Heidi aus Schweden ist die wahrscheinlich leidenschaftlichste Sammlerin von Retro-Konsolen und -Spielen. Und sie betreibt ihre eigene Retro-Gaming-Seite. In einem ausführlichen Interview sprach sie nun über ihr teures, aber auch tolles Hobby.

Retro-Gaming - Diese junge Dame ist ein waschechter Retro-Video-Gamer/-Sammler

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Heidi inmitten ihrer beeindruckenden Sammlung (Bild von http://retro-video-gaming.com)
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Retro-Gaming? Was wie das Sammeln von Antiquitäten klingt, ist in Wahrheit ein Begriff und eine Tätigkeit, die erst in den letzten zehn Jahren so richtig ins Rollen gekommen ist. Zuvor herrschte bei vielen eine regelrechte Wegwerf-Mentalität: Eine neue Konsole wurde mit dem Verkauf der alten finanziert, alte Pappschachteln oder Konsolenverpackungen wurden nach dem Kauf direkt weggeworfen oder derart schlecht behandelt, dass sie als Hülle keinen Wert mehr hatten, kurz gesagt, das Bewusstsein für den Wert einer Konsole und der Spiele war bei vielen zu Beginn der jüngsten Unterhaltungsform noch nicht gegeben (und bei vielen auch heute noch nicht).

Und wenn man sich einen Sammler von Retro-Konsolen vorstellt, dann sind es meist Typen Ende 30 bis Anfang 50, die mit akribischer Genauigkeit ihre Bestände erweitern und mit Adleraugen nach dem suchen, was sie noch brauchen, um es ihrer Sammlung hinzuzufügen - nur um diese dann nicht zu spielen. Jemanden wie Heidi aus Schweden haben wahrscheinlich nur die wenigsten vor Augen, wenn sie sich einen Sammler vorstellen. Doch die leidenschaftliche Gamerin ist eine ebenso leidenschaftliche Sammlerin mit einer beeindruckenden Retro-Gaming-Sammlung, bei der einem die Kinnlade herunterklappt.

Alles begann damit, dass sie nie bekam, was sie wollte

Heidi, bekannt unter ihrem Nick Heidi stopXwhispering ist Jahrgang '84. Und doch begann ihre Gamer-Laufbahn erst mit 18 - 19 Jahren herum mit der PlayStation 2 von Sony, die sie nur erhielt, weil sie ihrem Vater erzählte, die PS2 sei ein ganz besonderer DVD-Player, den sie benötige. Zuvor konnte sie ihrer Leidenschaft nur bei Freunden oder Verwandten frönen. Mit ihren eigenen Ersparnissen kaufte sie sich dann zusätzlich eine Xbox. Doch die damals aktuellen Konsolen reichten ihr nicht und so kaufte sie sich nach und nach all die Konsolen und Spiele, die sie als Kind so liebte. NES, SNES, Sega Master System, Mega Drive, N64, you name it. Über Ebay ersteigerte sie sich sogar einen der infamen Virtual Boys von Nintendo. Diese frühe 3D-Handheld/Konsole weckte dann endgültig den Sammlertrieb in ihr.

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Das ist ja schon ein Museum! (Bild von retro-video-gaming.com)
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Das ist keine Sammlung - das ist ein spielbares Museum!

Schaut man sich die Bilder zu ihrer Sammlung an, dann kommt man nicht umhin, sie mit einem Museum zu vergleichen - nur schöner und heimeliger eingerichtet. Eins ist klar: da steckt eine Menge Geld drin. Über 200 Konsolen und Handhelds sowie über 5300 Spiele teilen sich den Platz. Das teuerste Spiel in ihrer Sammlung sei Space Invaders für den Virtual Boy, das einen Sammlerpreis von rund 510 Dollar besitzt. Heidi schnappte sich das Spiel für 500 Dollar auf Ebay und feierte ihre Beute auf ihrer eigenen Seite. Ein Freund habe ihr auch eine noch in Folie verschweißte Version von A Legend of Zelda: A Link to the Past (Wert ca. 500 Dollar) geschenkt, das sie bislang noch nie geöffnet habe, obwohl sie sonst der Auffassung sei, dass man Spiele auch spielen müsse. Doch Heidis Herz gehöre insbesondere ihren kuriosen Konsolen wie dem Virtual Boy, ihrer Vectrex-Sammlung und ihren alten Heimcomputern wie dem C64.

Eine Reihe, die sie ganz besonders liebe, sei die Castlevania-Reihe von Konami. Das sieht man auch. Die Sammlung hat nicht nur eine eigene Rubrik auf ihrer Seite, sie besitzt auch nahezu jedes Spiel, das jemals erschienen ist - für jede Plattform. Selbst die ollen Tiger-Handhelds befinden sich in ihrer Sammlung. Nur die MSX-Version fehle ihr noch zur Komplettierung. Das sei aber nicht weiter tragisch, denn sie besitze nicht einmal den MSX Heimcomputer. "Das macht nichts. Ich könnte es ohnehin nicht spielen", so Heidis Kommentar.

Retro-Gaming ist mehr als Nostalgie

Wie bei vielen begann Heidis Sammelleidenschaft damit, dass sie all die Spiele nachholen wollte, die sie als Kind nicht spielen konnte oder gar nicht erst kannte. Doch es sei nicht nur die Nostalgie, die sie so anziehend findet, es ist auch das Gameplay und das "Feeling" der alten Videospiele.

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Heidi auf der Suche nach neuen alten Videospielen (Bild von geekygals.net)
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"Die Leute von damals hatten nur begrenzten Speicherplatz auf Cartridges und Kassetten für ihre Spiele, daher mussten sie die Spiele unterhaltsam machen, indem sie ein echtes 'Feeling' hinzufügten. Egal ob es das Feeling bei der Steuerung deines Charakters, die Art und Weise wie er/sie/es sprang oder das Feeling bei der Platzierung der Gegner, um das Spiel herausfordernd zu gestalten oder wie wie sie die Geschichte erzählten", so Heidi. "Die meisten Spiele kann man in unter einer Stunde durchspielen, aber es benötigt Übung und Skill, um sie zu schlagen. Und das liebe ich."

Das sei ihr wesentlich lieber als die durch Aufleveln künstlich auf über 150 Stunden aufgeblähten aktuellen Titel, denen es an "Spelglädje", an Spielspaß mangele.

Das Vergnügen wird immer teurer

Ihr einziges Problem mit Retro-Gaming sei die Tatsache, dass Retro, wie so oft in anderen Bereichen mittlerweile auch, eine regelrechte Hochkonjunktur erlebe. Jetzt, wo so viele Leute mit dem Sammeln begonnen haben, steigen auch die Preise und es sei kaum noch möglich, Schnäppchen zu machen, so wie vor 13 Jahren, als sie richtig mit dem Sammeln loslegte. Das sei auch der Grund dafür, dass sie sich in letzter Zeit mehr den Heimcomputern wie dem ZX Spectrum oder dem klassischen C64 widme. "Aber ich wette, auch hier wird es sich ändern."

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Mädelsabend bei Geeky Gals Gathering (Bild von geekygals.net)
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Auch ihr "Game Room" werde immer voller und voller und Heidi wolle sich aber auch nicht von liebgewonnenen Sammelstücken trennen. Sie treffe sich auch regelmäßig mit ihren Freunden, um gemeinsame Zockerabende zu veranstalten und selbst wenn sie ein Spiel nicht möge, könne es ja sein, dass jemand anderes dieses Spiel zu schätzen wisse.

Bei all dem Retro-Fieber schätze sie selbstverständlich auch aktuelle Konsolen und Spiele. Ihre Favoriten sind 3DS und Xbox One.

Mehr zu Heidi

Wer mehr über ihre Sammlung erfahren will, sollte auf ihre Seite Retro-Video-Gaming gehen, oder sich auf ihrer Instagram-Seite von wunderbaren Bildern betören lassen. Auf ihrem Youtube-Kanal gibt es in unregelmäßigen Abständen auch Clips von und mit ihr zu sehen. Über Twitch kann man ihr beim Zocken auch über die Schulter schauen.

In diesem Video von vor zwei Jahren zeigt Heidi ihre Sammlung. Man kann wohl davon ausgehen, dass seitdem einiges dazugekommen ist:

Was meint ihr? Das ist doch eine mehr als beeindruckende Sammlung, oder?

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