The Chronicles of Riddick (Xbox-Test)
(von Patrick Streppel)

PC-Spieler sind derzeit im Doom 3-Fieber und Konsolen-Jünger schauen neidisch zu. Die atemberaubende Grafik und dichte Atmosphäre lassen viele über das schlichte Gameplay hinwegsehen.

Dass Xbox-Besitzer nicht die Tage
bis zum Doom 3-Release zählen müssen, haben wir The Chronicles of Riddick zu verdanken, denn der Überraschungshit der schwedischen Starbreeze Studios steckt seinen PC-Kollegen in nahezu jeder Hinsicht locker in die Tasche.

Das Wort Filmumsetzung lässt es den meisten Testern kalt über den Rücken laufen. Egal welche Versprechen gemacht wurden - ein Wink in Richtung Atari - die Resultate waren bis auf wenige Ausnahmen mehr als bescheiden. Selbst wenn man die zahllosen Total-Flops außer Acht lässt, denen diese Spielgattung ihren schlechten Ruf verdankt (angefangen in der seligen VCS 2600-Ära), scheinen hochrangige Lizenzen einem Spiel mehr zu schaden als zu nützen.

Die Liste an Enttäuschungen ist lang und reicht von A (wie Alias) über C (Catwoman) und E (Enter the Matrix) fast bis zum bitteren Ende des Alphabets (X-Files). Selbst erfolgreiche Beispiele wie Der Herr der Ringe, Star Trek oder Star Wars wurden zuhauf von einer Menge Schrott flankiert.

Berechtigte Skepsis
Als Vivendi Universal Games - Wiederholungstäter mit regelmäßigem Lizenz-Mittelmaß - das Spiel zum damals noch als

Riddick: Escape from Butcher Bay - Der ultimative XBox-Kracher! Besser als Doom 3?

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Trilogie geplanten Kinofilm The Chronicles of Riddick ankündigte, war die Skepsis groß. Auch die Starbreeze Studios, bekannt durch Enclave und Knights of the Temple, waren nicht gerade für Top-Titel berühmt und die Ankündigung von Hauptdarsteller Vin Diesel, sich mit seiner eigenen Firma in die Entwicklung einzuklinken, war spätestens seit Michael Chrichtons Timeline mehr als Drohung zu verstehen. Kein Wunder also, dass kaum jemand Escape from Butcher Bay (so der Untertitel des Riddick-Spiels) kennt, denn sowohl Journalisten als auch Spieler wollten den netten Screenshots zum Trotz nicht an das Wunder der perfekten Filmumsetzung glauben.

Und Riddick würde sich, so die einhellige Meinung, kaum gegen Far Cry, Doom 3 und Half-Life 2 behaupten. Wie falsch wir damit lagen.

Packshot zu Riddick: Escape from Butcher BayRiddick: Escape from Butcher BayErschienen für XBox und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Chroniken eines Kriegers
Die Geschichte vom Serienmörder Riddick begann im 2000er SF-Film

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Pitch Black, in dem eine Gruppe unterschiedlicher Personen auf einem unwirtlichen Planeten abstürzt. Obwohl Pitch Black eigentlich nur die Alien-Formel anders aufkochte, wurde der Horrofilm zu einem Kassenschlager und Nebencharakter Riddick, der vom damals noch unbekannten Vin Diesel verkörpert wurde, erlangteKultstatus. Gründe dafür waren die sarkastisch kühle Art des Antihelden sowie seine Fähigkeit, in der Dunkelheit zu sehen. Für den Zuschauer zudem eindrucksvoll visualisiert. Statt eines ursprünglich geplanten Pitch Black 2 (Inhalt: Die Rückkehr zum Planeten), gab man Regisseur und Autor David Twohy Grünlicht für ein aufwendig inszeniertes, mit eindrucksvollen Effekten ausgestattete Action-Abenteuer rund um die einstige Nebenfigur Riddick - außer wenigen Charakteren hatte das als Trilogie angelegte Abenteuer kaum etwas mit dem inoffiziellen Vorgänger gemein.

Mittlerweile weiß man, dass der intellektuell wenig anspruchsvolle, aber optisch atemberaubende Kinoblockbuster in den Staaten gescheitert ist - dem erstklassigen Spiel wird dieses Schicksal aber wohl erspart bleiben. Vielleicht war es eine gute Entscheidung, dass sich Escape from Butcher Bay nicht an der Filmhandlung entlang hangelt, sondern vielmehr dieVorgeschichte zu Pitch Black und The Chronicles of Riddick erzählt.

Am Anfang war Butcher Bay
Das Abenteuer beginnt als Riddick vom Kopfgeldjäger Johns (spielte auch in Pitch Black mit) zum Hochsicherheitsgefängnis Butcher Bay gebracht wird. Wie der Spieltitel bereits andeutet, steht von nun an die Flucht im Vordergrund, wobei der Weg dahin nicht so geradlinig ist, wie es einstweilen erscheint. Hinter den Mauern darf sich frei bewegt und Gespräche mit anderen Häftlingen geführt werden, die zumeist wertvolle Tipps haben, aber nicht immer kooperativ sind. So verschaffen wir uns erst einmal mit den Fäusten Respekt, denn die Waffen der Wachen geben nur dann einen Schuss ab, wenn der Träger in einer Datenbank verewigt wurde - schon steht unser nächstes Missionsziel.

Haben wir schließlich das erste Bleieisen in den Händen, machen wir uns im Schutz des ausbrechenden Chaos durch eine Grube auf und davon.

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Die Dunkelheit ist trügerisch, denn plötzlich fallen mutierte Ex-Sträflinge über uns her. Hier unten treffen wir nicht nur auf einen verwirrten Prediger, sondern erhalten auch jenes Merkmal, das Pitch Black so einzigartig machte: Riddicks Fähigkeit im Dunkeln zu sehen.

Wer geschickt ist, schießt fortan Lichter aus und nutzt so geschickt seinen Vorteil, um zum Weltraumhafen zu fliehen. Doch nicht zu früh gefreut: Wem der erste Anlauf fast schon zu einfach erscheint, der wird fluchend mit ansehen, wie Riddick geschnappt und fortan nur noch tiefer in den unwirtlichen Felsen verfrachtet wird…Mix it, baby!
Ungewöhlich ist bei Escape from Butcher Bay die Verquickung unterschiedlicher Genres in einen einzigen, stimmigen 3D-Cocktail. Den Designern ist es gelungen, dass die Shooter-Passagen, die Faustkämpfe, Adventure- und gar Rollenspielelemente wie aus einem Guss wirken und sich nahtlos in die Story einfügen.

Mal läuft Riddick im Zellentrakt umher, redet mit Mitinsassen und löst kleinere Subquests (die in der Regel freiwillig sind) um an nützliche Infos oder Gegenstände zu gelangen, mal schießen wir uns den Weg frei um ein Missionsziel zu erreichen.

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Toll: Die Action wird weder plump (ein Seitenhieb Richtung Doom 3) noch durch die Schleicheinlagen unnötig verkompliziert. Wichtigster Grund sind wohl das Interface und die zugängliche Steuerung. Anstatt sich mit Anzeigen zu behelfen, deutet Riddick mit einer Verfärbung des Sichtfeldes an, dass man im Schutz der Dunkelheit unsichtbar ist. Und wer den linken Stick drückt, wechselt nahtlos in den Schleichmodus um Wachen von hinten zu überraschen und lautlos ihr Genick zu brechen. Das Stealth-Gameplay funktioniert auch deshalb so gut, weil die Umgebung glaubwürdig gestaltet ist: Man erkennt dunkle Ecken dank des Echtzeit-Lichts als solche und wird nicht von Bugs oder Logikfehlern frustriert - Wachen erkennen den Spieler nur, wenn er angeleuchtet wird oder einen Mucks von sich gibt. Die KI und das Leveldesign sind auf höchstem Niveau.

Spannung pur
Wenn wir durch den dunklen Zellentrakt kriechen, steht uns der Schweiß auf der Stirn. Um uns herum suchen Wachen die Umgebung ab, die Lichtkegel der kleinen Taschenlampen tanzen in der Dunkelheit. Mit unserer Nachtsicht haben wir einen Vorteil, werden bei Lichteinfall jedoch geblendet.

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Also Schalter suchen oder Lichter ausschießen - das jedoch zieht unnötige Aufmerksamkeit auf sich und ein Feuergefecht mit den Wachsonden können wir nur schwer überleben. Spannend auch, wenn uns das Spiel nicht mal den Luxus einer Waffe gönnt. Hier ist geschicktes Vorgehen gefragt - oder ein offener Faustkampf. Im Gegensatz zu Namcos Breakdown funktioniert die Steuerung tadellos und das Kampfsystem ist mit Blocken und Schlagen angenehm simpel, aber effektiv. Thema Breakdown: Riddick gelingt es hervorragend, den Spieler in seine Welt zu ziehen - auch ohne permanent an der Ego-Perspektive festzuhalten. Als Spieler interagiert man mit einer Vielzahl von Objekten, wofür die Ansicht auf eine andere, stets interaktive Kamera wechselt. Das gilt für Leitern ebenso wie für die innovativen Energiespender, die mit Patronen aufgefüllt werden können.

Hollywood-Input
Obwohl Escape from Butcher Bay nicht der Filmhandlung folgt, hat das Spiel einiges an Star-Power zu bieten. Sowohl Vin Diesel als auch Cole Hauser (Johns aus Pitch Black), Dwight Schulz (Barclay aus Star Trek) oder Rapper Xzibit leihen ihren virtuellen Abbildern Aussehen und Stimme. Das interaktive Drehbuch stammt von Film-Autor Twohy und fügt sich nahtlos in die Riddick-Saga

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ein. Dialoge, Musik und Echtzeit- Zwischensequenzen stehen dem Kino-Vorbild in nichts nach und bauen eine dichte Atmosphäre auf. Neben der exzellenten Soundkulisse ist dafür auch die Grafik verantwortlich, die deutlich besser aussieht als jedes andere Xbox-Spiel und dabei durchaus mit Doom 3 mithält. Echtzeit-Licht, hochdetaillierte Texturen und eine Normal-Mapping getaufte Technik erschaffen glaubwürdige, beklemmende Orte. Charaktermodelle mit realistischen Gesichtszügen, Motion-Capture Animationen und lippensynchroner Sprachausgabe werfen Schatten und reagieren realistisch aufphysikalische Bedingungen - Riddick sieht einfach atemberaubend aus.

Die perfekte Filmumsetzung?
Auf der Negativliste steht nicht viel. Manch einer wird sich über die kurze Spielzeit von ca. 10 Stunden aufregen, ein anderer den fehlenden Mehrspielermodus bemängeln (Splinter Cell: Pandorra Tomorrow hat ja kürzlich vorgemacht, wie so etwas aussehen kann) und ganz verwöhnte Naturen stören sich an kleineren Grafikfehlern - dies sind aber nur kleine Mängel eines ansonsten perfekten Spiels, das ein heißer Anwärter auf den Titel des Jahres ist. Auf jeden Fall aber die bislang beste Filmumsetzung.physikalische Bedingungen - Riddick sieht einfach atemberaubend aus.

Die perfekte Filmumsetzung?
Auf der Negativliste steht nicht viel. Manch einer wird sich über die kurze Spielzeit von ca. 10 Stunden aufregen, ein anderer den fehlenden Mehrspielermodus bemängeln (Splinter Cell: Pandorra Tomorrow hat ja kürzlich vorgemacht, wie so etwas aussehen kann) und ganz verwöhnte Naturen stören sich an kleineren Grafikfehlern - dies sind aber nur kleine Mängel eines ansonsten perfekten Spiels, das ein heißer Anwärter auf den Titel des Jahres ist. Auf jeden Fall aber die bislang beste Filmumsetzung.