Im Kino ist der Januar traditionell der Monat der Filme, die keiner sehen will. Doch gilt das auch für Spiele? Nicht immer. Der Jahresbeginn vor 16 Jahren brachte zwei langlebige Spielereihen hervor, die sich auch heute noch größter Beliebtheit erfreuen. Nicht vergessen darf man den Start zweier Kultserien und die Geburt des ersten Blackberrys. Begleitet uns auf eine Reise in den Januar von 1999.

Der Monat der Kultserien

TV-Serien sind mittlerweile wieder eine feste Größe im alltäglichen Leben, doch vor nicht allzu langer Zeit galten sie höchstens als besseres Füllmaterial für das Vorabendprogramm. Heute sind Produktionen wie Game of Thrones, The Walking Dead und The Big Bang Theory nicht mehr wegzudenken. Ganz im Gegenteil, die großen Video-Streaming-Dienste produzieren eigene Serien, um neue Nutzer für ihr Angebot zu gewinnen. Manch einer behauptet gar, Serien seien im Begriff, den großen Kinofilmen den Rang abzulaufen. Davon war man anno '99 noch weit entfernt. Doch zwei Kultserien feierten im Januar vor 16 Jahren ihren Einstand.

Family Guy

Als Seth McFarlance am 31. Januar 1999 als bis dato jüngster Executive Producer die Comedy-Zeichentrickserie Family Guy auf Fox startete, hätte er sich nie träumen lassen, dass die Serie mal über zwei Milliarden Dollar wert sein würde. McFarlane kreierte seine Kultserie basierend auf den beiden Kurzfilmen The Life of Larry und Larry & Steve. The Life of Larry war sein Abschlussfilm an der Rhode Island School of Design.

Larry & Steve war dann die Fortsetzung, die McFarlane als Beitrag zu Cartoon Networks What a Cartoon-Reihe produzierte. Diese Film von 1997 gab auch den Ausschlag für die mit Zitaten und Anspielungen gespickte Zeichentrickserie Family Guy. 16 Jahre später bringt es die Serie nach einer zweijährigen Unterbrechung auf satte 239 Episoden in 13 Staffeln, unzähligen Nominierungen und mit The Cleveland Show auch auf einen Ableger.

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Die Sopranos

David Chase plante Die Sopranos ursprünglich als Film – ein Glück, dass daraus am Ende eine Serie wurde, denn als Film hätten sich die Charaktere niemals so vielseitig entfalten können. Aber auch als Serienkonzept war es kein leichtes Unterfangen, den passenden Sender zu finden. Die Thematik und die explizite Sprache sind nun mal nicht unbedingt das fernsehtaugliche Material, das man der ganzen Familie vorsetzen kann. Erst als der Kabelsender HBO zusagte, konnten Die Sopranos am 10. Januar 1999 ihren Einstand feiern und bis 2007 rund sechs Staffeln hervorbringen.

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Die Sopranos gilt bis heute als eine der besten Serien überhaupt.
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Die TV-Serie teilt nicht nur die Darsteller mit Martin Scorseses Goodfellas (satte 28 Darsteller teilen sich Die Sopranos und Scorseses Mafia-Epos), sondern auch die Klasse. Heute gilt die mit Preisen überhäufte Serie als eine der besten TV-Produktionen aller Zeiten. Sie war in der Tat so authentisch, dass die echte Mafia dachte, die Produzenten hätten einen Insider an Bord. Und der 2013 verstorbene James Gandolfini war nie besser als in seiner Rolle des Tony Soprano, für die er drei Emmys erhielt.

Im Kino nichts Neues

Der Januar 1999 war ein typischer Kinomonat. Sprich: Es liefen die Filme, in die man die wenigsten Hoffnungen setzte. Eine Ausnahme stellte Terrence Malicks Der schmale Grat dar, der bereits im Dezember 1998 in limitierter Form in den Kinos anlief und am 15. Januar 1999 auf über 1500 Kinos ausgedehnt wurde.

Der schmale Grat (Originaltitel: The Thin Red Line)

Steven Spielbergs Der Soldat James Ryan sorgte für ein Wiederauferstehung des Zweiten Weltkriegs auf der Leinwand – und Terrence Malicks Der schmale Grat profitierte sicherlich auch davon. Doch fast wäre der bildgewaltige Antikriegsfilm gar nicht zustande gekommen. Sony Pictures fürchtete, dass die Kosten des Films explodieren könnten. Erst eine Finanzspritze von Fox Pictures konnte die Produktion sichern.

Malick, der bis dato nur zwei Filme als Regisseur vorwies, und dessen letzte Regiearbeit 20 Jahre zurücklag, schuf ein sechsstündiges Epos, das er auf knapp drei Stunden herunterkürzte. Dem Schnittmassaker fielen viele der unzähligen Hollywoodstars zum Opfer, darunter Mickey Rourke und Bill Pullman. Der schmale Grat wurde insgesamt für sieben Oscars nominiert und ging als einer der großen Verlierer bei den 71. Oscars komplett leer aus.

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Eine wie keine (Originaltitel: She's all that)

Die Prämisse der Teenie-Komödie Eine wie keine ist im Grunde nur eine Variation der Geschichte vom hässlichen Entlein. Mit einer Änderung: Hier wettet ein Schönling, dass er aus der schönen Rachael Leigh Cook eine unverändert schöne Ballkönigin machen kann. Wahnsinns-Twist. Kein Wunder, hatte hier doch M. Night Shyamalan als Ghostwriter seine Hände im Spiel. Und für Fans der Metaebene: Eine wie keine wurde in derselben High School-Kulisse gedreht wie die TV-Serie Buffy – Im Bann der Dämonen und Buffy-Darstellerin Sarah Michelle Gellar hatte sogar einen Gastauftritt. Nicht nur Eine wie keine wurde ein Hit, auch der Soundtrack-Beitrag Kiss Me rotierte erfolgreich in den Charts.

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Ob Donald Sutherland das Geld brauchte?
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Virus – Schiff ohne Wiederkehr (Originaltitel: Virus)

Virus – Schiff ohne Wiederkehr dürfte das Paradebeispiel für Filme sein, die man auf das Abstellgleis namens Januar geschoben hat. Zu der Zeit waren derartige Filme mit B-Movie-Touch hoch im Kurs. Neben Stephen Sommers Octalus – Der Tod aus der Tiefe und Peter Hyams Das Relikt gab es noch unzählige Direct-to-Video-Produktionen, die sich der Alien-Thematik bedienten. Das Regiedebüt des VFX-Spezialisten John Bruno basierte dabei auf einem Dark-Horse-Comic, das ursprünglich als Film ausgelegt wurde.

Neben den Kritikern, die den Film verrissen, und dem Publikum, das den Film schmähte, war auch Hauptdarstellerin Jamie Lee Curtis nicht gerade begeistert von diesem Trash-Werk. In einem Interview teilte sie mit, dass sie Virus immer dann erwähne, wenn ihr Freundeskreis darüber sinniere, in welchem schlechten Film man mitgespielt habe.

Gruseln, Prügeln und eine riesige Stadt

Der Januar 1999 markierte die Geburt zweier Spielereihen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während sich die eine noch immer größter Beliebtheit erfreut, ist die andere im Begriff, nach Jahren der Ausbeutung eine fulminante Wiederauferstehung durch Mastermind Hideo Kojima und Horror-Genie Guillermo del Toro zu erfahren. Und es wurde eine Städtesimulation veröffentlicht, die im Gegensatz zu einer späteren Fortsetzung nicht mit Online-Sperenzchen aufwartete.

Super Smash Bros.

Mit Super Smash Bros. Wii U hat Nintendo einen Titel im Repertoire, der selbst das erfolgreiche Mario Kart 8 hinter sich lässt. Kaum zu glauben also, dass das allererste Super Smash Bros. ursprünglich als schnell heruntergekurbelter Brawler exklusiv für das japanische Publikum herausbracht wurde. Das von HAL Laboratories entwickelte Spiel entpuppte sich mit über einer Millionen verkaufter Module in Japan allerdings als dermaßen riesiger Hit, dass Nintendo das Spiel auch in den USA und Europa veröffentlichte. Dabei war der Erfolg vorprogrammiert.

Nicht nur, weil es auf Nintendos letzter Modul-Konsole fast keine Prügelspiele gab und die wenigen vorhandenen fast ausnahmslos unbrauchbar waren. Wer wollte nicht auch schon immer mal wissen, ob Link Marior dicken Klempnerhintern versohlen könnte oder wer den größeren Appetit hat: Yoshi oder Kirby? Während es heute über 50 Charaktere sind, die zur Auswahl stehen, musste sich der N64-Zocker von anno '99 noch mit gerade mal 12 Kämpfern begnügen. Super Smash Bros. verkaufte sich insgesamt rund fünf Millionen Mal und gehört heute zu den Pflicht-Iterationen auf jeder Nintendo-Plattform. Mit Super Smash Bros. 3DS ist auch erstmals ein Handheld-Ableger erschienen.

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Silent Hill

Capcom hatte 1996 mit Resident Evil das Genre des Survival-Horrors begründet. Doch es war Konami, die mit Silent Hill den wahren Horror einführten. Ursprünglich sollte Silent Hill Konamis Versuch sein, in die Fußstapfen von Capcom zu treten und mit einem „hollywoodmäßigen“ Spiel den amerikanischen Markt zu erobern. Doch nachdem die Verantwortlichen das Vertrauen in das Projekt verloren, hatte Team Silent quasi freie Bahn für seine eigenen Ideen – ein Glücksgriff. Director Keiichiro Toyama ersetzte den B-Movie-Touch der Resident-Evil-Reihe durch einen tiefgründigen, psychologischen Horror ganz im Stil seines Vorbilds David Lynch. Etwas, dessen sich auch heutige Indie-Horrortitel bedienen.

Die Geschichte von Harry Mason, der in der typisch amerikanischen Kleinstadt Silent Hill nach seiner verschollenen Adoptivtochter Cheryl sucht, blieb mit Absicht zu weiten Teilen undurchsichtig. Bevor Silent Hill hierzulande veröffentlicht werden durfte, mussten einige Dinge geändert werden. So auch ein Gegnertyp, der einem Kind ähnlich sah. Der große Erfolg bei Kritikern und Spielern sorgte dafür, dass heute neben zwei Kinofilmen auch unzählige weitere Teile erschienen sind, die in ihrer Qualität stark schwanken. Leider hat die Reihe dadurch an Glaubwürdigkeit bei den Fans verloren. Doch das neue Silent Hills von Hideo Kojima und Guillermo del Toro könnte die Reihe wieder auf den rechten Pfad geleiten.

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Silent Hill lehrte vielen das Fürchten.
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SimCity 3000

Die Inspiration für das erste SimCity erhielt Erfinder und Entwickler Will Wright durch sein Spieledebüt Raid on Bungeling Bay von 1984 für den Commodore 64. Das war zwar eigentlich ein Shoot-'em-Up, doch Angriff auf den Archipel, wie das Spiel in Deutschland hieß, hatte einen Level-Editor, den Wright interessanter fand als das eigentlich Spiel – SimCity war geboren. Und im Januar '99 erschien mit SimCity 3000 bereits der dritte Teil der Städtesimulation. Ganz ohne Internetzwang und massiven Bugs, dafür mit vielen sinnvollen Verbesserungen und zusätzlichen Features, die das Spiel gegenüber dem Vorgänger SimCity 2000 komplexer gestalteten.

Neben Features wie Abfallwirtschaft und der Kommunikation mit Nachbarstädten gab es auch einen Nachrichtenticker, der den Spieler mit versteckten Hinweisen vor herannahenden Katastrophen warnte. Es erschien zudem eine erweitere Fassung mit dem Titel SimCity Deutschland, die 150 typisch deutsche Bauwerke wie das Brandenburger Tor oder Fachwerkhäuser enthielt. Interessanterweise ist SimCity 3000 der einzige Ableger, den man nicht digital im Internet erwerben kann.

Eine Brombeere erobert die Welt

Es gab mal eine Zeit, da waren Handys noch das Massenprodukt und Smartphones tatsächlich nur eine Randerscheinung für Business-Leute. An das IBM Simon wird sich wohl kaum einer erinnern, auch wenn es gemeinhin als das erste Smartphone gilt. Bekannter war die Communicator-Reihe vom damaligen Handy-Marktführer Nokia. Doch richtig hip wurden Smartphones erst mit der Blackberry-Reihe des kanadischen Startup-Unternehmens Research in Motion, das seit 2013 so heißt wie sein bekanntestes Produkt.

Apples iPhone und Samsungs Galaxy-S-Reihe waren noch Jahre entfernt und somit auch die Betriebssysteme iOS und Android. Research in Motion hatte also kaum Konkurrenz. Das Blackberry 850, das RIM am 19. Januar 1999 veröffentlichte, hatte zwar noch keine Telefonfunktionen, war also auch noch kein Smartphone, dafür bot es bereits die Blackberry-typischen Merkmale wie ein Steuerrädchen, QWERTZ-Tastatur, einen einfachen HTML-Browser und, ganz wichtig, Push-Mail-Funktion. Gerade Geschäftsleute waren und sind darauf angewiesen, jederzeit und überall auf ihre E-Mails zurückgreifen und ihre Termine verwalten zu können.

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Das Blackberry 850
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Ein Jahr später erschien das Blackberry 957 mit einem größeren Bildschirm und 2002 schließlich das Blackberry 5810 – das erste richtige Smartphone von RIM. Die 7200-Reihe brachte dann auch endlich Farbe ins Spiel. Spätestens als „Promis“ wie Paris Hilton mit ihren Blackberrys gesichtet wurden, war das Unternehmen der Hipster unter den Smartphone-Herstellern – und blieb es auch, bis Steve Jobs die Welt auf der hauseigenen Apple-Keynote mit den Worten „One more thing“ für immer veränderte.

Der Euro wird eingeführt

Heute hat sich der Euro schon längst etabliert. Es gibt nur noch wenige, die auf nostalgische Weise der D-Mark hinterhertrauern. Eingeführt wurde der Euro als Bargeld zwar erst am 1. Januar 2002, die Einführung als Buchgeld, also als bargeldloses Zahlungsmittel, erfolgte aber bereits am 1. Januar 1999. Den Mythos des Teuros haben zahlreiche Studien übrigens schon lange widerlegt.