Sonys Handheld-Wunder PlayStation Vita lebt ja doch noch! Das neueste Lebenszeichen gehört zur beliebten Resistance-Reihe, kommt aber leider nicht direkt von Insomniac, sondern von Nihilistic Software. Ob das so eine gute Idee war?

PlayStation Vita schwimmt derzeit ein wenig in den Extremen. Gute und miese Software halten sich die Waage. Dazwischen größtenteils gähnende Leere, zumal die Ladenregale nicht unbedingt vor lauter Vita-Titeln zusammenbrechen. Ist einerseits ein Vorteil, da man schnell aussieben kann, mit welchen Anschaffungen man liebäugeln und welche man verschmähen sollte.

Der Nachteil liegt in der reduzierten Auswahl. Games aus dem Segment „brauchbar, aber nicht herausragend“ füllen gerade im ersten Jahr eines frisch eingeführten Systems öfter mal die klaffende Lücke zwischen heiß erwarteten Hitsellern.

Resistance: Burning Skies ist so ein Spiel. Ein First-Person-Shooter ohne höher gesteckte Ziele. Keine Revolution des Genres, keine bombastisches Hardware-Feuerwerk, kein legitimer Grund für Urlaub oder eine Krankschreibung. Einfach irgendein ganz nettes Spiel.

Shooterfutter für ausgehungerte Handheldzocker

Aufmerksame Leser werden womöglich gleich aufschreien: Einspruch, Herr Brown, Resistance ist nicht irgendein Spiel, sondern eine Top-Marke aus dem Exklusiv-Stall der PlayStation. Nun, ich habe ja auch nicht gesagt, dass „Burning Skies“ diese Qualitätsstufe freiwillig erreicht. Es wäre nur unfair, einfach über dieses Spiel herzuziehen, ohne seinen Unterhaltungswert genau einzugrenzen, darum zäume ich das Pferd von dieser Seite auf.

Resistance: Burning Skies - Ob das den Kauf einer Vita lohnt?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 26/301/30
Resistance spielt sich wie auf den großen Konsolen - nur ein bisschen fummeliger.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Tatsächlich preisen Sony und der Entwickler Nihilistic Software das Spin-Off sogar in gewohnter Manier als Systemseller an. Als erster Handheld-Shooter, der standardmäßig zwei Analogsticks verwendet, wie man es von den großen Konsolen kennt. Ein Stick zum Bewegen, einer zum Umschauen – funktioniert so, wie man es kennt. Ein vollwertiges Core-Gamer-Erlebnis für unterwegs. Kann man auch ohne schlechtes Gewissen so stehen lassen, wenn man verschweigt, dass das Spielerlebnis anderweitig schlichtweg unvollständig ist.

Packshot zu Resistance: Burning SkiesResistance: Burning SkiesErschienen für PlayStation Vita kaufen: Jetzt kaufen:

„Resistance: Burning Skies“ greift die Geschehnisse der etablierten alternativen Zeitlinie auf, in der die Menschheit bereits 1951 von gemeinen Aliens überfallen wird. Erzählt wird die Geschichte diesmal aus dem Blickwinkel der Feuerwehrmanns Tom Riley, der seine Familie während des Angriffs auf New York aus den Augen verliert. Weniger heroisch als eher besorgt ballert er auf der Suche nach Frau und Kind eine Menge Chimera-Invasoren über den Haufen und hilft dabei anderen Überlebenden.

Resistance: Burning Skies - Ob das den Kauf einer Vita lohnt?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 26/301/30
Bei schlechten Lichtverhältnissen werden solche Szenen schnell zur Qual.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Abgesehen von der leicht veränderten Steuerung, die vermehrt vom PSV-Fummelscreen Gebrauch macht, sowie ein paar speziell auf Touch-Steuerung optimierten neuen Wummen, entspricht Burning Skies genau dem, was man von der Serie erwartet. Einfach gestaltete, aber dennoch stimmungsvolle Comicbild-Rückblenden vermitteln den Retrocharme der Fünfzigerjahre samt der der von War Of The Worlds entliehenen Widerstand-trotz-Unterlegenheits-Prämisse.

Gerade noch im Zweiten Weltkrieg aufgerieben, bleiben kaum noch Streitkräfte, die den Aliens Paroli bieten könnten. In Sachen Technologie sind die unfreundlichen Besucher den Menschen sowieso weit voraus. Doch kein Grund zum Verzagen. Schon nach wenigen Minuten liegen beliebte Waffen wie der neckische Bohrer wieder im Inventar und der gnadenlose Widerstand gegen die Chimera-Brut erreicht einen frühen Höhepunkt. Gleich. Nach diesem Boss. Nö. Jetzt aber, wenn Kapitel 3 losgeht. Auch noch nicht. Die Ungeduld wächst. Woran liegt's?

Ein ganz brauchbarer Shooter, dem es an guten Ideen und gestalterischer Hingabe fehlt.Fazit lesen

Etwa an der beschränkten künstlichen Intelligenz der Alienbrut? An der matschigen und oft zu stark abgedunkelten Grafik? An der etwas zu gutmütigen Touchscreen-Abfrage? Ja , ja und äh, ja! Und diese Schwächen bedingen einander sogar teilweise.

Schwach angefangen und dann stark nachgelassen

Die Jungs von Nihilistic Software bemühen sich zwar redlich um abwechslungsreiche Feuergefechte, aber spannend sind sie nicht, weil die Gegnerschaar euch unheimlich viel Zeit zur Gegenwehr zugesteht. Mitunter damit ihr genug Luft habt, um eine Granate zu werfen oder eure hochtechnisierte Armbrust nachzuladen. Beides Geschieht über den Touchscreen, versperrt somit die Sicht und dauert oberndrein eine Weile.

Um etwa einen Pfeil einzulegen, spannt man die Sehne der Armbrust per Fingerwisch von oben nach unten. Andere Waffen bieten zielsuchende Geschosse und mehr Spielereien an, die vornehmlich auf den spärlich verteilten Sekundärgeschossen beschränkt bleiben. Reicht das nicht, dann greift ihr zur Granate. Die schnappt man sich mit einem Finger aus dem HUD und platziert sie direkt dorthin, wo sie einschlagen soll.

Die Fummelei kostet ein wenig Zeit und großartig bewegen ist auch nicht drin. Inzwischen wäre es für die Chimera ein Leichtes, hinter die Deckung des Helden zu laufen und ihn in ein Küchensieb zu verwandeln, doch sie halten sich über weite Strecken vornehm zurück. Warum selbst Bosse wenig beeindrucken, bleibt zusätzlich rätselhaft. Wie schrecklich ist schon ein haushoher Mutant, der zwar ein Dach abreißen kann, aber im Gefecht nur unbeteiligt hin und her schaut, bzw. alle Jubeljahre mal Projektile spuckt?

Schwierig wird Resistance: Burning Skies erst durch die Feinarbeit. Die angepriesenen Analogsticks lassen sich spielintern in ihrer Empfindlichkeit anpassen. Einen weit entfernten Weltraum-Schurken, der sich halb hinter der Wand versteckt, auf Kimme und Korn zu bekommen, kann dennoch in nerviger Fummelei ausarten, da die Sticks sehr klein sind. Der Spielraum von Null bis Anschlag fällt auf der PSV vergleichsweise gering aus. Unterwegs, etwa im wackeligen Bus oder in der U-Bahn, grenzt erfolgreiches Zielen an eine unmögliche Aufgabe.

Resistance: Burning Skies - Ob das den Kauf einer Vita lohnt?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 26/301/30
Auch die Touch-Steuerung kommt zum Einsatz, gestaltet sich aber nicht immer optimal.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Selbst zuhause im stillen Kämmerlein fällt das aufgrund der schattigen Schauplätze nicht leicht. Nur voll aufgedrehte Bildschirmhelligkeit bewahrt vor verkniffenen Augen, wenn Tom Riley mal wieder die düstersten Ecken eines verlassenen Wohnblocks inspiziert. Zumal die Chimera gerade in den ersten Spielstufen dazu neigen, farblich mit der Umgebung zu verschmelzen.

Wie so ziemlich alles andere auch. Optisch erinnert Resistance auf der PSV nämlich stark an sehr frühe Multiplattform-Umsetzungen für PS3. Insbesondere Rainbow Six: Vegas drängt sich als Vergleichsmöglichkeit auf. Wechselnde Texturqualität, viele Erd- und Grautöne mit mangelndem Kontrast, grobe Modelle für Freund und Feind... Zudem scheut die Engine Transparenzen wie der Teufel das Weihwasser. Der halb durchsichtige, aber funzelig kleine Lichtschein einer Lampe muss hier bereits als „Heavy Special Effect“ eingestuft werden. Klar, sieht immer noch besser aus als die meisten Spiele vom Nintendo 3DS, aber von Sonys Kraftpaket sind wir Besseres gewohnt.

Resistance: Burning Skies - Ob das den Kauf einer Vita lohnt?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 26/301/30
Auch grafisch holt Resistance: Burning Skies nicht das Mögliche aus der PS Vita heraus.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Es scheint, als ob Nihilistic Software auf dem letzten Drittel schlapp gemacht hätte. Obwohl Resistance: Burning Skies an sich einen ordentlichen Shooter darstellt und dank der etablierten Thematik allseits aus den Vollen schöpfen könnte, fehlt es an der letzten Konsequenz. An beeindruckenden Bossen und cleveren Einfällen, die aus dem endlosen Geballer ein Abenteuer machen. An einem Helden, der auch was zu sagen hat. An Voraussicht bei der Touchscreen-Steuerung. Große Daumen rutschen gerne mal unbeabsichtigt von den Face-Buttons an den sehr nahen rechten Rand des Bildschirms – Kawumm, schon ist eine Granate völlig sinnlos verbraten. Dabei gibt es gar keinen Grund, warum man da je absichtlich hinfassen sollte.

In der Kampagne sind es viele kleine Dinge, die sich am Ende zu einem Bündel an Mängeln summieren, der nicht ignoriert werden kann. Spielbar ist Burning Skies trotzdem, und es ist nicht so, als würde man für den Genuss in der Gaming-Hölle landen. Das Upgrade-System über auffindbare „Grey Tech“-Würfel macht zum Beispiel einiges her und spendiert eine leichte taktische Note, die man in vielen anderen Genrevertretern nicht findet.

Würde der Multiplayer-Modus nicht an geringer Spielerzahl und ständigen Verbindungsproblemen leiden, könnte man Fans der Reihe durchaus dazu auffordern, ein Auge zuzudrücken. Aber mit nur acht Spielern und frustreichem Matchmaking fährt Nihilistic Software sicherlich keine zwingenden Argumente auf.