Es wimmelt von Jahresrückblicken, hüben wie drüben, und auch wir lassen 2014 hier und hier noch einmal Revue passieren. An dieser Stelle blicken wir jedoch nicht nur auf die vergangenen zwölf Monate zurück, sondern gleich noch viel weiter in die Vergangenheit: in den Dezember des Jahres 1996.

Die fünfte Konsolen-Generation war noch in 32-Bit- bzw. 64-Bit-Gefilden unterwegs und es war das erste Weihnachtsduell zwischen der PlayStation von Sony und dem Nintendo 64 des Traditionsunternehmens aus Kyoto – auch wenn wir uns in Europa noch bis März '97 gedulden mussten, bis auch wir in den Genuss von Mario 64 und ähnlich tollen Titeln kamen. Vor allem für Rollenspieler war es ein spannender Monat - und auch für Steve Jobs, denn er sollte endlich offiziell zu seinem Baby Apple zurückkehren. Der Dezember vor 18 Jahren war ein aufregender Monat.

Retro-Rückblick - Der Dezember vor 18 Jahren

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 1/71/7
Tomb Raider war nur einer der Top-Titel im Dezember 1996.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Im Kino weihnachtet es sehr

Der Dezember 1996 war ein besinnlicher und besonders kalter Monat. Wer nicht gerade ein Wintersportler war, blieb lieber zuhause in Heizungsnähe oder ließ sich im Kino mit weihnachtlicher Vorfreude berieseln. Zwei Weihnachtsfilme buhlten dabei um die Gunst des Publikums: Arnold Schwarzeneggers Versprochen ist versprochen und Renny Harlins Tödliche Weihnachten – The Long Kiss Goodnight. Außerdem lief in diesem Monat auch der für viele Trekkies beste Star-Trek-Film aller Zeiten an: Star Trek: Der erste Kontakt.

Versprochen ist versprochen, Originaltitel: Jingle All the Way

Komödien waren nicht unbedingt Arnold Schwarzeneggers Steckenpferd und dennoch versuchte er es, durchaus auch mit Erfolg, immer wieder in diesem Genre. Doch gerade Versprochen ist versprochen von Brian Levant zeigte einmal mehr sein eingeschränktes schauspielerisches Können.

Zu einem Problem wurde das jedoch nicht: Die weihnachtliche Stimmung rettete Versprochen ist versprochen mit knapp 130 Millionen Dollar über die Ziellinie.

176 weitere Videos

Tödliche Weihnachten, Originaltitel: The Long Kiss Goodnight

Nicht ganz so viel Glück hatte Actionprofi Renny Harlin mit dem Bourne-inspirierten Actionfilm Tödliche Weihnachten mit seiner damaligen Frau Geena Davis und Samuel L. Jackson in den Hauptrollen. Bereits mit seinem vorherigen Film Die Piratenbraut, der ebenfalls mit Davis besetzt wurde, ging Harlin gehörig baden.

Dieser Megaflop versenkte mal eben im Alleingang das Produktionsstudio Carolco Pictures, aus dessen Schmiede so kultige Filme wie Terminator 2 – Die Abrechnung oder auch die Rambo-Trilogie hervorgingen. Zwar besann sich Harlin auf seine Talente, die er auch in Stirb Langsam 2 und Cliffhanger zur Schau stellte, und auch das Drehbuch von Shane Black gab mächtig Gas, das Publikum wollte im Dezember 1996 aber wohl keinen Actionfilm sehen – auch nicht im Weihnachtsgewand.

176 weitere Videos

Star Trek: Der erste Kontakt, Originaltitel: Star Trek: First Contact

Im Dezember 1996 erschien auch der für viele Trekkies beste Star-Trek-Film aller Zeiten. Jonathan Frakes' Star Trek: Der erste Kontakt war action- wie trickreich und bot eine fantastische Geschichte, die sich um die Borg und ihren Versuch drehte, den ersten Kontakt der Menschen mit den Vulkaniern und damit die Geburt der Föderation zu verhindern. Die Borg sahen hier so furchterregend und gleichzeitig fantastisch aus, dass es eine Oscar-Nominierung für das beste Makeup gab. Auch gilt Star Trek: Der erste Kontakt als einer der erfolgreichsten Star-Trek-Filme.

176 weitere Videos

Ein fantastischer Monat für Rollenspieler

Der Dezember 1996 war auch ein Segen für Rollenspiel-Fans. Nicht nur, dass die europäischen PAL-Regionen endlich mal ein japanisches Rollenspiel erhielten, das nicht erst den Weg in die USA finden musste, es war auch die Geburt einer Hack-and-Slay-Reihe, die das Rollenspiel-Genre auf dem PC wiederbelebten sollte. Die Rede ist von Terranigma für das Super Nintendo und Blizzards Diablo.

Terranigma

Zu 16-Bit-Zeiten sah es noch recht düster aus für Liebhaber von japanischen Rollenspielen. Viele Titel wie die Final-Fantasy-Reihe schafften es gar nicht erst nach Europa, geschweige denn nach Deutschland. Erst das enorm erfolgreiche Action-Adventure Secret of Mana von Squaresoft (heute Square Enix), das in Deutschland von Nintendo vertrieben wurde und welches man per Adapter auch zu dritt durchdaddeln durfte, sorgte für einen leichten Umschwung. Fortan wagten auch andere Publisher, den ein oder anderen japanischen Titel in Deutschland zu veröffentlichen.

Retro-Rückblick - Der Dezember vor 18 Jahren

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 1/71/7
Terranigma ist eines der besten SNES-RPGs.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Neben Illusion of Time, Lufia und Breath of Fire ist vor allem ein Titel hervorzuheben: Terranigma von Quintet, das hierzulande ebenfalls von Nintendo vertrieben wurde. Es erschien als eines der letzten großen Rollenspiele für das Super Nintendo, denn das Nintendo 64 stand bereits vor der Tür. Der inoffizielle dritte Teil der Soul-Blazer-Trilogie, zu der neben Soul Blazer auch Illusion of Time gehörte, war ein krönender Rollenspiel-Abschluss und zugleich ein 128-Bit-Monster von einer Cartridge, die Nintendo-typisch mitsamt 76-seitigem Spieleberater in einer großen Box daherkam.

In Terranigma ist die Welt durch Kriege bereits zerstört. Euer Held haust in einem kleinen Dorf in der Unterwelt, doch durch ein Missgeschick gefährdet er das Leben aller im Dorf. Es gilt erst sein Dorf zu befreien und daraufhin die leblose Oberwelt wieder zum Erblühen zu bringen. Dabei vereint Terranigma gekonnt Action-Adventure mit ein wenig Wirtschaftssimulation, die in eine spannende wie traurige Geschichte eingebettet ist und von einem fantastischen Soundtrack begleitet wird.

176 weitere Videos

Diablo

Mitte der 90er war das Genre des Rollenspiels auf dem PC de facto tot. Das Genre, das seine Hochzeiten in den 80ern feierte, wurde in den 90ern von Ego-Shootern und der aufkommenden Begeisterung für schicke 3D-Grafiken in ein Nischendasein gedrängt. Dann kam Blizzard Entertainment um die Ecke und revolutionierte das Genre: Hack-and-Slay war geboren.

Retro-Rückblick - Der Dezember vor 18 Jahren

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 1/71/7
Diablo bot eine verdammt düstere Stimmung.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ursprünglich wollten die Entwickler David Brevik und die Schaefer-Brüder Diablo als rundenbasiertes DOS-Spiel veröffentlichen. Inspiriert wurden sie dabei vom Rollenspiel Telengard von 1982 sowie J.R.R. Tolkien und Might & Magic. Doch dann verleibte sich Blizzard das von ihnen gegründete Studio Condor ein, nannte es in Blizzard North um und wandelte Diablo in ein Echtzeit-Rollenspiel für Windows – ein wichtiger Schritt für
das Genre des Hack-and-Slay. Gleichzeitig mit Diablo veröffentlichte Blizzard auch das Battle.net, ein integraler Bestandteil aller heutigen Blizzard-Titel.

Diablo wurde ein sensationeller Erfolg und heimste alle möglichen Preise ein. Das atmosphärische Spiel mit der gruseligen Stimmung hatte es sich auch redlich verdient, selbst wenn die Geschichte vom Fürsten der Finsternis – der es sich in den Katakomben unterhalb der Kirche des Dorfes Tristram gemütlich gemacht hat und nun von einem tapferen Helden ausgeräuchert werden soll – nicht besonders spannend klingt – die Atmosphäre macht das Spielvergnügen aus. Ein Instant-Klassiker.

176 weitere Videos

Die erste weibliche Heldin (mit Raketenbrüsten), ein rappender Hund und mehr

Natürlich bot der Monat auch für Fans anderer Genres einige Highlights, die man nicht vergessen wird. Neben einem rappenden Comic-Hund sorgte vor allem eine weibliche Heldin mit spitzen Raketenbrüsten für weltweites Aufsehen, selbst unter Nichtspielern. Und dann erschien auch noch das allerletzte Spiel für den Sega Game Gear.

Tomb Raider

In unserer Rubrik Unnützes Gaming-Wissen haben wir sie bereits behandelt – die spitzen Raketenbrüste von Lara Croft aus Tomb Raider. Ursprünglich sollten sie gar nicht so groß werden, doch Character Designer Toby Gard zog den Regler für Laras Brustumfang „versehentlich" von 50 auf 150 – Lara Croft
ward geboren. Doch Core Designs Tomb Raider bot mehr als nur den gewaltigen Brustumfang seiner knackigen Archäologin.

Retro-Rückblick - Der Dezember vor 18 Jahren

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 1/71/7
Welch schöner Anblick.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Kurios auch der Originalwortlaut der deutschen Werbung: „Du kannst mich in 2000 Positionen bewegen. Versuch' das mal mit deiner Freundin!“ Vom zu Beginn Sega-Saturn-exklusiven Spiel wurden insgesamt weltweit über sieben Millionen Exemplare verkauft. Auf dem PC sorgte Tomb Raider zusammen mit Spielen wie id Softwares Quake und Parallax Softwares Descent 2 für den Erfolg von 3dfx' D-Beschleuniger Voodoo Graphics und für die Konkurrenztauglichkeit des PCs gegenüber den Konsolen.

176 weitere Videos

PaRappa the Rapper

Mit der ersten PlayStation von Sony gab es nicht nur erstmals rasante 3D-Grafiken auf dem heimischen Fernseher, sondern auch Soundausgabe in astreiner CD-Qualität. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Rhythmus-Spiele ihren Weg auf Konsolen finden würden. Und mit PaRappa the Rapper kam nicht nur einer der ersten Ableger dieses Genres auf die PlayStation, sondern auch einer der kultigsten.

Das von Masaya Matsuura und seinem Studio NanaOn-Sha entwickelte Spiel handelt vom rappenden Hund Parappa, der versucht, das Herz der Blume Sunny Funny zu erobern. So begibt sich Parappa gemeinsam mit seinen Freunden auf eine abenteuerliche Reise, unterschiedliche Fähigkeiten zu erlernen, um Sunny Funny zu beeindrucken. Dabei bekommt er es auch mit seinem Erzfeind Joe Chin zu tun, der ebenfalls an Sunny Funny interessiert ist.

176 weitere Videos

Star Wars: Shadows of the Empire

Mit Star Wars: Shadows of the Empire veröffentlichte LucasArts einen Third-Person-Shooter für das neue Nintendo 64, in dem man auch in allerhand Vehikel steigen konnte. Shadows of the Empire gehörte zu den Start-Titeln der Konsole und konnte sich als solcher 1997 zu den drei meistverkauften Spielen für das N64 zählen.

Retro-Rückblick - Der Dezember vor 18 Jahren

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 1/71/7
Hoth bot die perfekte Kulisse für den N64-Grafikmatsch.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Geschichte drehte sich um den Schmuggler Dash Rendar, einen eher unbedeutenden Charakter aus dem gleichnamigen Roman von Steve Perry, da LucasArts für das Spiel keinen der bedeutenden Charaktere wie Han Solo verwenden wollte. Stattdessen besann man sich auf Dash Rendar, den man durch zehn schweißtreibende Level scheuchen durfte, was aufgrund der ungenauen Steuerungen keine leichte Sache war. Rendar verschlug es auf dem Planeten Hoth kurz nach der Schlacht bis hin zu Xixors Palast auf Coruscant. Herausragend war vor allem der orchestrale Soundtrack – auf dem N64 aufgrund der Module eine Seltenheit.

176 weitere Videos

Eine grandiose Rückkehr

Sonic Blast

Mit Sonic Blast veröffentlichte Sega am 12. Dezember 1996 den letzten offiziellen First-Party-Titel für den Game Gear, Segas Game-Boy-Konkurrent, der – obwohl man über ein Farbdisplay und sogar einen TV-Tuner verfügte – Nintendos Handheld niemals das Wasser reichen konnte. Zu der Zeit waren Spiele mit vorgerenderter Grafik nicht zuletzt durch Nintendo und Rares legendäre Donkey-Kong-Country-Reihe in aller Munde. Auch Sega konnte da nicht mithalten und entwickelte als Abschiedsspiel für den Game Gear Sonic Blast, in dem man sich wahlweise mit Sonic oder Knuckles in das Abenteuer stürzen konnte, um insgesamt fünf Chaos-Smaragde zu finden.

176 weitere Videos

Apple kauft NeXT und holt seinen verlorenen Sohn Steve Jobs nach Hause

1996 gab es keine Technik-News, die für mehr Schlagzeilen sorgte als dieser aufsehenerregende Deal zwischen Apple und NeXT – beides Unternehmen, die von Steve Jobs gegründet worden waren. Doch während sein Startup-Unternehmen NeXT Software, Inc. gemäß dem progressiven Logo des Designers Paul Rand für Eleganz, Expertise und Exzellenz stand und sich binnen weniger Jahre und eher unfreiwillig vom Hardware-Hersteller mit Spezialgebiet Workstations zum Software-Entwickler des Betriebssystems NeXTStep entwickelte, ging es mit Apple seit der unglücklichen Kündigung Jobs nur noch bergab.

Das marode Hardwaregeschäft lag brach und Apple sah sich gezwungen, das hauseigene Betriebssystem Mac OS an andere Hardwarehersteller zu lizenzieren, um konkurrenzfähig zu bleiben. Leider blieben die erhofften Marktanteile aus, die Aktie rutschte auf ein Rekordtief und das Unternehmen aus Cupertino stand kurz vor der völligen Zahlungsunfähigkeit. Es musste sich etwas tun, und zwar sofort. Apples damaliger CEO Gil Amelio wollte ursprünglich das Unternehmen Be Incorporated übernehmen, um deren Betriebssystem BeOS nutzen zu können. Doch dann kam Steve Jobs mit dem Angebot, NeXT zu veräußern.

Retro-Rückblick - Der Dezember vor 18 Jahren

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 1/71/7
Steve Jobs und Apples damaliger CEO Gil Amelio.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Es half, dass eine Übernahme von Be Incorporated im Sande verlief, da das Unternehmen zu hohe Forderungen stellte. Stattdessen übernahm Apple am 20. Dezember 1996 offiziell Steve Jobs' NeXT Software, Inc. für 429 Millionen Dollar. Jobs erhielt zudem 1,5 Millionen Apple-Aktien obendrauf. Auf Basis von NeXT Softwares Betriebssystem NeXTStep entwickelte man bei Apple das Betriebssystem Max OS X. Doch der wahre Gewinn sollte die Rückkehr Jobs' (zunächst lediglich als „Berater“) sein. Im Sommer 1997, nach der Entlassung von Amelio, übernahm Jobs als Übergangs-CEO, wechselte fast das komplette Management aus und machte das Unternehmen als CEO zum dominierenden Global Player von heute.