Autor: Nedzad Hurabasic

Eines der wenigen exklusiven Spiele beim PlayStation 3-Verkaufsstart in Europa ist neben Motorstorm der Shooter Resistance: Fall of Man. Kein Wunder, dass der Titel auch entsprechend viel Aufmerksamkeit erhalten hat. Schließlich gelten Actionspiele für viele Konsoleros als das Maß aller Dinge.

Bereits im Vorfeld kamen Vergleiche mit dem in Deutschland indizierten Gears of War (Xbox 360) auf, gilt GoW doch derzeit als der bester Shooter für Microsofts Konsole. Dass der Vergleich aufgrund unterschiedlicher Ausgangslagen (1. Spielegeneration gegen 2. Spielegeneration) eigentlich nicht fair ist, zählt für uns Spieler im Endeffekt nicht. Schließlich sollen wir jetzt unser Geld dafür ausgeben.

Dass sich das im Fall von Resistance: Fall of Man nicht unbedingt lohnen muss, haben wir bei unserem Test herausgefunden.

Entwickler Insomniac Games ist vor allem bekannt geworden durch seine Ratchet & Clank-Serie, die unter Videospielern besonders wegen ihres Ideenreichtums hoch angesehen ist. Die Erwartungshaltung bei Resistance: Fall of Man war also entsprechend hoch - umso größer fällt aber leider die Enttäuschung aus.

Resistance: Fall Of Man - Der erste Shooter für die PS3: Headshot oder Schuss in den Ofen?

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Den Finger immer schön am Abzug lassen, Soldat!
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Statt eines innovativen Stücks Next-Gen-Unterhaltung wird uns nämlich ein im Grunde stinknormaler Shooter vorgesetzt, dem sogar viele mittlerweile selbstverständliche Elemente fehlen. Das Alles beginnt bereits mit der ausgelutschten Hintergrundgeschichte im Zweiten Weltkrieg. Okay, es ist bereits das Jahr 1951 und wir befinden uns theoretisch in einer Art alternativen Vergangenheit, bei der die Erde von fiesen, reptilienartigen Aliens - den Chimera - überfallen wird. Aber Hand aufs Herz: Who cares? Das Ganze wird so uninspiriert vorgetragen, dass einem die Story völlig Schnurz ist.

Packshot zu Resistance: Fall Of ManResistance: Fall Of ManErschienen für PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Endlich mal ein erfrischendes Szenario ...
In der Rolle des US-Soldaten Nathan Hale sollt ihr - wie könnte es anders sein - die Welt vor dem Untergang bewahren. Während des Epilogs, der sich mangels Regenerationsmöglichkeiten fast schon als der spannendste Spielabschnitt präsentiert, werdet ihr von einem außerirdischen Virus infiziert. Jedoch verwandelt sich Hale nicht in eine willenlose Bestie, sondern erhält im Gegenteil außergewöhnliche Regenerationskräfte.

Nach dem spannenden Anfang ist aber schnell die Luft raus, denn ab sofort findet ihr an jeder Ecke mehr als genug Lebensenergie oder erholt euch einfach durch einige Sekunden in Deckung. Dass Resistance: Fall of Man ein ganzes Stück zur Next-Gen-Qualität a la Gears of War oder Rainbow Six: Vegas fehlt, beweisen allein schon die wenig intelligenten KI-Kontrahenten. Taktisches Vorgehen ist den Kameraden leider gänzlich unbekannt. Wie treudoofe Hunde warten sie hinter ihrer Deckung darauf, von euch umgepustet zu werden. Allein die Masse der Gegner hebt den Schwierigkeitsgrad gelegentlich auf ein forderndes Maß. Wirklich schwer ist Resistance deshalb aber zu keinem Zeitpunkt, nicht einmal die Bosskämpfe sind sonderlich schwer.

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Ich hab' das komische Gefühl, wir werden keine Freunde mehr...
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Auch ihr selbst habt abgesehen vom üblichen Run & Gun nicht allzu viele Möglichkeiten. Natürlich könnt ihr beispielsweise hinter Kisten Deckung suchen, echte Interaktion mit der Umgebung wie bei GoW und Co ist aber leider nicht möglich und nimmt dem Spiel jegliche Dynamik. Auch die gelegentlich an eurer Seite kämpfenden Teamkameraden bringen keine Abwechslung in die dröge Ballerei, da sie nur als Kanonenfutter und zur Erzählung der Story dienen. Da ihr euren Kameraden keine Befehle erteilen könnt, seht ihr ihnen ständig beim sinnlosen Sterben zu. Gähn.

Auch das Waffenarsenal kann nicht begeistern. Viele Waffen sind in ihrer Wirkung stark eingeschränkt, bzw. können die Chimera ziemlich viel einstecken. Da verballert man schon mal ein ganzes Magazin, um einen Alien endlich zur Strecke zu bringen. Ja, es gibt Schießprügel, mit denen man seine Feinde quasi "um die Ecke" beharken kann oder sogar durch Wände hindurchballert. Aber so richtig toll ist das schon nach kurzer Zeit auch nicht mehr.

"Keine Sorge, zahlt die Versicherung"
Resistance wird auch dadurch nicht wirklich spannender, dass die Umgebung sehr trostlos und trist daher kommt. Ihr latscht durch Ruinen, die alle grau in grau getüncht sind. Abwechslung von diesem langweiligen Einerlei mit sich häufig wiederholenden Objekten und teilweise erschreckend schwachen Texturen auf PS2-Niveau gibt es nur selten.

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Und noch einer! Ja, kommt her ihr Bestien!
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Zudem ist die Choreografie der Ereignisse oft zweifelhaft und wirkt einfach unrund. Die recht kurzen und allesamt sehr linear gehaltenen Abschnitte werden oft unvermittelt von Zwischensequenzen (die sich nicht abbrechen lassen) oder Ladebildschirmen unterbrochen, echter Spielfluss kommt dadurch nicht auf. Es gibt zwar einige Sequenzen, in denen ihr mit Panzern die Feinde in Schutt und Asche legen könnt - doch die meisten Objekte widerstehen sogar dem härtesten Beschuss. Einige Passagen werden im Geländewagen Panzern absolviert, hat mit Next-Gen hat das aber alles nur ansatzweise etwas zu tun. Resistance: Fall of Man ist deshalb noch kein schlechtes Spiel, aber es ist nicht das, was man von einem PS3-Flaggschiff zum Start der Konsole erwarten könnte.

Den bescheidenen Eindruck kann der Mehrspieler- und Koop-Part des Spiels auch nur bedingt wettmachen. Zum einen wird der Koop-Modus nur offline angeboten. Ihr könnt die Story also leider nur per Splitscreen mit einem Freund zu Hause zocken und nicht mit anderen Leuten übers Netz. Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß und ärgert ungemein.

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Die euch begleitenden Teamkameraden sind nichts weiter als namenloses Kanonenfutter.
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Bleibt der Mehrspieler-Modus, der tatsächlich auch Schlachten für bis zu 40 Spieler gleichzeitig anbietet. Dabei dürft ihr zwischen sechs Modi wählen. Neben den altbewährten Capture the Flag und Deathmatch sind auch taktischeren Varianten wie Durchbruch und Kernschmelze verfügbar. Interessanter Nebeneffekt sind die im Battlefield 2-Stil geführten Online-Ranglisten und Charakterwerte, mit denen ihr neue Ausrüstungsgegenstände und Verbesserungen für eure Figuren freischaltet. Die Amerikaner sind begeistert von diesem Modus und bevölkern in großer Zahl die Spielserver.