Als wären die aktuellen Zukunftsszenarien der Realität nicht bereits beängstigend genug, konfrontieren uns Romane, Filme und Spiele immer wieder mit noch düstereren Vorhersagen. Das JRPG Resonance of Fate macht hinsichtlich solch finsterer Prognosen keine Ausnahme und verfrachtet uns in eine fiktive Zukunft, in der auf der Erde keine Existenz mehr möglich ist.

Giftige Gase haben sich aus unbekannten Gründen auf der Oberfläche verbreitet und alles Leben ausgelöscht. Nur die künstliche Stadt Basel, ein kilometerhoher Turm von babylonischen Dimensionen, der ursprünglich als experimentelles Lebenserhaltungssystem gebaut wurde, bietet einen Zufluchtsort, an dem die Menschheit noch überleben kann.

Steile Lernkurve des Schicksals

Ihr schlüpft in die Rolle einer Gruppe von Söldnern der PMF (Private Militär-Firma), die aus den Charakteren Vasheron, Zephyr sowie Leanne besteht und Aufträge für ihre Kunden erfüllt. Eher zufällig kommen sie dabei Zug um Zug einer Verschwörung auf die Spur. Das von tri-Ace (u.a. Star Ocean und Valkyrie Profile) entwickelte Rollenspiel versetzt euch in eine Welt im Steampunk-Stil voller Gun-Play, die sozial durch eine Art Kastenwesen geprägt ist. Während es sich die reiche Minderheit an der luxuriösen Spitze des monumentalen Bauwerks bequem gemacht hat, fristet der Rest der Überlebenden ein eher kärgliches Dasein.

Resonance of Fate - Da geht der Steampunk ab!

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Die Steam-Punk-Welt ist atmosphärisch gelungen, gehobene grafische Ansprüche erfüllt sie jedoch nicht.
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Bis ihr in diesen elitären Kreis mächtiger Konspiratoren eindringt und die insgesamt 16 Kapitel bewältigt, habt ihr jedoch an einer recht zähen Nuss zu knabbern. Resonance of Fate ist nämlich mit einem durchaus knackigen Schwierigkeitsgrad ausgestattet, der auch von dem umfangreichen Tutorial nur bedingt abgemildert wird. Die Einführung schildert zwar minutiös anhand praktischer Beispiele, wie das komplexe Kampfsystem funktioniert.

Doch selbst hier stolpert man immer wieder über die Feinheiten der Steuerung: Wie werden nun Resonanzangriffe initiiert, und wie aktiviere ich Heldenattacken? So nebenbei an einem Nachmittag werdet ihr die Tiefen des Kampfablaufs sicher nicht ausloten können, dementsprechend steil ist die Lernkurve ausgefallen.

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Die Dungeongestaltung ist meist öde und repetitiv.
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Doch wer am Ball bleibt, wird mit der Zeit durchaus gefallen finden an den actionreichen Kämpfen, die ihr - entgegen üblicher Genrekonventionen - mit Schusswaffen und nicht etwa mit Schwert und Magie bestreitet. Sobald ihr auf der Weltkarte der Oberwelt, deren Hexagons ihr peu a peu offenlegt, auf Feinde trefft, steht eure Gruppe den Widersachern in den üblichen Miniarenen gegenüber. Doch anstatt nun in schematischen und starren Gefechten routiniert einen Zug nach dem anderen abzuspulen, bietet euch Resonance of Fate einen Semi-Echtzeitmix aus Strategie und Action.

Trotz einiger spielerischer Widrigkeiten bietet Resonance of Fate einige durchaus erfrischende Ideen und enorme Spieltiefe.Fazit lesen

Zum einen ist die Wahl der Bleispritzen entscheidend, denn die Schadensarten Streifschaden (Maschinengewehre) und Direktschaden (Pistolen) sind maßgeblich für euer taktisches Vorgehen. Sorgt Ersteres für massive Verletzungen, die mit der Zeit abklingen, könnt ihr eure Kontrahenten nur mit Direktschaden endgültig aus den Latschen pusten und müsst daher genau überlegen, welcher Spielfigur wann mit welcher Knarre ballert.

Mächtige Resonanzattacken

Solange ihr zudem genügend Energiepunkte vorrätig habt, dürft ihr die bereits genannten Heldenaktionen ausführen. Anders als bei normalen Attacken, bei denen ihr eure Waffen aufladet, um anschließend die Gegner zu beschießen, setzt sich eure Spielfigur in Bewegung und lässt sich dabei sogar von euch steuern. Per Knopfdruck vollführen die Kopfgeldjäger artistische Angriffskombos, katapultieren sich in die Luft, fabrizieren Flickflacks und ähnliche Verrenkungen.

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Die Wahl der Schadensart ist entscheidend für die taktische Ausrichtung der Kämpfe.
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Bugsiert ihr den gerade aktiven Helden durch eine gedachte Linie der beiden anderen Protagonisten, erzeugt ihr Resonanzpunkte und könnt anschließend mächtige Dreier-Attacken starten. Die Animationen sind hübsch und abwechslungsreich - was leider nicht auf die Dungeongestaltung zutrifft. In diesem Punkt bietet das JRPG leider nur sterile Tristesse und repetitive Langeweile.

Glücklicherweise verzichtet tri-Ace dafür weitestgehend auf Random Encounters in der Oberwelt. Wer gerade nur ein wenig die begehbare Welt erkunden will, kann vielen Kämpfen aus dem Weg gehen. Die meisten Haupt- und pro Kapitel etwa fünf Nebenaufgaben sind jedoch überwiegend actionreicher Natur. Die hübsch gestaltete Umwelt Basels beeinflusst zudem mit ihrem Tag/Nachtwechsel das Verhalten der Bewohner sowie eurer Feinde, was der Rollenspielatmosphäre zugute kommt. Dagegen kann die nur oberflächliche Kleidung kaum überzeugen, sie beeinflusst die Attribute der Gruppenmitglieder überhaupt nicht und dient damit nur kosmetischen Zwecken. Hübsch auszusehen ist ja schön und gut, besser wäre es, wenn sich anlegbare Gegenstände auch auf die Charaktere auswirkten.

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Wer genügend Energie zur Verfügung hat, darf spektakuläre Heldenaktionen initiieren.
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Wichtig sind allerdings die vielfältigen Upgrades für eure Waffen, die euch mit wirksamen Zielfernrohren, Zusatz-Elementarschaden wie Feuer und ähnlichen Goodies etliche taktische Variationsmöglichkeiten bieten und somit die Spieltiefe erweitern. Diese Ausbauten sind im Gegensatz zu Änderungen an der Bekleidung jedoch in den Kämpfen nicht sichtbar.

Eher enttäuschend ist allerdings die bruchstückhaft erzählte Handlung, von der ihr während der Missionen kaum etwas erfahrt und damit auch ein Stück weit Spannung verloren geht. Die Story wird vorwiegend in passablen Zwischensequenzen nach den einzelnen Kapiteln offenbart bzw. weitergeführt und kommt erst ab etwa der Spielmitte in Fahrt.

Übrigens: Falls ihr Wert darauf legt, alle Nebenmissionen zu absolvieren, müsst ihr das immer vor dem Abschluss eines Kapitels erledigen. Danach sind vorherige Aufgaben leider nicht mehr auswählbar. Immerhin: Soundtechnisch wird das Geschehen hörenswert unterlegt. Während der Kämpfe dominieren rockige Klänge, ansonsten ertönen eher balladeske und zurückhaltende Musikstücke und sorgen für eine stimmige Atmosphäre.