Gunpei Yokoi war der geniale Kopf hinter Nintendos Erfolgsprodukten wie die Game & Watch-Spiele und dem Game Boy. Leider verstarb er kurz nach seinem Virtual Boy-Flop und seinem Abgang von Nintendo. Dieses letzte große Interview kurz vor seinem Tod ist nun erneut aufgetaucht und übersetzt worden.

Retro-Gaming - Game-Boy-Erfinder Gunpei Yokois letztes großes Interview von 1997

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Gunpei Yokoi größte Erfindung war der Game Boy
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Über 30 Jahre war Gunpei Yokoi bei Nintendo angestellt. Bis zum verhängnisvollen Virtual Boy wurde quasi alles, was Yokoi bei Nintendo anfasste, zu Gold. Zu Beginn wartete er noch die Maschinen, die Hanafuda-Karten produzierten, doch der legendäre Präsident Hiroshi Yamauchi war es, der 1966 ein von Yokoi erfundenes Spielzeug bemerkte - die Ultra Hand war geboren. Seither war Yokoi einer der treibenden Kräfte hinter Nintendos Erfolgsprodukten. Vom Love Tester über die ersten Game & Watch-Handhelds bis hin zum Game Boy - die Liste an Erfindungen Yokois ist lang. Er war es auch, dem wir das Digikreuz zu verdanken haben und er gab auch entscheidende Impulse bei der Entwicklung von Donkey Kong und Mario Bros. und kümmerte sich um Spiele wie Kid Icarus und Metroid. Leider war seiner nächsten Erfindung, dem Virtual Boy kein Erfolg beschieden, der im Übrigen dieses Jahr sein 20-jähriges Jubiläum feiert. Es heißt, Nintendo hätte das Produkt zu früh auf den Markt gebracht, was dem "Handheld" das Genick brach. Yokoi nahm den Anlass, um sich im August 1996 nach 31 Jahren von Nintendo zu verabschieden.

Daraufhin gründete er das Unternehmen Koto und zeichnete noch für die Entwicklung des Bandai WonderSwans verantwortlich, bevor ihn 1997 ein tragischer Unfall zu früh aus dem Leben riss. Dieses letzte große Interview gibt einen guten Einblick auf das Genie Yokois.

Schon 1997, als sich die ersten 3D-Konsolen von Sony und SEGA auf dem Markt befanden, spürte Yokoi den Wandel der Spiele weg vom Gameplay hin zum erzählerischen bzw. filmischen Stil. "Momentan ist eine große Vielfalt an Konsolenspielen erhältlich, aber für mich sind die nicht wirklich 'Spiele'", so Yokoi. "Das Wort 'Spiel' bedeutet etwas kompetitives, wo man gewinnen oder verlieren kann. Wenn ich mir die aktuellen Spiele so ansehen, dann sehe ich, dass die Qualität abgenommen hat. Und was ich sehe, sind immer mehr Spiele, die euch das Erlebnis einer kurzen Geschichte oder eines Films geben wollen."

Für ihn waren bereits Spiele von anno 97 solche, die nur die alten Ideen wiederverwerteten und diese durch eine schönere Grafik neu verpackt haben. Yokoi fragte sich, ob Spiele überhaupt versuchen sollten, fotorealistisch zu wirken. "Ich sehe es eher als Minus, wenn die Grafik zu realistisch ist. [...] Selbst wenn ein Spiel nicht die Leistung hat, um komplexe Grafiken darzustellen, denke ich, dass es die eigene Vorstellungskraft ist, die einem die Kraft gibt, diesen einen, kaum erkennbaren Sprite namens Rakete in eine unglaubliche, mächtige und 'echte' Rakete zu verwandeln."

Die Vorstellungskraft sei auch mit ein Grund gewesen, weshalb sich Yokoi beim Game Boy für ein monochromes Display stark machte. "Wenn man zwei Kreise auf eine Tafel zeichnet und sagt, 'Das ist ein Schneemann', wird jeder, der das Bild sieht, den Schnee spüren und alle werden intuitiv erkennen, dass es ein Schneemann ist. Das liegt daran, dass wir in einer Welt der Information leben und wenn man die Zeichnung eines Schneemannes sieht, wird der Kopf wissen, dass die Farbe hierbei weiß ist."

Sobald man erst einmal angefangen hatte, zu spielen, seien die Farben völlig unwichtig geworden. Das bemerkte Yokoi selbst, als er einige NES-Spiele auf einem Schwarz-Weiß-Fernseher spielte. Doch es sei nicht einfach gewesen, das auch Nintendo beizubringen.

Retro-Gaming - Game-Boy-Erfinder Gunpei Yokois letztes großes Interview von 1997

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Nach Nintendo entwickelte Gunpei Yokoi noch den WonderSwan für Bandai
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"Ich musste teilweise meinen Status innerhalb des Unternehmens ausnutzen, um sie in die Richtung zu lenken. Nachdem wir den Game Boy veröffentlicht hatten, kam einer meiner Mitarbeiter mit einem düsteren Ausdruck zu mir und sagte, 'Da ist ein neues Handheld auf dem Markt, das unserem ähnelt...'. Das erste, was ich fragte war, 'Hat es einen Farbbildschirm oder ist es monochrom?' Er teilte mir mit, dass es in Farbe sei und ich versicherte ihm, 'Dann haben wir nichts zu befürchten'".

Auch wenn Yokoi Nintendo den Rücken gekehrt hatte, bedeutete das nicht, dass er keine Ideen mehr hatte. Ganz im Gegenteil, er war voller Elan und sprudelte nur so vor Ideen.

"Als ich ein Kind war, gab es soviele Dinge, die ich machen wollte und die nicht möglich waren, weil sie entweder zu teuer waren oder weil es die Technologie noch nicht gab. Heute sind zehn oder zwanzig Jahre vergangen und die Ideen, die ich aufgegeben habe, können nun tatsächlich realisiert werden. Die 'My Puzzle'-Amusement Machine ist so eine Idee von vor zwanzig Jahren. Hätte ich damals versucht, sie zu bauen, hätte es um die 30 Millionen Yen gekostet. Damals gab es keine Video-Printer. In diesem Sinne haben wir heutzutage viele Möglichkeiten, die Träume unserer Jugend zu verwirklichen."

Offenbar wollte Yokoi auch genau das tun - alte Träume, vielleicht alte Ideen für Spielzeuge statt Videospiele verwirklichen. Er habe sogar das Hobby Videospiele teilweise eingestellt, um sich Hobbies zu widmen, die nicht nur sein Gehirn beschäftigen, sondern auch seine anderen Sinne. Steine sammeln und Fischen nannte er seine neuesten Hobbies. Leider nahm sein Leben ein abruptes Ende, als er am 4. Oktober 1997 in einen Autounfall geriet. Doch seine Errungenschaften wie der Game Boy werden für immer in der Erinnerung verbleiben.