Ich mag die 50er Jahre. Vor allem, weil einige der besten Science-Fiction-Filme aus dieser Periode stammen. "Der Tag an dem die Erde stillstand" beispielsweise oder auch "Krieg der Welten". Es war eine schrill-bunte Zeit, als die Filme dank Technicolor so langsam Farbe bekamen - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. So kurz nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte Aufbruchstimmung, doch dazu sollte es in Resistance: Fall of Man nie kommen.

In dem PS3-exklusiven Shooter hatte dieser aufgrund einer alternativen Zeitlinie nie stattgefunden. Stattdessen haben Außerirdische für eine viel schlimmere Apokalypse gesorgt und weite Teile der Menschheit ausgerottet oder mit einem fiesen Virus in Zombies verwandelt. Diese Welt war nicht bunt, sie war meist grau in grau gehalten. So wie man sich ein verregnetes Großbritannien vielleicht in Kalifornien vorstellt, der Heimat des Entwicklers Insomniac.

Doch nun, zwei Jahre später, geht der verzweifelte Überlebenskampf der letzten menschlichen Truppen gegen die Chimera weiter. Und führt euch (überwiegend) nach Amerika. Nur alles in viel besser. Und bunt.

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Damals waren wir enttäuscht von dem Werk der Kalifornier, schließlich war auch die Erwartungshaltung bei dem als Vorzeigeshooter der PlayStation 3 angepriesenen Actionspiel besonders hoch. Zu mehr als 08/15-Kost hatte es der einhelligen Meinung nach aber nicht gereicht. Doch 2008 ist alles anders und Resistance 2 ist um mindestens zwei Klassen besser als sein Vorgänger.

Resistance 2 - Der vielleicht beste Shooter des Jahres

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Bei dem Überbiss sollte er mal zum Zahnarzt gehen!
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Er ist ihm in praktisch allen Belangen überlegen. Optisch, spielerisch und auch inhaltlich. Ein Fortschritt auf der ganzen Linie, setzt sich der Titel in diesem Jahr mit an die Spitze des Genres und lässt Konkurrenten wie das zu routinierte Call of Duty 5 hinter sich. Doch wie kommt es zu dieser fast wundersamen Transformation des hässlichen Entleins zum wunderschönen Schwan?

Jetzt in bunt!

Das lässt sich vielleicht am besten am Beispiel eines weiteren Films veranschaulichen: Pleasantville. Die Protagonisten werden darin von den 90ern ins schwarz-weiße Spießertum einer 50er Jahre TV-Serie versetzt. Später, als sich die Lebensgeister in der verschlafenen Vorstadt regen, wird auf einmal alles farbig dargestellt, und genau diesen Eindruck hat man auch nun bei Resistance 2.

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Der Titan fährt jetzt große Geschütze auf.
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Knallige Farben haben das eher an die DDR denn an England erinnernde Einheitsgrau des Vorläufers abgelöst. Doch hinter diesem Paradigmenwechsel steckt viel mehr. Die Szenarien wirken diesmal so ungleich größer, opulenter - sie erreichen oft geradezu epische Ausmaße. Dabei geht es nicht allein um die in Ruinen liegenden Städte, die mit vielen Details (wie Radioreportagen, die an Bioshock erinnern) ein Feeling für diese Zeit vermitteln. Das ganze Drumherum wirkt oft so einschüchternd groß, dass man sich als einsamer Kämpfer in der Haut eines gewissen Nathan Hale verdammt klein vorkommt.

Wenn am Himmel über dem in Flammen liegenden San Francisco Dutzende, riesige Schlachtkreuzer der Chimera kurven, Zigtausende kleinere Angriffsschiffe hin und her schwirren, dann bekommt man einen Eindruck davon, dass man wirklich nur ein kleines Rad im großen Krieg ist. In anderen Momenten schleicht man dagegen durch ein kleines Nest namens Twin Falls in Idaho und kämpft sich durch ein typisches American Diner.

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Selbst über einem US-Kaff patrouilliert ein Geschwader der Chimera.
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Das Setdesign des ca. zehnstündigen Titels gleicht über weite Strecken allerdings häufig einer Berg- und Talfahrt. Stärkere Abschnitte wie die oben erwähnten wechseln sich immer wieder mit Szenen ab, in denen die oft sehr schwachen Texturen (z.B. die Autos!) der PS3 nicht würdig erscheinen. Ausschlaggebend ist jedoch, dass diese sehr abwechslungsreichen Kulissen nicht reiner Selbstzweck sind, sie bestimmen meist den Spielablauf. Szenarien, Kampfablauf, Gegner und sogar die Wahl der für die Situation optimalen Wumme sind häufig miteinander verknüpft.

Trotz kleiner Macken ein echtes Shooter-Highlight!Fazit lesen

Beharkt man sich in engen, klaustrophobischen Tunneln und kleineren Orten häufig mit normalen Gegnern, dienen ausgedehnte Plätze in Großstädten häufig als Hintergrund für Schlachten mit Hunderten von Widersachern aller Art und Größe. Bis hin zum megagroßen Leviathan, der sogar mehrstöckige Wohnhäuser locker überragt.

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Die Gegner attackieren clever in Gruppen.
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Auf die zunächst unsichtbaren Chamäleons trefft ihr dagegen eher in unübersichtlichen Waldgebieten oder in den Schiffen der Chimera, wohin es euch gelegentlich auch verschlägt. Bemerkenswert ist jedoch, dass, obwohl eure cleveren und aggressiven Kontrahenten in der Regel in Horden von mehreren Dutzend attackieren, die Framerate absolut stabil bleib.

Von wegen vorhersehbar

Das soll aber nicht heißen, dass Resistance 2 vorhersehbar wäre. Im Gegenteil. Obwohl dem Spielprinzip ein eher herkömmlicher, linearer Shooterablauf zugrunde liegt und man gelegentlich etwas zu deutlich mit der Nase auf den Fortgang des Spieles gestoßen wird, wird man oft mit unerwarteten Situationen und Überraschungsattacken konfrontiert. Das ist spannend und hält die Motivation hoch. In Kombination mit einem Helden, der nur über sehr wenig Widerstandskraft verfügt, führt das jedoch auch zu sehr vielen nervigen Instant-Toden und Trial & Error-Passagen.

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Unerwartete Situationen stören gelegentlich den Spielfluss.
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Das ist ärgerlich und stört den Spielfluss bisweilen arg, was aufgrund des übergeordneten, eher moderaten, Schwierigkeitsgrades aufgesetzt wirkt. Leider wurde auf den eigentlich guten, in Abschnitte eingeteilten Lebensbalken des Vorgängers verzichtet und stattdessen ein von Spielen wie Call of Duty gewohntes Selbstheilungs-System umgestellt. Die häufigen Tode werden zwar durch ein mehr als faires Checkpointsystem kompensiert, andersrum wäre es mir jedoch lieber gewesen.

Während die Story-Kampagne nahtlos an den Vorläufer anknüpft, gilt das jedoch nicht für das umfangreiche Waffenarsenal. Anders als bei Resistance: Fall of Man dürft ihr hier nicht mehr jede Wumme, sondern immer nur zwei Knarren gleichzeitig mit euch führen. Unter den ein Dutzend Schießprügeln von Freund und Feind befinden sich daher zwar auch einige bewährte Modelle wie das Bullseye oder der M5A2-Karabiner, doch auch Neulinge wie u.a. die 44er Magnum, die portable Minigun Wraith (inklusive kleinem Schutzschirm) oder die rasiermesserscharfen Klingen verschießende V7-Splicer bringen Tod und Verderben über die außerirdischen Invasoren.

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Wie man sieht, ist Resistsance 2 ein explosives Shooter-Feuerwerk.
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Zwar könnten das Trefferfeedback und das Aiming etwas ausgefeilter sein, im Großen und Ganzen funktioniert die Ballerei aber sehr gut und bietet mit interessanten (Sekundärfeuer-)Optionen ein abwechslungsreiches Shooter-Feuerwerk. Ein kleines Manko, das durchaus auch die atmosphärische Schlachtplatte stören kann, ist das Verhalten der ansonsten smarten KI-Feinde: Egal wie viele Kameraden mit uns in die Gefechte ziehen, die Chimera konzentrieren ihr Feuer in der Regel auf unsere Position und lassen alle anderen meist links liegen, wodurch das Gefühl, einer größeren Einheit anzugehören, gestört wird.

Neuer Koop-Modus rockt!

Maßgeblichen Anteil an dem Qualitätssprung von Resistance 2 hat aber nicht nur die stark verbesserte Singleplayer-Kampagne, sondern auch die Einführung eines sehr unterhaltsamen Koop-Modus für bis zu acht Spieler. Zwar wurde leider auf die Implementierung dieses beliebten Features in den Story-Teil des Spiels verzichtet, doch auch der eigenständige Koop-Modus kann mehr als nur überzeugen.

Spielerisch erinnert er ein wenig an das geniale Team Fortress 2, stellt dabei aber nur drei unterschiedliche Klassen zur Auswahl. So gibt es einen Soldaten, der als Hauptwaffe die Minikanone mit sich führt und seine Kameraden mit einem Energiefeld schützt, einen Spezialisten mit Scharfschützengewehr und Munitionsnachschub sowie einen Medic, der Feinden Lebensenergie abzieht und damit seine Verbündeten heilt. Keine Klasse kann ohne die andere erfolgreich sein, denn hier erholt sich die Gesundheit nicht automatisch, was zu einer quasi symbiotischen Verbindung führt, bei der Teamwork für die Erfüllung der Missionen unerlässlich ist.

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Im Koop-Modus muss man sich auf seine Mitspieler verlassen können.
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Je erfolgreicher man die gestellten Aufgaben bewältigt, desto mehr Punkte kassiert man und kann damit seine Spielfigur entsprechend mit neuen Goodies wie Ausrüstung und Waffen bestücken. Diese ständig wechselnden Aufträge versetzen euch in Szenarien, die an die Kampagne angelehnt sind, und sorgen mit wechselnden Zielen für Abwechslung. Auch wenn der fordernde und spaßige Spielablauf momentan noch viel Abwechslung bietet, sollte Insomniac schnell weitere Maps und Missionen nachliefern.

Multiplayer-Fans dürfen sich zudem über einen weiter ausgebautes Teilnehmerfeld freuen. Statt 40, wie im Vorgänger, nehmen nun bis zu 60 Spieler gleichzeitig an den massiven Schlachten teil. Höhepunkt ist jedoch sicher der Skirmish-Mode "Gefecht", bei dem nicht alle Spieler wild und unstrukturiert auf den Maps umherlaufen, sondern zu separaten Trupps zusammengefasst werden, die dynamische Einsatzziele erhalten. Die Erfüllung dieser Aufträge innerhalb der großen Schlachten wird wiederum mit Erfahrungspunkten belohnt.