Wir mögen sie, lieben sie doch irgendwie, diese Zombies. Was wären wir nur ohne sie? Auf jeden Fall um Capcoms große Survival-Horror-Perle ärmer. Die Überlebenden aus Left 4 Dead müssten auf die liebevolle Gesichtsmassage der Infizierten verzichten. Dr. Ned hätte seit kurzem auch keine Insel, müsste wohl oder übel die Füße hochlegen. Tja, ist ja zum Glück nicht so: Die Untoten sind lebendiger denn je und den Resident-Evil-Designern geht der Stoff ebenfalls nicht aus.

Resident Evil: The Darkside Chronicles - Bonuskostüm Trailer7 weitere Videos

Zumindest nicht, solange man Serienkundige auf Rail-Shooter-Pfaden durch bekannte Schauplätze scheuchen und ihnen mit bekannten Handlungsfetzen die dicke Kenn-ich-doch-Brille überstülpen kann. Aber hey: Das sind Erinnerungen im besten Sinne. Solche, die auch nach über zehn Jahren noch im Gedächtnis knistern und die stärksten Momente aus Resident Evil 2 wachrufen, wenn man an brennenden Autos vorbei ins Polizeihauptquartier Raccoon Citys pirscht oder den Schlund des mutierten Riesenkrokodils in der Kanalisation mit einem Granaten-Blei-Auflauf füttert.

Oder die Geschichte auf Rockfort Island damals, die mit Claire Redfield auf der Suche nach ihrem Bruder, mit Steve Burnside und Stinkmorchel Alfred Ashford – Code Veronica, ihr wisst schon…

Resident Evil: The Darkside Chronicles - Ballern bis der Zombie platzt

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 31/361/36
Phasen der Ruhe gibt es nur selten. Meist bricht die Hölle über die Hauptfiguren herein.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Dieses kleine Knäuel nostalgisch geliebter Fetzen entrollt The Darkside Chronicles auf Wii. In drei kapitelweise aufgeschlagenen Akten von jeweils zwei- bis dreistündiger Spieldauer werden sich Kenner oft mit geseufztem Hach-ja-Gemurmel an den Kopf fassen, ein Lächeln aufsetzen und denken: „Jippeeee! Das war weiland schon cool und ist es auch heute noch.“ Einziger Unterschied: Ihr dürft, der ehrenwerte Rail-Shooter-Knigge diktiert, weder selbst laufen noch großartig rätseln wie damals. Hier gibt es nur die Mischung für Männer: den Feuerknopf und zackige Reflexe.

Erst vor einem Monat habe ich den Prequel-Schreck von Dead Space: Extraction verdaut. EA hatte da wirklich großartige Momente in petto, die besten Rail-Shooter-Kamerafahrten seit langem und ein glaubwürdiges Gebilde aus Mimik und Gestik – von angeekelten Kollegen über ihre angstverzerrten Gesichter bis hin zur Verzweiflung ob des Keuchens und Knarrens in dunklen Schächten. So weit schafft es Capcom leider nicht. Was hauptsächlich daran liegt, dass ihr in Darkside Chronicles maximal zu zweit unterwegs seid, also keine dramaturgisch wertvollen und vor allem wehrlosen Kollegen an der Seite habt.

Packshot zu Resident Evil: The Darkside ChroniclesResident Evil: The Darkside ChroniclesErschienen für Wii kaufen: Jetzt kaufen:

Zu zweit gegen den Haufen

Hier gibt es nur zwei je nach Akt variierende Hauptdarsteller, etwa Leon S. Kennedy, Claire & Chris Redfield oder Jack Krauser, den zweiten wahlweise CPU-gesteuert oder am Geschick eines menschlichen Mitspielers hängend. Einsteigen kann Spieler zwo vor jedem neuen Abschnitt, eine Ausstiegsfunktion mitten im Spiel gibt’s nicht, fällt aber aufgrund der kurzen Spieldauer sämtlicher Abschnitte auch nicht ins Gewicht.

Resident Evil: The Darkside Chronicles - Ballern bis der Zombie platzt

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder
Euch erwarten einige hübsch bizarre Bossgegner.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und kooperativ kommt richtig Stimmung auf: Einer ballert in den von links, einer in den von rechts heranschlurfenden Haufen. Wenn sich plötzlich ein haushoher Mutant vor den beiden aufbäumt, dann rattern die Pistolen und Kugeln fressen sich durch seinen Kopf. Oder durch sein aus dem Oberarm wucherndes Auge – ein Gefühl tiefer Zufriedenheit.

Ab und zu schummelt sich eine der beiden Figuren in den Vordergrund, wird von einem Zombie malträtiert und der andere Spieler muss Letzterem die verbliebenen Hirnzellen zersieben. Passiert aber nicht so oft und ist neben den kräftigen und reichlich vorhandenen Bosskämpfen auch fast das einzige Gefühl akuter Bedrohung – schade drum.

Sieben, acht Stunden gute Rail-Shooter-Unterhaltung, die wichtige Zusammenhänge des Resident-Evil-Universums erneut aufrollt.Fazit lesen

Hier baut Dead Space Extraction allein mit der Kameraführung, den CPU-Kollegen, ihren sichtbaren Stimmungsschwankungen und ihrer Verletzlichkeit mehr Stimmung auf, zumal die im All so entscheidenden Kleinigkeiten wie das Schweißen unter Zeitdruck oder sekundäre Feuermodi fehlen. Die Arbeit auf inszenatorischer Ebene war eine Spur dichter, mysteriöser und mit trügerischen Phasen der Stille etwas furchteinflößender, die Kamera geschickter auf den Punkt gebracht.

Resident Evil: The Darkside Chronicles - Ballern bis der Zombie platzt

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 31/361/36
Claire Redfield auf der Suche nach Bruderherz – eine Tour de Force beginnt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Außerdem verlieren die Schockeffekte an Biss, wie auch die Zombies reichlich Hirnmasse lassen müssen. Führt der Weg beispielsweise durch einen Gang voller mit Brettern verbarrikadierter Fenster, dann muss man kein Resident-Evil-Experte sein, um festzustellen: „Ich wette, da greifen gleich Arme durch.“ Und das nicht nur einmal oder zweimal. Gammeln an der Wand Zombie-Leichen in ihrem eigenen Saft, dann könnt ihr ihnen so oft in den Kopf schießen, wie ihr wollt – sie erheben sich ja doch und knabbern an euch, wenn ihr zum zweiten Mal hier durchkommt.

Spätestens wenn die Kamera zum zehnten Mal inmitten der Dunkelheit schnell nach links schwenkt und dort Riesenspinnen einfängt, wo eben noch nichts zu erkennen war, dann lässt man Schock einfach Schock sein und ballert ihnen genüsslich ein Magazin in den Leib. Macht auch so genug Spaß.

Nicht zuletzt, weil die Untoten herrlich stimmig animiert wurden: Mit ihrem letzten bisschen Hirn schleppen sie sich in eure Richtung – stöhnend, grummelnd, die Zähne wetzend. Sie strecken die Arme aus, stürzen sich mit leeren Augen auf euch, torkeln tapsig zurück. Winden sich wie Betrunkene über Schreibtische oder durch Fenster und plumpsen trottelig auf den Boden.

Und sie werden so rabiat zermatscht, dass man sich fragt, warum Left 4 Dead in seiner splatterhaften Natur für den deutschen Markt dermaßen geschändet werden musste. Schwingt man per Z-Taste sowie Nunchuk-Bewegung das Messer, reißen Stücke ihrer Schädeldecke ab und legen das blutrote Innere frei. Fräst man ihnen eine Ladung Blei in die Stirn, platzt die Rübe in einem ausufernden Schwall – Feuer frei ab 18 Jahren. Komisch manchmal, diese USK-Kerle.

Das Beste aus dem Resi-Zoo

Neben Zombies marschieren sämtliche liebgewonnenen Feindbilder des Resident-Evil-Kosmos auf: Licker, Hunde, mutierte Frösche, Krähen, Giganto-Spinnen mit haarigen Beinen im Tante-Ingrid-Stil oder in der Schleimig-und-glatt-Ausgabe. Wie man die am besten empfängt? Mit einem hübschen Arsenal serientypischer Schusswaffen: Von Magnum und Shotgun über die Maschinenpistole bis hin zu pfeilschießendem Bogengewehr, Raketen- und Granatwerfer gibt es ausreichend viele Matschmacher.

Bis zu vier unterschiedliche Waffen könnt ihr auf die Pfeiltasten legen, durchschalten und abdrücken, die Handfeuerwaffe sogar ohne ständiges Schielen auf die Munition – sie fasst unendlich viel davon. Das Heilspray wird übrigens ganz komfortabel automatisch geleert, wenn ein Spieler zu Boden geht, oder man drückt die Plustaste, um sich ein grünes Kraut reinzupfeifen.

Resident Evil: The Darkside Chronicles - Ballern bis der Zombie platzt

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder
Die Kulisse hat ihre hellen und ihre zutiefst dunklen Momente. Hier einer der Letzteren.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Nachschub gibt’s nur dann, wenn ihr schnell genug seid. Während der heftigen Kameraschwenks leuchten immer wieder Objekte zwischen zertrümmerten Vitrinen oder in der Ecke, die einer von beiden Spielern einsammeln muss. Oder besser gesagt: sollte. Sie sind die einzige Möglichkeit, überhaupt hilfreiche Items in die Finger zu bekommen. Und die Bemühungen können schnell am großen Wackelgespenst scheitern, an der dermaßen hibbeligen Kameraführung, die einem nur selten mal zwei Sekunden Zeit lässt, dem Inneren von Herrenhaus, Labor und Co. einen ruhigen Blick schenken zu können. Ständig herrscht Bewegung, oft so unruhig, als seien die beiden mit der Handkamera auf Zombie-Jagd. Pausen zum Ausruhen braucht kein Mensch. Und erst recht kein Rail-Shooter.

Wenn man denn überhaupt was sieht. In völliger Düsternis versinkende, nur durch den fahlen Lichtschein der Taschenlampe erhellte Kellergewölbe haben es ebenso ins Spiel geschafft wie die chaotischen Straßenzüge aus Teil 2 und sonnige südamerikanische Dschungeldörfer, die an Teil 5 erinnern. Schade nur, dass der Schattenwurf kein dynamischer ist und dass einige Abschnitte wie die spätere Umbrella-Corporation-Basis in Sachen Texturqualität herb zurückstecken müssen – auch hier war EAs Grusel im All eine Spur stimmungsvoller.

Resident Evil: The Darkside Chronicles - Ballern bis der Zombie platzt

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 31/361/36
Hallo, ihr Kleinen. Was haben wir euch in all den Jahren vermisst.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Erfreulich ist dagegen, dass man die Kulisse sogar in ihren Grundzügen zerstören kann. Es herrschen zwar keine Schieß-alles-zu-Klump-Ausmaße, aber steinerne Büsten zerbröseln in ihre Einzelteile, Bilder fallen von den Wänden und Grammophone werden ordentlich verbeult. Wer wirklich schnell ist, kann aus den Vitrinenresten gülden glänzende Goldbarren fischen, das einzige Zahlmittel, um die Waffen zwischen den Akten aufzurüsten. Ähnlich wie im vierten oder fünften Resident-Evil-Teil werden nach und nach die Magazine vergrößert, die Power der Projektile verschärft oder die Nachladegeschwindigkeit erhöht. Fein und motivierend.