Etwas Aufklärung vorab: Der Name rFactor dürfte einigen Rennspielfans längst ein Begriff sein. Tatsächlich wurde die Rennsimulation aus dem Hause ISI nämlich bereits im Jahr 2005 veröffentlicht und wird seitdem über das Internet vertrieben. Nun hat sich Publisher Koch Media mehr als zwei Jahre danach zur Veröffentlichung einer Retail-Version entschlossen. Wir haben das Spiel nach den heute gültigen Standards unter die Lupe genommen und lassen euch wissen, ob sich die 40 € für ein im Grunde genommen zwei Jahre altes Spiel wirklich lohnen.

rFactor - Trailer #2Ein weiteres Video

Hier kommen Profis auf ihre Kosten

Entwickler ISI (u.a. F1 Challenge 99-02 von EA Sports) spricht mit seiner Simulation {rFactor} ausschließlich die echten Racing-Profis an. Ohne Lenkrad, eigene Strategie und speziellem Wagen-Setup ist es schwer, erfolgreich seine Runden zu drehen. Gelegenheits-Racern und Einsteigern, die auf schnelle Erfolge aus sind, wird somit schon nach kurzer Zeit die Freude am Fahren vergehen. Dafür werden Spieler, die viel Zeit mitbringen und intensives Training nicht scheuen, vor allem im brillanten Online-Modus des Spiels auf ihre Kosten kommen – dazu später mehr.

rFactor - Ein Rennspiel für Profis: zwei Jahre alt, aber noch lange nicht altes Eisen.

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Die Spielmenüs sind einfach und übersichtlich strukturiert. Hier findet man sich sofort zurecht.
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{rFactor} bedeutet Realismus pur. Auch wenn das Spiel schon zwei Jahre auf dem Buckel hat, ist die Physik-Engine schlicht unerreicht. Egal ob Aerodynamik, Reifenverschleiß oder Getriebeeinstellungen, alle Faktoren wirken sich wie in Wirklichkeit direkt auf das Spielgeschehen aus. Hier hat Entwickler ISI mehr als hervorragende Arbeit geleistet. Auch die Gegner-KI im Offlinemodus des Spiels kann sich sehen lassen. Bis hier das Potenzial voll ausgeschöpft ist, vergehen einige Rennstunden. Obendrein kann außerdem eine lernfähige KI aktiviert werden, um den eigenen Leistungsdruck im späteren Spielverlauf noch weiter zu erhöhen.

Online ist rFactor Zuhause

Durch den umfangreichen Online-Multiplayer-Modus, den die Entwickler {rFactor} gegönnt haben, hat sich um das Spiel eine riesige Online-Community gebildet. So kann man beispielsweise an verschiedenen Race-Ligen teilnehmen oder auch nur als Zuschauer ein Rennen „live“ mit verfolgen. Mit diversen Gratis-Tools ist es zudem möglich, nach dem Rennen umfangreiche Ergebnis-Tabellen zu erstellen oder Replay-Videos in verschiedenen Auflösungen abzuspeichern – anhaltender Spielspaß ist daher garantiert.

Apropos Zusatzsoftware: Ohne die beachtliche Modder-Gemeinde rund um {rFactor} wäre nicht mehr viel vom Spiel übrig. Egal ob Formel-1-Mod oder Nordschleife. Insgesamt haben die Fans Zugriff auf mehrere hundert (!) „Gratis-AddOns“. Und auch für die Zukunft ist kein Ende in Sicht. Selbstverständlich sei an dieser Stelle angemerkt, dass es sich bei allen Mods um privat erstellte Zusatzprogramme handelt – starke Qualitätsschwankungen sind daher selbstverständlich. Dennoch hat man eine solche Quanti- und Qualität der Modder bei einem Rennspiel selten gesehen.

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Die Grafik von rFactor lässt zu wünschen übrig.
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Und das ist auch gut so. Denn die Kaufversion von {rFactor} beinhaltet gerade mal je zwölf verschiedene Fahrzeuge und lizensierte Strecken, darunter beispielsweise der Nürburgring oder der Jacksonville Speedway. Somit wäre der Erfolg von {rFactor} ohne den modder-freundlichen Programmierstil der Entwickler gar nicht möglich gewesen.

Ansonsten eher Mittelmaß

Wie viel Grafik braucht eine Rennsimulation? Ohne an dieser Stelle näher auf diese immer mal wieder diskutierte Frage einzugehen, ist schlicht und ergreifend festzuhalten, dass {rFactor} grafisch gesehen keinen aktuellen Standard erfüllt. Die Texturen wirken etwas zu bunt.

Schatten- und Lichteffekte sowie dynamischer Tag/Nacht-Wechsel sind zwar im Spiel integriert, trösten aber trotzdem nur über das Gröbste hinweg. Die Präsentation der Strecken wirkt leider zu häufig ein wenig lieblos, so dass richtige Rennatmosphäre nur selten aufkommt. Auf der anderen Seite überzeugen die vielen verschiedenen Kameraperspektiven und der umfangreiche Replay-Modus, sowie interessante Details wie Spiegel- und Sitzverstellung.

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Nach einem heftigen Dreher haben sich die Reifenspuren in den Asphalt gebrannt.
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Hinzu kommen sehr übersichtliche und hübsch gestaltete Menüs. Jede Einstellung befindet sich an der richtigen Stelle. Sogar das in anderen Rennspielen häufig überladene Fahrzeugsetup ist in sinnvolle Kategorien unterteilt. Der rockige Soundtrack, der während des Navigierens durch die Menüs erklingt, sorgt schon vorab für die richtige Atmosphäre. Und auch der Sound während der Rennen stimmt. Egal ob Rallye oder Tourenwagen: Die Motorensounds hören sich immer voll und lebendig an. Zumindest in dieser Hinsicht bleiben so also kaum Wünsche offen.