Mit stolzen 14 Jahren auf dem Buckel gehört Resident Evil Zero fast schon in die Retro-Abteilung. Schwer zu glauben, wenn man all das wunderschön vorgerenderte Material betrachtet, das diesen letzten aller klassischen Resident-Evil-Ableger ziert. Selbst auf dem alten Gamecube sieht das Zombie-Spektakel heute noch nett aus. Dementsprechend hinterlässt die neu aufgelegte HD-Version für PS4, Xbox One und PC einen optisch bemerkenswert guten Eindruck. Ob der Spielspaß noch mithalten kann, steht auf einem anderen Blatt.

Resident Evil-Veteranen kennen das einst Nintendo-exklusive Spin-Off mit dem Anhängsel Zero als letztes Kapitel der klassischen Machart mit vorgerenderten Umgebungen und festen Kamerwinkeln. Sozusagen der Abschluss einer Ära, die von 1996 bis 2002 die Natur des massentauglichen Survival Horror bestimmte. Allerdings ging es um eine Vorgeschichte zum ersten Teil, was sechs Jahre nach dessen Premiere nicht ganz mit den Gefühlen der Fans konform ging. Ein Prequel als Finale? Irgendwie seltsam.

Resident Evil Zero HD Remaster - Duett im Todeszug – jetzt auch in scharf

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Die Schauerepisode im Zug funktioniert auch heute noch gut.
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Bemerkenswert scheint nun, dass Frischlinge den Handlungsverlauf in einem völlig neuen Blickwinkel betrachten. Wer jetzt erst mit den HD-Fassungen in die Saga einsteigt, erlebt in Kombination mit dem Remaster vom Vorjahr und der aktuell vorliegenden Fassung von Zero einen komplett neuen, wenn auch noch immer losen Handlungsbogen.

Ist wahrscheinlich nicht Capcoms größter Beweggrund für die Veröffentlichung. Zero wurde sicherlich vorgezogen, weil die benötigten Grafiken bereits seit der Gamecube-Ära in hoher Qualität vorliegen, wodurch das Stricken einer Remaster-Fassung weit einfacher ausfällt als eine Neuaufbereitung von Resident Evil 2.

Inhaltlich kein großes Problem, da Zusammenhänge nur lose gestrickt wurden, auch wenn ein paar Kulissen auf die Geschehnisse in Resident Evil 2 hindeuten. Am Ende geht es doch nur um ein – wie üblich – hermetisch abgeriegeltes Zombiegemetzel, das ganz eigene Regeln auffährt.

Resident Evil Zero HD Remaster - Evolution VideoEin weiteres Video

Zwei Sticks für zwei Darsteller

Besonders auffällig bei Zero ist der simultane Einsatz zweier Spiefiguren. Statt wie damals üblich zwei Helden nacheinander durch ein ähnliches Szenario zu führen, wechselt man in Zero in Echtzeit zwischen den beiden hin und her oder steuert sie gar über beide Analogsticks gleichzeitig, wodurch Subplots, kleine Rätseleinlagen und das Haushalten mit lebensrettenden Gegenständen ein klein wenig komplexer wirken als bei den früheren Resident-Evil-Adaptionen.

Der letzte der klassischen Resi-Ableger überrascht nur selten und ist viel zu schnell vorbei. Aufgemotzte HD-Optik und kleine Abweichungen vom alten Rezept machen ihn dennoch spielenswert.Fazit lesen

Hauptdarstellerin ist Rebecca Chambers, eine sehr mädchenhafte und übertrieben verletzlich gezeichnete Sanitäterin, die verzweifelt versucht, eine Autoriät abzugeben, aber über das ganze Spiel hinweg wie eine verschreckte Kindergärtnerin wirkt. Immerhin: Ihr Mini-Chemiebaukasten ermöglicht ihr das Brauen diverser Heilmittel. Um die anstehende Reise in einem von Untoten verseuchten Zug zu überstehen, muss Rebecca allerdings mit Billy Coen zusammenarbeiten, einer völlig überzeichneten Karikatur eines Knastbruder-Super-Machos, dessen aufgesetzte Japano-Coolness ungewollte Lacher hervorruft. So lächerlich der Typ auch sein mag – er ist für viele Kampfeinlagen unersetzlich, weil nicht nur widerstandsfähiger als Rebecca, sondern auch angriffstärker.

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Rebecca und Billy sind Abziehbilder, aber wie immer: Wenn man sich drauf einlassen kann...
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Neue Wurzeln

Fans der Reihe streiten sich schon ewig darüber, ob die Geschichte von Zero überhaupt Sinn ergibt. Mal abgesehen davon, dass die STARS-Sondereinheit dadurch noch dilettantischer wirkt, entkräftet das vorgezogene Treffen auf Umbrellas T-Virus die Glaubwürdigkeit der ursprünglichen Herrenhaus-Episode. Koppelt man Zero jedoch von seinen Verpflichtungen im Lore ab, so ergibt die Episode im Zug sehr viel Sinn. Vor allem optisch, denn hier konnte man besonders gut die fortschrittliche Technik hinter den vorgerenderten Grafiken zur Schau stellen.

Der führerlos ins Verderben rollende „Geisterzug“ wackelt stetig und fährt an Lichtquellen vorbei, die sich in umherwirbelnden Gegenständen spiegeln. Dadurch wirkt die Kulisse weit weniger statisch als zuvor. Wackelkamera und begrenzt interaktive Requisiten verstärken das Gefühl, unterwegs zu sein.

Richtig schön schaurig! Und beklemmend noch dazu. Enge Waggons in gedimmtem Licht lassen kaum Platz, den überall präsenten Zombies auszuweichen, gewähren aber zugleich gute Übersicht über das Szenario. Nur eines kauft man den Grafikern nicht ab: Für zweistöckige Waggons sind die Abteile viel zu hoch. Wo auf der Welt gibt’s denn bitte Tunnel und Stromnetze für Waggons von Viermeterfuffzich?

Resident Evil - Vom Gruselschocker zum Mainstream-Shooter: Die Geschichte von Resident Evil

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Sei es drum. Irgendwie muss man die Darsteller ja voneinander trennen können, sonst macht der ganze Kram mit dem Austausch von Munition, Schlüsseln und anderen Gegenständen keinen Sinn. Diese legt man nicht mehr in Kisten ab, sondern lässt sie an beliebiger Stelle auf den Boden plumpsen, auf dass sie später aufgelesen werden. Interessanter Ansatz, gerade mit Hinsicht auf verschachtelte Wege, denen manchmal nur einer der beiden Figuren folgen kann.

Der Rest des Spiels ist Resident Evil in Reinform, um nicht zu sagen nach Schema F. Stilmittel wie etwa Hunde, die durch Fenster springen, wirken genauso aufgewärmt wie das Erscheinen eines obligatorischen Tyrant-Prototyps. Wer nach guten Gründen für den Wechsel zur neuen Spielmechanik in Resident Evil 4 sucht, findet sie hier. Es war alles irgendwie schon einmal da. Mindert nicht zwingend den Spaß am Spiel, sofern man mit der altbackenen Steuerung klarkommt, aber Überraschungen sucht man als Kenner der restlichen Ableger mit der Lupe.

Und wenn man sonst kein Spiel der alten Reihe kennt, außer vielleicht das vorangegangene HD-Remaster? Nun, dann dürften viele der Stilmittel weniger verbraucht wirken. Den Reiz eines schnellen, modernen Spiels wird Resident Evil Zero trotzdem nicht versprühen. Dazu ist die Steuerung mit ihren nervig langsam rotierenden Darstellern zu träge und das gesamte Abenteuer nicht tiefgründig genug. Die Rätsel sind dafür zu plump und kaum hat man sich eingespielt, ist der Spaß auch schon wieder vorbei.

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Die schon damals recht hübsche Optik macht auch heute noch einiges her.
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Knackscharf? Nicht immer, aber immer öfter!

Hinsichtlich der Umsetzung auf PS4, PC und Xbox One ist es verführerisch, auf den Test des vorangegangenen HD-Remakes von Resident Evil 1 zu verweisen, da so ziemlich alle Kritiken auch hier greifen. Das vorhandene Material wurde nicht neu gerendert, sondern anhand der damaligen PC-Dateien aufgeblasen und im 16:9-Format abgelegt, was man leider an einigen Stellen nicht ignorieren kann. Besonders den Details an den Wänden (zum Beispiel Kratzern und Blutflecken) sieht man an, dass sie nicht nativ in HD aufbereitet wurden.

Ist keineswegs zum Davonlaufen, sieht für sein Alter sogar noch sehr ansehnlich aus. Das Ambiente sitmmt einfach. Aber abseits einiger Gegenstände, die nachträglich als Echtzeit-Objekte eingefügt wurden und in seltenen Fällen verstärkten Lichtquellen erfüllen höchsten die Modelle der Hauptfiguren die Anforderungen eines waschechten Remasters. Macht nichts, Resident Evil Zero HD Remaster kostet dafür nicht die Welt.