UPDATE:

Es gibt Neuigkeiten von Emulator-Entwickler und SNES-Archivar Byuu: Die United States Postal Services hat ihm ein Schreiben mit einem abgerissenen Stück Verpackung des 10.000-Dollar-Paketes (!) aus Deutschland zukommen lassen und sich bei ihm für diese "Unannehmlichkeiten" entschuldigt. Sein Paket sei bei der Verarbeitung "gefressen" worden. Doch besonders die Tatsache, dass das Label oben und unten sauber ausgeschnitten worden war, sei für ihn hochgradig verdächtig, weswegen er nun mehr denn je glaube, dass irgendwelche USPS-Mitarbeiter in Jersey City, wo das Paket zum letzten Mal erfasst wurde, die Lieferung offenbar einfach geklaut haben.

Hoffnung bestehe aber noch immer: Jemand vom USPS-Kundendienst kümmere sich auch aufgrund des Medieninteresses um die Untersuchung des Zwischenfalls. Sollten die Spiele nicht mehr auftauchen, wolle sich Byuu um eine angemessene Entschädigung des deutschen Sammlers kümmern.

Ursprüngliche Nachricht:

100 SNES-Titel sind beim Transportweg verloren gegangen. Dabei entstand ein Schaden von bis zu 10.000 Dollar. Diesen Schock erlebten nun ein deutscher Sammler und ein amerikanischer Spiele-Archivar und Emulator-Entwickler.

Retro-Gaming - *UPDATE* Schock: Paket mit SNES-Modulen im Wert von 10.000 Dollar geht "verloren"

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Hudson Softs Hagane ist eines der verloren gegangenen Titel
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Jeder dürfte mal etwas auf dem Postweg verloren haben, vor allem, oder hauptsächlich, wenn etwas unversichert versendet wurde. Ist das Päckchen weg, ist der Ärger groß. Aber etwas Vergleichbares wie Spiele-Archivar und SNES-Emulator-Entwickler Byuu dürfte noch keiner von uns erlebt haben: Dem ging ein dickes Paket verloren, in dem sich 100 SNES-Module im Gesamtwert zwischen 7.500 und 10.000 Dollar befanden.

Die Chronik des Schreckens

Ein Albtraum - soviel steht fest. Für Byuu sicher, aber ganz besonders für den deutschen Sammler, der ihm bei seiner Arbeit behilflich sein wollte. Byuu arbeitet nach eigener Aussage seit über 13 Jahren am SNES-Emulator Higan und hegt den Anspruch, den bestmöglichen Emulator entwickeln zu wollen. Darüber hinaus ist er daran interessiert, alle jemals erschienenen SNES-Titel zu archivieren und zu sichern. Hierzu hat er sich bereits alle 725 jemals in den USA verkaufte SNES-Spiele besorgt, die zusammen über 10.000 Dollar gekostet haben. Nach getaner Arbeit hat er diese wieder verkauft und mit weiteren 10.000 zusätzlich alle 1450 in Japan erschienenen SNES-Titel erworben.

Als Nächstes wollte er sich eigentlich daran machen, alle PAL-Titel für den SNES zu besorgen, aber da er knapp bei Kasse ist, bot ihm ein hilfsbereiter Sammler aus Deutschland mit einer PAL-SNES-Sammlung von über 400 Spielen an, ihm paketeweise SNES-Titel in die USA zu schicken, damit er sie "dumpen" kann.

Die Lieferung ging am 5. Januar per DHL und bis zu einem Betrag von 1000 Euro versichert los. Der Plan sah vor, dass Byuu die 100 Spiele sichert und sie dann zurückschickt. Doch in Jersey City blieb das Paket stehen - nichts tat sich mehr. Und bis heute bleibt das Paket verschollen. "Ich bin mir sicher, dass das Paket entweder verloren gegangen ist oder gestohlen wurde, da die Lieferung längst überfällig ist", so Byuu.

Zunächst wandte er sich an DHL, die ihn an das US Postal Service verwiesen, da die DHL nicht mehr länger zuständig war. Doch auch die USPS konnte nicht weiterhelfen. Genauso wenig wie Freunde und Bekannte.

Wertvolle Titel

Unter den Spielen, die ihm zugeschickt wurden, befanden sich absolut rare und gesuchte Titel wie Castlevania: Vampire’s Kiss, First Samurai, The Firemen, Demon’s Crest, Mega Man 7, Mega Man X, Mega Man X2, Mega Man X3, Ninja Warriors, Hagane und Incantation. Allein Castlevania: Vampire's Kiss, Hagane, Demon's Crest und Mega Man X3 haben zusammen einen Wert von bis zu 2900 Euro unter Sammlern. Dennoch blieb der Sammler aus Deutschland offenbar gelassen und bot Byuu an, ihm weitere SNES-Spiele zuzuschicken - nur dieses Mal in kleineren Paketen mit höherer Versicherungssumme.

Byuu hat aber vorerst abgelehnt, denn für ihn steht nun an erster Stelle, den Sammler zu entschädigen: Am besten in Form der Spiele, die er verloren hat, mindestens aber will Byuu den finanziellen Verlust ersetzen. Zudem bittet er darum, die Augen offen zu halten und auf verdächtige Ebay-Auktionen oder PAL-SNES-Titel zu achten, die in An- und Verkäufen in Jersey City und Umgebung angeboten werden - es könnten die Spiele sein, die auf dem Weg zu ihm "verloren" gegangen sind.

Was sein Projekt angeht, das ist wohl nun vorerst auf Eis, wie er zugibt: "Ihm ist der Saft ausgegangen", so Byuu. "Ich habe das Projekt gestern für tot erklärt, weil ich angenommen hatte, dass der Leihgeber wütend über den Verlust seiner Spiele sei und keine weiteren Titel ausleihen würde. Aber es sieht ganz danach aus, als sei er weiterhin bereit, weiterzumachen, nur mit kleineren Mengen und höherer Versicherung - vorausgesetzt, die DHL wird die Versicherungssumme auszahlen. Von daher ist das Projekt nun erst einmal im Limbo. Dennoch habe ich nun enorme Angst davor, dass Pakete auf dem Lieferweg verloren gehen."

Dann hoffen wir mal, dass sich der Schaden auf die ein oder andere Weise beheben lässt. Und vielleicht tauchen die Spiele ja doch noch auf.