieser Insel angekommen, erkundet ihr erst einmal die Umgebung: Viel Flora, etwas Fauna und hin und wieder trefft ihr auf glänzende Figürchen, die offenbar wichtiger sind als ihr unscheinbares Aussehen offenbaren mag. Gleich zu Anfang zeigt sich RiME von seiner besten Seite: Der Grafikstil ist von Sekunde eins an atemberaubend schön, jede Szene könnte euch als Wallpaper dienen.

RiME - Schiffbruch mit Fuchs

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Atemberaubend: Die Welt aus RiME
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Auch ist die Welt erfrischend mysteriös: Immer wieder findet ihr Spuren einer vergangenen Zivilisation, alte Bauten, heruntergekommene Kunst und hin und wieder läuft euch eine Silhouette im roten Gewand über den Weg. Immer wenn ihr denkt, ihr wäret ihr ein Stück nähergekommen oder hättet sie sogar eingeholt, verschwindet sie auf magische Weise. Zudem sieht diese erwachsene Gestalt euch mit eurem zinnoberfarbenen Stofffetzen nicht unähnlich. Was es nun mit dieser Person und der zerfallenen Welt von RiME auf sich hat, das erfahrt ihr im Verlauf eures Abenteuers. Die gesamte Spielzeit folgt ihr außerdem einem kleinen Fuchs, der offenbar magische Kräfte besitzt. RiME ist also auf vielerlei Weise einfach märchenhaft.

RiME - Schiffbruch mit Fuchs

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Euer treuester Gefährte: Dieser kleine Fuchs
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Neben “fehlender” Textboxen, Dialoge oder Lebensanzeigen bietet RiME außerdem kein Kampfsystem. Stattdessen springt ihr von Plattform zu Plattform, klettert in Zelda- oder Assassins Creed-hafter Manier an Türmen oder Gebäuden hoch und erledigt vor allen Dingen eines: Das Lösen von Rätseln. Die kleinen, eingangs erwähnten Statuen bergen nämlich große Mächte, eine Art Magie, die euch Tür und Tor öffnen kann. Diese Kräfte werden über eure Stimme freigesetzt, sie ist euer wichtigstes Werkzeug um voranzukommen.

Manchmal allerdings sind diese Figuren von Sicherheitsmechanismen oder anderen Dingen bewacht, hier ist Hirnschmalz gefragt: An verschiedenen Stellen müsst ihr Objekte bewegen, Puzzle zusammensetzen oder dürft sogar die Tageszeit verändern. Schieberätsel sind mir zwar mittlerweile ein Graus geworden, doch RiME verzeihe ich das gerne, da auch die Denkaufgaben nicht unkreativ, vor allen Dingen aber mit viel Liebe gestaltet wurden. Die Rätsel selbst sind variationsreich und selten zu leicht oder zu schwer. Wer etwas mit Titeln wie The Witness oder ICO anfangen konnte, wird auch hier keine Probleme bekommen.

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Nachdem ihr zahlreiche Rätsel gelöst habt, erhallt eure Stimme über die gesamte Insel
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Über die Welt von RiME möchte ich an dieser Stelle nicht zu viel verraten, denn sie ist so viel großartiger als es zunächst den Anschein haben mag. Nur so viel: Euch wird sehr viel Abwechslung geboten, wodurch es kontinuierlich schwieriger wird, den Controller aus der Hand zu legen. Immer wenn ihr denkt, ihr hättet ein Kapitel des Spiels erfolgreich gemeistert, lockt euch RiME mit neuen Elementen und Kniffen, durch die ihr euch immer wieder aufs Neue in diesen Titel verliebt.

RiME ließ sich zudem von Klassikern der animierten Filmgeschichte inspirieren, wie beispielsweise Disney- oder Ghibli-Filmen. Einerseits gibt es starke thematische Überschneidungen zu “Chihiros Reise ins Zauberland” oder “Das Schloss im Himmel”, andererseits erzeugt RiME aber auch ein Gefühl der Immersion, die man gerade aus diesen Filmen kennt. Es saugt euch so sehr in seine Welt ein, dass an einem Spieleabend gerne mehrere Stunden vergehen, ohne dass ihr es bemerkt. Dies liegt vor allen Dingen aber auch am hervorragenden Soundtrack, der diese virtuelle Wunderwelt nicht nur unterstreicht sondern untermauert. Zum Glück ist dieser Titel auch etwas länger als beispielsweise Journey oder die zahlreichen Ghibli-Filme: Mehr als acht Stunden Spielzeit erwarten euch, wenn ihr die Welt ordentlich erkundet und geheime Artefakte entdecken wollt, sogar mehr.

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Nicht nur im Paradies werdet ihr unterwegs sein
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Durch den grandiosen Grafikstil und den ebenso fantastischen Soundtrack entsteht ein Gefühl von Atmosphäre, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. Während andere Titel mithilfe von gigantischen Bossgegnern, prunkvollen Explosionen und sonstigen Superlativen versuchen, dem Spieler einen kalten Schauer über den Rücken zu jagen, schafft RiME dies fast mühelos. Der Drang nach Entdeckung, die Neugier, wird in kaum einem Spiel so sehr genährt und gleichzeitig gefüttert, wie in diesem Spiel. Wenn sich einem die Nackenhaare aufsträuben, weil man gerade einen wundervollen Moment erlebt hat, dann spielt man wahrscheinlich gerade RiME.

Das einzige Manko des Spiels? Leider wird die Atmosphäre und die dadurch entstandene Immersion immer wieder von technischen Problemen unterbrochen. Das mag bei manchen Spielen “nur” nervig sein, bei RiME ist es allerdings fatal: Obwohl man an vielen Stellen die Außenwelt schon ausgeblendet hat, wird man durch Ruckler, Framerate-Probleme oder Screen Tearing daran erinnert, dass man eben doch nur ein Spiel spielt. Würden diese Probleme nicht bestehen, RiME wäre ein unangefochtenes Meisterwerk.