Erst kürzlich twitterte Entwickler Brian Provinciano, dass sich Retro City Rampage hervorragend über PSN verkauft hat. Erhältlich ist der Mix aus Hommage und Parodie sowohl über PSN, Xbox Live, Steam wie auch über den Wii-Shop. Allerdings verriet Provinciano in einem Interview mit Nintendo Life, dass die Wiiware-Version mehr als "Geschenk" gedacht sei.

Retro City Rampage - Wiiware-Version war ein "20.000-Dollar-Geschenk"

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Auch Elemente aus Mario- und Zelda-Spiele sind unverkennbar
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Als Fan der NES-Konsole hätte Brian Provinciano Retro City Rampage ursprünglich im 8Bit-NES-Style geplant. Doch die Pläne änderten sich und das 8Bit-Prinzip schränkte Entwickler Provinciano doch zu sehr ein und so entschied er sich, das Ganze nochmal von Grund auf zu programmieren.

Es sei von Anfang an geplant gewesen, Retro City Rampage als Multiplattform-Titel zu konzipieren. Doch die Wiiware-Version sei mehr als ein "20.000 Dollar teures Geschenk" gedacht, denn das wäre der Betrag, den Provinciano aufbringen musste, um Retro City Rampage für die Wii zu portieren. Ein hoher Betrag für einen Indie-Entwickler, den er sich leicht hätte sparen können, indem er das Spiel einfach nicht für die Wii portiert hätte.

Provinciano hätte allerdings sein Wort halten wollen, da Nintendo das erste Unternehmen gewesen sei, dass ihm eine Entwickler-Lizenz vergab. Zudem seien sowohl Nintendo of America als auch Nintendo of Europe sehr zuvorkommend gewesen, hätten einerseits Ratschläge gegeben wie auch selbst welche angenommen und wären in seinen Augen echte Spieleliebhaber. So hätte er immer das Gefühl gehabt, mit Freunden zu sprechen, statt mit einem gesichtslosen Unternehmen. Dasselbe könne er auch von Sony sagen.

So gut seine Beziehung zu den Vertretern von Nintendo auch gewesen sei, so schwer war auch die Entwicklung. Mittlerweile seien die zwei größten Hindernisse für Entwickler jedoch beseitigt, wofür Provinicano Nintendo großes Lob ausspricht.

"Die Bestimmungen hatten die besten Absichten, waren aber in beiden Fälle sehr problematisch. Die erste Bestimmung war die Forderung nach einem Büro. Als ein Ein-Mann-Unternehmen hätte ich die meiste Zeit von zuhause aus arbeiten können. Stattdessen musste ich mir ein Büro mieten. Nur für mich und die Entwicklungshardware. Dadurch brauchte ich einen nicht unerheblichen Teil des Kontos auf, welches ich jahrelang angespart hatte, um die Vollzeit-Entwicklung des Spieles sichern zu können."

Das zweite Problem sei eine Verkaufsschwelle gewesen. Wer nicht genug verkauft, erhält kein Geld. Dies sei zwar auch wiederum eine Methode gewesen, Ramschware zu verhindern, doch gäbe es generell wenig Wii-Besitzer, die Spiele vom Wii-Shop runterladen würden.

Daher würden nur die wenigsten Entwickler genug Einheiten verkaufen können, was mit ein Grund für die mangelnde Wiiware sei. Auch Brian Provinciano hätte 20.000 Dollar sparen können. 20.000 Dollar, die er unter anderem für Büromiete, Hardware, Versicherung und Game Ratings ausgeben musste. Doch er sähe diese Investition als eine Art Geschenk für die Fans an. Zudem hätte er eben sein Versprechen halten wollen.

"Ich bin froh darüber, dass es endlich veröffentlicht wurde und über die vielen glücklichen Spieler. Ich möchte alle dazu ermutigen, das Spiel zu kaufen. Ich drücke meine Daumen, dass es die Schwelle zumindest in einer Region erreichen wird."

Warum die Wiiware-Version allerdings erst im Februar diesen Jahres erschien, während die Versionen für PSN und Steam bereits seit einem Jahr zu erwerben sind, läge in erster Linie an einer Bestimmung einer der Mitbewerber (Anm: vermutlich Sony, da Konsolen-Konkurrenz). Doch Provinciano hätte auch wirtschaftlich denken müssen. Und da er bereits annahm, dass die Wiiware-Version keinen Gewinn generieren könne, hätte er die Plattformen priorisieren müssen, um wiederum die Version für den Wii-Shop zu garantieren. Wäre das Spiel nur auf der Wii erschienen, hätte Provinciano im schlechtesten Falle wieder als Angestellter eines Studios arbeiten müssen.

Als weiteren Bonus plane Provinciano das ursprüngliche 8Bit-Projekt als Rom City Rampage auf Steam und Wiiware zu veröffentlichen. Dazu hat er auch ein informatives Making-Of-Video auf Youtube veröffentlicht, welches am Ende der News angesehen werden kann.

Eine weitere Version für den eShop der Wii U oder für 3DS sei momentan allerdings nicht mehr geplant. "Ich habe das Spiel bereits auf mehr Plattformen portiert als jedes andere Ein-Mann-Studio es jemals in der Geschichte getan hat und ich bin nach über drei Jahren ohne Urlaub oder freien Tagen, nach all den langen Stunden am Computer nur noch ausgelaugt und physisch am Ende...Also keine weiteren Pläne für Portierungen...Glücklicherweise kann man auf der Wii U noch immer Wiiware-Spiele kaufen und spielen."

Die Wiiware-Version sei auch inhaltlich zu 100% identisch zu den Versionen der anderen Plattformen. lediglich technische Unterschiede seien aufgrund der schwächeren Hardware der Wii und fehlender Features vorhanden. Zudem wird angenommen, dass Retro City Rampage das letzte große Spiel für Wiiware sein soll.

Momentan habe Provinciano zwar keine direkten Pläne, aber er könne sich gut vorstellen, auch in Zukunft für und mit Nintendo zu entwickeln.

"Momentan befindet sich nichts in der Arbeit, aber nach meiner großartigen Erfahrung mit ihnen, bin ich motiviert, wieder mit ihnen zu arbeiten. Sie sind nicht einfach nur Geschäftspartner, sie sind Freunde von mir geworden. Vom Aufwachsen mit Spielen an der NES- und der SNES-Konsole zum Entwickeln eigener Spiele und schließlich meines eigenen Nintendo-Spieles, ist das der Ort schlechthin, wenn ich darüber nachdenke."

Retro City Rampage ist für Xbox 360, seit dem 16. Januar 2013 für PlayStation Vita und PS3 erschienen. Jetzt bei Amazon kaufen.