Ridge Racer 6 (Xbox 360 Review)
von Nedzad Hurabasic

Die sechste Ausgabe der Rennspielreihe Ridge Racer erscheint zunächst ausschließlich für die Xbox 360. Zwölf Jahre nach der ersten Fassung, die noch auf der PlayStation erschien (1994), soll das Spiel nun auf Microsofts Next-Gen-Konsole für Aufsehen und jede Menge Spielspaß sorgen.

Ridge Racer 6 - Der PlayStation Kult-Titel stürzt ab. Nur noch Mittelmaß auf der XBox360!

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Geneigte Rennspiel-Fans die sich nach Project Gotham Racing 3 (PGR 3) und Need for Speed: Most Wanted einen nächsten Genre-Knaller für die neue Konsole erhoffen, sollten sich die nächsten Zeilen sehr genau durchlesen. Denn wo die beiden oben genannten Games eine breite Spielerschicht ansprechen, konzentriert sich Ridge Racer 6 auf eine ganz spezielle Renn-Technik: Das Driften. Wie kaum eine andere Rennspielreihe erhebt Ridge Racer diese Art durch die Kurven zu schlittern zur obersten Prämisse des Gameplays. Wer damit nichts anfangen kann, der wird an diesem Spiel vermutlich wenig Spaß haben und das Gamepad schnell frustriert und enttäuscht in die Ecke feuern.Doch der Reihe nach. Das Kernstück von Ridge Racer 6 nennt sich "Welterforschung" und steht für die Einzelspielerkampagne des Spiels. Der Modus erlaubt den Spielern, das "Ridge-Universum" zu erforschen, indem er sukzessive ein Rennen nach dem anderen gewinnt und dabei die Übersichtskarte nach und nach erschließt, auf der letztendlich knapp über 100 Strecken freigeschaltet werden können. Das Ganze hat aber einen kleinen, wenn auch gewichtigen Haken: Um weiter kommen zu können, muss in jedem Rennen der erste Platz belegt werden. 2. Sieger? Gibts nicht. Verloren ist verloren.

Für die ersten Rennen stehen dem Hobby-Rennfahrer etwas mehr als zehn Wagen zur Verfügung, die von verschiedenen Sponsoren "eingekleidet" wurden. Allerdings muss dabei erwähnt werden, dass keinerlei Rennwagen-Lizenzen bekannter Automarken eingekauft wurden.
Bekannte Autohersteller sucht der Spieler daher bei Ridge Racer 6 vergeblich, was nicht unbedingt ein Manko sein muss, wenn man nicht unbedingt darauf steht.

Die gebotenen Fahrzeuge sind durchaus ansehnlich und bieten einiges fürs Auge, allerdings wirken sie im Vergleich zu den GTR 3-Boliden doch ein wenig detailärmer. Letztendlich fällt das aber nicht so sehr ins Gewicht, wie die vergleichsweise steril wirkende Umgebung. Diese ist zwar abwechlungsreich gestaltet, bietet aber keine richtigen Hingucker. Mehr als Xbox 360-Durchschnitt ist hier leider nicht drin. Nun gut, während der flotten Rennen konzentriert sich das Auge ohnehin auf andere Dinge, von daher ist das zu verschmerzen. Zurück zur "Welterforschung". Auf der Detail-Karte, die mit ihren spartanischen Symbolen an einige Brettspiele erinnert, kann der Spieler von einem festgelegten Startpunkt aus ein oder mehrere Rennen auswählen, die er absolvieren möchte.

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Die Symbole gleichen sich allerdings recht stark, daher ist auf den ersten Blick nicht immer ersichtlich, dass die Rennen nicht immer dieselben Voraussetzungen haben. So gibt es neben normalen Rennen auch beispielweise solche, bei denen kein Nitro zur Verfügung steht, sich die Nitro-Anzeige nur füllt, wenn Nitro verwendet wird und auch Duell-Rennen (Zweikampf) fehlen nicht. Außerdem wird bei bereits gewonnenen Rennen angezeigt, ob dazu die Nitro-Unterstützung verwendet wurde, was vor jedem Rennen ausgewählt werden darf. In diesem Fall stehen dem Rennfahrer schon zu Beginn des Rennens drei Nitro-Ladungen zur Verfügung.

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Normalerweise startet der Spieler jedes Rennen ohne Nitros, die Anzeige füllt sich erst während der rasanten Fahrten über den Asphalt mithilfe des Driftens auf und erlaubt dem Spieler dann den Einsatz des Geschwindigkeits-Boosts. Damit kommen wir zum zentralen Bestandteil des Spiels und vielleicht auch zum umstrittensten. Das Gameplay ist vollkommen auf diese Kurventechnik ausgelegt. Fast jede etwa schärfere Kurve muss per Drift genommen werden, indem der Spieler kurz nach dem Einlenken den Fuß vom Gas, respektive den Finger von der Taste, nimmt und den Wagen damit zum Schleudern bringt.Durch mehr oder weniger gefühlvolles Gegenlenken richtet sich das Fahrzeug, jedenfalls theoretisch, wieder in Fahrtrichtung aus und es kann wieder beschleunigt werden. In der Praxis funktioniert das aber eher leidlich, es bedarf schon einiger Übungsrunden, um diese Technik vollends zu beherrschen. Bis dahin plagt sich der Rennfahrer mit einem schwer zu beherrschenden, umherschlingernden Fahrzeug, bei dem auch die schwergängige Steuerung nicht wirklich eine Hilfe darstellt. Die sorgt vor allem in Kurven, in denen nicht geschlittert wird, für regelmäßigen Kontakt mit der Außenbegrenzung.

Die Berührung mit der äußeren Streckenbegrenzung sollte der Spieler möglichst vermeiden, denn sie wurde von den Programmierern wirklich schlecht umgesetzt. Statt davon abzuprallen oder an ihr entlang zu schrammen, verhakt sich das Vehikel an ihr und springt wie ein Flummi immer wieder daran ab.Ein grober Fauxpas, bei einem ansonsten technisch überzeugenden Spiel, das ohne Ruckler oder Frameraten-Einbrüche daherkommt. Weiß der Teufel, was sich die Entwickler dabei gedacht haben, in der Praxis führt das auf jeden Fall zu frustigen Spielmomenten. Die genannten Fahr-Aspekte Drift, schwergängige Steuerung und das Verhaken am Spielfeldrand, sorgen dafür, dass es manchmal unmöglich ist, auch harmlosere Kurven ohne Schlittern zu nehmen, während die KI-Konkurrenz problemlos durch die Kurven - und an uns vorbei - schießt. Komischerweise tritt dieses merkwürdig unausbalancierte Fahrzeugverhalten nicht bei allen Kursen auf.

Einige lassen sich ohne Proberunde im ersten Anlauf bewältigen, an anderen beißt man sich stattdessen die Zähne aus. Abgesehen davon guckt der Spieler auch in die Röhre, wenn sich der Wagen versehentlich gegen die Fahrtrichtung ausrichten sollte: Es gibt keinen Rückwärtsgang.

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In solchen Fällen muss das Fahrzeug umständlich gewendet werden, was natürlich einem nicht zu gutzumachenden Zeitverlust gleichkommt. Auch wenn es sich bei Ridge Racer 6 um einen Arcade-Renner handelt, so wäre ein Rückwärtsgang sicher nicht fehl am Platze gewesen.

Fahrzeugschäden treten trotz der häufigen Kollisionen mit Objekten und gegnerischen Wagen übrigens überhaupt keine auf, ein Schadensmodell existiert nicht. Apropos Fahrzeugmodell. Manchmal ist das Fahrzeug nur schwer zu erkennen, weil die Kurse zu dunkel sind oder die Wagen in Tunneln nur unzureichend beleuchtet sind.

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Dass es auch besser geht, zeigen die Entwickler bei Nachtstrecken, wo mithilfe der Scheinwerfer ausreichend Licht gespendet wird. Erschwerend kommt hinzu, dass es nur zwei Perspektiven gibt, aus denen die Gamer ihre Fahrzeuge steuern können.

Bei einigen Wagen mit ziemlich breitem Heck sorgt die 3rd-Person-Perspektive für beengte Sichtverhältnisse, wohingegen bei der direkten Sicht auf die Straße naturgemäß überhaupt nichts vom Wagen zu sehen ist. Ein bisschen mehr Auswahl hätte es also schon geben dürfen.Ein wenig mehr Auswahl gibt es dafür aber bei den Spielmodi. Neben der "Welterforschung", bei der sich auch jede Menge Fahrzeuge und Strecken freischalten lassen, kann sich der virtuelle Rennfahrer auch bei "Einzelrennen" erste Meriten erfahren und die Strecken kennen lernen oder bei "Globus-Zeitrennen" versuchen, neue Bestmarken zu erzielen. Die Bestzeiten lassen sich über Xbox Live weltweit vergleichen. Wer sich lieber gleich mit menschlichen Fahrern messen möchte, kann dies über den "Online-Kampf" abgehen, bei der auch der Eintrag in verschiedene Weltranglisten winkt. Darüber hinaus kann der Gamer natürlich auch einen Kumpel zu sich nach Hause einladen und mit ihm bzw. gegen ihn über den Asphalt heizen - ein zweites Gamepad vorausgesetzt.

Als Hintergrundbeschallung dient ein Soundtrack aus größtenteils elektronischen Klängen - auch nicht jedermanns Geschmack, auch wenn die Umsetzung an sich keinen Grund zur Kritik gibt.

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Dafür nervt aber nach einiger Zeit der Sprecher/Kommentator, der zu verschiedenen Geschehnissen des Spiels seinen Senf abgibt (und auch nicht abgeschaltet werden kann). Auch die Fahrgeräusche können nicht hundertprozentig überzeugen, dazu klingen die Motorensounds zu leise und vor allem zu harmlos. Reinrassige Rennwagen müssen einfach viel mehr "röhren", so fährt man vor sich hin und wünscht sich eine deutlich akzentuiertere Soundkulisse als Unterstützung.

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Dafür nervt aber nach einiger Zeit der Sprecher/Kommentator, der zu verschiedenen Geschehnissen des Spiels seinen Senf abgibt (und auch nicht abgeschaltet werden kann). Auch die Fahrgeräusche können nicht hundertprozentig überzeugen, dazu klingen die Motorensounds zu leise und vor allem zu harmlos. Reinrassige Rennwagen müssen einfach viel mehr "röhren", so fährt man vor sich hin und wünscht sich eine deutlich akzentuiertere Soundkulisse als Unterstützung.